Sonntag, 31. Oktober 2010

THE EIGER SANCTION (Clint Eastwood, 1975)

If you hauled beer up this rock you're insane!

Ein Film, bei dem es sich kaum lohnt, viele Worte zu verlieren. Ein dümmlicher Plot, der auf die Logik scheißt, kernige Oneliner und ein paar nette Mädels, die nur um ihrer optischen Reize willen mehr schlecht als recht in die Handlung integriert wurden. Das Ganze ergibt dennoch eine erstaunlich unterhaltsame Mischung, bei der lediglich die letzten zwanzig Minuten, in denen die Helden die Eiger Nordwand zu bezwingen versuchen, langweilen, zumal mir schon nach der Hälfte des Films klar war, wer der Gesuchte ist. 

Sicherlich keine Glanztat Eastwoods und eher im unteren Drittel seines Gesamtwerks einzuordnen, aber besser als der bescheuerte Firefox ist The Eiger Sanction allemal.   

Mittwoch, 27. Oktober 2010

IT CAME FROM OUTER SPACE (Jack Arnold, 1953)

When are you going to stop being a badge and become a human being?

Ein feiner und erstaunlich dezenter Film, den Arnold da abgeliefert hat. Die Außerirdischen sind keine bösen Eindringlinge mit Eroberungsabsichten sondern gestrandete Reisende, die nur versehentlich auf der Erde gelandet sind. Ihr Bedrohungspotential liegt dann auch weniger in ihren spektakulären technischen Werkzeugen und Waffen als in ihrer Fähigkeit, jede organische Form 1:1 nachzubilden. 

Auf Actioneinlagen wird weitgehend verzichtet zugunsten einer sich stetig aufbauenden paranoiden Stimmung, die ein Stück weit natürlich auch dem damaligen Zeitgeist geschuldet ist. So bezieht der Film seine Spannung hauptsächlich daraus, dass man nicht genau weiß, ob die Fremden in Wahrheit nicht doch andere Ziele haben. Nachfolgende Arbeiten wie beispielsweise Siegels Invasion of the Bodysnatchers oder auch Spielbergs Close Encounters of the Third Kind sind von It came from Outer Space maßgeblich beeinflusst. 

Nicht unerwähnt bleiben soll schließlich die Tatsache, dass es sich um einen der ersten SciFi-Filme in 3D handelte.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

PIRANHAS (Joe Dante, 1978)

They're eating the guests, sir.

Ein in Ansätzen ganz spaßiger Versuch, im Soge des Jaws-Erfolges mitzuschwimmen, wobei Dantes Filmchen dem großen Vorbild natürlich nicht mal ansatzweise das Wasser reichen kann. Wo dieses eine zwar zugespitzte, aber dennoch halbwegs glaubwürdige Story bietet, ist das Drehbuch von Piranhas dermaßen albern, dass man den Film nur ertragen kann, wenn man nicht weiter darüber nachdenkt. 
 
Aber sei's drum: Joe Dante hatte sicherlich nicht den Anspruch, einen ernsthaften Horrorfilm abzuliefern. Als Komödie wiederum ist der Film nicht lustig genug. Vor allem aber fehlt es ihm deutlich an Spannung. Solche kommt nämlich zu keinem Zeitpunkt auf. 
 
Trotz aller Defizite fand ich das Ganze dann doch einigermaßen unterhaltsam, was in erster Linie an den beiden Hauptdarstellern liegt. Nicht dass diese eine herausragende Leistung böten, nein, aber die von ihnen verkörperten Figuren können den ein oder anderen Sympathiepunkt verbuchen. 

Sonntag, 26. September 2010

TARGETS (Peter Bogdanovich, 1968)

All the good movies have been made.

Meine erste Begegnung mit Bogdanovich. Die Entstehungsgeschichte dieses Low-Budget-Thrillers ist beinahe so interessant wie der Film selbst. Bogdanovich erzählt zwei parallel verlaufende Handlungsstränge, die zum Schluss zueinander finden. 

Die Geschichte um den Amokläufer ist stellenweise etwas langatmig. Umso beeindruckender die Leistung des damals 80-jährigen Boris Karloff, auch wenn er im Grunde genommen nur sich selbst spielt. 

Samstag, 11. September 2010

ELECTRIC APRICOT (Les Claypool, 2007)

You only make your first record once.

Seit ich anno 1990 zum ersten Mal den Geniestreich Frizzle Fry hörte, bin ich ein großer Fan der kalifornischen Band Primus. Ihr Mastermind, Les Claypool, ist nicht nur einer der weltbesten Bassisten, sondern ein wahres Multitalent. Mit seinem Debutfilm Electric Apricot hat er den Beweis angetreten, dass er neben all seinen anderen Talenten auch ein passabler Regisseur ist. Es handelt sich bei dem Film um das, was man neudeutsch als Mokumentary bezeichnet, also eine fiktive Dokumentation über die ebenso fiktive titelgebende Jam-Band. Natürlich ließ Claypool es sich nicht nehmen, eines der Bandmitglieder zu spielen, und zwar den Drummer Lapdog. Dass er neben dem Bass auch Gitarre und Drums beherrscht, hat er ja bereits mit seinem 1996er Soloalbum Highball with the Devil gezeigt, auf dem er einige Drumparts beisteuerte.

Electric Apricot ist ein recht witziges Filmchen geworden, dessen Darsteller überaus authentisch wirken. Die Dialoge sind so natürlich, dass sie vermutlich größtenteils improvisiert wurden. Der Humor lädt nicht zum lauten Loslachen ein, sondern bewegt sich eher auf Schmunzelniveau. Köstlich zum Beispiel die Sequenz, wo die Bandmitglieder erläutern wie der Bandname zustande kam oder die Szene, in der Lapdog von seinen selbstgeblasenen Glasdildos erzählt. Unter dem Strich eine kurzweilige Angelegenheit.

Sonntag, 22. August 2010

BOXCAR BERTHA (Martin Scorsese, 1972)

I don't wanna sleep alone tonight.

Ein Frühwerk Scorseses aus der Corman-Schmiede, das stellenweise etwas unbeholfen wirkt, mir aber insbesondere aufgrund der tollen Atmosphäre und der Darsteller ausgesprochen gut gefallen hat. 

Die Dialoge sind für Scorsese-Verhältnisse äußerst zahm, die Bilder hingegen ganz und gar nicht. Wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass seine später so markante Handschrift hier kaum zu erkennen ist. Obwohl der Film zur Zeit der Depression angesiedelt ist, versprüht er doch eher den Geist seiner Entstehungszeit, sprich: der 70er Jahre, wobei ich gerade diesen Gegensatz reizvoll fand.  

