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13 April 2026

THE RAIN PEOPLE (Francis Ford Coppola, 1969)

You gotta care about yourself because nobody else will.

Die verheiratete Natalie verlässt mitten in der Nacht ihren Mann, nachdem sie erfahren hat, dass sie schwanger ist. Auf ihrem Roadtrip durch den mittleren Westen der USA gabelt sie den Tramper Jimmie auf, der nach einer schweren Verletzung beim Football eine Hirnschädigung davongetragen hat.

"I used to wake up in the morning and it was my day. And now it belongs to you." sagt Natalie in einem der zahlreichen Telefonate, die sie von unterwegs mit ihrem Mann führt. Das bringt ihre Gefühle und damit den Grund für ihre Flucht gut auf den Punkt. Doch ihr Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit endet schnell damit, dass sie sich gegen ihren Willen um den hilflos wirkenden Jimmie kümmern muss, der auf sich allein gestellt kaum lebensfähig zu sein scheint. Sie wird ihn einfach nicht mehr los, egal wie sehr sie sich bemüht. Nachdem sie den Polizisten Gordon kennengelernt hat, manövriert sie sich immer weiter in eine ausweglose Situation, bevor es zur finalen Eskalation kommt. Das Ende, wenn sie mit dem tödlich verwundeten Jimmie spricht, kann man durchaus dahingehend deuten, dass sie Frieden mit sich geschlossen und ihre Schwangerschaft und die damit einhergehenden Veränderungen in ihrem künftigen Leben akzeptiert hat. Die Worte könnten genauso gut an ihren Mann gerichtet sein. Und die Verantwortung für ein Kind hat sie quasi bereits dadurch übernommen, dass sie sich um Jimmie gekümmert hat. Was am Ende ihrer Reise und des damit verbundenen Lernprozesses steht, lässt Coppola bewusst offen, entlässt aber den Zuschauer immerhin mit dem Gefühl, dass sie die Dinge für Natalie zum Guten wenden werden.

Coppolas The Rain People ist ein typischer Vertreter der New-Hollywood-Ära und kann vor allem mit seinen hervorragenden Darstellern überzeugen. Insbesondere James Caan liefert mit der Rolle des geistig eingeschränkten Jimmie eine der besten Leistungen seiner Karriere ab und auch Shirley Knight gibt eine bravouröse Vorstellung. Mit einfachen Mitteln gedreht tritt der Regisseur einmal mehr den Beweis an, dass es für einen guten Film nicht mehr als eine interessante Story und gute Darsteller braucht. Hilfe hat er dabei von seinem Kumpel George Lucas erhalten, der zeitgleich an seinem Drehbuch zu THX 1138 arbeitete, während er Coppola assistierte. 

Am Ende bleibt The Rain People ein leiser und erstaunlich moderner Film über eine junge Frau, die vor sich selbst davonläuft und unterwegs feststellt, dass Verantwortung nicht immer eine Last sein muss. Coppola interessiert sich weniger für große Gesten als für die kleinen Verschiebungen im Inneren und  genau darin liegt die Stärke dieses oft übersehenen Frühwerks des Meisterregisseurs. 

01 August 2013

DRACULA (Francis Ford Coppola, 1992)

I've crossed oceans of time to find you.

In den 90er Jahren habe ich Coppolas Umsetzung des berühmten Stoker-Romans häufig gesehen, u. a. auch anno 1992 im Kino. Die letzte Sichtung liegt mittlerweile mehr als 10 Jahre zurück, und das Erstaunlichste für mich beim jetzigen Wiedersehen war, wie viele Details ich inzwischen vergessen hatte.

