Sonntag, 30. Dezember 2012

WO HU CANG LONG / TIGER AND DRAGON (Ang Lee, 2000)

Als Ang Lees Wuxia-Märchen im Jahr 2000 erschien, belebte es das Genre neu und löste eine (allerdings überschaubare) Welle nachfolgender Filme aus, von denen der bekannteste (und beste) Zhang Yimous Hero ist. 

Doch auch Tiger and Dragon (den "deutschen" Titel werde ich nie verstehen, entweder hätte man den internationalen englischsprachigen Titel ganz übernehmen oder ihn gleich eindeutschen sollen) geizt nicht mit Reizen und hat neben den wunderschönen Landschaftsaufnahmen malerische Sets, perfekt choreographierte Kämpfe und einen nahezu hypnotischen Score zu bieten. Die Story vereint mehrere Handlungsstränge in sich, wobei die verhinderte Liebe zwischen Li Mu Bai und Yu Xiu Lian im Mittelpunkt steht. Und Zhang Ziyi ist bezaubernd wie immer.

Auch wenn mir persönlich Hero noch eine Ecke besser gefällt, lasse ich mich doch immer wieder gerne von diesem filmischen Schmuckstück verzaubern.

 

Freitag, 28. Dezember 2012

THE DARK KNIGHT RISES (Christopher Nolan, 2012)

I never cared who you were.

Nach dem enttäuschenden The Dark Knight, der den bisherigen Tiefpunkt in Nolans Schaffen markiert, bildet The Dark Knight rises einen einigermaßen versöhnlichen Abschluss der Batman-Trilogie. Dabei ist er weit davon entfernt, ein runder stimmiger Film zu sein. Inkonsistent und verkrampft sind Attribute, die weitaus zutreffender erscheinen. Die Story ist dermaßen überladen, dass man den Eindruck hat, Nolan sei das Projekt im Laufe der Dreharbeiten über den Kopf gewachsen. Seine Stärke war bisher, dem Zuschauer eine komplexe Geschichte jederzeit nachvollziehbar darzulegen, spielerisch zwischen verschiedenen Erzählebenen oder -strängen hin- und herzuspringen und als Ergebnis ein rundes, stimmiges Ganzes zu präsentieren. Memento oder The Prestige sind dafür Musterbeispiele. Sein dritter Batman-Film ist davon meilenweit entfernt. Dabei hat mir gerade der realistische Ansatz bei Batman begins so gefallen, der sich deutlich von der gemeinen Comic-Verfilmung unterscheidet. Bei The Dark Knight rises dagegen darf man gar nicht erst anfangen, über einzelne Handlungselemente nachzudenken oder sie gar in einen zeitlichen Kontext einzuordnen.

Neben diesen inhaltlichen Schwächen gibt es auch Positives zu vermelden. Die im Vorgänger im Übermaß vorhandenen Actionszenen wurden stark zurückgefahren und nur noch sparsam eingesetzt. Natürlich sind sie perfekt inszeniert und werden durch Hans Zimmers bombastischen Score kongenial untermalt. Die wunderbare Marion Cotillard wertet jeden Film auf, in dem sie mitspielt und Batmans Gegenspieler Bane strahlt im Gegensatz zu Ledgers Joker echte Gefahr aus.

The Dark Knight rises ist zweifellos ein besserer Film als The Dark Knight geworden, aber das Beste, was man über ihn sagen kann, ist, dass die Batman-Trilogie damit abgeschlossen ist und Nolan endlich wieder Zeit hat, richtig gute Filme zu machen.

Donnerstag, 27. Dezember 2012

DRIVE (Nicolas Winding Refn, 2011)

I don't sit in while you're running it down. I don't carry a gun. I drive.

Nicolas Winding Refn wandelt auf Michael Manns Spuren. Sein namenloser Driver könnte auch dem Universum des Chicagoer Filmemachers entsprungen sein. Eine einsame, verlorene Seele auf der Flucht vor sich selbst. Ein schweigsamer, äußerst disziplinierter Profi, der wegen einer Frau gegen seine Prinzipien verstößt und dabei beinahe draufgeht. 

Stilistisch nimmt Refn Anleihen bei den 80er Jahren, seien es die verschnörkelten, pinkfarbenen Schriftzeichen oder die grauenhafte Synthie-Musik, die kaum zu ertragen ist und dennoch das Geschehen ironisch treffend kommentiert. Ryan Goslings reduziertes Spiel gewährt dem Zuschauer trotz der sparsamen Mimik einen kleinen Einblick in das Seelenleben seiner Figur, behält dabei aber immer eine Unnahbarkeit, die sie einerseits stark, anderseits verletzlich wirken lässt. Die immer wieder eingestreuten Gewaltszenen kommen meist ziemlich überraschend und in extremer Ausprägung. Gosling spielt das großartig, beispielsweise wenn er in der Szene im Aufzug wie irre auf den am Boden liegenden Gegner eintritt und ihm den Kopf im wahrsten Sinne des Wortes zu Brei tritt. Insgesamt ein beeindruckendes Hollywood-Debüt des dänischen Regisseurs. 

Dienstag, 25. Dezember 2012

BLACK RAIN (Ridley Scott, 1989)

I usually get kissed before I get fucked.

Black Rain erzählt vom Aufeinandertreffen der Kulturen, in diesem Fall der japanischen und der amerikanischen, letztere verkörpert durch den Polizisten Nick Conklin. Der kulturelle Konflikt offenbart sich zudem im Auflehnen des jungen Sato gegen den Yakuza-Boss Sugai, der sich den traditionellen japanischen Werten verpflichtet sieht und Sato als vom Leben in Amerika verdorbenen, geldgierigen Emporkömmling betrachtet, dem es an Demut und Ehrgefühl mangelt. 

