25 November 2007

DEATH PROOF (Quentin Tarantino, 2007)

You'll crack my back. You'll give me foot massages. And after I shower, you put moisturizer on my butt.

Viele Frauenfüße gibt es hier zu sehen, meist in Großaufnahme. Und ein paar Ärsche auch. Tarantino frönt seinem Fuß-Fetisch in seinem neuesten Werk in bisher noch nicht gesehener Hemmungslosigkeit. Insbesondere Sydney Poitier macht dabei eine gute Figur. Aber auch darüber hinaus trifft Tarantino bei mir wieder voll ins Schwarze. Ist der Beginn noch etwas verhalten, weil die Gespräche der Mädels mich nicht so richtig packen, nimmt der Film dann nach dem Lap-Dance doch ordentlich Fahrt auf. Kurt Russell merkt man seine Freude, noch einmal eine größere Rolle spielen zu können, deutlich an und die Mädels in der zweiten Hälfte gefielen mir sowieso viel besser.

Eine echte Entdeckung ist Zoe Bell, die sich hier selbst spielt und dabei unter Beweis stellt, dass sie nicht nur eine gute Stuntfrau sondern auch eine brauchbare Schauspielerin mit starker Ausstrahlung ist. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass ein neuseeländischer Akzent auch eine erotisierende Wirkung haben kann.

Death Proof ist nicht nur wieder mit Filmzitaten gespickt, sondern auch selbstreferenziell bis zum Abwinken. Ob Big-Kahuna-Burger, Red-Apple-Zigaretten, der Twisted-Nerve-Klingelton oder der obligatorische Shot aus dem Innern eines Kofferraums: Kenner der Tarantinofilme schmunzeln wissend vor sich hin. Und auch das nunmehr dritte Auftauchen des Texas Rangers Earl McGraw (Michael Parks) deutet darauf hin, dass Tarantino sich zunehmend sein eigenes Filmuniversum schafft, wobei Parks Auftritt dieses Mal nicht ganz so unterhaltsam ist wie in Kill Bill. Dennoch immer wieder ein Genuss ihm zuzusehen und vor allem zuzuhören mit seiner unnachahmlichen Art zu sprechen.

Die große Verfolgungsjagd im letzten Drittel ist derart mitreißend inszeniert, dass man sie getrost auf eine Stufe mit den ganz großen Autorennen der Filmgeschichte stellen kann, was ja auch das erklärte Ziel des Meisters war, wie er im Interview auf der DVD erklärt. Ach ja, noch was: ich hatte ganz vergessen, wie schön stylisch das Rauchen einer Zigarette in Schwarzweiß sein kann. 

21 November 2007

PLANET OF THE APES (Tim Burton, 2001)

Get your stinking hands off me, you damn dirty human!

Tim Burtons Affenfilm genießt ja keinen sonderlich guten Ruf, und auch an der imdb-Note von 5,5 (die mit Abstand schlechteste eines Burtonfilms) lässt sich diese Geringschätzung ablesen. Das ist sicherlich nachvollziehbar, wenn man Burtons Version mit der von Schaffner vergleicht, denn hier zieht Burton eindeutig den Kürzeren. Dabei wird aber häufig übersehen, dass Burton ausdrücklich kein Remake des Schaffnerfilms machen wollte, sondern eine Neuinterpretation von Boulles Roman. Vergleicht man die beiden Filme, muss man zwangsläufig enttäuscht werden, denn Burton legt den Schwerpunkt auf eine actiongetriebene Story, während Schaffners Film weitaus philosophischer und gesellschaftskritischer daherkommt. Da ich bei meiner Erstsichtung im Kino im Jahre 2001 das „Original“ nicht kannte, hatte ich damals keine Vergleichsmöglichkeit, aber auch bei der Zweitsichtung gestern (inzwischen habe ich Schaffners Film zweimal gesehen) hatte ich nicht das Bedürfnis, die beiden Filme gegeneinander aufzurechnen. Dafür sind sie in ihrem Ansatz zu unterschiedlich.

Betrachtet man also Burtons Planet of the Apes losgelöst von all dem, offenbart er doch eine Reihe von Qualitäten. Da ist zunächst einmal die Story, die ungeachtet einiger Logiklöcher über die gesamte Spielzeit zu fesseln weiß. Die Actionszenen sind gut inszeniert und wirken nie selbstzweckhaft. Die Darsteller agieren größtenteils überzeugend, die Masken sind hervorragend und die immer wieder – trotz eines im allgemeinen menschlichen Verhaltens – durchscheinenden affentypischen Eigenarten sorgen für die notwendige Glaubwürdigkeit. Philosophische Fragen werden zwar aufgeworfen, meist aber nur oberflächlich behandelt. Burton beschränkt sich darauf, eine Gesellschaft mit vertauschten Rollen zu zeigen, in der Menschen als Sklaven oder Haustiere für Kinder gehalten werden. Absolut gelungen ist auch der Twist am Ende, in dem viele Kritiker merkwürdigerweise einen Hinweis auf eine mögliche Fortsetzung sehen, was ich allerdings überhaupt nicht nachvollziehen kann. Einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Films liefert Burtons Hauskomponist Danny Elfman mit einem guten, dynamischen Score.