Coppolas Film orientiert sich stärker an der Romanvorlage als frühere Verfilmungen und besticht durch die herausragende Kamera-Arbeit von Michael Ballhaus und den kongenialen Score des Polen Wojciech Kilar. Auch darstellerisch wird Großes geboten: Gary Oldman brilliert in der Rolle des liebeskranken Blutfürsten, den die Sehnsucht nach seiner toten Geliebten durch die Jahrhunderte irren lässt, getrieben von der Hoffnung, eines Tages wieder mit ihr vereint zu werden. Kaum minder beeindruckend Anthony Hopkins als Vampirjäger van Helsing und Tom Waits als Renfield. Keanu Reeves fällt hier etwas ab mit einer insgesamt recht blassen Performance. Als Ausgleich darf man sich an einer bezaubernden Winona Ryder und Monica Bellucci als Vampirbraut erfreuen.

Coppolas Version – und da mögen die Cineasten unter den Lesern getrost aufschreien – ist mir von allen Dracula-Umsetzungen die Liebste. Der hinzugedichtete Erzählstrang um die Liebesbeziehung zwischen Dracula und Mina, in der der Fürst eine Wiedergeburt seiner Elisabeta entdeckt zu haben glaubt, bereichert die literarische Vorlage auf glaubwürdige Art und Weise und verleiht der ursprünglich vorwiegend dem Horrorgenre zuzuordnenden Geschichte einen ebenso romantischen wie tragischen Aspekt. Mir hat diese bild- und tongewaltige Mischung aus Vampirgrusel und Liebesdrama seit jeher außerordentlich gut gefallen. Und auch dieses Mal fühlte ich mich wieder bestens unterhalten.

12 November 2012

TWIXT (Francis Ford Coppola, 2011)

Do you dare go further?

Coppola macht es einem wirklich nicht leicht. Nach dem eigenartigen Youth without Youth und dem erzählerisch wie stilistisch großartigen Tetro fordert er den Zuschauer mit der kruden Horrorgeschichte Twixt heraus. Im Grunde genommen werden zwei Geschichten parallel erzählt, die miteinander verwoben sind: Da ist die Geschichte des mäßig erfolgreichen Schriftstellers Hall Baltimore, der durch einige kleine Käffer tourt, um sein aktuelles Buch zu signieren. In einer kleinen Stadt wurde kürzlich ein junges Mädchen ermordet, das mit einem durchs Herz gerammten Pfahl in der Leichenhalle liegt. Der Sheriff ist überzeugt, dass sie Opfer eines Serienmörders wurde und überredet Baltimore zum Bleiben. In der zweiten Geschichte erscheint Baltimore im Traum der Geist eines 1955 ermordeten jungen Mädchens sowie der Geist Edgar Allan Poes, der einst in dem Hotel, in dem das Mädchen bis zu seiner Ermordung lebte, übernachtet hat und Baltimore in seinen Träumen bei der Aufklärung der damaligen Geschehnisse hilft. Und dann ist da noch der Turm mit den 7 Uhren, von denen jede eine andere Uhrzeit anzeigt und in dem angeblich der Teufel gewohnt haben soll.

Wie schon bei den vorgenannten Filmen bedient sich Coppola einer extrem stilisierten Optik, die er in ähnlicher Form erstmals 1983 bei Rumble Fish anwandte. Die verschiedenen Erzählebenen sind derart miteinander verwoben, dass teilweise kaum zwischen Traum und Realität unterschieden werden kann. Und am Ende bleibt es dem Zuschauer überlassen, sich einen Reim auf das zuvor Gesehene zu machen und herauszufinden, was nun eigentlich passiert ist.

Interessant sind - neben der ungewöhnlichen Optik - die zahlreichen Anspielungen auf Leben und Werk Egar Allan Poes einerseits und Coppolas eigenes Leben andererseits. Das ermordete Mädchen, das Baltimore erscheint, heißt Virginia und war 12 Jahre alt (sah aber wie 13 aus, wie sie selbst sagt). Poe heiratete seine Kusine Virginia Clemm, als diese 13 Jahre alt war. Sein Gedicht The Raven wird mehrfach zitiert, insbesondere das ständig wiederholte Nevermore. Und das lebendige Einmauern bzw. lebendig Begrabenwerden, das Virginia widerfährt, ist ein wiederkehrendes Motiv seiner Erzählungen, hatte er doch selbst zeitlebens große Angst davor. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Verweise auf Poes Werk. Nicht zuletzt ist natürlich auch Baltimores Nachname eine Reminiszenz: Poe verbrachte einen Teil seines Lebens in Baltimore, sein Vater stammte von dort und er (Poe) starb auch dort.