Sonderlich originell ist das alles nicht, und das Drehbuch ist sorgsam bemüht, nur ja kein Klischee auszulassen. Die Story ist teilweise ziemlich unglaubwürdig und schlägt arge Purzelbäume, dafür punktet Scott wieder einmal auf der visuellen Ebene. Die düsteren, unheilschwangeren Bilder erschaffen eine bedrohlich wirkende Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Und zum Schluss gibt's noch eine richtig gute Schießerei. Nicht unbedingt ein Hightlight in Scotts Schaffen, aber durchaus sehenswert.

Samstag, 22. Dezember 2012

12 ANGRY MEN (Sidney Lumet, 1957)

I have a reasonable doubt now.

Die letzte Sichtung lag verdammt lange zurück und ich hatte schon fast vergessen, wie gut der ist. So gut, dass ich ihn innerhalb von fünf Tagen gleich zweimal geschaut habe.

12 Angry Men war Lumets Kino-Debut, nachdem er zuvor jahrelang nur TV-Serien gemacht hatte, und ich bin der Meinung, dass er danach nie wieder einen Film gemacht hat, der nur annähernd so gut ist wie dieser. Hier passt einfach alles zusammen: die sich aus der Story ergebende Grundkonstellation der 12 Geschworenen, die in einem Raum eingeschlossen gezwungen sind, ein einstimmiges Urteil zu finden, die erstklassige Besetzung, bei der neben einem starken Henry Fonda vor allem Lee J. Cobb herausragt, den ich ohnehin gerne sehe, die brillanten Dialoge und die schnörkellose Inszenierung. Erstaunlich ist zudem, wie viel man über die einzelnen Charaktere erfährt und wie sehr man am Ende das Gefühl hat, sie alle ein Stück weit zu kennen. 

Ein gnadenlos intensives Kammerspiel, dessen Klasse bis heute unerreicht ist. Ein zeitloses Meisterwerk.

Mittwoch, 19. Dezember 2012

THE HOBBIT - AN UNEXPECTED JOURNEY (Peter Jackson, 2012)

Meine Vorfreude auf die Rückkehr nach Mittelerde war so groß, dass ich ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten nicht nur ein örtliches Kino aufsuchte, sondern den Film sogar in Ermangelung einer Vorführung im O-Ton tapfer in der deutschen Synchronfassung schaute, wobei diese mir zumindest halbwegs gelungen erschien.

Der Einstieg in die Geschichte ist etwas langatmig geraten und mit doch eher kindlichem Humor garniert, doch war das ja bei Fellowship of the Ring ähnlich. Sind die Reisenden erstmal unterwegs, lässt man sich als Zuschauer schnell von dem Geschehen auf der Leinwand derart vereinnahmen, dass man alles um sich herum vergisst. Selbst die Nachos-fressenden, schmatzenden Sitznachbarn nimmt man nicht mehr wahr. Vieles kommt einem vertraut vor, beispielsweise die Verfolgungsjagd in felsiger Steppe mit berittenen Orcs. Gab's in ähnlicher Form schon bei The two Towers. Zahlreiche Figuren aus der ersten Trilogie sind wieder mit von der Partie und werden auch allesamt von den selben Darstellern verkörpert. Ist also praktisch wie ein Familientreffen, bei dem man die Verwandtschaft alle Jubeljahre mal sieht.

Die technische Weiterentwicklung ist natürlich nicht zu übersehen. Alles sieht jetzt besser und echter aus als vor 10 Jahren. Besonders deutlich wird das bei der Figur des Gollum. Ansonsten gibt es viel Altbewährtes: tolle Landschaftsaufnahmen, rasante Kameraschwenks, durch und durch sympathische Charaktere, die einem schnell ans Herz wachsen, viele Kämpfe, phantasievolle Kreaturen - ein Extra-Lob für den einarmigen Anführer der Orcs! - kindgerechte Witzchen, einen bombastischen Score und eine zum Greifen dichte Atmosphäre, angesichts derer man schnell vergisst, dass man nicht in Mittelerde weilt, sondern bloß in einem Kinosessel hockt. Nur so richtig episch will es bei den Schlachten noch nicht werden. Abgesehen vom Prolog, der die Vertreibung der Zwerge aus Erebor zeigt, sind das auch handlungsbedingt eher kleine Scharmützel, aber ich schätze, dass sich Jackson das für die kommenden Teile aufgehoben hat.

The Hobbit macht da weiter, wo Lord of the Rings aufgehört hat. Ein bildgewaltiges Abenteuer, das das Kind im Manne hervorbringt. Blöd nur, dass man auf die Fortsetzung ein Jahr lang warten muss. Ich hätte gestern noch stundenlang weitergucken können.

Dienstag, 18. Dezember 2012

BLACK SWAN (Darren Aronofsky, 2010)

 I was perfect.

Black Swan weist einige Parallelen zu The Wrestler auf, sowohl auf der formalen Ebene (Aufnahmen mit der Handkamera, die der Hauptfigur folgt, teils körniges Bildmaterial) als auch auf der inhaltlichen. Beide Protagonisten befinden sich auf einem Selbstzerstörungstrip, wobei dieser bei The Wrestler der Aussichtslosigkeit des eigenen Daseins geschuldet ist, bei Black Swan dem unbedingten Willen, die eigenen Schwächen auszumerzen, dem bedingungslosen Streben nach Perfektion. Und so ist Black Swan in erster Linie ein Film über Besessenheit, wobei dies nicht nur für Nina gilt, sondern auch für ihre Mutter, die beinahe rund um die Uhr über sie wacht und sie von allen äußeren Einflüssen abschirmt, die sich negativ auf die Ballett-Karriere auswirken könnten. Ein ähnliches Schicksal wie ihr eigenes - nämlich die Karriere zugunsten einer ungewollten Schwangerschaft und der daraus resultierenden Kindererziehung aufzugeben - soll ihrer Tochter erspart bleiben.

