Mittwoch, 19. Januar 2011

5 x 2 (François Ozon, 2004)

Ozon erzählt die Geschichte von Marion und Gilles anhand von fünf markanten Szenen ihrer Beziehung in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge. Beginnend mit dem Scheidungstermin arbeitet er sich über ein Abendessen mit Freunden, bei dem die Spannungen zwischen den Beiden schon deutlich zu spüren sind, die Geburt des Sohnes Nicolas und die Hochzeit schließlich bis zum Beginn ihrer Beziehung im Italienurlaub vor. Interessant dabei ist, dass in jeder Szene einer der beiden durch ein gewisses Fehlverhalten auffällt. Sei es die Geschichte von der Orgie, die Gilles gegen Marions Willen erzählt, Gilles Feigheit bei der Geburt des Sohnes oder Marions Schäferstündchen mit dem Amerikaner in der Hochzeitsnacht, während Gilles besoffen im Bett schläft. Und auch dem Beginn ihrer Beziehung liegt ein Betrug zugrunde, indem Gilles seine Freundin Valerie alleine zu einer Bergwanderung schickt und in ihrer Abwesenheit Marion trifft.

Möglicherweise auch eine zu harsche Interpretation meinerseits, die aber nur beweist, dass Ozons Konzept aufgeht, nämlich durch die umgekehrte Reihenfolge den Zuschauer zu zwingen, in jeder der folgenden Sequenzen nach ebensolchem Fehlverhalten, nach Hinweisen für das unausweichliche Scheitern der Beziehung zu suchen. Und so fragt man sich immer wieder, inwieweit diese oder jene Aktion ein kleines Stück weit dazu beigetragen hat - oder eben auch nicht. Zudem ermöglicht diese Vorgehensweise, den Zuschauer mit einem Quasi-Happy-End aus dem Film zu entlassen, auch wenn es in Wirklichkeit keines ist.

Die Inszenierung ist betont ruhig und zurückhaltend. Gesprochen wird nur wenig; stattdessen konzentriert sich der Film ganz auf das Spiel der beiden Hauptdarsteller, die diese Aufgabe hervorragend lösen. Die übrigen Figuren spielen keine große Rolle, abgesehen vielleicht von Marions Eltern. Der Rest besteht aus austauschbaren Statisten.

Mittwoch, 12. Januar 2011

TRUE CRIME (Clint Eastwood, 1999)

I can't fart loud enough to express my opinion!

Solider, gut gemachter Thriller von Eastwood, in dem er zum wiederholten Mal die Rolle des abgehalfterten Trunkenboldes spielt, der zwar inzwischen dem Alkohol entsagt hat und doch im Alltag, insbesondere in der Rolle des Familienvaters, versagt. Das spannende Script und die guten Darsteller sorgen dafür, dass man als Zuschauer schnell Partei für Frank Beechum ergreift. 

Hervorzuheben ist vor allem die Leistung Isaiah Washingtons, der den unschuldig Verurteilten sehr glaubwürdig spielt. Der Abschied von seiner Familie wenige Stunden vor der geplanten Hinrichtung ist wirklich herzzerreißend. Das Ende ist natürlich vorhersehbar, mit der Einschränkung, dass ich mich bis kurz vor Schluss fragte, wie der Unschuldsnachweis zustande kommen würde, doch angesichts der Sympathie, die man im Filmverlauf Beechum und seiner Familie entgegenbringt, wäre ein anderes Ende auch eine unschöne Überraschung gewesen.

Keine Großtat Eastwoods, aber wie so oft gute und spannende Unterhaltung.  

Montag, 10. Januar 2011

ROBIN HOOD - Director's Cut (Ridley Scott, 2010)

Rise and rise again until lambs become lions.

Nach Jahren endlich mal wieder ein Scott-Film, dem ich im Vorfeld mit hohen Erwartungen entgegenblickte. Und diese Erwartungen sollten nicht enttäuscht werden, ist dem Briten doch ein trotz einiger Unzulänglichkeiten rundum stimmiges Werk gelungen, das die fiktive Vorgeschichte des bekannten Robin-Hood-Mythos erzählt und dabei geschickt historisch verbürgte Ereignisse - wenn auch in einem angepassten zeitlichen Kontext - in die Handlung integriert. 

In einigen Punkten sind Scott respektive seine Drehbuchautoren zwar übers Ziel hinausgeschossen - beispielhaft sei hier die Wendung erwähnt, nach der sich Robin Hoods Vater letztlich als Verfasser der Magna Carta entpuppt - und auch die Anbiederungen an den modernen Zeitgeist, ohne die heutzutage kein Historienspektakel mehr auszukommen scheint, missfallen, doch kann das dem Film als Ganzes nur wenig anhaben. So begeistern die akribisch gestalteten Sets und Kostüme ebenso wie die epischen Schlachten und Scotts routinierte, stets äußerst straffe Inszenierung, die trotz stattlicher Spielzeit keine Sekunde Langeweile aufkommen lässt.