Auch auf Coppolas Leben gibt es mehrere Verweise, in erster Linie natürlich der Tod von Baltimores Tochter durch einen Bootsunfall. Coppolas ältester Sohn starb ebenfalls bei einem Bootsunfall, der sich genauso zugetragen hat, wie der im Film gezeigte Unfall von Baltimores Tochter. Dies gibt Twixt eine sehr persönliche Note.

Twixt ist ein ebenso verstörender wie schöner Film, dessen Komplexität sich bei der ersten Sichtung nicht völlig erschließt. Wirklich verstanden habe ich ihn nicht, aber was macht das schon?

09 Juni 2012

NEW YORK STORIES (Martin Scorsese, Francis Ford Coppola, Woody Allen, 1989)

Wenn sich drei große New Yorker Regisseure zusammentun, um einen Film über ihre Stadt zu machen, sind die Erwartungen sehr hoch. Das Ergebnis fällt letztlich ernüchternd aus. 

Scorseses Geschichte um den Maler Lionel Dobie ist noch die beste und kann mit beeindruckenden Bildern aufwarten. Zudem ist sie hochkarätig besetzt. Allerdings spielt sie sich fast vollständig innerhalb von Gebäuden ab, so dass der Bezug zu New York in erster Linie über die Einbindung der New Yorker Kunstszene, deren Teil Dobie ist, erfolgt. 

Coppolas Beitrag Life without Zoe ist so schlecht, dass man kaum glauben mag, dass er etwas damit zu tun hat. Es braucht schon eine gehörige Portion Leidensfähigkeit, um dieses Stuss bis zum Ende zu ertragen. 

Woody Allens visuelle Verarbeitung des Ödipus-Komplexes ist originell und recht witzig, krankt aber an der dürftigen Umsetzung. Aus der Idee hätte man mehr machen können. 

Unter dem Strich bietet New York Stories nicht mehr als eine Ansammlung belangloser Geschichten, auf die man gut hätte verzichten können.

28 Juni 2011

TETRO (Francis Ford Coppola, 2009)

Your opinion doesn't matter to me anymore.

Bennie sucht nach seinem älteren Bruder Angelo, der sich vor Jahren ohne für ihn ersichtlichen Grund nach Südamerika abgesetzt hat und jetzt unter dem Namen Tetro in Buenos Aires lebt. Tetro ist vom Besuch seines Bruders wenig begeistert, wollte er doch damals mit seiner Familie für immer abschließen. Doch die Begegnung mit Bennie bringt Stück für Stück die Schatten der Vergangenheit in Tetros Leben zurück...

Dass der Patient Francis Ford auf dem Wege der Besserung ist, hat sich schon bei Youth without Youth angedeutet, auch wenn dieser mich noch nicht vollends überzeugen konnte. Mit Tetro hingegen knüpft Coppola an seine Schaffensphase zu Beginn der 80er Jahre an, als er mehrere stilistisch recht eigenwillige Werke wie One from the Heart, Rumble Fish oder auch The Cotton Club schuf. Tetro fügt sich hier nahtlos ein und lässt den Zuschauer schnell vergessen, dass seither mehr als 25 Jahre vergangen sind. Die Geschichte wird überwiegend in Schwarzweiß-Bildern erzählt, nur die Rückblenden sind in Farbe gehalten. Das immer wiederkehrende Motiv des Autounfalls zieht sich wie ein roter Faden durch den Film und markiert gleichzeitig mehrere Schlüsselelemente der Handlung. Erst am Ende wird dem Zuschauer offenbart, warum Tetro nach Südamerika ausgewandert ist.