Schon bei der Sichtung der bisherigen Filme Aronofskys stellt sich rasch die Erkenntnis ein, dass Subtilität seine Sache nicht ist. Der Holzhammer darf es schon sein. Und so wählt er erwartungsgemäß drastische Bilder, um Ninas sich zunehmend steigernde Wahnvorstellungen umzusetzen. Hinzu kommt eine gewisse Erklärbär-Mentalität, die mir schon bei The Wrestler unangenehm aufgefallen ist. Auch dem unterbelichteten Zuschauer müssen schließlich die Zusammenhänge deutlich gemacht werden. Da erzählt dann schon mal der Direktor des Balletts den Tänzerinnen die Geschichte vom Schwanensee, als habe er keine professionellen Tänzerinnen sondern unbedarfte Schulmädchen vor sich. Wobei man generell sagen muss, dass die Dialoge nicht zu den Stärken des Films gehören - und das ist noch freundlich ausgedrückt. Doch schmälern all diese Schwächen das Vergnügen nur unmerklich. 

Natalie Portman trägt den Film praktisch alleine mit ihrer schlichtweg atemberaubenden Performance. Dass sie dafür den Oscar und zahlreiche weitere Preise eingeheimst hat, ist nicht mehr als angemessen. Sie spielt die Rolle der Nina mit einer Intensität, dass einem schon beim Zusehen angst und bange wird. Auch die übrigen Darsteller geben sich keine Blöße und liefern tadellose Leistungen ab, allen voran Barbara Hershey als Ninas vom Ehrgeiz zerfressene Mutter.

Black Swan gefällt mir noch eine ganze Ecke besser als sein außerordentlich gelungener Vorgänger. Auf die weiteren Arbeiten des Herrn Aronofsky darf man gespannt sein.

Donnerstag, 13. Dezember 2012

THE WRESTLER (Darren Aronofsky, 2008)

The world don't give a shit about me.

Aronofskys The Wrestler erzählt vom traurigen Schicksal eines Profi-Wrestlers, der in den 80er Jahren seine Glanzzeit hatte und den rechtzeitigen Absprung nicht geschafft hat. Er zeigt dies in halbdokumentarischem Stil, der sich u. a. im häufigen Einsatz der Handkamera und dem grobkörnigen Filmmaterial äußert. 

Ein kompromissloser Blick auf ein Leben, das nur noch aus Resten zu bestehen scheint: Resten von Ruhm, Resten von Beziehungen, Resten von körperlicher Kraft und Leistungsfähigkeit. Außerhalb des Rings findet Randy kaum Halt und so klammert er sich an die Bühne, weil sie der einzige Ort ist, an dem er noch Bedeutung hat.

Der Film lebt in erster Linie von der grandiosen Leistung Mickey Rourkes, der hier eine der besten Leistungen seiner wechselhaften Karriere abliefert. Er spielt den Wrestler Randy 'The Ram' absolut glaubwürdig und voller Leidenschaft. Die in Reviews oft beschworenen Parallelen zu seinem eigenen Leben kann ich nicht erkennen, doch erscheint er aufgrund seiner Vergangenheit als Profi-Boxer und seinem Image als Rüpel geradezu prädestiniert für die Rolle. 

Nach dem schwachen The Fountain hatte ich Aronofsky schon fast abgeschrieben; nun freue ich mich auf Black Swan, den ich auch noch hier rumliegen habe.

Mittwoch, 12. Dezember 2012

GHOSTS OF MARS (John Carpenter, 2001)

Let's just kick some ass!

Ghosts of Mars habe ich vor etwa 10 Jahren mal gesehen und als Film in Erinnerung behalten, der so schlecht ist, dass er schon wieder gut ist. 

Die neuerliche Sichtung war hingegen ernüchternd. Schlecht ist der Film, keine Frage, aber eben auch nichts weiter. Einer von zahlreichen Tiefpunkten im an ebensolchen nicht armen Wirken des New Yorker Regisseurs. Dabei ist die Story gar nicht mal übel, doch die Umsetzung ist selbst für seine Verhältnisse äußerst stümperhaft. Und der einzige Lichtblick in Person von Pam Grier scheidet relativ früh dahin. Schade um die nette Idee.  

Montag, 10. Dezember 2012

PROMETHEUS (Ridley Scott, 2012)

How far would you go to get your answers?

Wow! Scotts Rückkehr in das Alien-Universum - ob Prometheus jetzt ein "offizielles" Alien-Prequel ist oder nicht sei mal dahingestellt - ist ein Killer! Die Story ist zwar nicht immer schlüssig, gefällt aber durch ihre originelle Grundidee und die Art und Weise, wie die Versatzstücke der bisherigen Alien-Filme eingearbeitet wurden. 

Die Inszenierung ist grandios und kann zudem mit phantastischen Special Effects aufwarten, die jedoch immer storydienlich und nie aus reinem Selbstzweck in die Handlung integriert wurden. Ebenso beeindruckend die tollen Sets, die wesentlich zur dichten Atmosphäre beitragen und die Leistungen der Darsteller, bei denen besonders Michael Fassbender herausragt, aber auch Charlize Theron als gefriergetrocknete Aufseherin gefiel mir ausgesprochen gut. 

Wie schon bei Alien kommen selbige nur selten zum Einsatz, was erheblich zur immensen Spannung beiträgt. Die Krönung ist schließlich die voll automatisierte Abtreibung per Kaiserschnitt - eine der ekelhaftesten und zugleich faszinierendsten Szenen, die ich seit langer Zeit gesehen habe.

Samstag, 8. Dezember 2012

HELLBOY (Guillermo del Toro, 2004)

Hellboy hat meine grundsätzliche Abneigung gegen Comic-Verfilmungen wieder einmal bestätigt. Eine blödsinnige Story, überwiegend schwache Special Effects, Charaktere an der Grenze zur Lächerlichkeit und gähnende Langeweile kennzeichnen del Toros Werk. Die ein oder andere Actionszene hatte zumindest einen minimalen Unterhaltungswert und Selma Blair konnte ein paar optische Reize setzen, doch muss man schon starke Nerven haben, um diesen Murks bis zum Ende durchzustehen. Schon lange habe ich nicht mehr den Abspann eines Films so herbeigesehnt.  