Neben so viel Licht gibt es aber auch eine Menge Schatten. Helena Bonham Carter, die ich normalerweise sehr schätze, ging mir tierisch auf den Senkel in der Rolle der verständnisvollen Affenfrau Ari, die sich mit an Selbstaufgabe grenzender Hingabe für die Rechte der unterdrückten Menschen einsetzt. Ihr Charakter ist nicht nur vollkommen unglaubwürdig, sondern nervt in etwa so wie die Ökos im Strickpulli und mit dem „Atomkraft – nein danke“-Aufkleber auf dem Schulranzen in der siebten Klasse während meiner Schulzeit. Der Sklavenhändler Limbo (Paul Giamatti), der für die witzigen Momente sorgen soll, fällt vorwiegend mit flachen Sprüchen auf, wobei generell anzumerken ist, dass der Humor meist über Slapstick-Niveau nicht hinauskommt. Und Estella Warren sieht zwar ganz süß aus, ihre Rolle ist jedoch komplett überflüssig. Wahrscheinlich durfte sie nur mitmachen, weil die Produzenten ein leicht bekleidetes Mädel dabei haben wollten.

Dennoch: unter dem Strich bietet Planet of the Apes zwei Stunden gute Unterhaltung. Sicher nicht Burtons Bester, aber so schlecht, wie er oft geredet wird, ist er wirklich nicht. 

19 November 2007

DA HONG DENG LONG GAO GOA GUA/Rote Laterne (Zhang Yimou, 1991)

Schon die Eröffnungsszene ist bedrückend. Man sieht Songlian (Gong Li) in Großaufnahme, während sie mit ihrer Mutter im Off spricht. Ich werde heiraten, sagt sie. Einen reichen Mann. Ganz langsam rollt eine Träne ihre Wangen hinab.

Kurz nach ihrer Ankunft im neuen Zuhause gerät sie schon mit ihrer Dienerin aneinander. Die Atmosphäre am Hof ist geprägt von Neid, Eifersucht und Misstrauen, nicht nur der vier Ehefrauen untereinander sondern auch teilweise den Bediensteten gegenüber. Interessant dabei ist, dass keine der handelnden Personen richtig unsympathisch ist, irgendwie kann man alle mehr oder minder verstehen. Selbst der Herr des Hauses, den man immer nur in der Totalen oder im Halbdunkeln zu Gesicht bekommt, scheint kein schlechter Mensch zu sein - erst später stellt sich heraus, dass er zum kaltblütigen Mörder werden kann. Überhaupt scheint zu Beginn alles anders zu sein als es tatsächlich ist. Herrin Nr. 2 kümmert sich beinahe rührend um Songlian, ist dabei aber die größte Intrigantin am Hof und schadet ihr im Hintergrund wo sie kann, während Herrin Nr. 3 ihr sehr abweisend aber immerhin ehrlich gegenübertritt. Gonglian ist zwar unglücklich, scheint aber anfangs durchaus in der Lage, das böse Spiel mitzuspielen. Sie kontert geschickt die Anfeindungen durch Herrin Nr. 3 und entledigt sich auf recht elegante Weise ihrer ungeliebten Dienerin. Erst als sie die wahre Natur der Herrin Nr. 2 enttarnt, beginnt sich das Blatt zu wenden, und Gonglian muss auf schmerzhafte Weise erkennen, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, mit den Gegebenheiten am Hofe umzugehen: sie stillschweigend zu ertragen und souverän über den Dingen zu stehen wie Herrin Nr. 1 oder dagegen anzukämpfen und früher oder später daran zugrundezugehen, sei es wie Herrin Nr. 3 durch den Tod oder eben den Verlust der Realität und das Abdriften in den Wahnsinn.

Zhang Yimou schildert dies alles in ruhigen, fast statischen Bildern. Es gibt wenig Bewegung und die Tatsache, dass der komplette Film in der herrschaftlichen Anlage spielt, verleiht ihm dem Charakter eines Bühnenstücks. Dabei verlässt sich Zhang neben den wunderschönen Aufnahmen der verschiedenen Hofbereiche voll auf seine in allen Belangen überzeugenden Darsteller. Von seiner Machart ist Rote Laterne seinem aktuellen Film Curse of the golden Flower nicht unähnlich, auch wenn Ersterer weitaus zurückhaltender in Szene gesetzt wurde und mir auch insgesamt ein wenig besser gefällt.

Ein formal sehr schöner, aber auch bedrückender Film. Die DVD wandert auf meine Kaufliste. 