Coppola ist immer dann am besten, wenn er es schafft, seinen hohen künstlerischen Anspruch mit einer mitreißenden Geschichte zu verbinden. Tetro ist dafür ein eindrucksvolles Beispiel. Dies ist auch ein Verdienst der beiden Hauptdarsteller Alden Ehrenreich und Vincent Gallo, wobei insbesondere Letzterer eine eindringliche Vorstellung abliefert. Klaus Maria Brandauer hat zwar nur wenige Szenen, dominiert diese aber durch seine starke Präsenz.

20 Juni 2011

THE OUTSIDERS - The Complete Novel (Francis Ford Coppola, 1982)

Boys will be boys.

The Outsiders ist Coppolas erste Verfilmung eines Hinton-Romans. Mit dem unmittelbar darauf folgenden Rumble Fish gibt es viele Gemeinsamkeiten, dessen formale Brillanz erreicht The Outsiders aber nicht. Die 2005 veröffentlichte Langfassung ist entstanden, als Coppolas Enkelin ihn bat, den Film in ihrer Schule vorzuführen, nachdem sie im Unterricht das Buch gelesen hatten. Weil jedoch viele Stellen aus dem Buch im Film fehlten (auch auf Druck des Studios vor der Veröffentlichung) entschloss er sich, eine längere Fassung zu schneiden, deren Aufbau sich an der Buchvorlage orientiert.

Mir ist die Langfassung lieber als die Kinofassung, die ich vor Jahren mal im Fernsehen gesehen und emotional als weit weniger packend empfunden habe. The Outsiders ist weniger ein Film über Gewalt unter Jugendlichen, sondern in erster Linie ein Film über Freundschaft und Familie. Die Gewalt ist zwar immer präsent, geht aber kaum über die übliche Rivalität unter Heranwachsenden hinaus. (Bobs Tod bildet eine kleine Ausnahme, wobei es sich ja nicht um eine vorsätzliche Tötung sondern eher um Notwehr handelte.) Selbst der große Kampf zwischen den Greasers und den Socs am Ende wird ohne Waffen und nach fairen Regeln ausgetragen. Man haut sich gegenseitig auf die Fresse, aber niemand kommt ernsthaft zu Schaden. Bezeichnenderweise ist es die heldenhafte Rettung von Kindern vor dem Verbrennen, die Johnny das Leben kostet. Interessant auch, dass mit Johnny und Dallas gerade die beiden der Greasers ihr Leben lassen, denen der familiäre Rückhalt fehlt.

05 August 2010

YOUTH WITHOUT YOUTH (Francis Ford Coppola, 2007)

What do we do with... time?

Auch einen Tag nach der Sichtung des ersten Coppola-Films seit dem dürftigen The Rainmaker weiß ich nicht recht, was ich dazu schreiben soll. Sicher ist: nach der seelenlosen vorgenannten Auftragsarbeit handelt es sich hier wieder um einen echten Coppola. Er basiert auf dem Roman des Rumänen Mircea Eliade und verbindet u. a. die Themen Zeit, Sprachen und Seelenwanderung bzw. Reinkarnation zu einer in Ansätzen interessanten Geschichte, die allerdings seltsam unausgegoren wirkt. 

Dies gleich als "Eso-Quatsch" zu bezeichnen, wie in einigen Kritiken der Fall, ist allerdings übertrieben und wird dem Film nicht gerecht. (Außerdem springt mir, wenn ich die Schublade mit der Beschriftung "Eso-Quatsch" öffne, immer sofort Aronofskys The Fountain entgegen.) Auch die in Kritiken öfter erwähnte unfreiwillige Komik habe ich nicht wahrgenommen. 

Darstellerisch gibt es wenig zu bemängeln. Vor allem Tim Roth liefert eine überzeugende Leistung ab. Gedreht wurde ausschließlich an Originalschauplätzen. Auch Sets und Kostüme geben keinen Anlass zur Kritik. So richtig glücklich bin ich mit Youth without Youth trotzdem nicht. Für meine Begriffe hätte der Story eine kräftige Entschlackung gutgetan; insbesondere der Nazi-/Geheimdienst-Subplot wirkte fehl am Platz, auch wenn ich die Idee mit dem Hakenkreuz auf dem Strumpfband sensationell fand. Der Film wirkt überfrachtet und in sich nicht immer schlüssig. 

