Sonntag, 16. Oktober 2011

BIG FISH (Tim Burton, 2003)

 Dying is the worst thing that ever happened to me.

Big Fish ist Tim Burtons Liebeserklärung an die Kunst des Geschichtenerzählens, die er selbst so gut beherrscht. In den Erzählungen Edward Blooms verschwimmen Dichtung und Wahrheit zu einem phantastischen Ganzen, doch enthält beinahe jede noch so aberwitzige Geschichte auch einen Funken Wahrheit. Dies zu erkennen ist ein Prozess, den Blooms Sohn William durchläuft und an dessen Ende er sich mit seinem sterbenden Vater versöhnt, nachdem die beiden zuvor drei Jahre lang nicht miteinander gesprochen haben. 

Burton verarbeitete mit diesem Film auch den Tod seines eigenen Vaters, den er während der Schaffensphase zu verkraften hatte. Von daher ist Big Fish vielleicht Burtons persönlichster Film. 

Im direkten Vergleich mit dem gestern gesichteten Alice in Wonderland wirkt Big Fish erstaunlich bodenständig, was nicht nur auf die storybedingt realistischeren Charaktere sondern vor allem auch darauf zurückzuführen ist, dass hier weitgehend auf CGI verzichtet wurde.

Samstag, 15. Oktober 2011

ALICE IN WONDERLAND (Tim Burton, 2010)

Off with the head!

Burtons Adaption des Carroll-Romans hat mit der Vorlage nicht sonderlich viel zu tun. Zwar hat er viele der Figuren übernommen, daraus jedoch eine eigene Geschichte um die pubertierende Alice gebastelt, die den Übergang vom Kind zur Frau in einer Art Selbstfindungsprozess vollzieht. 

Das Ergebnis ist ein äußerst witziger und geistreicher Film, bei dem es soviel zu entdecken gibt, dass man bei einer Sichtung gar nicht alles erfassen kann. Die Inszenierung ist ähnlich schrill und bunt wie bei seinem Remake Charlie and the Chocolate Factory, den ich ebenfalls sehr mag. Und wie dieser ist Alice in Wonderland in hohem Maße familientauglich, ohne dass er deswegen gleich als Kinderfilm gelten muss. Meine Favoritin unter den Figuren ist die von Helena Bonham Carter hinreißend verkörperte Figur der roten Königin, die erkennbar an die „Virgin Queen“ Elisabeth I. angelehnt ist.

Freitag, 14. Oktober 2011

THE WAY BACK (Peter Weir, 2010)

We've all done terrible things to survive. But don't ever lie to me again.

Nach seinem letzten Film Master and Commander nahm sich Peter Weir sieben Jahre Zeit, bevor er die Flucht von sieben Häftlingen aus einem sibirischen Gulag ins 6.500 km entfernte Indien verfilmte. Der Wahrheitsgehalt der Romanvorlage des Polen Slawomir Rawicz ist umstritten, doch scheint zumindest Weir davon überzeugt zu sein, widmet er seinen Film doch den drei Häftlingen, die 1941 Indien erreichten. Für das Funktionieren des Films ist die Frage, wieviel von der Geschichte letztlich wahr ist, nicht von Belang.

In seinen besten Zeiten stand Weir für unkonventionelle Filme, die den gängigen Hollywood-Konventionen trotzten, auch wenn dies auf seine Arbeiten ab Ende der 80er Jahre nur noch bedingt zutrifft. Doch schon mit Master and Commander besann er sich auf alte Tugenden, und The Way back macht genau da weiter. Die Inszenierung ist betont leise und zurückhaltend. Abgesehen von der kurzen Ausbruchssequenz aus dem Gulag gibt es keine Actionszenen, Musik wird nur selten und dosiert eingesetzt. Gesprochen wird wenig, was die Erschöpfung der Protagonisten umso greifbarer macht. Der eigentliche Hauptdarsteller jedoch ist die Natur. Weir zeigt ihre betörende Schönheit in ausladenden Bildern, die jedoch nicht darüber hinwegtäuschen können, dass sie die einzigen Gefahrenquellen für die Flüchtlinge bereitstellt. Und hier gibt’s die volle Breitseite: Kälte und Hitze, Sandsturm und Schneesturm, selbst Moskitos quälen die Flüchtenden. Hunger und Durst sind ohnehin ständige Begleiter. Eine der besten Szenen des Films ist jene, in der die Flüchtlinge die mongolische Grenze überschritten haben, sich zunächst in Sicherheit wähnen um dann zu erkennen, dass inzwischen auch hier der Kommunismus Einzug gehalten hat.

Über den Schluss kann man geteilter Meinung sein. Natürlich ist er kitschig, doch mit fortschreitendem Alter scheint bei mir auch die Bereitschaft zuzunehmen, mich auf derartige Dinge einzulassen. Vor zwanzig Jahren hätte ich mich wahrscheinlich geärgert, heute sehe ich milde darüber hinweg. Vielleicht erste Anzeichen einer einsetzenden Altersweisheit? Darstellerisch gibt es nichts zu beanstanden, auch wenn ich ein gewisses Unbehagen im Vorfeld angesichts solcher Namen wie Colin Farrell und Ed Harris nicht leugnen will. Doch gerade Farrell gefiel mir ausgesprochen gut in der Rolle des russischen Kriminellen Valka. Da ist es auch stimmig, dass er, der einzige nicht politische Sträfling und zudem überzeugter Stalin-Anhänger, an der russisch-mongolischen Grenze kehrtmacht und in Russland bleibt, auch auf die Gefahr hin, bald wieder in einem Arbeitslager zu landen.

Mit The Way back ist Weir ein ebenso leidenschaftliches wie überzeugendes Plädoyer für die Freiheit und gegen den Kommunismus gelungen, dessen Bildgewalt den Zuschauer die Leiden der Protagonisten beinahe physisch spüren lässt. Bleibt zu hoffen, dass sein nächster Film nicht wieder sieben Jahre auf sich warten lässt.

Sonntag, 9. Oktober 2011

THE SOCIAL NETWORK (David Fincher, 2010)

I'm CEO, bitch!

Nach The curious Case of Benjamin Button ist dies nun schon der zweite Film Finchers, der mich thematisch überhaupt nicht interessiert und den ich nur deswegen gesichtet habe, weil Fincher der Regisseur ist. Hätte irgendein Nobody oder ein von mir nicht so geschätzter Filmemacher den Stoff verfilmt - es wäre mir nicht im Traum eingefallen ihn anzuschauen. Der Grund liegt vor allem darin, dass ich mit sozialen Netzwerken wie Facebook überhaupt nichts anfangen kann, sie nicht nutze, ja die meisten nicht einmal kenne. Warum sollte mich dann ein Film über den Facebook-Gründer interessieren?

Umso erstaunlicher ist es, dass es Fincher auch hier wieder gelingt, mich positiv zu überraschen, sogar mehr noch als bei dem unerwartet guten Vorgänger. The Social Network ist ein ganz hervorragender Film geworden, wobei die Tatsache, dass es eben kein Film über Facebook ist, für mich hilfreich war. Vielmehr erzählt Fincher eine Geschichte über echte und falsche Freundschaften und vom rasanten Aufstieg eines Computer-Nerds zu einem der reichsten Unternehmer der Welt. 

Maßgeblichen Anteil am Gelingen haben die erstklassigen messerscharfen Dialoge Aaron Sorkins, die den Film souverän über die zwei Stunden Laufzeit tragen. Ebenfalls hervorragend sind die Darsteller, allen voran Jesse Eisenberg, der Zuckerberg als eigenwilligen, rücksichtslosen, irgendwo aber auch sympathischen Zeitgenossen spielt. Richtig gut auch Justin Timberlake, der meines Wissens in erster Linie Musiker ist. 