Boxcar Bertha ist ein kleiner ungeschliffener Rohdiamant, dem die Brillanz der späteren Scorsese-Werke abgeht, der aber dennoch einen wichtigen Punkt in der Entwicklung des Regisseurs markiert und daher undbedingt sehenswert ist.

Dienstag, 17. August 2010

VANISHING POINT (Richard C. Sarafian, 1971)

Patiently. That's the only way to wait for somebody.

Sarafian, Sohn armenischer Immigranten, verfolgt bei Vanishing Point einen ähnlich minimalistischen Ansatz wie Steven Spielberg beim im gleichen Jahr entstandenen Duel. Der ganze Film besteht im Grunde genommen aus einer Verfolgungsjagd, quer durch drei Bundesstaaten. Dabei trifft Kowalski auf diverse skurrile Personen, die ihm fast alle wohlgesonnen sind. Ein blinder Radio-DJ erhebt ihn sogar zum letzten wahren Helden Amerikas, zum Symbol der Freiheit. 

Kowalski will von all dem nichts wissen. Er sieht sich weder als Freiheitssymbol noch als Helden. Das Angebot der nackten Motorradfahrerin, alles für ihn zu tun, lehnt er ebenso ab wie das angebotene Gras. Wobei er insgeheim die Fahrt wohl dennoch als letztes Aufbäumen, als letzten Ritt durch die Freiheit begreift, bevor er seinem verkorksten Leben ein donnerndes Ende setzt.  

Samstag, 14. August 2010

CREATURE FROM THE BLACK LAGOON (Jack Arnold, 1954)

We're staying until we get him.

Auch ein Klassiker aus Kindertagen. Im Gegensatz zu anderen Arnold-Filmen wie Tarantula oder The incredible shrinking Man ist dieser hier deutlich schlechter gealtert. 

Das fängt mit dem Monster an, das weniger wie ein prähistorisches Wesen wirkt, sondern eher wie ein besoffener Karnevalist, der sich verlaufen hat. Vor allem verwundert, wie langsam und ungeschickt die Kreatur schwimmt, soll sie doch beinahe ihr ganzes Leben unter Wasser verbracht haben. Die Story ist nicht sonderlich originell, erfüllt aber ihren Zweck. 

Wie beim großen Vorbild King Kong bemüht man auch hier den Beauty-and-the-Beast-Aspekt, der vor allem in der gemeinsamen Schwimmszene mit Kay und der Kreatur erkennbar wird. Und während ihre männlichen Mitstreiter nach und nach massakriert werden, wird Kay natürlich entführt. Immerhin erspart man dem Zuschauer die Verbringung der Kreatur in die Zivilisation - das sollte dem Nachfolger Revenge of the Creature vorbehalten bleiben.

Trotz all dieser Schwächen ist der Film dennoch recht spaßig geraten, was vor allem der straffen, schnörkellosen Inszenierung und dem stimmungsvollen Schauplatz zu verdanken ist.   

Freitag, 13. August 2010

NEW YORK, NEW YORK (Martin Scorsese, 1977)

Kein Musical im klassischen Sinne, aber ein Film, in dem die Musik eine tragende Rolle spielt. Eine Musik, die mir leider vollkommen fremd ist und meine Nerven auf eine harte Probe stellte. 

Darüber hinaus hat New York, New York nicht viel zu bieten. Eine belanglose Liebesgeschichte zwischen zwei Musikern inklusive Hochzeit und späterer Trennung. Der ein oder anderer interessante Ansatz geht im Strudel der Musik unter.  

Donnerstag, 12. August 2010

A BUG'S LIFE (John Lasseter, 1998)

Im Gegensatz zu den neueren Pixarfilmen kann man A Bug's Life ruhigen Gewissens als Kinderfilm bezeichnen, was nicht heißen muss, dass man nicht auch als Erwachsener seine Freude daran haben kann. Der tiefgründige Humor der späteren Werke fehlt hier gänzlich; stattdessen dominieren einfache Witzchen und Slapstick. 

Technisch gesehen wirkt der Film auf mich irgendwie unfertig. Optisch sehr beeindruckende Szenen wie der Regenguss wechseln sich ab mit relativ schlichten Animationen, aber womöglich ist das Auge angesichts der aktuellen Pixarhits schon zu verwöhnt. Trotz dieser Defizite machte der Film mir auch heute wieder eine Menge Spaß, hab' ich die bunte Zirkustruppe doch im Laufe der Jahre in mein Herz geschlossen.  

Mittwoch, 11. August 2010

BARTON FINK (Ethan & Joel Coen, 1991)

I've always found that writing comes from a great inner pain.

Grandioses Werk der Coen Brothers, das zum Besten zählt, was ich bisher von den Brüdern gesehen habe. Eine äußerst gelungene Mischung aus bissiger Satire - das System Hollywood wird respektlos durch den Kakao gezogen - und surrealem Drama, das die Leiden des Autors Barton Fink in den Mittelpunkt stellt, großartig verkörpert von John Turturro. 

Der Film würde vermutlich auch als Theaterstück gut funktionieren. Die Handlung besteht fast ausschließlich aus Dialogen und spielt sich nur an wenigen Orten ab, überwiegend in dem heruntergekommenen Hotelzimmer mit dem scheinbar endlosen düsteren Flur. Die Atmosphäre ist so dicht, dass man sie beinahe mit Händen greifen kann. Neben Turturro überzeugt vor allem John Goodman, den ich noch nie besser gesehen habe. Als Zuschauer ist man dem bizarren Treiben ähnlich hilflos ausgeliefert wie Fink; man weiß nie, was als nächstes passiert. 

Zum Schluss bleiben viele Fragen ungeklärt, was Anlass genug ist, sich auch nach dem Abspann weiter intensiv mit dem Film zu beschäftigen. Die Schlusseinstellung bietet den perfekten Ausklang. Viel besser geht's nicht mehr.  

WALL·E (Andrew Stanton, 2008)

Bei der Erstsichtung vor anderthalb Jahren im Kino hielt sich meine Begeisterung doch sehr in Grenzen, insbesondere was die zweite Hälfte des Films angeht. 

Heute gefiel er mir deutlich besser. Dennoch bedauere ich, dass Wall·E nach der beinahe magischen ersten Hälfte, in der praktisch nichts gesprochen wird, derart abfällt, auch wenn mir der Unterschied nicht mehr so krass erschien wie im Kino. Letztlich bleibt nur ein durchschnittlicher Pixarfilm, der viel von seinem Potential ungenutzt lässt.

Montag, 9. August 2010

TOY STORY 3 (Lee Unkrich, 2010)

Auf Pixar ist Verlass. Mit schöner Regelmäßigkeit bietet das kalifornische Animationsstudio beste Unterhaltung für die ganze Familie. 