Alles in allem also eine durchaus zwiespältige Angelegenheit.  

27 Mai 2010

ONE FROM THE HEART (Francis Ford Coppola, 1982)

If you wanna get rid of a circus girl, all you've gotta do is close your eyes.

One from the Heart war Coppolas erster Film nach Apocalypse Now. Die Produktionskosten stiegen während der Dreharbeiten ins Unermessliche und lagen am Ende mehr als zehnmal so hoch wie ursprünglich veranschlagt, was – in Kombination mit den mageren Einspielergebnissen – Coppola an den Rande des finanziellen Ruins trieb. Hauptgrund für die immensen Kosten war der hohe künstlerische Anspruch, den Coppola an sich selbst stellte und der ihn darauf bestehen ließ, den kompletten Film an nachgebauten Sets in den Hallen seines Zoetrope Studios zu drehen statt an Originalschauplätzen in Las Vegas bzw. der umliegenden Wüste. Die Marschrichtung ist dann auch von der ersten Filmminute an klar: es geht Coppola nicht um das Erzählen einer interessanten Geschichte – die Story um eine kriselnde Beziehung könnte banaler kaum sein – sondern darum, die Kunstformen Theater und Kino miteinander zu verbinden. So ist ein in hohem Maße künstlicher und künstlerischer Film entstanden, dessen teils surreale Szenen der Wirklichkeit weit entrückt sind. Hier seien insbesondere die Liebesszene zwischen Hank und Leila und die nachfolgenden Sequenzen genannt.

Die musikalische Untermalung von Crystal Gayle and Tom Waits trifft nicht unbedingt meinen Geschmack, passt aber hervorragend, zumal die Songtexte oft direkten Bezug auf das Geschehen auf dem Bildschirm nehmen. Frederic Forrest und Teri Garr geben ein glaubwürdiges und durchaus sympathisches Paar ab und stehen mit ihrer Bodenständigkeit und Natürlichkeit in krassem Gegensatz zu den künstlichen, zumeist in grelle Neonfarben getauchten Kulissen. Bemerkenswert sind auch die optischen Spielereien, die Coppola bei zahlreichen Übergängen einsetzt, z. B. wenn er die Folgeszene als Hintergrundbild der noch laufenden Szene einblendet.

One from the Heart ist ein Film, bei dem es so viel zu entdecken gibt, dass es bei der ersten Sichtung gar nicht möglich ist, alles richtig zu erfassen. Ein ebenso experimenteller wie mutiger Film, dessen Schöpfer bei seiner Fertigung wie ein Pokerspieler alles auf eine Karte setzte – und verlor. In finanzieller Hinsicht versteht sich, denn dass One from the Heart unter rein künstlerischen Aspekten ein Gewinn ist, steht außer Frage.  

11 November 2007

DEMENTIA 13 (Francis Ford Coppola, 1963)

Coppolas Debut, von Roger Corman produziert und am Set von The Young Racers entstanden, atmet mehr den Geist seines Produzenten als den seines Regisseurs. Eigentlich ein typischer Hammerfilm mit den üblichen Zutaten, der mit den späteren Arbeiten Coppolas nicht viel gemein hat. 

Dementia 13 punktet vor allem mit der durchweg düsteren, unheilschwangeren Atmosphäre, die von der fürchterlichen Bildqualität der mir vorliegenden UK-DVD noch unterstützt wurde. Zum Glück war die Tonqualität der Dialoge immerhin gut genug, um der Handlung problemlos folgen zu können. Die Story wurde meines Wissens von Coppola selbst geschrieben und ist recht brauchbar, bewegt sich dabei natürlich streng innerhalb der Genre-Grenzen. 