Fincher hält sich in seinem Inszenierungsstil angenehm zurück (wie schon bei Zodiac) und verzichtet auf unnötige technische Spielereien. Dennoch oder gerade deswegen ist The Social Network eine absolute Augenweide. Kongenial ergänzt wird das durch den grandiosen Score des Nine-Inch-Nails-Kopfes Trent Reznor. Großes Kino.

Sonntag, 21. August 2011

HONKYTONK MAN (Clint Eastwood, 1982)

Holy shit! I'm going to Tennessee!

Eastwoods wunderbare Umsetzung von Carliles Roman ist eine bunte Mischung aus Road-Movie, Komödie, Musikfilm und Drama. Ein Film, der trotz seines ernsten Grundthemas gute Laune verbreitet. 

Seine größten Pluspunkte sind die liebenswerten Charaktere: Eastwood in der für ihn ungewohnten Rolle des todkranken Sängers Red Stovall, der seine Musik für die Nachwelt erhalten will, sein junger Neffe Whit, der die Reise nach Nashville als großes Abenteuer begreift und im Laufe derselben erste Erfahrungen mit Sex und Drogen macht oder auch sein Großvater, der zu seinem Geburtsort zurückkehren will, um dort friedlich zu sterben. Zwischendurch werden mal eben ein paar Hühner gestohlen und Red nach Cowboy-Art aus dem Gefängnis befreit. 

Ein toller Film, der sich in seiner unbeschwerten Art qualitativ im oberen Drittel des Eastwood'schen Schaffens bewegt.   

Montag, 8. August 2011

INVICTUS (Clint Eastwood, 2009)

Invictus ist weniger ein Film über Rugby als ein Film über die Überwindung der Apartheid. Und so verwundert es nicht, dass die Figur des Nelson Mandela – mitreißend verkörpert von Morgan Freeman – und seine Politik der Versöhnung im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Die Tatsache, dass Matt Damon daneben regelrecht verblasst, sehe ich nicht als Schwäche, denn dies unterstreicht die Wirkung der Lichtgestalt Mandela zusätzlich. 

Bei der Umsetzung des Stoffes ging Eastwood kein Risiko ein und griff auf die bewährten Mechanismen und Stilmittel zurück. Überraschungen bietet Invictus folgerichtig keine. Schön anzusehen ist er trotzdem, mit Ausnahme des etwas langatmigen Finales.

 

Donnerstag, 4. August 2011

CARS 2 (John Lasseter & Brad Lewis, 2011)

Im Vergleich mit dem doch recht kindlichen Vorgänger bietet Cars 2 einen deutlich tiefgründigeren Humor, der sich u.a. in Anspielungen auf diverse James-Bond-Streifen äußert. Die letztlich belanglose Story ist rasant inszeniert und leidlich spannend, doch wie immer bei Pixar sind es die liebevoll ausgearbeiteten Details und die atemberaubenden Animationen, die den Film so sehenswert machen. 

Insbesondere die Konvertierung der Städte Paris und London in Pixars Autokosmos sind umwerfend gelungen, seien es nun die Wachen des Buckingham-Palace mit ihren Fellmützen oder die Queen als Rolls Royce. Ein Filmspaß für die ganze Familie.

Donnerstag, 7. Juli 2011

THE ROOKIE (Clint Eastwood, 1990)

There's gotta be a hundred reasons why I don't blow you away. Right now I can't think of one.

Eastwoods Abschiedsvorstellung als rücksichtsloser, draufgängerischer Cop ist unzweifelhaft als Kind der 80er Jahre zu identifizieren. Zum Abschluss legt er sich mit einer international operierenden Autoschieberbande an und lässt's dabei nochmal ordentlich krachen. 

Die Inszenierung orientiert sich an den damals gängigen Formeln und bietet demzufolge wenige Überraschungen. Ein paar kernige Oneliner dürfen natürlich nicht fehlen, wobei diese zwar recht amüsant, aber doch weit weniger lustig sind als im vier Jahre zuvor entstandenen Heartbreak Ridge. Auch gerne genommen, eine schlagkräftige Amazone, hier wunderbar verkörpert von der Brasilianerin Sonia Braga, die damit ihrem Partner Raul Julia die Show stiehlt. Zwischendurch weist der Film einige Längen auf, bevor er schließlich in einem actiongeladenen Finale mündet.

Dienstag, 28. Juni 2011

TETRO (Francis Ford Coppola, 2009)

Your opinion doesn't matter to me anymore.

Bennie sucht nach seinem älteren Bruder Angelo, der sich vor Jahren ohne für ihn ersichtlichen Grund nach Südamerika abgesetzt hat und jetzt unter dem Namen Tetro in Buenos Aires lebt. Tetro ist vom Besuch seines Bruders wenig begeistert, wollte er doch damals mit seiner Familie für immer abschließen. Doch die Begegnung mit Bennie bringt Stück für Stück die Schatten der Vergangenheit in Tetros Leben zurück...

Dass der Patient Francis Ford auf dem Wege der Besserung ist, hat sich schon bei Youth without Youth angedeutet, auch wenn dieser mich noch nicht vollends überzeugen konnte. Mit Tetro hingegen knüpft Coppola an seine Schaffensphase zu Beginn der 80er Jahre an, als er mehrere stilistisch recht eigenwillige Werke wie One from the Heart, Rumble Fish oder auch The Cotton Club schuf. Tetro fügt sich hier nahtlos ein und lässt den Zuschauer schnell vergessen, dass seither mehr als 25 Jahre vergangen sind. Die Geschichte wird überwiegend in Schwarzweiß-Bildern erzählt, nur die Rückblenden sind in Farbe gehalten. Das immer wiederkehrende Motiv des Autounfalls zieht sich wie ein roter Faden durch den Film und markiert gleichzeitig mehrere Schlüsselelemente der Handlung. Erst am Ende wird dem Zuschauer offenbart, warum Tetro nach Südamerika ausgewandert ist.

Coppola ist immer dann am besten, wenn er es schafft, seinen hohen künstlerischen Anspruch mit einer mitreißenden Geschichte zu verbinden. Tetro ist dafür ein eindrucksvolles Beispiel. Dies ist auch ein Verdienst der beiden Hauptdarsteller Alden Ehrenreich und Vincent Gallo, wobei insbesondere Letzterer eine eindringliche Vorstellung abliefert. Klaus Maria Brandauer hat zwar nur wenige Szenen, dominiert diese aber durch seine starke Präsenz.

Montag, 20. Juni 2011

THE OUTSIDERS - The Complete Novel (Francis Ford Coppola, 1982)

Boys will be boys.

The Outsiders ist Coppolas erste Verfilmung eines Hinton-Romans. Mit dem unmittelbar darauf folgenden Rumble Fish gibt es viele Gemeinsamkeiten, dessen formale Brillanz erreicht The Outsiders aber nicht. Die 2005 veröffentlichte Langfassung ist entstanden, als Coppolas Enkelin ihn bat, den Film in ihrer Schule vorzuführen, nachdem sie im Unterricht das Buch gelesen hatten. Weil jedoch viele Stellen aus dem Buch im Film fehlten (auch auf Druck des Studios vor der Veröffentlichung) entschloss er sich, eine längere Fassung zu schneiden, deren Aufbau sich an der Buchvorlage orientiert.