Mit ihrem nunmehr elften Spielfilm greifen die Mannen um John Lasseter zum dritten Mal das Toy-Story-Thema auf; dieses Mal erzählen sie vom Ende der Kindheit, vom Erwachsenwerden und der damit einhergehenden Trennung von den Spielzeugen aus Kindertagen. 

Nach dem relativ schwachen zweiten Teil, den ich für den bisher schwächsten Pixarfilm halte, kann Teil 3 wieder voll überzeugen und bietet die gewohnte Qualität. Die 3D-Effekte wurden relativ dezent eingesetzt und fallen nach wenigen Minuten nicht mehr großartig auf. Tricktechnisch ist das Ganze natürlich auf höchstem Niveau, doch auch dies ist bei Pixar Standard. Nichts Neues also, und das ist auch gut so.  

Sonntag, 8. August 2010

THE INVISIBLE MAN (James Whale, 1933)

An invisible man can rule the world.

Wie der große Bruder Frankenstein bildet auch The invisible Man einen Meilenstein des Horrorfilms. Whales Adaption des Wells-Romans zog eine ganze Reihe von Fortsetzungen, Spin-Offs und Remakes nach sich, von denen ich allerdings die wenigsten kenne. Claude Rains ist hier in seinem ersten Hollywood-Film zu sehen, oder besser gesagt zu hören, denn seiner ansichtig wird man nur in der letzten Szene. 

Als sensationell muss man die Special Effects bezeichnen, die auch nach mehr als 75 Jahren vollauf überzeugen können. Interessant dabei ist, dass die damalige Umsetzung durch John Fulton im Prinzip dem heute üblichen Bluescreen-Verfahren entspricht, indem die durchsichtigen Körperteile mit schwarzem Tape abgedeckt und später durch separat aufgenommene Hintergrundbilder ersetzt wurden.  

Samstag, 7. August 2010

BODY OF LIES (Ridley Scott, 2008)

You know you can always tell who cares about you the most by who comes first to visit you in the hospital.

Routiniert heruntergekurbelter Agententhriller von der Stange, der mich sehr ordentlich unterhalten hat. Als Ersatz für die zahlreichen Locations im Nahen Osten musste mal wieder Marokko herhalten. Aber - das muss man Scott respektive seiner Crew lassen - die Sets wirken äußerst authentisch und glaubwürdig. 

Die Story bietet nichts Besonderes, typischer Kampf-gegen-den-Terror-Kram halt, was aber nicht weiter stört. Etwas ärgerlich ist die obligatorische Einbindung einer Liebesbeziehung zu einer Einheimischen, die zu allem Überfluss auch noch den unfreiwilligen Lockvogel spielen muss. Die finale Falle, in die zunächst Roger Ferris und dann Al-Saleem tappt, ist völlig unglaubwürdig und hinterlässt einen faden Nachgeschmack. 

Dennoch: spannende Hochglanz-Unterhaltung bietet Body of Lies allemal, und mehr kann man vom einstigen Visionär Scott ja schon seit längerem nicht mehr erwarten. Von daher: Mission accomplished.  

Donnerstag, 5. August 2010

YOUTH WITHOUT YOUTH (Francis Ford Coppola, 2007)

What do we do with... time?

Auch einen Tag nach der Sichtung des ersten Coppola-Films seit dem dürftigen The Rainmaker weiß ich nicht recht, was ich dazu schreiben soll. Sicher ist: nach der seelenlosen vorgenannten Auftragsarbeit handelt es sich hier wieder um einen echten Coppola. Er basiert auf dem Roman des Rumänen Mircea Eliade und verbindet u. a. die Themen Zeit, Sprachen und Seelenwanderung bzw. Reinkarnation zu einer in Ansätzen interessanten Geschichte, die allerdings seltsam unausgegoren wirkt. 

Dies gleich als "Eso-Quatsch" zu bezeichnen, wie in einigen Kritiken der Fall, ist allerdings übertrieben und wird dem Film nicht gerecht. (Außerdem springt mir, wenn ich die Schublade mit der Beschriftung "Eso-Quatsch" öffne, immer sofort Aronofskys The Fountain entgegen.) Auch die in Kritiken öfter erwähnte unfreiwillige Komik habe ich nicht wahrgenommen. 

Darstellerisch gibt es wenig zu bemängeln. Vor allem Tim Roth liefert eine überzeugende Leistung ab. Gedreht wurde ausschließlich an Originalschauplätzen. Auch Sets und Kostüme geben keinen Anlass zur Kritik. So richtig glücklich bin ich mit Youth without Youth trotzdem nicht. Für meine Begriffe hätte der Story eine kräftige Entschlackung gutgetan; insbesondere der Nazi-/Geheimdienst-Subplot wirkte fehl am Platz, auch wenn ich die Idee mit dem Hakenkreuz auf dem Strumpfband sensationell fand. Der Film wirkt überfrachtet und in sich nicht immer schlüssig. 

Alles in allem also eine durchaus zwiespältige Angelegenheit.  

Mittwoch, 4. August 2010

MIDNIGHT IN THE GARDEN OF GOOD AND EVIL (Clint Eastwood, 1997)

Prevention is better than a cure.

Ein ungewöhnlicher Film im Œuvre Eastwoods. Mir scheint, es ging ihm hier in erster Linie darum, das Städtchen Savannah als Sammelbecken für skurrile Charaktere darzustellen. Die ein oder andere Figur könnte auch problemlos dem Coen-Universum entsprungen sein. Der Zuschauer kann sich der Faszination des bunten Treibens ebenso wenig entziehen wie der Journalist John Kelso, der eigentlich nur einen kleinen Beitrag über die Weihnachtsfeier des exzentrischen Millionärs Jim Williams schreiben wollte. 

Der Film changiert zwischen Kleinstadtstudie und klassischem Gerichtsdrama und weiß vor allem mit den schrulligen aber überwiegend liebenswerten Charakteren zu überzeugen. Eastwoods entspannte und unaufgeregte Art, seine Geschichten zu erzählen, lobe ich in fast jedem Text zu einem seiner Filme, daher will ich es hier nicht schon wieder tun. Und einen schwachen Film hat er in den letzten 20 Jahren wohl sowieso nicht gemacht.  

Dienstag, 3. August 2010

BRIDE OF FRANKENSTEIN (James Whale, 1935)

To a new world of gods and monsters!

Ebenso wie sein Vorgänger ein Meilenstein des Horrorfilms. Insgesamt vielleicht noch eine Spur besser als der erste Film, weil er im Gegensatz zu diesem keine nennenswerten Schwächen aufweist und dessen Stärken übernimmt. 

Nach der Sichtung habe ich gleich noch einen weiteren Whale-Film bestellt.  