Wenn man dem Film etwas vorwerfen kann, dann sicherlich dass er etwas zu durchsichtig ist, denn man ahnt schon sehr früh, wer hinter allem steckt. Das tut dem Vergnügen aber keinen Abbruch und auch dank der kurzen Spielzeit von knapp 75 Minuten weiß Dementia 13 durchgehend gut zu unterhalten. Doch, hat mir eigentlich ganz gut gefallen. 

21 September 2007

APOCALYPSE NOW (Francis Ford Coppola, 1979)

The horror... the horror...

Nachdem ich bei der letzten Sichtung die Redux-Fassung gesehen hatte, wählte ich dieses Mal die Kinofassung. Kurioserweise machte DVD Nr. 2 dann mit der Redux-Fassung weiter, obwohl ich auch hier die Kinofassung gewählt hatte (Mastering-Fehler?). So kam ich also in den zweifelhaften Genuss, eine Mischung aus Kinofassung (1. Hälfte) und Redux (2. Hälfte) zu sehen. Zum Ausgleich schaue ich dann vielleicht beim nächsten Mal die 1. Hälfte der Redux-Fassung und die 2. Hälfte des Kino-Cuts... 

Jedenfalls führte mir mein Missgeschick noch deutlicher als bei der letzten Redux-Sichtung vor Augen, dass die Plantagen-Szene ein Fremdkörper ist und den Filmfluss nicht nur merklich hemmt, sondern vor allem auch die bis dahin vorherrrschende bedrohliche Atmosphäre deutlich abkühlt. Damit keine Zweifel aufkommen: die Szene ist wunderschön fotografiert und toll gespielt, aber sie passt einfach nicht zum Rest des Films. Lustigerweise bezeichnet Coppola im Bonus-Material die Redux-Fassung als eine surreale Version des Kino-Cuts und hier führt er als Beleg insbesondere die Plantagenszene ins Feld. Ich bin genau der gegenteiligen Meinung: die Redux-Fassung mit ihren zahlreichen Ergänzungen hat nicht nur weniger Tempo, sondern wirkt auch bodenständiger. Alles in allem hat mich die gestrige Sichtung in meiner Meinung bestärkt, dass die Kinofassung der Redux-Fassung überlegen ist.

Im Gegensatz zur gängigen Meinung sehe ich Apocalypse Now nicht in erster Linie als Kriegsfilm, sondern vielmehr als Reise in den Wahnsinn - eben wie der Titel der Romanvorlage schon sagt: eine Reise ins Herz der Finsternis. Coppola inszenierte diese Reise wie einen schlechten Drogen-Trip, einen surrealen Fiebertraum, in dem die Grenzen zwischen richtig und falsch, zwischen Vernunft und Wahnsinn immer mehr verschwimmen. Charging a man with murder in this place was like handing out speeding tickets in the Indy 500 sagt Willard und trifft dabei den Nagel auf den Kopf. If that's how Kilgore fought the war I began to wonder what they really had against Kurtz. It wasn't just insanity and murder, there was enough of that to go around for everyone. Natürlich merkt Willard sehr bald, dass die Militärführung Kurtz deshalb töten lassen will, weil er nicht das macht, was sie ihm sagen, weil er sich nicht mehr von ihnen kontrollieren lässt. Der beste Dialog des Films kommt dann kurz vor Schluss, als Kurtz Willard nach seinem Auftrag fragt. They told me that you had gone totally insane, and that your methods were unsound sagt er, worauf Kurtz ihn fragt: Are my methods unsound? - I don't see any method at all entgegnet Willard. Eine Aussage, die nicht nur Kurtz‘ Verhalten beschreibt, sondern den gesamten Vietnamkrieg in sieben Worten charakterisiert. 

Apocalypse Now zählt ohne Zweifel zu Coppolas besten Arbeiten und ist ein Film, der mit jeder Sichtung wächst. Der arg strapazierte Begriff "Meisterwerk" ist hier durchaus angebracht.

21 August 2007

TUCKER: THE MAN AND HIS DREAM (Francis Ford Coppola, 1988)

The car of tomorrow... today.