Dienstag, 4. Dezember 2012

RISE OF THE PLANET OF THE APES (Rupert Wyatt, 2011)

Caesar is home.

Ein Prequel zu Planet of the Apes hätte ich nicht unbedingt gebraucht, zumal ich dem ganzen Sequel- und Prequel-Wahn ohnehin noch nie etwas abgewinnen konnte - einiger gelungener Projekte zum Trotz. Umso erfreulicher, dass Rise of the Planet of the Apes weitaus besser geworden ist, als zunächst zu erwarten stand. Natürlich braucht man eine gehörige Portion Großzügigkeit, um über die ganzen Logiklöcher und Fehler in der Handlung hinwegsehen zu können. Mit solcher sehe ich mich zwar grundsätzlich gesegnet, doch drohte mir der Kragen zu platzen, als Caesar aus der Anlage ausbrach, durch halb San Francisco hetzte, auf Anhieb Wills Wohnung fand, dort die Ampullen mit dem Virus holte und damit schließlich die eingesperrten Affen verseuchte, auf dass sie ebenso intelligent werden mögen wie er. Da fragt man sich schon, für wie blöd die Macher des Films ihre Zuschauer halten. Ein weiteres Ärgernis sind die eindimensionalen Charaktere, die vor keinem Klischee haltmachen, allen voran der furchtbar böse Affenpfleger, der nichts Besseres zu tun hat, als die armen Äffchen mit Elektroschocker und Wasserwerfer zu malträtieren.

Trotz all dieser Schwächen hatte ich eine Menge Spaß mit dem Film, was in erster Linie auf die rasante, schnörkellose Inszenierung zurückzuführen ist, die immer in der Spur bleibt und sich nicht in unnötigen Nebenkriegsschauplätzen verliert und in zweiter Linie auf die größtenteils hervorragend gelungenen Special Effects, die den Eindruck vermitteln, man habe es tatsächlich mit echten Affen zu tun. Zudem räume ich ein, dass sich eine gewisse Befriedigung bei mir einstellte in dem Moment, in dem die gequälten Kreaturen begannen, sich zur Wehr zu setzen.

Alles in allem ein rundum sehenswerter Film, der zwar deutliche Schwächen aufweist, mich aber über die gesamte Spieldauer vorzüglich unterhalten hat.

Donnerstag, 29. November 2012

THE GIRL WITH THE DRAGON TATTOO (David Fincher, 2011)

I like working with you.

Ich kenne weder Larssons Roman noch die schwedische Fernsehumsetzung desselben - gute Voraussetzungen also, sich Finchers Adaption unvoreingenommen zu nähern. Und auf Fincher ist wieder mal Verlass. Einen schlechten Film hat er ohnehin noch nicht gemacht, und The Girl with the Dragon Tattoo ist sein bester seit Zodiac

Die ausgesprochen elegante Inszenierung und die düsteren Bilder erinnern an sein Meisterwerk Se7en, auch inhaltlich gibt es gewisse Parallelen. Im Gegensatz zu dessen Story gibt die der Larsson-Verfilmung allerdings nicht viel her. Hier wird kein Klischee ausgelassen und man gewinnt den Eindruck, die schwedische Bevölkerung männlichen Geschlechts würde nur aus geisteskranken Triebtätern bestehen. Dass Fincher dennoch einen so großartigen Film daraus gemacht hat, spricht für ihn. 

Sonntag, 25. November 2012

WOLF (Mike Nichols, 1994)

The worm has turned and it is now packing an Uzi!

Nichols Film kann man durchaus als Metapher auf das rücksichtslose Machtstreben unter Rivalen im Berufsleben interpretieren. Der sprichwörtliche Wolf im Manne sozusagen. Die Ansätze sind vielversprechend, doch nach einem interessanten Beginn verliert sich Wolf zunehmend in einem eher langweiligen Krimi-Plot, zu dessen Gunsten die eigentlich schöne Idee in den Hintergrund tritt. Von den inhaltlichen Ungereimtheiten ganz zu schweigen. 

Unterhaltsam ist das dennoch, alleine Nicholsons Wandlung vom in die Jahre gekommenen desillusionierten Schreibtischhengst zur Kämpfernatur ist die Sichtung wert. Bedauerlich nur, dass man am Ende das Gefühl hat, hier wäre mehr drin gewesen.  

Donnerstag, 22. November 2012

HELL (Tim Fehlbaum, 2011)

Im Jahr 2016 ist die Erdtemperatur um 10°C gestiegen. Das Land ist verödet, die Wälder sind verbrannt, alles Vieh verendet. Marie ist mit ihrer Schwester Leonie und ihrem Freund Phillip in einem Auto unterwegs in der Hoffnung, oberhalb der Waldgrenze Wasser zu finden. Unterwegs machen sie die unliebsame Bekanntschaft mit einheimischen Kannibalen, die Menschen entführen, wie Vieh halten und schlachten.

Zugegeben: Fehlbaums Debut ist nicht sehr originell und kann dem Genre keine neuen Impulse geben, doch spielt er geschickt mit dessen Versatzstücken und fügt diese gekonnt zusammen. Das Ergebnis ist ein äußerst gelungener und homogener Film, dessen grelle, überbelichtete Bilder den Überlebenskampf auf einer verbrannten Erde perfekt in Szene setzen. Die Inszenierung ist zurückhaltend, gesprochen wird wenig. Etwas nervig sind lediglich die schnellen Schnittfolgen während der Actionsequenzen. 

Darstellerisch gibt es nichts zu beanstanden, vor allem Angela Winkler ist eine Wucht. Wenn man kleinlich sein will, kann man einwenden, dass Hannah Herzsprung etwas zu wohlgenährt daherkommt im Hinblick auf den ständigen Mangel an Nahrung und Wasser. Aber egal. Letztlich bietet der Film zwar nichts Neues und der Vergleich zu Hillcoats The Road drängt sich geradezu auf. Im Vergleich zu jenem ist Hell nicht ganz so nihilistisch und auch bei weitem nicht so deprimierend, so dass man diesen auch mal schnell zwischendurch genießen kann. Zudem gibt es hier am Ende sogar einen kleinen Hoffnungsschimmer. Insgesamt eine runde Sache.