Montag, 2. August 2010

INGLOURIOUS BASTERDS (Quentin Tarantino, 2009)

Mit einiger Verzögerung kam ich endlich in den Genuss des neuesten Tarantino-Streifens. Seit vielen Jahren sorgt der Meister mit seinen Filmcollagen bei mir für Begeisterung, und erwartungsgemäß bietet auch Inglourious Basterds wieder eine bunte Mischung aus Versatzstücken und Zitaten, hier erstmals bereichert um eine historische Komponente. 

Aber Tarantino wäre nicht Tarantino, hätte er die Gelegenheit nicht genutzt, die Geschichte in seinem Sinne umzuschreiben. Bezeichnenderweise ist es ein Kino, in dem der Führer samt Gefolge den Tod findet. Die Schlussszene ist zugleich Höhepunkt des Films, wenn Shosannas wild lachendes Gesicht von den Flammen verzehrt wird, während den Kinobesuchern erst allmählich dämmert, dass die Flammen kein Teil des Films sondern echt sind. Etwas ärgerlich hingegen ist der Subplot um die titelgebenden Basterds. Vor allem Brad Pitt ging mir seiner gekünstelten Darstellung ziemlich auf den Keks. Auch Martin Wuttke als Hitler ist eine einzige Lachnummer, wobei das möglicherweise beabsichtigt war. Gut gefiel mir hingegen Sylvester Groth als Goebbels.

Inglourious Basterds erinnerte mich von Aufbau und Erzählstruktur stark an Pulp Fiction, und so ist es wahrscheinlich kein Zufall, dass ich diese beiden Filme für die schwächsten Tarantinos halte. Was natürlich nicht heißen soll, dass es schlechte Filme sind, im Gegenteil. Doch von seinen Sternstunden Reservoir Dogs oder dem unvergleichlichen Jackie Brown ist das hier doch ein ganzes Stück entfernt. Wobei durchaus die Möglichkeit besteht, dass mich künftige Sichtungen eines Besseren belehren.  

Samstag, 31. Juli 2010

LITTLE CAESAR (Mervyn LeRoy, 1931)

If you ain't out of town by tomorrow morning you won't ever leave it except in a pine box.

Ein ganz hervorragender Film, der seinen Platz in der Filmgeschichte schon alleine deshalb verdient hat, weil er quasi das Subgenre des Gangsterfilms begründete. Meines Wissens der erste Film, der die ebenso steile wie kurze Karriere eines Gangsters in den Mittelpunkt der Erzählung stellt und es dem Zuschauer ermöglicht, sich in seine Rolle zu versetzen. 

Kurz gilt leider auch für den Film als solchen, denn nach gut 70 Minuten ist das Vergnügen schon wieder vorbei, was angesichts der Entstehungszeit natürlich nicht ungewöhnlich ist. Little Caesar machte nicht nur Edward G. Robinson zum Weltstar, sondern war stilbildend und wegbereitend für die nachfolgenden Generationen.

 

Samstag, 5. Juni 2010

THE MIST (Frank Darabont, 2007)

As a species we're fundamentally insane.

Eine weitere gelungene King-Verfilmung von Frank Darabont, dessen The Shawshank Redemption und The Green Mile zweifellos zu den besten Umsetzungen von Vorlagen des Gruselmeisers aus Maine zählen . Den Special Effects sieht man das niedrige Budget leider deutlich an. Da trifft es sich gut, dass die religiösen Fanatiker um Mrs. Carmody sich zunehmend als größere Bedrohung erweisen als die Außerirdischen. 

Das Ende ist ein gewaltiger Schlag in die Magengrube und wahrscheinlich das fieseste, das ich in den letzten 20 Jahren gesehen habe. Nicht nur, dass es den vermeintlichen Helden als größten Verlierer dastehen lässt, erfüllt es in gewisser Weise auch Mrs. Carmodys Prophezeiung. Die eigentliche Heldin ist somit die Frau, die sich anfangs alleine in den Nebel wagte, um ihre Kinder zu retten.

Dienstag, 1. Juni 2010

THE BRIDGES OF MADISON COUNTY (Clint Eastwood, 1995)

I gave my life to my family, I wish to give Robert what is left of me.

Eastwood kann auch Romanzen. Dabei ist er erkennbar von David Lean beeinflusst. Sein Film weist frappierende Parallelen zu Leans Brief Encounter auf. Im Grunde genommen erzählt er sogar die gleiche Geschichte und er macht sich nicht einmal die Mühe, das zu verbergen, sondern lehnt sich auch inszenatorisch an Lean an. Wie dieser verwendet er lange Kameraeinstellungen, lässt die Blicke der Darsteller die Gefühle vermitteln. Eine flüchtige Berührung hier, ein sehnsuchtsvoller Blick dort. 

Die Chemie stimmt zwischen Streep und Eastwood, man spürt das Knistern vom ersten Augenblick an. Wie Laura Jesson im großen Vorbild entscheidet sich Francesca letztlich für die Familie und gegen Robert; die Vernunft siegt über die Emotion. Ein klassisches Lean-Thema, das den britischen Meisterregisseur während seiner gesamten Karriere als Filmemacher begleitete. Das kann man von Eastwood nun nicht behaupten.  

Sonntag, 30. Mai 2010

WHITE HUNTER BLACK HEART (Clint Eastwood, 1990)

If there's half as much love in this old gal as there is talk, I may be dead in the morning.

Nach dem kürzlich gesichteten African Queen verspürte ich den dringenden Wunsch, endlich mal Eastwoods Verfilmung der in Peter Viertels Roman festgehaltenen teils fiktiven, teils wahren Begebenheiten um die Dreharbeiten des Huston-Films zu sehen. Da die neue US-DVD damals bereits angekündigt war, wurde sie sofort vorbestellt. Am Freitag traf sie endlich bei mir ein.

Die ruhige, gelassene Inszenierung und die phantastischen Landschaftsaufnahmen erinnerten mich an den zwei Jahre später entstandenen Unforgiven. Und auch wenn White Hunter Black Heart nicht ganz dessen Klasse erreicht, so steht schon nach der ersten Sichtung fest, dass der Film zum Besten zählt, was Eastwood bisher gemacht hat. Inwieweit die Geschehnisse auf Tatsachen beruhen, kann ich nicht beurteilen und ist mir im Grunde genommen auch egal, aber hier passt einfach alles zusammen: erstklassige Darsteller, betörend schöne Landschaftsaufnahmen, schnittige Dialoge und ein wieder einmal großartiger Score von Lennie Niehaus.

Donnerstag, 27. Mai 2010

ONE FROM THE HEART (Francis Ford Coppola, 1982)

If you wanna get rid of a circus girl, all you've gotta do is close your eyes.