Mir ist die Langfassung lieber als die Kinofassung, die ich vor Jahren mal im Fernsehen gesehen und emotional als weit weniger packend empfunden habe. The Outsiders ist weniger ein Film über Gewalt unter Jugendlichen, sondern in erster Linie ein Film über Freundschaft und Familie. Die Gewalt ist zwar immer präsent, geht aber kaum über die übliche Rivalität unter Heranwachsenden hinaus. (Bobs Tod bildet eine kleine Ausnahme, wobei es sich ja nicht um eine vorsätzliche Tötung sondern eher um Notwehr handelte.) Selbst der große Kampf zwischen den Greasers und den Socs am Ende wird ohne Waffen und nach fairen Regeln ausgetragen. Man haut sich gegenseitig auf die Fresse, aber niemand kommt ernsthaft zu Schaden. Bezeichnenderweise ist es die heldenhafte Rettung von Kindern vor dem Verbrennen, die Johnny das Leben kostet. Interessant auch, dass mit Johnny und Dallas gerade die beiden der Greasers ihr Leben lassen, denen der familiäre Rückhalt fehlt.

Freitag, 17. Juni 2011

THE STEEL HELMET (Samuel Fuller, 1951)

Dead man's nothin' but a corpse. No one cares what he is now.

"There is no end to this story" heißt die Einblendung am Schluss des Films. Konsequenterweise hätte Fuller den Film auch mit der Einblendung "There is no beginning to this story" beginnen können. So unvermittelt wie der Zuschauer in die Handlung geworfen wird, wird er auch wieder entlassen. Wobei Handlung schon fast zuviel gesagt ist, denn eine richtige Handlung hat The Steel Helmet gar nicht. Er besteht aus einer lose aneinandergereihten Folge aus Kampfszenen und Dialogen, die kein Ziel zu haben scheinen. Außer das, irgendwie zu überleben. 

Die Figuren bleiben nahezu konturenlos; das ihnen innewohnende Potential wird nur ansatzweise ausgeschöpft. Aber so ist das wohl im Krieg: bevor man seine Kameraden näher kennengelernt hat, sind die meisten schon gefallen.

Montag, 6. Juni 2011

THE MACKINTOSH MAN (John Huston, 1973)

Even the best of politicians have to compromise sometimes.

Ein recht spannender Agententhriller mit einem vollkommen souveränen Paul Newman in der Hauptrolle. 

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Huston sich hier von den James-Bond-Filmen hat inspirieren lassen, wobei The Mackintosh Man dann doch eher in die Kategorie "James Bond für Arme" fällt. Der größte Schauwert sind hier nicht etwa exotische Landschaften, sondern die äußerst attraktive Dominique Sanda. 

Alles in allem ein harmloses aber kurzweiliges Vergnügen.

Freitag, 3. Juni 2011

DEAD RECKONING (John Cromwell, 1947)

The trouble with women is they ask too many questions.

Die beiden Fallschirmspringer Murdock und Drake befinden sich nach Kriegsende auf dem Weg nach Washington, um dort für ihre Verdienste geehrt zu werden. Der Grund für die Reise ist ihnen zunächst nicht bekannt. Als Drake den Hintergrund erfährt, setzt er sich ab. Murdock, der sich das Verhalten seines Freundes nicht erklären kann, versucht dessen Aufenthaltsort in Erfahrung zu bringen und erfährt dabei, dass dieser wegen Mordes gesucht wird und sich der Strafverfolgung nur durch den freiwilligen Eintritt in die Armee entzogen hat. Bevor er ihn ausfindig machen kann, stirbt Drake bei einem Autounfall. Murdock ist von der Unschuld seines Freundes überzeugt und stellt auf eigene Faust Ermittlungen an.

Ein klassischer Film Noir mit den üblichen Zutaten und Bogart in gewohnter Rolle. Kennt man schon aus The Maltese Falcon oder The Big Sleep, macht aber trotzdem immer wieder Spaß. Die sehr maskuline Lizabeth Scott ist als Femme fatale nicht immer überzeugend, doch ist das letztlich der einzige Vorwurf, den man Dead Reckoning machen kann. Die Story gewinnt zwar keinen Preis für Originalität, bietet aber genug Wendungen, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Zudem ist das Ganze souverän inszeniert, und Bogart als unbeugsamer, stets am Rande der Legalität wandelnder Ermittler ist immer wieder eine Schau.

Freitag, 6. Mai 2011

TREMORS (Ron Underwood, 1990)

You'd think after eating all those sheep they'd have to take a dump some place.

Was für ein Spaß! Ich habe Tremors vor vielen Jahren schon mal gesehen und für gut befunden, doch heute machte er mir noch viel mehr Freude als damals. 

Konzipiert als Hommage an die klassischen Monsterfilme der 50er Jahre kredenzt er die perfekte Mischung aus Buddy-Movie, Komödie und actionlastigem Horror. Die rasante Inszenierung bietet Action Non-stop und keine Verschnaufpause. Garniert mit einer Reihe wirklich witziger Oneliner und gesegnet mit einem ganzen Haufen äußerst sympathischer Charaktere, überzeugt Tremors nicht zuletzt auch deshalb, weil er sich selbst nicht zu ernst nimmt. Selbst die Effekte sind ziemlich gut gelungen. 

Ein Film, gegen den man beim besten Willen nichts haben kann und der einfach gute Laune verbreitet.

 

Sonntag, 1. Mai 2011

THE HUNTING PARTY (Don Medford, 1971)

They'll be coming after us, you know.

Ein äußerst harter und zynischer Western, den der TV-Regisseur Medford da abgeliefert hat. Obwohl es sich um eine britische Produktion handelt, ist er dem Italo-Western näher als dem US-Western, was nicht nur auf die spanischen Drehorte, sondern vor allem auf die kompromisslose Inszenierung zurückzuführen ist. Hier wird äußerst blutig gestorben. Nicht umsonst prangt die rote 18er Freigabe auf dem DVD-Cover und unterstreicht damit, dass The Hunting Party kein Film für Zartbesaitete ist.

Brandt Ruger betrachtet die Entführung seiner Frau als Diebstahl seines Eigentums. Dass sie sich in den Anführer der Banditen verliebt, kränkt ihn zutiefst, ändert aber nichts daran, dass er die Diebe unter allen Umständen zur Strecke bringen will. Dabei versetzen ihn seine Präzisionsgewehre erst in die Lage, die Verfolgung aufzunehmen, denn das feige Abknallen aus sicherer Entfernung ist seine einzige Möglichkeit. Dass er mit seinen Kumpels in einem offenen Kampf keine Chance gegen Calders Bande hätte, räumt er anfangs freimütig ein. So geht er mit seinen Männern auf gnadenlose Menschenjagd. In einer der schockierendsten Szenen des Films reiht er die Opfer nebeneinander auf wie ein Jäger seine Beute und macht sich dabei sogar die Mühe, die Leichen aus dem Teich zu schleppen. Selbst seine Männer sind von seinem Verhalten angewidert. Die Treibjagd bereitet ihm sichtlich Vergnügen und so macht er sich einen Spaß daraus, den Anführer Frank bis zum Schluss aufzusparen. Obwohl er ihn mehrmals im Visier hat, lässt er ihn jedesmal entkommen, solange nicht der Rest der Bande erledigt ist.

Die Schlusseinstellung ist phänomenal und vermutlich die einzige Möglichkeit, den Film auf befriedigende Weise zu Ende zu führen.        

Freitag, 29. April 2011

THE HUDSUCKER PROXY (Ethan & Joel Coen, 1994)

Would an imbecile come up with this?