Montag, 12. November 2012

TWIXT (Francis Ford Coppola, 2011)

Do you dare go further?

Coppola macht es einem wirklich nicht leicht. Nach dem eigenartigen Youth without Youth und dem erzählerisch wie stilistisch großartigen Tetro fordert er den Zuschauer mit der kruden Horrorgeschichte Twixt heraus. Im Grunde genommen werden zwei Geschichten parallel erzählt, die miteinander verwoben sind: Da ist die Geschichte des mäßig erfolgreichen Schriftstellers Hall Baltimore, der durch einige kleine Käffer tourt, um sein aktuelles Buch zu signieren. In einer kleinen Stadt wurde kürzlich ein junges Mädchen ermordet, das mit einem durchs Herz gerammten Pfahl in der Leichenhalle liegt. Der Sheriff ist überzeugt, dass sie Opfer eines Serienmörders wurde und überredet Baltimore zum Bleiben. In der zweiten Geschichte erscheint Baltimore im Traum der Geist eines 1955 ermordeten jungen Mädchens sowie der Geist Edgar Allan Poes, der einst in dem Hotel, in dem das Mädchen bis zu seiner Ermordung lebte, übernachtet hat und Baltimore in seinen Träumen bei der Aufklärung der damaligen Geschehnisse hilft. Und dann ist da noch der Turm mit den 7 Uhren, von denen jede eine andere Uhrzeit anzeigt und in dem angeblich der Teufel gewohnt haben soll.

Wie schon bei den vorgenannten Filmen bedient sich Coppola einer extrem stilisierten Optik, die er in ähnlicher Form erstmals 1983 bei Rumble Fish anwandte. Die verschiedenen Erzählebenen sind derart miteinander verwoben, dass teilweise kaum zwischen Traum und Realität unterschieden werden kann. Und am Ende bleibt es dem Zuschauer überlassen, sich einen Reim auf das zuvor Gesehene zu machen und herauszufinden, was nun eigentlich passiert ist.

Interessant sind - neben der ungewöhnlichen Optik - die zahlreichen Anspielungen auf Leben und Werk Egar Allan Poes einerseits und Coppolas eigenes Leben andererseits. Das ermordete Mädchen, das Baltimore erscheint, heißt Virginia und war 12 Jahre alt (sah aber wie 13 aus, wie sie selbst sagt). Poe heiratete seine Kusine Virginia Clemm, als diese 13 Jahre alt war. Sein Gedicht The Raven wird mehrfach zitiert, insbesondere das ständig wiederholte Nevermore. Und das lebendige Einmauern bzw. lebendig Begrabenwerden, das Virginia widerfährt, ist ein wiederkehrendes Motiv seiner Erzählungen, hatte er doch selbst zeitlebens große Angst davor. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Verweise auf Poes Werk. Nicht zuletzt ist natürlich auch Baltimores Nachname eine Reminiszenz: Poe verbrachte einen Teil seines Lebens in Baltimore, sein Vater stammte von dort und er (Poe) starb auch dort.

Auch auf Coppolas Leben gibt es mehrere Verweise, in erster Linie natürlich der Tod von Baltimores Tochter durch einen Bootsunfall. Coppolas ältester Sohn starb ebenfalls bei einem Bootsunfall, der sich genauso zugetragen hat, wie der im Film gezeigte Unfall von Baltimores Tochter. Dies gibt Twixt eine sehr persönliche Note.

Twixt ist ein ebenso verstörender wie schöner Film, dessen Komplexität sich bei der ersten Sichtung nicht völlig erschließt. Wirklich verstanden habe ich ihn nicht, aber was macht das schon?

Dienstag, 6. November 2012

THE EXPENDABLES (Sylvester Stallone, 2010)

I promised myself, I'm gonna die for something that counts. 

Stallones Reminiszenz an den klassischen Actionfilm der 80er Jahre ist recht spaßiges Spektakel. Leider sind nur wenige der damaligen "Action-Stars" in der Darstellerriege vertreten, dafür fügt sich Jason Statham hier wunderbar ein. Zudem gibt es eine recht witzige Szene, in der sich die Planet-Hollywood-Inhaber Stallone, Schwarzenegger und Willis ein kurzes Stelldichein geben. 

Im Vergleich zu dem schwachen Rambo gefiel mir The Expendables deutlich besser, obwohl Stallone hier immer noch wie eine geschminkte Tunte aussieht. Aber The Expendables bietet immerhin anständige Action und ließ mich für anderthalb Stunden in seligen Erinnerungen schwelgen. Von der Klasse eines Predator ist das hier natürlich meilenweit entfernt. Und die Szene mit dem rührseligen Mickey Rourke hätte ich auch nicht gebraucht. Dennoch: kuzweilige Unterhaltung bietet The Expendables allemal.

Sonntag, 4. November 2012

PLANET TERROR (Robert Rodriguez, 2007)

I'm gonna eat your brains and gain your knowledge.

Rodriguez' Beitrag zum Grindhouse-Thema hat mich nie sonderlich interessiert, weil ich mit allem, was er nach From Dusk Till Dawn gemacht hat, wenig anfangen kann. Nun wollte es der Zufall, dass ich in den Genuss des Filmchens kam und zu meiner großen Überraschung entpuppte sich das Teil als äußerst unterhaltsame Trash-Granate. Die rund 100 Minuten vergingen wie im Flug, wozu nicht zuletzt die guten Darsteller ihren Beitrag leisten. Die Inszenierung ist betont lässig und will nicht recht zu dem Grindhouse-Thema passen, doch tut das dem Vergnügen keinen Abbruch. 