One from the Heart war Coppolas erster Film nach Apocalypse Now. Die Produktionskosten stiegen während der Dreharbeiten ins Unermessliche und lagen am Ende mehr als zehnmal so hoch wie ursprünglich veranschlagt, was – in Kombination mit den mageren Einspielergebnissen – Coppola an den Rande des finanziellen Ruins trieb. Hauptgrund für die immensen Kosten war der hohe künstlerische Anspruch, den Coppola an sich selbst stellte und der ihn darauf bestehen ließ, den kompletten Film an nachgebauten Sets in den Hallen seines Zoetrope Studios zu drehen statt an Originalschauplätzen in Las Vegas bzw. der umliegenden Wüste. Die Marschrichtung ist dann auch von der ersten Filmminute an klar: es geht Coppola nicht um das Erzählen einer interessanten Geschichte – die Story um eine kriselnde Beziehung könnte banaler kaum sein – sondern darum, die Kunstformen Theater und Kino miteinander zu verbinden. So ist ein in hohem Maße künstlicher und künstlerischer Film entstanden, dessen teils surreale Szenen der Wirklichkeit weit entrückt sind. Hier seien insbesondere die Liebesszene zwischen Hank und Leila und die nachfolgenden Sequenzen genannt.

Die musikalische Untermalung von Crystal Gayle and Tom Waits trifft nicht unbedingt meinen Geschmack, passt aber hervorragend, zumal die Songtexte oft direkten Bezug auf das Geschehen auf dem Bildschirm nehmen. Frederic Forrest und Teri Garr geben ein glaubwürdiges und durchaus sympathisches Paar ab und stehen mit ihrer Bodenständigkeit und Natürlichkeit in krassem Gegensatz zu den künstlichen, zumeist in grelle Neonfarben getauchten Kulissen. Bemerkenswert sind auch die optischen Spielereien, die Coppola bei zahlreichen Übergängen einsetzt, z. B. wenn er die Folgeszene als Hintergrundbild der noch laufenden Szene einblendet.

One from the Heart ist ein Film, bei dem es so viel zu entdecken gibt, dass es bei der ersten Sichtung gar nicht möglich ist, alles richtig zu erfassen. Ein ebenso experimenteller wie mutiger Film, dessen Schöpfer bei seiner Fertigung wie ein Pokerspieler alles auf eine Karte setzte – und verlor. In finanzieller Hinsicht versteht sich, denn dass One from the Heart unter rein künstlerischen Aspekten ein Gewinn ist, steht außer Frage.  

Sonntag, 16. Mai 2010

IN THE NAME OF THE FATHER (Jim Sheridan, 1993)

I'm a free man, and I'm going out the front door.

In the Name of the Father erzählt die Geschichte von Gerry Conlon, einem jungen Mann aus Belfast, der in den 70er‑Jahren in London zu Unrecht als Beteiligter an einem IRA‑Anschlag verhaftet wird. Unter massivem Druck legt er ein falsches Geständnis ab, woraufhin nicht nur er, sondern auch sein Vater Giuseppe und mehrere Bekannte verurteilt werden.

Ein in Ansätzen recht interessanter Film, dessen Story so unglaublich klingt, dass man kaum glauben mag, dass sie wahr ist. Trotz der guten Darstellerleistungen - hier ist insbesondere Daniel Day-Lewis zu nennen - konnte mich der Film nicht vollauf begeistern, wobei ich selbst nicht sagen kann, woran das lag. Letztlich plätscherten die 130 Minuten an mir vorbei, ohne dass ich Anteil am Schicksal der unschuldig Verurteilten genommen hätte.

 

Freitag, 14. Mai 2010

PUBLIC ENEMIES (Michael Mann, 2009)

We're having too good a time today. We ain't thinking about tomorrow.

Nach dem etwas enttäuschenden Miami Vice bot die Geschichte des legendären Bankräubers John Dillinger die idealen Voraussetzungen für ein spannendes Gangster-Epos. So dachte ich jedenfalls, doch nach der Sichtung bleibt ein fader Beigeschmack. Die Schießereien sind großartig inszeniert, da gibt's kein Vertun, nur gibt es zu viele davon. 

Insbesondere in der ersten Hälfte des Films verkommen die Dialogszenen dazwischen beinahe zum reinen Füllmaterial. Die Handlung läuft im Grunde genommen so ab: Dillinger bricht aus dem Gefängnis aus, Dillinger überfällt eine Bank, Dillinger liefert sich eine Schießerei mit der Polizei, Dillinger bricht aus dem Gefängnis aus, Dillinger überfällt noch 'ne Bank, etc. Spannend ist das nur bedingt, zumal bei der ganzen Ballerei die Figuren auf der Strecke bleiben. Dillingers Kumpanen sind nicht mehr als Abziehbilder, sogar er selbst bleibt erstaunlich blass. Und über seinen Gegenspieler, Melvin Purvis, erfährt man im Grunde genommen gar nichts. 

Ein weiterer Kritikpunkt ist der moderne Look des Films, der u. a. auf die Verwendung von Digitalkameras zurückzuführen ist und der nicht recht zu einem Film, der in den 30er Jahren spielt, passen will. Das hat mich seinerzeit schon bei Ali gestört (wobei dort keine Digitalkameras zum Einsatz kamen). So mag sich trotz der tollen Sets, Kostüme und Requisiten kein Weltwirtschaftskrisen-Flair einstellen. Wie das besser geht, zeigte beispielsweise Ron Howard mit Cinderella Man. Mann hingegen bietet dem Zuschauer eine seelenlose 140-minütige Hetzjagd, an deren Ende man erschöpft zurückbleibt. Ein hektisch geschnittener, oberflächlicher Hochglanz-Actionfilm, der aus seinem Desinteresse an den handelnden Personen keinen Hehl macht. 

Nachdem der Vorgänger mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte, mache ich mir doch langsam Sorgen, ob Michael Mann verlernt hat, wie man richtig gute Filme macht. Public Enemies ist beileibe kein schlechter Film, als unterhaltsamer, anspruchsloser Gangsterstreifen taugt er allemal. Von filmischen Großtaten wie Collateral oder gar Heat ist er allerdings meilenweit entfernt.  

Montag, 10. Mai 2010

THE MALTESE FALCON (John Huston, 1941)

The stuff that dreams are made of. 

Hustons Regiedebut ist nicht nur einer der wichtigsten Vertreter des Film Noir, sondern auch der erste, der die Rolle des sich stets am Rande der Legalität bewegenden, zwielichtigen Privatdetektivs in den Mittelpunkt stellte und so eine ganze Reihe von Filmen ähnlicher Machart nach sich zog. Ob Hawks Big Sleep (Bogart spielt hier eine sehr ähnliche Rolle) oder Polanskis Chinatown - die Spuren, die Hustons Film hinterlassen hat, sind unübersehbar. 

