Samstag, 9. Juni 2012

NEW YORK STORIES (Martin Scorsese, Francis Ford Coppola, Woody Allen, 1989)

Wenn sich drei große New Yorker Regisseure zusammentun, um einen Film über ihre Stadt zu machen, sind die Erwartungen sehr hoch. Das Ergebnis fällt letztlich ernüchternd aus. 

Scorseses Geschichte um den Maler Lionel Dobie ist noch die beste und kann mit beeindruckenden Bildern aufwarten. Zudem ist sie hochkarätig besetzt. Allerdings spielt sie sich fast vollständig innerhalb von Gebäuden ab, so dass der Bezug zu New York in erster Linie über die Einbindung der New Yorker Kunstszene, deren Teil Dobie ist, erfolgt. 

Coppolas Beitrag Life without Zoe ist so schlecht, dass man kaum glauben mag, dass er etwas damit zu tun hat. Es braucht schon eine gehörige Portion Leidensfähigkeit, um dieses Stuss bis zum Ende zu ertragen. 

Woody Allens visuelle Verarbeitung des Ödipus-Komplexes ist originell und recht witzig, krankt aber an der dürftigen Umsetzung. Aus der Idee hätte man mehr machen können. 

Unter dem Strich bietet New York Stories nicht mehr als eine Ansammlung belangloser Geschichten, auf die man gut hätte verzichten können.

Montag, 4. Juni 2012

LAST MAN STANDING (Walter Hill, 1996)

Everybody ends up dead, just a matter of when.

Hills Remake des Kurosawa-Films Yojimbo verlagert die um einige zusätzliche Elemente angereicherte Handlung in das heruntergekommene Wüstenkaff Jericho in der Nähe der mexikanischen Grenze. Obwohl zur Zeit der Prohibition angesiedelt und damit kein klassischer Western sind es doch die Western-Elemente, die den Film dominieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Hill-Filmen, in denen die Actionsequenzen oft entschleunigt sind, bricht die Gewalt hier meist eruptiv aus den Protagonisten hervor und steht damit in krassem Gegensatz zu der trägen Erzählweise. Die Schießereien starten oft völlig unvermittelt ohne Vorwarnung und sind äußerst dynamisch inszeniert. Hill ist nicht an einer Charakterstudie interessiert, vielmehr stehen für ihn ästhetische Aspekte im Vordergrund. Staub, Dreck und Wüstensand sind jederzeit präsent und prägen den extrem stylischen Look des Films. Zynische Oneliner und wüste Schießereien – garniert von einem akzentuiert eingesetzten, großartigen Score. 

Die Figur des „John Smith“ bleibt oberflächlich; man erfährt nicht einmal seinen echten Namen. Willis' Verkörperung des skrupellosen, opportunistischen Gangsters, der nur an seinem eigenen Vorteil interessiert ist, um dann doch wegen einer Frau gegen seine Prinzipien zu verstoßen, ist eine der besten Leistungen seiner Karriere. Kongenial ergänzt wird er dabei von Christopher Walken, der einmal mehr in seiner Paraderolle glänzt.

Last Man Standing ist meiner Meinung nach Walter Hills bester Film, auch wenn ich mit dieser Einschätzung vermutlich alleine dastehe. Und wie nach jeder bisherigen Sichtung musste ich mich zusammenreißen, um nicht gleich nach dem Abspann die DVD von Neuem zu starten. Schlichtweg großartig.