An Tarantinos Death Proof kommt Planet Terror natürlich nicht heran, aber das konnte man auch nicht ernsthaft erwarten. Und ein Film, in dem Michael Parks mitspielt, kann sowieso nicht schlecht sein. 

Samstag, 3. November 2012

QUANTUM OF SOLACE (Marc Forster, 2008)

I really think you people should find a better place to meet.

Da jetzt ja der neue Bond anläuft wurde es höchste Zeit, die Sichtung des vorletzten Bond-Films endlich nachzuholen. Aufgrund der negativen Kritiken habe ich diese lange vor mir hergeschoben, doch letztlich erwies sich Forster Beitrag zu der Reihe besser als sein Ruf. Die klassischen Bond-Merkmale fehlen fast völlig, der hektische Schnitt nervt und die Aneinanderreihung der vielen Verfolgungsjagden, die so gut wie jedes verfügbare Transportmittel nutzen, wirkt beliebig. So weit, so schlecht. 

Dennoch macht der Film durchaus Spaß. Daniel Craig ist für mich der beste Bond seit Connery, die atemlose Inszenierung sorgt für ständige Spannung und gönnt dem Zuschauer kaum Verschnaufpausen. Die Handlung ist natürlich kompletter Schwachsinn, aber das ist ja bei vielen Bonds so. 

Mit dem, was man sich gemeinhin unter einem Bondfilm vorstellt, hat Quantum of Solace nicht viel zu tun. Der Wiedererkennungswert ist gleich null. Und mit dem tollen Casino Royale kann er sich schon gar nicht messen. Ein unterhaltsamer Film ist es trotzdem geworden.

Mittwoch, 31. Oktober 2012

ALL THE PRESIDENT'S MEN ( Alan J. Pakula, 1976)

If you're gonna do it, do it right.

All the President's Men ist einer der Filme, die ich schon seit Jahren immer mal sehen wollte, es aber aus irgendwelchen Gründen nie geschafft habe. Nun hat es dank Arte also endlich geklappt, wenn auch nur in der deutschen Synchro.

Von der Watergate-Affäre habe ich seinerzeit nichts mitbekommen, damals war ich froh, schon aufrecht gehen zu können. Dennoch kennt man natürlich die groben Fakten. Pakulas Film konzentriert sich auf die Arbeit der beiden Journalisten und stellt deren Ermittlungsarbeit, deren Aufwand man im Google-Zeitalter kaum noch nachvollziehen kann, in den Mittelpunkt seiner Erzählung. Dabei bedient er sich einer ruhigen, äußerst detailverliebten Erzählweise und verzichtet völlig auf vordergründige Spannungselemente. Spannend ist das Ganze natürlich trotzdem, wobei sich die Spannung letztlich auf die Frage reduziert, wie es den Journalisten gelungen ist, den Stein Stück für Stück ins Rollen zu bringen. Der Ausgang der Geschichte Ende ist ja ohnehin bekannt. 

Der Film endet sehr abrupt und deutet den weiteren Fortgang nur noch mit ein paar flüchtig hingeworfenen Schlagzeilen an. Frappierend sind übrigens die Ähnlichkeiten mit David Finchers Zodiac, der sich einer ganz ähnlichen Erzählweise bedient.

Freitag, 17. August 2012

IL GRANDE SILENCIO (Sergio Corbucci, 1968)

Il Grande Silcencio wird ja gerne als Klassiker des Spagetti-Westerns bezeichnet, wird diesem Status meiner Meinung nach aber nur bedingt gerecht. Außergewöhnlich sind hier vor allem zwei Dinge: zum Einen das winterliche Setting, zum Anderen das überraschende Ende, das sowohl die Genre-Konventionen als auch die Erwartungen des Zuschauers unterläuft, letztlich aber einfach nur realistisch ist. 

Der Film krankt in erster Linie an der schwachen Kameraarbeit, die die an sich beeindruckenden Winterlandschaften nur unzureichend in Szene setzt und der dürftigen Inszenierung, die sich beispielsweise im merkwürdig spannungsarmen Showdown bemerkbar macht. Erschwerend hinzu kommt, dass auch der Score des großen Ennio Morricone in keiner Weise überzeugen kann und nach meinem Dafürhalten zu seinen schwächsten Arbeiten zählt. Und nicht zuletzt fehlt es Jean-Louis Trintignant an Charisma und Ausstrahlung, um dem großartig aufspielenden Klaus Kinski ein ebenbürtiger Widersacher zu sein. So nimmt man diesen von Anfang an ungeachtet des Filmtitels als die zentrale Figur wahr. 

Alles in allem ein durchaus unterhaltsamer Western, der aber nicht mal ansatzweise an die Klasse der Leone-Western heranreicht.

Donnerstag, 9. August 2012

TRUE GRIT (Ethan & Joel Coen, 2010)

If them men wanted a decent burial, they should have gotten themselves killed in summer.

Ein ungewöhnlich ernster Film der beiden Brüder, dem der typische Coen-Humor fast völlig abgeht. Das Original mit John Wayne kenne ich nicht, wobei sich die Unkenntnis des Originals bei der Sichtung von Remakes üblicherweise ja als vorteilfhaft erweist. 

Hier gibt's jedenfalls wenig zu meckern: die Darsteller überzeugen ohne Ausnahme - insbesondere Matt Damon hat mich positiv überrascht - und die erdigen Brauntöne verleihen den Bildern eine authentische Atmosphäre. Die Story ist im Grunde genommen belanglos, wobei ich dies nicht als dem Ganzen abträglich empfunden habe. Rundum gelungene Sache also, aber von den besten Coen-Filmen doch ziemlich weit entfernt.  

Samstag, 9. Juni 2012

NEW YORK STORIES (Martin Scorsese, Francis Ford Coppola, Woody Allen, 1989)

Wenn sich drei große New Yorker Regisseure zusammentun, um einen Film über ihre Stadt zu machen, sind die Erwartungen sehr hoch. Das Ergebnis fällt letztlich ernüchternd aus. 