Die Story, die sich zu einem Großteil aus Lügen und deren Enttarnung zusammensetzt, verkommt beinahe zur Nebensache. Weitaus wichtiger sind die Entwicklung der Hauptfiguren und ihre Interaktionen. The Maltese Falcon lebt von seinen messerscharfen, äußerst pointierten Dialogen, die Huston überwiegend wörtlich aus Hammetts Roman übernahm, und natürlich von seinen Darstellern. Neben einem großartig aufspielenden Bogart ragt vor allem der Theaterschauspieler Sydney Greenstreet heraus. Seine Wortduelle mit Bogart sind es alleine wert, den Film zu sehen. Auch toll: Peter Lorre in einer überaus schmierigen Rolle. Nicht gänzlich überzeugen kann hingegen Mary Astor.

Als ich am Tag nach der Sichtung die DVD nochmals einlegte, um mir ein paar Szenen erneut anzusehen, landete ich zunächst in der deutschen Sprachfassung, um völlig irritiert festzustellen, dass man die deutsche Tonspur mit einer leichtfüßigen Jazznummer unterlegt hat, die in völligem Gegensatz zur düsteren Atmosphäre des Films steht. Im Originalton kommt an dieser Stelle gar keine Musik. Weiteres Zappen brachte zutage, dass man dies auch an anderen Stellen des Films gemacht hat. Und nicht nur das: auch die Darsteller klingen in der deutschen Fassung stellenweise so, als hätten sie einem im Tee. Daher an dieser Stelle die dringende Empfehlung, sich The Maltese Falcon unbedingt im Original anzuschauen.  

Donnerstag, 6. Mai 2010

THE HIDDEN (Jack Sholder, 1987)

Yo, hippy, what kind of dude are you?  

Meine erste Begegnung mit dieser Trash-Granate liegt schon viele Jahre zurück. Damals bin ich beim Zappen durch das TV-Programm bei der Verfolgungsjagd mit dem Ferrari zu Beginn hängengeblieben. Die Story um eine außerirdische Kreatur, die den Körper eines x-beliebigen Lebewesens als Wirt nutzen kann und dabei äußerst menschliche Bedürfnisse offenbart, wie die nach Geld, schnellen Autos, lauter Musik und Frauen, hat mich auf Anhieb begeistert. 

Das Ganze ist spannend und witzig zugleich, die Darsteller sind wunderbar – mein Favorit ist nach wie vor William Boyett in der Rolle des unter Gastritis leidenden, herzkranken Jonathan Miller, der rülpsend mit seinem bis zum Anschlag aufgedrehten Ghettoblaster durch die Gegend irrt, auf der krampfhaften Suche nach weiblichen Kontakten. Zum Ende hin geht dem Film zwar etwas die Puste aus – die ständigen Identitätswechsel wirken ermüdend – aber rechtzeitig bevor man beginnt sich zu langweilen, bringt Sholder die Hetzjagd zu einem gelungenen Abschluss: ein Happy End, das nur scheinbar eines ist.  

Montag, 26. April 2010

MOBY DICK (John Huston, 1956)

I don't give reasons. I give orders!

Hustons Verfilmung des Melville-Klassikers besticht vor allem durch die stilvolle Farbgebung und das erzählerische Geschick Hustons. Als Beispiel für Letzteres sei die Einführung der Figur des Kapitän Ahab genannt. Lange Zeit bleibt er der Crew und dem Zuschauer verborgen. Man hört nur seine polternden Schritte nachts auf dem Deck und sieht die verschlossene Tür seiner Kabine. Als er dann eines Tages unvermittelt auf Deck auftaucht, erkennt man das zunächst nur an den versteinerten Gesichtszügen der Matrosen, die wie gebannt in seine Richtung starren.

Die gute Inszenierung kann aber nur bedingt darüber hinwegtäuschen, dass Gregory Peck nicht gerade die Idealbesetzung für die Rolle ist. Er macht seine Sache zwar ganz ordentlich, restlos überzeugen kann er jedoch nicht. Insbesondere in den ersten Szenen, in denen er auftritt, lässt er den nötigen Ernst vermissen und stellenweise scheint es, als unterdrücke er mühsam ein Lächeln. Ein verbitterter, vom Hass zerfressener Mann sieht anders aus. Allerdings steigert er sich mit zunehmender Spieldauer - ich weiß nicht, ob Huston die Szenen in chronologischer Reihenfolge drehte - und zum Ende hin fällt diese Schwäche kaum noch ins Gewicht, zumal die Jagd nach dem Wal die einzelnen Figuren ohnehin in den Hintergrund treten lässt. Übrigens sehen diese Szenen auch im CGI-Zeitalter noch erstaunlich gut aus. Seinem Klassiker-Status wird der Film auch heute noch gerecht. 
 
Die DVD ist übrigens weitaus besser als ihr Ruf - was habe ich alles über die achso schlechte Bildqualität gelesen! - und bringt die ausgeblichenen Farben schön zur Geltung.

Freitag, 23. April 2010

NEVER LET GO (John Guillermin, 1960)

I said I told you never to lift anything within five miles of around here!

Der Kosmetikartikelverkäufer John Cummings ist vom Pech verfolgt. Nicht nur, dass das Geschäft schlecht läuft; zu allem Überfluss wird auch noch sein brandneuer Wagen gestohlen, während er im Büro sitzt. Dabei hat er jahrelang für das Vehikel gespart und muss noch ebenso lange monatliche Ratenzahlungen an die Bank leisten. Gegen Diebstahl war das gute Teil nicht versichert, weil er sich die Beiträge nicht leisten konnte. So ist er nun auf die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel angewiesen, die nicht nur grundsätzlich überfüllt, sondern auch noch unpünktlich sind. Infolgedessen kommt er zu vereinbarten Kundenterminen andauernd zu spät, was seine ohnehin schlechten Verkaufsergebnisse weiter drückt. Als er bei einem dieser Kundenbesuche die Nerven verliert, versetzt ihn der neue Juniorchef kurzerhand ins Lager verbunden mit der freundlichen Aufforderung, sich doch umgehend eine neue Stelle zu suchen. Die Ermittlungen der Polizei dauern ihm zu lange, und so entschließt er sich, den Warnungen seiner Frau zum Trotz die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Dabei gerät er einem Autoschieberring um den schmierigen Werkstattbetreiber Meadows in die Quere...