Schrille, völlig überdrehte Komödie der Coens, die mich stilistisch stark an die Filme von Tim Burton erinnerte. Ganz ehrlich: wenn ich den Film ohne jede Vorkenntnis gesehen und den Regisseur hätte tippen müssen, wäre mein Tipp Burton gewesen. Stellenweise fühlte ich mich auch an Gilliams Brazil erinnert, insbesondere die Szenen zu Beginn in der Poststelle. Der von Tim Robbins verkörperte Norville Barnes ist ein derart unsympathischer Zeitgenosse, dass eine Identifikation mit ihm nahezu unmöglich ist. Zudem macht es einem die schrille Art der Inszenierung schwer, auch nur einen einzigen der Charaktere ernst zu nehmen. 

Letztlich hatte ich dann aber aufgrund der zahlreichen witzigen und originellen Einfälle erstaunlich viel Spaß mit dem Film, und ich bin sicher, dass er mit einer zweiten Sichtung wachsen wird.

Montag, 25. April 2011

THE GHOST WRITER (Roman Polanski, 2010)

If we meet any terrorists, I'll text you.

Außen hui, innen pfui - so lautet mein Fazit zu Polanskis neuestem Film. Soll heißen: formal ein wirklich schöner Film, optisch reizvoll, schöne Settings und ein sich stetig steigernder Spannungsbogen. Die Story hingegen ist an Peinlichkeit schwer zu überbieten und strotzt nur so von Ungereimtheiten, Logiklöchern und Absurditäten. Vor allem aber ist die ach so große Verschwörung ein gigantisches Nichts, ein Haufen heißer Luft. 

Alleine schon der Vorwurf, wegen dem der Internationale Strafgerichtshof ein Ermittlungsverfahren gegen Lang einleitet, ist ein schlechter Witz. Ich fragte mich während der Sichtung mehrfach, ob Polanski das alles ernst meint, oder ob The Ghost Writer in Wahrheit eine Agentenkomödie sein soll. Lustig fand ich vor allem die Aussage des Autors und Drehbuchschreibers im Bonusmaterial, dass er und Polanski genau darauf geachtet hätten, dass alles realistisch sei und die Geschichte auch genauso passieren könnte. Na denn...   

ISLANDS IN THE STREAM (Franklin J. Schaffner, 1977)

I know now there's no "one thing" that is true. It is all true.

In sich stimmige Hemingway-Verfilmung, die vor allem mit den tollen Landschaftsaufnahmen zu begeistern weiß. George C. Scott ist die Idealbesetzung für den zurückgezogen lebenden Sonderling Thomas Hudson, der starke Ähnlichkeiten mit Hemingways eigener Persönlichkeit aufweist. 

Überhaupt muss man Schaffner zugute halten, dass sein Film in jeder Szene den Geist des Autors atmet. Dies zeigt sich nicht zuletzt in dem ausgedehnten Kampf mit dem Schwertfisch, den Hudsons Sohn auf sich nimmt, um sich den Respekt seinens Vaters zu erarbeiten. Und am Ende stirbt Hudson einen wahren Heldentod - zumindest darin unterscheidet er sich vom echten Hemingway. Schöner Film.  

Sonntag, 24. April 2011

KEY LARGO (John Huston, 1948)

When your head says one thing and your whole life says another, your head always loses.

Kammerspielartiger, auf einem Theaterstück basierender Gangsterfilm, der weitgehend auf einen Handlungsort, nämlich die Hotel-Lobby, beschränkt ist. 

Der Anfang ist noch recht beschaulich, doch mit zunehmender Spieldauer spitzt sich das Geschehen immer mehr zu. Dabei verlässt Huston sich ganz auf seine Darsteller und die griffigen Dialoge. Dominiert wird der Film natürlich von dem Duo Bogart/Robinson, aber auch Lionel Barrymore hat mir ausgesprochen gut gefallen. Lauren Bacall beschränkt sich weitgehend darauf, Bogart hin und wieder einen schmachtenden Blick zuzuwerfen. 

Gegen Ende nimmt der Film dann nochmal richtig Fahrt auf. Das tolle Finale auf dem Boot entschädigt für die ein oder andere Länge während der vorangegangenen 90 Minuten.

Samstag, 23. April 2011

HELL IS FOR HEROES (Don Siegel, 1962)

He still can't hit anything, but he loads like a genius.

Eine Gruppe von sechs Soldaten, die sich innerlich schon auf die Heimreise gefreut hatte, wird zurück an die Front verlegt. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wird die dort stationierte Kompanie abgezogen, und die kleine Gruppe sieht sich am nächsten Tag alleine einer deutschen Übermacht gegenüber. Es gilt nun, die Stellung zu halten, bis die Kompanie zurückkehrt.

Während die Tricks der Soldaten, den Deutschen eine größere Truppenstärke vorzugaukeln, anfangs durchaus amüsant sind, bleibt einem spätestens nach dem ersten Angriff das Lachen im Halse stecken. Dabei könnte der von Steve McQueen verkörperte Reese ein Vorläufer von John Rambo sein. Wie dieser ist er vom Krieg derart traumatisiert, dass er nur noch als Kampfmaschine funktioniert, im zivilen Leben aber nicht mehr lebensfähig ist. Alleine sein erleichterter Gesichtsausdruck, als er erfährt, dass er nicht nach Hause sondern zurück an die Front geschickt wird, spricht Bände. 

Siegels Film zeigt auf drastische Weise, wie Menschen sinnlos verheizt werden. Da ist wenig Platz für Helden, schon der Titel Hell is for Heroes zeigt die Marschrichtung auf. Am Ende bleibt nur Leere.

Donnerstag, 21. April 2011

GUNFIGHT AT THE O.K. CORRAL (John Sturges, 1957)

If I'm going to die, at least let me die with the only friend I've ever had.

Auch wieder so ein Film, den ich als Kind mehrfach gesehen und geliebt habe und dessen letzte Sichtung bestimmt 18 Jahre zurückliegt. Umso erfreulicher das Wiedersehen, bei dem sich zeigte, dass der Film nicht viel von seiner früheren Faszination verloren hat. 

Für einen Western bietet er relativ wenig Action, die Handlung wird überwiegend durch Dialoge vorangetrieben, bis es dann am Ende die berühmte Schießerei gibt, die dem Film dan Namen gab. Die Rolle des versoffenen Revolverhelden Doc Holliday ist natürlich eine Paraderolle für Kirk Douglas. Dagegen verblasst Burt Lancaster als Wyatt Earp regelrecht. Und so sind dann auch alle Szenen mit Douglas die besten des Films. 

Nicht unerwähnt bleiben soll der großartige Titelsong, der zwar sehr pathetisch und erhaben daherkommt, nichtsdestotrotz hervorragend zum Geschehen passt. Bis zum nächsten Wiedersehen werden sicherlich nicht wieder 18 Jahre ins Land ziehen.

  

Samstag, 9. April 2011

INCEPTION (Christopher Nolan, 2010)

You don't know you're dreaming!

Ich lasse ja keine Gelegenheit aus zu betonen, dass ich Christopher Nolan für einen der, wenn nicht den talentiertesten Regisseur der Gegenwart halte, und auch wenn ich mit dieser Meinung ziemlich alleine dastehe, ist mir das völlig wurscht. Zumal er nicht das erste verkannte Genie der Geschichte wäre. Allerdings will ich nicht leugnen, dass in mir nach dem für seine Standards etwas dürftigen The Dark Knight die Befürchtung aufkam, Nolan hätte das Filmemachen verlernt. Glücklicherweise fegt er mit Inception alle Bedenken beiseite und zeigt, dass er die Gratwanderung zwischen originellem Kopf- und massentauglichem Mainstream-Kino nach wie vor beherrscht.