Coppola setzte seine persönliche Faszination für den legendären 1948 Tucker Sedan (Coppola hatte ebenso wie Produzent George Lucas bei Drehbeginn noch zwei Exemplare in seinem Besitz – wie das heute aussieht, weiß ich leider nicht) in Anlehnung an den 1948er Werbefilm für das Auto Tucker: The man and his car um und nutzte sogar eine leichte Abwandlung des Titels für seinen eigenen Film. Dem entsprechend wirkt Tucker (der Film) speziell zu Beginn wie ein Werbefilm, und auch im späteren Verlauf werden immer wieder aus dem Off gesprochene Passagen in typischer Verkäufermanier eingefügt. Ergänzt wird dies durch eine leicht theatralische Darbietung der Schauspieler, insbesondere Jeff Bridges spielt wie ein Darsteller auf einer Theaterbühne. Überhaupt ist es in erster Linie der brillanten Leistung von Bridges zu verdanken, dass der Film so gut funktioniert, denn er spielt den Idealisten Preston Tucker mit einer solchen Hingabe und Begeisterung, dass man als Zuschauer am liebsten selbst mitanpacken würde, damit das Auto schneller fertig wird. Beeindruckend zu sehen, wie weit Tucker damals seiner Zeit voraus war und wie er die zahlreichen Probleme, die sich ihm in den Weg stellten und den immensen zeitlichen Druck meisterte.

Coppola hält sich weitgehend an die tatsächlichen Geschehnisse, nimmt sich jedoch gegen Ende auch einige dramaturgische Freiheiten. Wenn man sich den oben bereits erwähnten Werbefilm ansieht, der auf der hervorragenden DVD von Paramount als Bonus enthalten ist, merkt man wie detailversessen Coppola gearbeitet hat. Die Szene, in der der Proto-Typ des Tucker der Öffentlichkeit vorgestellt wird, ist beinahe eine exakte Kopie der echten Szene, inklusive der unfreiwilligen Champagnerdusche.

Tucker ist ein mitreißender, wunderschön fotografierter Film über den visionären Autobauer, dessen Ideen damals revolutionär waren und heute Standard in jedem Auto sind (Sicherheitsgurte, Scheibenbremsen, Benzineinspritzung, etc.). Besonders ergreifend fand ich sein Plädoyer am Ende der Gerichtsverhandlung, wo er es mit nur wenigen Sätzen schafft, den ganzen Saal für sich einzunehmen.  

22 Juli 2007

RUMBLE FISH (Francis Ford Coppola, 1983)

Blind terror in a fight can easily pass for courage.

Zweifellos einer der experimentellsten Coppola-Filme. Komplett in schwarzweiß gehalten, als visuelle Umsetzung der Farbenblindheit des Motorcycle Boy. Nur die siamesischen Kampffische werden rot und blau dargestellt. 

Die Story um den orientierungslosen Rusty James und seinen von ihm nahezu vergötterten Bruder Motorcycle Boy ist eigentlich nichts Außergewöhnliches, und sie ist im Grunde genommen auch nicht wichtig. Weitaus interessanter sind stilistischen Mittel, derer sich Coppola bedient, und die Rumble Fish recht deutlich von seinem übrigen Schaffen abgrenzen. Es gibt viele schräge Kamerawinkel, sowie zahlreiche Aufnahmen aus der Frosch- oder Vogelperspektive. Das Motiv der im Zeitraffer über den Himmel jagenden Wolken taucht immer wieder auf, ebenso die häufigen Close-Ups auf Uhren. Auch der Score von Stewart Copeland ist ziemlich abgefahren. Neben seiner Farbenblindheit hat der Motorycle Boy auch ein Problem mit dem Hören, was Coppola immer wieder zum Anlass nimmt, einzelne Szenengeräusche extrem in den Vordergrund zu spielen, wie z. B. das überlaute Klackern der Schreibmaschinen in der Szene, wo Rusty James der Schule verwiesen wird.

Eine besondere Erwähnung verdient Nicolas Cage, denn dies ist der einzige Film, in dem er mir nicht tierisch auf den Senkel geht.