Wenn man zu einem Film keinen Eintrag im FTB-Register findet und außerdem selbst noch nie etwas von ihm gehört hat, deutet das darauf hin, dass es sich um einen selbst unter Filmfreunden wenig bekannten Streifen handelt. Dies ist erstaunlich im Hinblick darauf, dass Peter Sellers eine der Hauptrollen spielt und auch der Regisseur John Guillermin kein Unbekannter ist. Vor allem aber hat Never let go die sträfliche Missachtung, die ihm zuteil wird, überhaupt nicht verdient, denn es handelt sich um eine recht originelle, spannend erzählte Geschichte um einen Mann, der mit allen Mitteln seinen gestohlenen Wagen zurückhaben will, koste es, was es wolle. Weder die Prügel durch Meadows Schergen, noch die Mahnungen der Polizei, erst recht nicht die eindringlichen Bitten seiner Frau können ihn von seinem Vorhaben abbringen. Dabei versäumt es Guillermin nicht, noch einen Nebenplot um Meadows' Gespielin Jackie und deren Verhältnis zu dem Autodieb Tommy einzubauen, der dem Ganzen zusätzliche Würze verleiht.

Neben dem guten Skript können auch die Darsteller überzeugen, vor allem Peter Sellers in einer ungewohnt bösen Rolle, die ihm ausgezeichnet zu Gesicht steht, und Richard Todd, der den bemitleidenswerten Cummings als etwas trotteligen, aber liebenswerten Versager zeichnet. Als Bonus gibt's noch Carol White als attraktiven Blickfang dazu. Das Ende hätte für meinen Geschmack ruhig etwas düsterer ausfallen können, andererseits war mir sofort klar, dass Cummings' Frau ihre Drohung, wenn er jetzt ginge, sei sie bei seiner Rückkehr nicht mehr da, nicht in die Tat umsetzen würde. So sind sie nun mal, die Frauen; konsequentes Handeln ist ihr Ding nicht...

Samstag, 10. April 2010

HEARTBREAK RIDGE (Clint Eastwood, 1986)

Let's drink a toast to J.J. and all of the pieces of him we couldn't find!

Was für ein Spaß! Ich muss gestehen, dass ich zuvor von dem Film noch nie etwas gehört hatte. Die DVD habe ich im Rahmen meiner die-alten-Eastwoods-sind-bei-play-so-schön-billig-Aktion bestellt, mich vor der Sichtung aber eine Weile gedrückt, weil ich aufgrund des Titels dachte, es handele sich um eine Romanze. Umso überraschter war ich dann, als sich Heartbreak Ridge bereits nach wenigen Minuten als lupenreine Militär-Satire entpuppte. 

Die Charaktere sind herrlich überzeichnet - alleine wie Eastwood zu Beginn mit stolz geschwellter Brust seine zahlreichen Orden und Auszeichnungen durch die Gegend trägt und praktisch den ganzen Film über mit tiefer gestellter Stimme spricht, gibt seine Figur der Lächerlichkeit preis - jedes denkbare Klischee wird bedient und die kernigen One-Liner werden einem mit einer Geschwindigkeit um die Ohren gehauen, dass man mit dem Schmunzeln kaum hinterher kommt. Den Vogel schießt er dann in der Szene auf Grenada ab, wenn die eingeschlossenen Soldaten mangels funktionstüchtigen Funkgeräts einen Luftangriff über die Telefonvermittlung anfordern und das Gespräch auch noch mit der Kreditkarte bezahlen müssen. Köstlich! 

Ein toller Film, der mich zwei Stunden lang vorzüglich unterhalten hat. Nicht unerwähnt bleiben sollen die hervorragende Bild- und Tonqualität der englischen DVD, die einen schnell vergessen lässt, dass der Film fast 25 Jahre auf dem Buckel hat.  

STAR WARS: EPISODE III - REVENGE OF THE SITH (George Lucas, 2005)

Rise!

Wie seine beiden Vorgänger ein Film mit vielen Schwächen. Der darstellerischen Defizite Christensens zum Trotz gelingt es Lucas, Anakins Wandlung zu Darth Vader einigermaßen plausibel darzustellen. Der finale Kampf mit Kenobi ist natürlich völliger Schwachsinn, aber Schwamm drüber! 

Atmosphärisch ist Episode III durchaus ansprechend, schön düster und dem Anlass angemessen. Wie schon die beiden Vorgänger mag ich den Film trotz all seiner Schwächen. Hundertprozentig überzeugen kann mich keiner der drei Filme, unterhaltsam sind sie alle. Lucas größter Fehler ist ganz klar die Besetzung des uncharismatischen Hayden Christensen als Anakin Skywalker. Hätte ich bei der ersten Sichtung der "alten" Filme geahnt, dass Darth Vader ein solcher Waschlappen ist, hätten mich diese Film bestimmt nicht über Jahrzehnte hinweg in ihren Bann gezogen... 

Donnerstag, 1. April 2010

STAR WARS: EPISODE I - THE PHANTOM MENACE (George Lucas, 1999)

There's always a bigger fish.

Da meine Tochter und ihr Spielkamerad den Wunsch geäußert hatten, den Film zu sehen, nutzte ich die Gelegenheit, meine Erinnerung aufzufrischen. 

Wahrscheinlich bin ich der einzige erwachsene Mensch außerhalb der Filmcrew, der Lucas nachträglich gedrehten Beginn der Star-Wars-Saga mag. Dies hat sich auch nach dieser Sichtung nicht geändert. Abgesehen vom Nervfaktor Jar Jar Binks, der aber glücklicherweise nur wenig Screentime hat, fühlte ich mich von dem bunten Treiben wieder mal bestens unterhalten. Höhepunkte sind das rasant inszenierte Pod-Race (auch akkutstisch ein absolutes Hightlight) und der finale Kampf zwischen Darth Maul und Qui-Gon.

 

Sonntag, 21. März 2010

FRANTIC (Roman Polanski, 1988)

I can't stand this music.

Polanski goes Hitchcock. Ohne großes Vorgeplänkel kommt er gleich zur Sache und baut in der ersten Dreiviertelstunde eine immense Spannung auf. 

Mit zunehmender Spieldauer verflacht das Geschehen etwas, in dem Maße, in dem sich dem Zuschauer die simple Handlung offenbart und sich letztlich als einfache Entführungsgeschichte darstellt. 

Unterhaltsam ist das trotzdem, Harrison Ford ist souverän wie gewohnt und Emmanuelle Seigner bietet immerhin ein paar optische Reize.  

Dienstag, 16. März 2010

THE GAUNTLET (Clint Eastwood, 1977)

You really get off roughing up girls, don't you? 