Inception ist Memento von der Konzeption her sehr ähnlich; beide Filme erzählen im Grunde genommen eine sehr einfache Geschichte: Ersterer erzählt von einem Mann, der in einem Traum (oder vermutlich Koma) gefangen ist, nicht aufwachen kann und sich eine komplexe Traumwelt zurechtspinnt, um seinen Zustand zu verarbeiten. Memento erzählt von einem Mann ohne Kurzzeitgedächtnis, der versehentlich seine diabeteskranke Frau durch eine Überdosis Insulin getötet hat, sich damit nicht abfinden will und sich einredet, sie sei bei einem Einbruch ermordet worden, was ihm Gelegenheit gibt, den nicht vorhandenen Mörder zu jagen. Punkt. Um mehr geht es nicht. Alles andere ist Teil eines großen Verwirrspiels, das den Zuschauer in die Irre und an der Nase herumführen soll. Das Besondere bei beiden Filmen ist, dass Nolan sie nach den ihnen eigenen Regeln inszeniert: während er bei Memento den Zuschauer durch die Erzählweise die Nichtfunktion des Kurzzeitgedächtnisses des Protagonisten selbst erleben lässt, "pflanzt" er ihm bei Inception die Idee ein, dass der dargestellte Traum real ist. Er macht mit dem Zuschauer also das, was Cobb angeblich mit Fischer macht.

Um hier mal beim in Rede stehenden Inception zu bleiben: die ganze James-Bond-mäßige Geschichte um Industriespionage etc. ist alles Blendwerk, das Cobb sich in seinem (komatösen) Traumzustand ausdenkt. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass selbst die Sache mit dem Einstieg in Träume - Deception und Inception - Cobbs Phantasie entspringt und er in Wahrheit einfach in irgendeinem Krankenhaus im Koma liegt. Einmal sagt Mal zu Cobb: No creeping doubts? Not feeling persecuted? Chased around the globe by anonymous corporations and police forces the way the projections persecute the dreamer?

Nolan beherrscht dieses Verwirrspiel derart perfekt, dass man schon genau aufpassen muss, um es frühzeitig zu durchschauen. Bei Memento brauchte ich dafür fast die gesamte Spielzeit, bei Inception dauerte es immerhin rund 75 Minuten, nämlich bis zu der Szene, in der Cobb Ariadne vom "Tod" seiner Frau erzählt. Und trotzdem ist es ihm fast gelungen, mich doch noch auf die falsche Fährte zu führen in dem Moment, in dem Cobb behauptet, Mal die Idee eingepflanzt zu haben, dass ihre Welt nicht real ist und damit Schuld an ihrem Tod zu haben. Umso genialer ist es, wie Nolan das Rätsel dann mit einem einzigen Bild am Ende auflöst: das des sich endlos drehenden Totems.

Beinahe überflüssig zu erwähnen, dass Inception perfekt inszeniert ist. Alleine wie mühelos es Nolan schafft, zwischen den verschiedenen Traumebenen hin- und herzuspringen, ohne den Zuschauer zu irritieren. Der düstere Score von Hans Zimmer passt hervorragend. Darstellerisch gefiel mir vor allem die wunderbare Marion Cottilard, aber auch Leonardo DiCaprio macht seine Sache sehr ordentlich. 

Mittwoch, 6. April 2011

BREEZY (Clint Eastwood, 1973)

I like being alone. 

Eastwoods erster Versuch auf romantischen Terrain erzählt die Geschichte der jungen Herumtreiberin "Breezy", die sich in den alten Immobilienhändler Frank Harmon verliebt, der in Bezug auf den Altersunterschied ihr Großvater sein könnte. 

Herausgekommen ist eine lockeres, harmloses Filmchen, das im Œuvre Eastwoods nicht weiter von Bedeutung ist. Es zeigt allerdings, welch vielseitiger Filmemacher er schon damals war, denn von den beiden Vorgängerfilmen, dem Suspense-Thriller Play Misty for me und dem harten Western High Plains Drifter unterscheidet sich Breezy doch erheblich. Übrigens taucht Zweitgenannter als Selbstreferenz kurz in Form eines Kinoplakats auf, als Breezy und Frank ein Kino besuchen. 

Der Plot ist frei von Überraschungen und weitgehend vorhersehbar und auch wenn es ein (etwas bemühtes) Happy End gibt, ahnt man doch, dass die Liebe der Beiden nicht von langer Dauer sein wird. Insgesamt ganz nett anzuschauen. 

Montag, 4. April 2011

YAO A YAO YAO DAO WAIPO QIAO/Shanghai Triad (Zhang Yimou, 1995)

Der Bauernjunge Shuisheng wird von seinem Onkel nach Shanghai gebracht, um dort der Gespielin eines Triadenbosses zu dienen. Bald kommt es zu einer blutigen Auseinandersetzung zwischen dessen Organisation und einem gegnerischen Clan, in deren Folge der Boss mit seinen engsten Untergebenen auf eine nahegelegene Insel flüchten muss.

Zhangs im Shanghai der 20er Jahre angesiedelter Gangsterfilm steht im weitesten Sinne in der Tradition des klassischen Mafiafilms amerikanischer Prägung. Allerdings fehlen die typischen Zutaten wie ausgedehnte Schusswechsel und dramatische Zuspitzungen fast völlig. Zhang erzählt seine Geschichte in sehr ruhigen, kontemplativen Bildern und richtet den Fokus auf die handelnden Charaktere. So ist ein erstaunlich unblutiger Mafiafilm entstanden, der zudem mit der Zhang-typischen opulenten Ausstattung punkten kann. 

Gong Li ist schlichtweg bezaubernd in der Rolle des Bar-Mädchens Xiao, das sich von dem Triadenboss aushalten lässt, hinter dessen Rücken aber eine Affäre mit seinem engsten Vertrauten hat. Lernt man sie zunächst als gefühllos berechnende Diva kennen, wandelt sich ihr Charakter im Laufe des Films in ein beinahe warmherziges und fürsorgliches Wesen, ausgelöst durch die Begegnung mit der Frau, die mir ihrer Tochter auf der Insel lebt. Im Gegensatz dazu wird der Triadenboss dem Zuschauer anfangs als nahezu sympathisches Opfer einer Verschwörung präsentiert, und es dauert fast bis zum Schluss, bis er seinen wahren Charakter offenbart und sich als eiskalter, gnadenloser Killer entpuppt. 

Samstag, 26. März 2011

THE LONG RIDERS (Walter Hill, 1980)

First getting shot, then getting married - bad habits.

Hills Western werden ja allenthalben starke Parallelen zu den Filmen Peckinpahs nachgesagt, und da ich mit dessen Filmen meist ein Problem habe, wundert es mich nicht, dass ich auch zu The Long Riders nur schwer Zugang fand. Das liegt in erster Linie an den flachen Charakteren, die während der gesamten Spieldauer nicht viel mehr als zweidimensionale Abziehbilder bleiben; man erfährt im Grunde genommen nichts über sie. Lediglich David Carradines Cole Younger bildet hier eine Ausnahme und ist damit auch die interessanteste Figur des Films. 

Hills distanzierte und zurückhaltende Herangehensweise machte mir eine Identifikation mit den handelnden Personen schwer. Schlecht ist The Long Riders dennoch nicht, dafür sorgen alleine schon die nett inszenierten und erstaunlich blutigen Schießereien.   