Scorseses Geschichte um den Maler Lionel Dobie ist noch die beste und kann mit beeindruckenden Bildern aufwarten. Zudem ist sie hochkarätig besetzt. Allerdings spielt sie sich fast vollständig innerhalb von Gebäuden ab, so dass der Bezug zu New York in erster Linie über die Einbindung der New Yorker Kunstszene, deren Teil Dobie ist, erfolgt. 

Coppolas Beitrag Life without Zoe ist so schlecht, dass man kaum glauben mag, dass er etwas damit zu tun hat. Es braucht schon eine gehörige Portion Leidensfähigkeit, um dieses Stuss bis zum Ende zu ertragen. 

Woody Allens visuelle Verarbeitung des Ödipus-Komplexes ist originell und recht witzig, krankt aber an der dürftigen Umsetzung. Aus der Idee hätte man mehr machen können. 

Unter dem Strich bietet New York Stories nicht mehr als eine Ansammlung belangloser Geschichten, auf die man gut hätte verzichten können.

Montag, 4. Juni 2012

LAST MAN STANDING (Walter Hill, 1996)

Everybody ends up dead, just a matter of when.

Hills Remake des Kurosawa-Films Yojimbo verlagert die um einige zusätzliche Elemente angereicherte Handlung in das heruntergekommene Wüstenkaff Jericho in der Nähe der mexikanischen Grenze. Obwohl zur Zeit der Prohibition angesiedelt und damit kein klassischer Western sind es doch die Western-Elemente, die den Film dominieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Hill-Filmen, in denen die Actionsequenzen oft entschleunigt sind, bricht die Gewalt hier meist eruptiv aus den Protagonisten hervor und steht damit in krassem Gegensatz zu der trägen Erzählweise. Die Schießereien starten oft völlig unvermittelt ohne Vorwarnung und sind äußerst dynamisch inszeniert. Hill ist nicht an einer Charakterstudie interessiert, vielmehr stehen für ihn ästhetische Aspekte im Vordergrund. Staub, Dreck und Wüstensand sind jederzeit präsent und prägen den extrem stylischen Look des Films. Zynische Oneliner und wüste Schießereien – garniert von einem akzentuiert eingesetzten, großartigen Score. 

Die Figur des „John Smith“ bleibt oberflächlich; man erfährt nicht einmal seinen echten Namen. Willis' Verkörperung des skrupellosen, opportunistischen Gangsters, der nur an seinem eigenen Vorteil interessiert ist, um dann doch wegen einer Frau gegen seine Prinzipien zu verstoßen, ist eine der besten Leistungen seiner Karriere. Kongenial ergänzt wird er dabei von Christopher Walken, der einmal mehr in seiner Paraderolle glänzt.

Last Man Standing ist meiner Meinung nach Walter Hills bester Film, auch wenn ich mit dieser Einschätzung vermutlich alleine dastehe. Und wie nach jeder bisherigen Sichtung musste ich mich zusammenreißen, um nicht gleich nach dem Abspann die DVD von Neuem zu starten. Schlichtweg großartig.

Montag, 9. April 2012

WINNETOU UND SHATTERHAND IM TAL DER TOTEN (Harald Reinl, 1968)

Es ist bestimmt 20 Jahre her, seit ich zum letzten Mal einen Karl-May-Film gesehen habe. Wobei diese Bezeichnung auf Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten nur bedingt zutrifft, da hier lediglich einige der bekannten Figuren des sächsischen Schriftstellers verwendet werden, die Handlung jedoch nichts mit seinen Romanen zu tun hat. Die inhaltlichen Ähnlichkeiten zum Schatz im Silbersee sind allerdings nicht zu übersehen.

Objektiv betrachtet ist Reinls Film nicht sonderlich gut gelungen. Die Story ist ziemlich albern und wiederholt sich zudem ständig; die Kampfszenen - insbesondere der Kampf zwischen Winnetou und dem Roten Büffel - sind schlecht choreografiert und über die Tatsache, dass der von Ralf Wolter verkörperte Trapper Sam Hawkens in allen May-Filmen den Kasper machen muss, habe ich mich schon als Kind geärgert. Und damit nicht genug: hier wird ihm noch Eddi Arent, den ich ansonsten sehr schätze, in der völlig überflüssigen Rolle des Pflanzensammlers Lord Castlepool zur Seite gestellt. 

Und dennoch: im Ergebnis ist Reinl trotz aller Schwächen ein erstaunlich unterhaltsamer Film gelungen, der mit dem jungen Pierre Brice in seiner Paraderolle aufwarten kann. Und Martin Böttchers Filmmusik ist zwar unbestritten kitschig, verfehlt ihre Wirkung aber auch nach mehr als 40 Jahren nicht.

Montag, 20. Februar 2012

U TURN (Oliver Stone, 1997)

Is everyone in this town on drugs?

Oliver Stone lieferte mit U Turn einen bewusst unpolitischen, rein der Unterhaltung dienenden Film ab – eine echte Rarität im Schaffen des Vietnam-Veteranen. Dass er auch das beherrscht, bezeugt dieser fiese kleine Thriller, der zu meinen liebsten Stone-Filmen zählt, auch wenn die Kritik ihm nicht allzu wohlgesonnen war. 

Die überbelichteten, grobkörnigen Bilder lassen den Zuschauer die sengende Hitze im Wüstenstädtchen Superior förmlich spüren und die bereits bei Natural Born Killers verwandten Stilmittel wie Jump-Cuts, wilde Kameraschwenks oder sprunghafte Wechsel der Perspektive verleihen dem Film eine fiebrig-surreale Atmosphäre, die an einen schlechten Drogen-Trip erinnert. Und wie in einem solchen muss sich der arme Bobby auch fühlen, auch wenn sich das Mitleid mit ihm in Grenzen hält angesichts der Trotteligkeit, mit der er von einer Kalamität in die nächste stürzt. (Wobei Jennifer Lopez einem ja durchaus die Sinne vernebeln kann.) 