Ein äußerst unterhaltsames Roadmovie mit Eastwood in typischer Rolle. Zwar versucht er halbherzig, sich selbst als versoffenen Versager zu inszenieren, tut das aber nicht konsequent, sondern lässt es nur in wenigen Szenen durchblitzen. Ansonsten gibt er wieder mal den harten Hund, der unbeirrt sein Ding durchzieht, in diesem Fall seinen Auftrag gegen alle Widerstände erfüllt. 

Für die besondere Würze sorgen die Wortgefechte mit Sondra Locke, zum damaligen Zeitpunkt Eastwoods Lebensgefährtin. Die private Beziehung lässt auch die Figurenentwicklung im Film glaubwürdig erscheinen. Darüber hinaus ist es mit der Glaubwürdigkeit allerdings nicht weit her, insbesondere Eastwoods Busfahrt am Schluss strapaziert die Gutmütigkeit des Zuschauers doch erheblich. Das ist aber auch der einzige Vorwurf, den man The Gauntlet machen kann.  

Dienstag, 23. Februar 2010

CHANGELING (Clint Eastwood, 2008)

He's not my son!

Eine Geschichte, die derart unglaublich ist, dass man normalerweise dem Autor vorwerfen würde, seine Phantasie sei mit ihm durchgegangen, doch geht der Vorwurf ins Leere, weil die Geschichte bekanntlich wahr ist. 

Eastwood inszenierte sehr behutsam und mit jenem Fingerspitzengefühl, das sein gesamtes Alterswerk auszeichnet. Die tollen Sets und Kostüme, die das L. A. der 30er Jahre wiederauferstehen lassen, und die erstklassigen Darsteller tun das ihre, um Changeling zu einem außergewöhnlichen Film zu machen. Selbst Angelina Jolie kann – für mich etwas überraschend – überzeugen.  

Changeling ist eine weitere grandiose Regie-Arbeit Eastwoods, ein ebenso spannender wie bewegender Film.   

Sonntag, 31. Januar 2010

WO DE FU QIN ME QIN/HEIMWEG (Zhang Yimou, 1999)

Ein erzählerisch mäßiger, optisch beeindruckender Film von Zhang Yimou. Seine Entscheidung, die Rahmenhandlung um den Rücktransport des Leichnams in Schwarzweiß und bloß die Rückblende farbig zu gestalten, bedaure ich, denn meiner Meinung nach hätte der Film als Ganzes deutlich besser gewirkt, wäre alles in Farbe. Andererseits unterstreicht diese Farbwahl, was der Kern des Films ist bzw. worum es Zhang eigentlich geht, nämlich um das Erzählen einer einfachen Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen. Die erzählt er in imposanten Bildern, und diese Bildstärke ist es, die den Film letztlich aus seiner Mittelmäßigkeit hebt. 

Einen erheblichen Anteil daran hat auch Zhang Ziyi, die den Mittelteil mit ihrer bezaubernden Performance alleine trägt. Für einen Zhang-Yimou-Film ist mir das trotz allem etwas wenig. Nett anzuschauen, aber auf meiner Zhang-Hitlist landet der Film im unteren Drittel, weit weg von seinen besten Arbeiten.  

Freitag, 29. Januar 2010

ALICE DOESN’T LIVE HERE ANYMORE (Martin Scorsese, 1974)

Well, look at my face. I don't sing with my ass.

Zwischen Mean Streets und Taxi Driver drehte Scorsese diese krude Mischung aus Drama, Roadmovie und Komödie, in deren Mittelpunkt die frisch verwitwete Alice mit ihrem Sohn Tommy steht. 

Die Story an sich ist ja noch ganz nett, doch die unsympathischen Hauptdarsteller – allen voran Ellen Burstyn und Alfred Lutter – trübten das Filmvergnügen erheblich, und so war es mir nach einer dreiviertel Stunde vollkommen wurscht, was aus Alice und ihrem verzogenen Bengel wird. Als besonders enervierend empfand ich die auf lustig getrimmten frühreifen Sprüche des Jungen. Positiv sind in jedem Fall die Auftritte Kris Kristoffersens und vor allem Harvey Keitels zu erwähnen. Die beiden können den Film aber auch nicht vor der Mittelmä0igkeit retten.  

Sonntag, 3. Januar 2010

TERMINATOR SALVATION (McG, 2009)

Judgment Day happened.

Ja, Wahnsinn! Nach dem in meinen Augen äußerst gelungenen 3. Teil waren die Erwartungen an Nr. 4 sehr hoch und wurden dennoch mit spielerischer Leichtigkeit übertroffen. Ich habe keine Ahnung, wer McG ist, geschweige denn einen seiner bisherigen Filme gesehen, aber immerhin weiß ich jetzt, dass er atemberaubende, mitreißende Action inszenieren kann, die den Zuschauer kaum Luft holen lässt. Geschmack scheint er auch zu haben, oder wer sonst kam auf die grandiose Idee, aus dem Radio des nach Jahren wiederbelebten Trucks einen alten Alice-In-Chains-Klassiker dröhnen zu lassen? 

Und auch sonst macht Terminator Salvation alles richtig: die bildgewaltigen Sets sorgen in Verbindung mit dem großartigen Score für eine düstere und dichte Atmosphäre, die Story ist schlüssig und passt perfekt in das durch die Vorgängerfilme gezeichnete Terminator-Universum, Christian Bale scheint die Rolle des John Connor wie auf den Leib geschneidert, und mit der undurchsichtigen Figur des Marcus Wright bringt man neuen Schwung in die in groben Zügen bereits bekannte Geschichte. Als besondere Schmankerl empfand ich den gewohnt kantigen Auftritt Michael Ironsides als Kommandant des Widerstands sowie die zahlreichen, aber keineswegs penetranten Selbstreferenzen. 

Um meine Begeisterung in einem Satz zusammenzufassen: genau so habe ich mir damals bei der Sichtung des ersten Terminator-Films den Krieg gegen die Maschinen vorgestellt. Teil 5 kann kommen.  

Samstag, 2. Januar 2010

THE ASPHALT JUNGLE (John Huston, 1950)

One way or another, we all work for our vice.

Ein großartiger Film, der geschickt Elemente des Film Noir und des Heist-Movie miteinander kombiniert und bis in die Nebenrollen exzellent besetzt ist. 

Huston erzählt die Geschichte beinahe ausschließlich aus Sicht der Gangster, was den Zuschauer zwangsläufig zu deren Sympathisanten macht. Letztlich sind es dumme Zufälle und die Unaufrichtigkeit der Beteiligten untereinander, die den zunächst scheinbar perfekt geplanten Raub scheitern lassen. Bezeichnend, dass der geniale Mastermind Doc nur deshalb gefasst wird, weil er einer attraktiven jungen Dame noch ein paar Minuten beim Tanzen zusehen wollte. Spannend von der ersten bis zur letzten Minute.