Mittwoch, 23. März 2011

SOOM/Breath (Kim Ki-duk, 2007)

Eine junge Frau, Yeon, erfährt durch eine Nachrichtensendung von den erfolglosen Selbstmordversuchen des verurteilten Mörders Jang Jin, der zusammen mit drei Leidensgenossen in der Todeszelle auf seine Hinrichtung wartet. Aufgrund einer Grenzerfahrung in ihrer Kindheit fühlt sie sich ihm verbunden, nimmt Kontakt zu ihm auf und beginnt eine Liebesbeziehung mit ihm, der ihr Mann, der sie wiederum mit einer anderen Frau betrügt, hilflos gegenübersteht.

Ich hatte mich entschieden, Kims bis heute letzten Film, Bi-Mong, vor seinem vorletzten, Soom, zu schauen, weil ich das Thema des Erstgenannten interessanter fand als das des Letztgenannten. Nach der ernüchternden Sichtung von Bi-Mong ahnte ich, dass meine Entscheidung unter dem Gesichtspunkt, den besseren Film zuerst zu sehen, falsch war. Und wie nun erwartet, ist Soom tatsächlich der weitaus bessere Film, weil er es ihm Gegensatz zu seinem Nachfolger versteht, mich für seine Figuren einzunehmen. 
 
Natürlich ist Yeons Verhalten zutiefst irrational, doch wie so oft in seinen Filmen schafft Kim es, dieser irrationalen Handlungsweise ein Schema, ein System zu geben und sie damit letztlich für den Zuschauer verständlich zu machen. So gelingt es Yeon am Ende nicht nur Jang Jin den Tod zu erleichtern, den er beinahe wehrlos durch seinen Zellenkumpan hinnimmt, sondern auch ihren inneren Frieden wiederzufinden und sich mit ihrem Mann auszusöhnen. Und somit ist Soom der einzige Film Kims, der ein Happy End hat. Dass ich das noch erleben darf...

Sonntag, 20. März 2011

BURN AFTER READING (Ethan & Joel Coen, 2008)

My mother had an ass that could pull a bus!

In Burn After Reading greifen die Coen Brothers erneut das Motiv der kleinen, unerfahrenen Gelegenheitsganoven auf, hier in Person der in die Jahre gekommenen Fitness-Trainerin Linda Litzke, die Geld für ihre Schönheitsoperationen benötigt und ihres verblödeten Kollegen Chad Feldheimer. Ihr Scheitern ist natürlich vorgezeichnet, handelt es sich bei den angeblich brisanten Informationen lediglich um die Memoiren eines gefeuerten CIA-Mitarbeiters. 

Wie alle ähnlich gelagerten Filme der Coens lebt auch dieser hier von den skurrilen Charakteren, die ebenso trottelig wie liebenswert sind, den messerscharfen Dialogen und dem wahrlich beeindruckenden Cast, wobei mir John Malkovich und Tilda Swinton am besten gefallen haben.           

Samstag, 19. März 2011

BI-MONG/Dream (Kim Ki-duk, 2008)


Nach dem tollen Shi gan ist Bi-Mong eine echte Enttäuschung. Die meiste Spielzeit verbringt man damit, zwei Menschen dabei zuzusehen wie sie versuchen, nicht gleichzeitig einzuschlafen. Das ist - da können sich die Darsteller noch so sehr mühen - einfach strunzlangweilig. 

Die Grundidee einer unheilvollen Verbindung, in der der Eine träumt, was die Andere schlafwandelnd ausführt, ist ja ganz nett, doch wenn man ein paar Filme von Kim gesehen hat, kann man 90 % des Handlungsverlaufs von Bi-Mong nach zehn Minuten ziemlich präzise vorhersagen. Überraschungen oder innovative Ansätze: Fehlanzeige. 

Fazit: Der schwächste Kim-Film, den ich bisher gesehen habe, und da ich bis auf einen alle kenne, wird sich daran auch nicht mehr viel ändern.  

Freitag, 18. März 2011

SHI GAN/Time (Kim Ki-duk, 2006)

Seh-hee ist krankhaft eifersüchtig. Sobald ihr Freund Ji-woo eine andere Frau auch nur ansieht, wird sie von Verlustängsten überwältigt. Aus Angst ihn zu verlieren, entschließt sie sich zu einer drastischen Maßnahme: von einem Tag auf den anderen verschwindet sie aus seinem Leben, unterzieht sich einer kosmetischen Operation, die ihr Gesicht total verändert und nähert sich Ji-woo dann nach sechs Monaten, in denen die OP-Narben verheilt sind, unerkannt, um ihn neu zu erobern. Doch bald merkt sie, dass ihre Rechnung nicht aufgeht, denn Ji-woo kann seine alte Liebe einfach nicht vergessen.

Shi gan ist ein Film über Liebe und Verlust, vor allem aber auch ein Film über Identität. Er wirft die Frage auf, inwieweit sich die Identität eines Menschen ändert, wenn er sein Äußeres radikal verändert. Wobei es Seh-hee ja ausdrücklich nicht darum geht, schöner zu werden, sondern darum, ihrem Freund Abwechslung zu bieten, eben ein anderes Gesicht als dasjenige, das er seit Jahren kennt. Kim stellt auch die Frage, inwieweit eine durch plastische Chirurgie neu gestaltete "Persönlichkeit" in der Lage ist, das alte Ich zu verdrängen und vergessen zu machen. Genügt es, sich ein neues Gesicht und einen neuen Namen zu geben, in eine andere Wohnung zu ziehen, persönliche Gegenstände und alte Bilder zu vernichten, um ein neuer Mensch zu werden?

Kim geht hier aber noch einen Schritt weiter, indem er beginnt, Seh-hees Persönlichkeit vor der Operation von der nach der OP abzuspalten. Der von ihr erhoffte Effekt, nämlich dass Ji-woo die alte Seh-hee vergisst und sich in die neue Seh-hee verliebt, tritt nicht ein. Sie muss auf schmerzhafte Weise feststellen, dass die alte Seh-hee nicht tot ist bzw. von der neuen Seh-hee verdrängt wurde, sondern dass Ji-woo die alte Seh-hee immer noch liebt und sie (die neue Seh-hee) jederzeit für die alte verlassen würde. In der Folge entwickelt sie eine immer stärker werdende Eifersucht ihrem früheren Ich gegenüber, die in regelrechten Hass umschlägt. Sie beginnt, ihr altes Ich und ihr neues Ich als zwei getrennte Personen wahrzunehmen. Eine schöne Allegorie für ihre sich zunehmend verfestigende Persönlichkeitsstörung, die die Vernunft mehr und mehr verdrängt, ist auch der im Meer versinkende Skulpturenpark, der im Laufe des Films als zentrale Anlaufstelle fungiert und zudem für Seh-hees auseinanderdriftende Persönlichkeiten die letzte Gemeinsamkeit, die letzte Verankerung in der Realität ist. Am Ende ist nicht einmal klar, ob Ji-woo tatsächlich derjenige war, der vom Auto überfahren wurde, und als blutiger Matschklumpen vor ihr liegt. Letztlich spielt das auch keine Rolle, weil sie ihn ohnehin verloren hat.

Auf die Spitze treibt Kim das Ganze dann in der Schlusssequenz nach Seh-hees zweiter OP, als er in einer Zeitschleife ihre Persönlichkeiten komplett voneinander abtrennt und sie wie selbstständige Menschen behandelt. Dies gipfelt dann darin, dass Seh-hees erstes Ich mit ihrem dritten auf der Straße zusammenstößt und dabei das Bild fallen lässt, dass ihr zweites Ich zeigt. Und so endet der Film mit derselben Szene, mit der er begann.

Ein schlichtweg großartiges Werk, mit dem Kim an seine Glanzzeit vor dem schwachen Hwal anschließt und das zum Besten zählt, was er bisher gemacht hat. 