Neben der schwülen Atmosphäre sind es vor allem die herrlich skurrilen Charaktere, die U Turn seine Würze verleihen. Ein Lob verdient auch das Skript von John Ridley, das durch ständige Wendungen keine Langeweile aufkommen lässt.

Dienstag, 7. Februar 2012

SHUTTER ISLAND (Martin Scorsese, 2010)

Which would be worse: to live as a monster or to die as a good man?

Passend zum Kinostart des neuen Scorsese-Films Hugo habe ich nun endlich den Vorgänger gesehen. Und was soll ich sagen? Scorseses filmische Umsetzung des Lehane-Romans hat mich schlichtweg weggeblasen. 

Die Story gewinnt sicherlich keinen Preis für Originalität und ist in sich nicht immer schlüssig, aber die großartige Inszenierung erstickt jeden aufkommenden Zweifel im Keim. In Sachen Bildregie griff Scorsese wieder einmal auf Robert Richardson zurück, mit dem er u. a. schon bei Casino, Bringing out the Dead oder The Aviator zusammengearbeitet hatte. Zielgenau unterstützt werden die überwältigenden Bilder durch den grandiosen Score von Robbie Robertson, der akzentuiert und pointiert das Geschehen untermalt. 

DiCaprio wird nicht mehr mein Lieblingsschauspieler, aber ich komme nicht umhin, ihm hier eine tadellose Leistung zu bescheinigen. Ben Kingsley und Max von Sydow sind natürlich immer eine Bank.

Nach langer Zeit endlich mal wieder ein Horror-Thriller, der mich in allen Belangen überzeugen konnte.  

Mittwoch, 18. Januar 2012

WINTER'S BONE (Debra Granik, 2010)

I'm a Dolly, bread and buttered and that's how I know Dad is dead.

Ein feiner kleiner Thriller, der durch seine ruhige, zurückhaltende Erzählweise besticht. Angesiedelt in den Ozarks gewährt er einen Einblick in den Lebensalltag einer Gemeinde, die sich weitgehend selbst versorgt und durch Produktion und Konsum der Droge Crystal Meth immer wieder in den Fokus der Obrigkeit gerät. Nur verständlich also, dass man am liebsten unter sich bleibt, zumal jeder mit jedem irgendwie verwandt ist. Aufmerksamkeit von außen kann man ebensowenig brauchen wie Clanmitglieder, die zu viele Fragen stellen oder gar Insiderwissen preisgeben. Die Bestrafung folgt auf dem Fuß, sei es eine zünftige Tracht Prügel oder direkt die finale Lösung.

Auffallend sind die starken Frauenfiguren des Films, die davon zeugen, dass eine Frau auf dem Regiestuhl saß. Winter's Bone schert sich einen Dreck um die gängigen Hollywood-Konventionen und versprüht die rohe, unbändige Kraft des Independentfilms, personifiziert vor allem durch die bärenstarke Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence. Die vielen Laiendarsteller und die detailverliebte Kameraführung verleihen dem Film ein hohes Maß an Authentizität. Die Atmosphäre ist zum Greifen dicht und erzeugt ganz ohne die genretypischen Stilmittel eine immense Spannung. Und als Sahnehäubchen gibt's Sheryl Lee in einer Nebenrolle, die damit den Beweis antritt, dass sie selbst als Hinterwäldlerin eine echte Show ist.

Montag, 16. Januar 2012

GIRL WITH A PEARL EARRING (Peter Webber, 2003)

How hard is it to paint a pretty girl?

Webbers Spielfilm-Debut basiert auf dem gleichnamigen Roman von Tracy Chevalier, der eine fiktive Entstehungsgeschichte zu Vermeers berühmtem Gemälde "Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge" erzählt. 
 
Dabei verlässt sich der Brite in erster Linie auf die ausdrucksstarken Bilder. Bei der Farbgebung hat er sich erkennbar an den Gemälden des Niederländers orientiert. Die detailverliebten Kulissen wirken authentisch und lassen die Delfter Innenstadt des 17. Jahrhunderts vor den Augen des Zuschauers wiederauferstehen. Das zeitgenössische Flair wurde gekonnt eingefangen, die dezent eingesetzte Musik bildet die perfekte Untermalung und sorgt für eine stimmige und dichte Atmosphäre. 

Scarlett Johansson ist perfekt in der Rolle des Dienstmädchens Griet, nicht zuletzt aufgrund ihrer Physiognomie, die erstaunliche Ähnlichkeiten mit dem Mädchen auf dem Originalbild aufweist. Ein wundervoller Film, und ungeheuer entspannend dazu.

Sonntag, 15. Januar 2012

THE ROAD (John Hillcoat, 2009)

Are we still the good guys?

John Hillcoats filmische Umsetzung des gleichnamigen McCarthy-Romans ist einer der schwermütigsten und deprimierendsten Filme, die ich in meinem Leben gesehen habe. Egal wie gut gelaunt man die Sichtung angeht - danach ist zunächst alle Freude am Leben verschwunden und es dauert eine geraume Zeit, bis das Gesehene verarbeitet ist. Ein Film, nach dessen Sichtung man am liebsten seine ganze Familie an sich drücken möchte, um sich zu versichern, dass alles in Ordnung ist. 

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt einen derart hoffnungslosen und nihilistischen Film gesehen habe. Dabei ist er beeindruckend konsequent. Nicht der leiseste Hoffnungsschimmer, nicht das kleinste Anzeichen dafür, dass das Leben in dieser toten, grauen, staubbedeckten Welt noch einen Sinn hat, ist dem Zuschauer vergönnt. Selbst die lange herbeigesehnte Ankunft am Atlantik ist ernüchternd, denn auch die See entpuppt sich als graue, leblose Brühe. Als besonders beeindruckend empfand ich die Leistung des 13-jährigen Kodi Smit-McPhee, der vollkommen ungekünstelt und natürlich agiert. 

Ein sehr beeindruckender Film, den ich aber wahrscheinlich nie wieder sehen will.