Montag, 14. März 2011

SHILJE SANGHWANG/Real Fiction (Kim Ki-duk, 2000)

Ein Straßenmaler verdient sein Geld mit dem Zeichnen von Porträts von Passanten und ist dabei ständigen Demütigungen ausgesetzt. Sei es durch Kunden, die ihm nur die Hälfte des vereinbarten Preises zahlen, das Bild gar nicht erst nehmen und einfach gehen oder solche, die das Bild zwar kaufen, aber in seinem Blickfeld zerreißen und in den Müll werfen. Bis eines Tages eine junge Frau mit einer Kamera kommt, sich von ihm malen lässt und ihm als Bezahlung zu einem Penner führt, der auf einer Art Theaterbühne sitzt. Dieser macht ihm auf drastische Weise klar, dass es an der Zeit ist, Rache zu üben an allen, die ihn verletzt haben.

Kims fünfter Spielfilm ist sein experimentellster und zugleich persönlichster. Wie der namenlose Protagonist war auch Kim eine zeitlang Straßenmaler und es ist gut vorstellbar, dass er dabei ähnlichen Demütigungen ausgesetzt war wie die Hauptfigur im Film. Auch die Misshandlungen und Erniedrigungen während seiner Militärzeit machte Kim gleichermaßen durch, wie er einmal in einem Interview erklärt hat. Und bei den zahlreichen Verletzungen durch Frauen kann man sich gut vorstellen, dass auch sie von Kims eigenen Erlebnissen beeinflusst sind. Etwas unklar ist die Rolle der Kamerafrau, die dem Protagonisten auf seinem Amoklauf durch die Stadt folgt und ihn ständig filmt. Steht sie für die Medien bzw. die Kritiker, die Kims Filmen mit Unverständnis begegnen? Und wünscht er sich insgeheim gar, dem ein oder anderen besonders kritischen Geist den Schädel einzuschlagen, so wie sein Protagonist das bei der Kamerafrau tut? Die Szene ist wohl eher symbolisch gemeint, wobei Real Fiction ohnehin stark mit Symbolik aufgeladen ist. Doch auch als simple Rachegeschichte funktioniert der Film erstaunlich gut. Dies ist in erster Linie das Verdienst des Hauptdarstellers Ju Jin-Mo, der eine beeindruckende Leistung abliefert.

Real Fiction gewährt einen tiefen Blick in eine verwundete Seele, die das Filmemachen als Katharsis begreift.

Sonntag, 13. März 2011

YASAENG DONGMUL BOHOGUYEOG/Wild Animals (Kim Ki-duk, 1997)

Ein sehr beachtliches Frühwerk von Kim Ki-duk. Im Vergleich zu dem stellenweise etwas unbeholfen wirkenden Erstling Ag-o ist sein zweiter Film deutlich runder und in sich stimmiger. Der Film ist in Paris angesiedelt und damit der einzige des Regisseurs, der außerhalb Koreas spielt. Ganz offensichtlich hat Kim sich hier von seinem Paris-Aufenthalt zu Beginn der 90er Jahre beeinflussen lassen. Damals lebte er als Künstler dort und bestritt seinen Lebensunterhalt, indem er seine selbstgemalten Bilder auf der Straße verkaufte. 

Ich hoffe nur inständig, dass sein Aufenthalt dort von weniger Gewalt geprägt war, als man dies nach Sichtung von Wild Animals vermuten könnte. Bei jeder sich bietenden Möglichkeit wird hier drauflos geprügelt. Im Gegensatz zu Address Unknown, wo mich die ständigen Gewaltausbrüche bald nur noch nervten, sind sie hier jedoch besser in die Handlung integriert, wobei man auch sagen muss, dass die Handlungen der Akteure weitgehend rational erklärbar sind, so absurd sie im ersten Moment auch sein mögen. 

Und so ist Wild Animals ein erstaunlich bodenständiger Film, strahlt aber dennoch eine rohe, unbändige Kraft aus und bietet damit eine Qualität, die den aktuelleren Filmen des Koreaners zunehmend abhanden zu kommen scheint. 

Dienstag, 8. März 2011

THE CURIOUS CASE OF BENJAMIN BUTTON (David Fincher, 2008)

Our lives are defined by opportunities; even the ones we miss.

Mit einiger Verspätung habe ich nun endlich Finchers siebten Spielfilm gesehen. Ich räume ein, dass ich die Sichtung eine geraume Zeit vor mir hergeschoben habe, weil mich zum einen das Thema nicht sonderlich interessiert und zum anderen ich einige lobende Kommentare von denjenigen aus meinem Bekanntenkreis vernommen habe, deren Filmgeschmack für gewöhnlich alles andere als erlesen ist. 

Doch meine diesbezüglichen Befürchtungen erwiesen sich glücklicherweise als völlig unbegründet. Fincher macht vom Inszenierungsstil her da weiter, wo er mit Zodiac aufgehört hat. Will heißen, die Erzählweise ist extrem ruhig und zurückhaltend und beinahe schon als träge zu bezeichnen. Zudem stand Fincher bei mir bisher immer für unterkühlte, distanzierte Filme - auch für Zodiac galt das. 

Ganz anders Benjamin Button: einen derart emotionalen Film hat Fincher bisher noch nicht gemacht. Und auch darüber hinaus macht er alles richtig: die Darsteller überzeugen ebenso wie die Special Effects, das Set-Design ist herausragend und in Sachen Bildkomposition ist Fincher ohnehin über jeden Zweifel erhaben.  

Montag, 7. März 2011

PATTON (Franklin J. Schaffner, 1970)

There's one big difference between you and me, George. I do this job because I've been trained to do it. You do it because you love it.

Ein großartiger Film von Schaffner, der den ebenso brillanten wie eigenwilligen General Patton in den Mittelpunkt stellt. Dabei hält er sich ziemlich eng an die historischen Gegebenheiten; viele Vorfälle und Zitate sind verbürgt. 

Herausragend die Leistung des von mir ohnehin sehr geschätzten George C. Scott, der hier zu Höchstform aufläuft. Sein Patton liebt die Schlacht, er braucht sie wie die Luft zum Atmen. Sein Exil auf Malta aufgrund des Vorkommnisses mit dem Soldaten im Lazarett empfindet er denn auch als höchstmögliche Strafe, zum Nichtstun verdammt. In der zivilen Welt kommt er nur mühsam klar, selbst eine launige Rede vor einem Haufen alter Damen führt wegen einer unachtsamen Äußerung zu diplomatischen Verwicklungen. So weiß er dann auch nichts mit sich anzufangen, als der Krieg vorbei ist. Wenn es nach ihm ginge, würde man Russland gleich als nächstes angreifen. We're going to have to fight the Russians eventually anyway. It might as well be now while we've already got the army here to do it. Blöd nur, dass er Reportern gegenüber Republikaner und Demokraten den Nationalsozialisten gleichstellt. Im Film wie auch im wirklichen Leben bedeutete dies das Ende seiner militärischen Laufbahn.

Sonntag, 6. März 2011

DEAD END (William Wyler, 1937)

Dead End erzählt von sechs Heranwachsenden in einem New Yorker Elendsviertel am East River. Mangels Zukunftsperspektive scheint der Weg zum Kriminellen fast schon vorgezeichnet. Der wegen mehrfachen Mordes gesuchte 'Babyface Martin', der hier aufgewachsen ist, kehrt nach einer plastischen Gesichtsoperation zurück, um seine Mutter und seine Jugendliebe zu besuchen.

Dass der Film auf einem Bühnenstück basiert, merkt man ihm zu jeder Zeit an. Sehr statisch wirkt das Ganze und ohne jede Dynamik. Die erzählte Geschichte hat wenig Substanz und so zieht sich der Film dann auch ganz ordentlich, trotz der relativ kurzen Spieldauer von 88 Minuten. Als Milieustudie ganz interessant, doch mit geringem Unterhaltungswert. Kann man sich anschauen, muss man aber nicht.

Samstag, 12. Februar 2011

VALHALLA RISING (Nicolas Winding Refn, 2009)

A grief-stricken man is driven to defy the gods.

Ein mythischer und ziemlich geheimnisvoller Film, dessen größten Schauwerte zweifellos die grandiosen Landschaftsaufnahmen sind. Refn bezeichnete seinen Film in einem Interview als Science Fiction, und das ist durchaus zutreffend, wenn man dies im Sinne von der Realität entrückt begreift. Exzessives Color-Grading und der beinahe vollständige Verzicht auf Umgebungs- und Naturgeräusche lassen die Umwelt verlassen und tot erscheinen, was unweigerlich zu der Frage führt, ob sich die Charaktere tatsächlich in der Hölle befinden - wie es einer der eingeblendeten Zwischentitel verheißt. 

Ein beinahe hypnotisches Filmerlebnis, das mich ziemlich geplättet zurückließ. Das schreit geradezu nach einer baldigen Zweitsichtung.

Donnerstag, 10. Februar 2011

BIRD (Clint Eastwood, 1988)

This is the year I'm supposed to die.

Eastwood zeigt den unaufhaltsamen Niedergang des genialen Saxophonisten Charlie Parker in düsteren Bildern, bei denen Blautöne und Nachtaufnahmen dominieren. Eine gnadenlose Chronik der Selbstzerstörung. Statt einer chronologischen Erzählweise entschied er sich, die Geschehnisse stückchenweise in einzelnen Episoden zu erzählen, wobei ich manchmal Schwierigkeiten hatte, diese im zeitlichen Gesamtablauf einzuordnen. Eine dominierende Rolle spielt natürlich die Musik, neben Forest Whitaker der eigentliche Hauptdarsteller.

Leider ist der Film in seiner Gesamtheit unheimlich zäh und langatmig geraten und so ertappte ich mich gleich mehrfach beim Blick auf die Uhr. Darstellerisch lässt Eastwood nix anbrennen, auch die Atmosphäre ist stimmig, wobei die beschwingte Heiterkeit der Musik in interessantem Gegensatz zur düsteren Grundstimmung steht. Die Schwächen liegen im Drehbuch einerseits und den uninspirierten Dialogen andererseits. Dass Musiker-Biografien auch kurzweilig und spannend sein können, hat James Mangold mit Walk the Line hinreichend bewiesen.

Mittwoch, 19. Januar 2011

5 x 2 (François Ozon, 2004)

Ozon erzählt die Geschichte von Marion und Gilles anhand von fünf markanten Szenen ihrer Beziehung in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge. Beginnend mit dem Scheidungstermin arbeitet er sich über ein Abendessen mit Freunden, bei dem die Spannungen zwischen den Beiden schon deutlich zu spüren sind, die Geburt des Sohnes Nicolas und die Hochzeit schließlich bis zum Beginn ihrer Beziehung im Italienurlaub vor. Interessant dabei ist, dass in jeder Szene einer der beiden durch ein gewisses Fehlverhalten auffällt. Sei es die Geschichte von der Orgie, die Gilles gegen Marions Willen erzählt, Gilles Feigheit bei der Geburt des Sohnes oder Marions Schäferstündchen mit dem Amerikaner in der Hochzeitsnacht, während Gilles besoffen im Bett schläft. Und auch dem Beginn ihrer Beziehung liegt ein Betrug zugrunde, indem Gilles seine Freundin Valerie alleine zu einer Bergwanderung schickt und in ihrer Abwesenheit Marion trifft.

Möglicherweise auch eine zu harsche Interpretation meinerseits, die aber nur beweist, dass Ozons Konzept aufgeht, nämlich durch die umgekehrte Reihenfolge den Zuschauer zu zwingen, in jeder der folgenden Sequenzen nach ebensolchem Fehlverhalten, nach Hinweisen für das unausweichliche Scheitern der Beziehung zu suchen. Und so fragt man sich immer wieder, inwieweit diese oder jene Aktion ein kleines Stück weit dazu beigetragen hat - oder eben auch nicht. Zudem ermöglicht diese Vorgehensweise, den Zuschauer mit einem Quasi-Happy-End aus dem Film zu entlassen, auch wenn es in Wirklichkeit keines ist.

Die Inszenierung ist betont ruhig und zurückhaltend. Gesprochen wird nur wenig; stattdessen konzentriert sich der Film ganz auf das Spiel der beiden Hauptdarsteller, die diese Aufgabe hervorragend lösen. Die übrigen Figuren spielen keine große Rolle, abgesehen vielleicht von Marions Eltern. Der Rest besteht aus austauschbaren Statisten.

Mittwoch, 12. Januar 2011

TRUE CRIME (Clint Eastwood, 1999)

I can't fart loud enough to express my opinion!

Solider, gut gemachter Thriller von Eastwood, in dem er zum wiederholten Mal die Rolle des abgehalfterten Trunkenboldes spielt, der zwar inzwischen dem Alkohol entsagt hat und doch im Alltag, insbesondere in der Rolle des Familienvaters, versagt. Das spannende Script und die guten Darsteller sorgen dafür, dass man als Zuschauer schnell Partei für Frank Beechum ergreift. 

Hervorzuheben ist vor allem die Leistung Isaiah Washingtons, der den unschuldig Verurteilten sehr glaubwürdig spielt. Der Abschied von seiner Familie wenige Stunden vor der geplanten Hinrichtung ist wirklich herzzerreißend. Das Ende ist natürlich vorhersehbar, mit der Einschränkung, dass ich mich bis kurz vor Schluss fragte, wie der Unschuldsnachweis zustande kommen würde, doch angesichts der Sympathie, die man im Filmverlauf Beechum und seiner Familie entgegenbringt, wäre ein anderes Ende auch eine unschöne Überraschung gewesen.

Keine Großtat Eastwoods, aber wie so oft gute und spannende Unterhaltung.  

Montag, 10. Januar 2011

ROBIN HOOD - Director's Cut (Ridley Scott, 2010)

Rise and rise again until lambs become lions.

Nach Jahren endlich mal wieder ein Scott-Film, dem ich im Vorfeld mit hohen Erwartungen entgegenblickte. Und diese Erwartungen sollten nicht enttäuscht werden, ist dem Briten doch ein trotz einiger Unzulänglichkeiten rundum stimmiges Werk gelungen, das die fiktive Vorgeschichte des bekannten Robin-Hood-Mythos erzählt und dabei geschickt historisch verbürgte Ereignisse - wenn auch in einem angepassten zeitlichen Kontext - in die Handlung integriert. 

In einigen Punkten sind Scott respektive seine Drehbuchautoren zwar übers Ziel hinausgeschossen - beispielhaft sei hier die Wendung erwähnt, nach der sich Robin Hoods Vater letztlich als Verfasser der Magna Carta entpuppt - und auch die Anbiederungen an den modernen Zeitgeist, ohne die heutzutage kein Historienspektakel mehr auszukommen scheint, missfallen, doch kann das dem Film als Ganzes nur wenig anhaben. So begeistern die akribisch gestalteten Sets und Kostüme ebenso wie die epischen Schlachten und Scotts routinierte, stets äußerst straffe Inszenierung, die trotz stattlicher Spielzeit keine Sekunde Langeweile aufkommen lässt.