18 November 2007

THE NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS (Henry Selick, 1993)

Ein toll gemachtes Puppenmusical mit irrwitzigen Dialogen, skurrilen Figuren und faszinierendem Detailreichtum. Obwohl Tim Burton nicht Regie geführt hat, ist sein Einfluss an allen Ecken und Enden spürbar. Danny Elfmans Score ist phänomenal, die musikalischen Darbietungen phantastisch und obendrein leiht er noch der Figur des Jack Skellington seine Stimme während dessen Gesangspassagen.  Witzig auch die zahlreichen Anspielungen auf die früheren Burton-Filme. 

Ein rundum gelungener Spaß, der zwar etwas kurz geraten ist, dafür aber eine solche Fülle an Ideen und Gags in sich vereint, wie viele andere Filme sie in der doppelten Zeit nicht bieten.            

15 November 2007

GET CARTER (Mike Hodges, 1971)

Ich weiß jetzt gar nicht so recht, was ich zu dem Film schreiben soll. Die Rahmenbedingungen stimmten eigentlich: passable Rachestory, ansehnlicher Cast und mit Newcastle ein richtiges Drecksloch als eher ungewöhnliches Setting. 

Dennoch konnte mich der Film zu keiner Zeit fesseln, und so machte sich schnell Langweile breit. Außerdem hatte ich Probleme, die ganzen Personen auseinanderzuhalten, aber das ist vermutlich der leichten Müdigkeit geschuldet, die mich während der Sichtung heimsuchte. Und der Film selbst konnte leider nichts dazu beitragen, diese Müdigkeit zu vertreiben. Vielleicht lag es daran, dass ausnahmslos alle Figuren völlig unsympathisch rüberkommen, auch mit Michael Caine konnte ich mich nicht identifizieren, und so wurde es mir mit zunehmender Spieldauer immer gleichgültiger, wer denn nun seinen Bruder ermordet hat. 

Erwähnenswert lediglich die für die damalige Zeit recht krassen Gewalt- und Sexszenen sowie der gelungene Schluss, den ich so nicht erwartet hatte.

14 November 2007

A STREETCAR NAMED DESIRE (Elia Kazan, 1951)

Auf diesen Film war ich mächtig gespannt, konnte mich doch das Duo Kazan/Brando schon mit dem einige Jahre später entstandenen meisterhaften On the Waterfront begeistern. Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch, aber Kazans Filmadaption des Bühnenstücks von Tennessee Williams erwies sich am Ende als eher zweifelhaftes Vergnügen.

Von Beginn an merkt man, dass es sich um die Umsetzung eines Bühnenstücks handelt, selbst wenn man es vorher nicht wusste. Abgesehen von der Ankunft DuBois in New Orleans spielt der komplette Film an einem einzigen Set. Dies muss nun nichts Schlechtes sein, wie u.a. Hitchcocks Rear Window demonstriert. Erschwerend hinzu kommt aber hier – und das ist es, was mir den Filmgenuss letztlich doch arg verleidete – dass praktisch die gesamte Handlung sich auf die Person der Blanche DuBois konzentriert, die von einer völlig überforderten Vivien Leigh verkörpert wird. Zu keinem Zeitpunkt nahm ich ihr die psychisch Kranke ab, sondern sah in ihr ständig die Schauspielerin, die krampfhaft versucht, eine Psychopathin zu spielen, dabei jedoch auf der ganzen Linie scheitert. Ihre theatralischen Gesten und gestelzt vorgetragenen Dialogpassagen sind für sich alleine schon schlimm genug, aber gerade in den gemeinsamen Szenen mit Brando wird sie von diesem derart gnadenlos an die Wand gespielt, dass es nicht mehr feierlich ist. Zwar bekleckern sich auch Kim Hunter und Karl Malden nicht gerade mit Ruhm, wirken aber zumindest noch einigermaßen glaubhaft. Umso mehr glänzt Brando, der den Film im Alleingang vor dem Untergang rettet und wieder einmal beweist, dass er einer der Größten seiner Zunft war.

Die Story ist an sich recht interessant und die Tatsache, dass die Wahrheit um den Charakter der Blanche DuBois im Verlauf der knapp 2 Stunden scheibchenweise enthüllt wird, hält den Zuschauer zumindest bei der Stange, aber all die guten Ansätze werden durch Leighs unterirdische Performance zunichte gemacht. Dass sie für diese erbärmliche Leistung auch noch einen Oscar bekommen hat, ist unfassbar.

11 November 2007

DEMENTIA 13 (Francis Ford Coppola, 1963)

Coppolas Debut, von Roger Corman produziert und am Set von The Young Racers entstanden, atmet mehr den Geist seines Produzenten als den seines Regisseurs. Eigentlich ein typischer Hammerfilm mit den üblichen Zutaten, der mit den späteren Arbeiten Coppolas nicht viel gemein hat. 

Dementia 13 punktet vor allem mit der durchweg düsteren, unheilschwangeren Atmosphäre, die von der fürchterlichen Bildqualität der mir vorliegenden UK-DVD noch unterstützt wurde. Zum Glück war die Tonqualität der Dialoge immerhin gut genug, um der Handlung problemlos folgen zu können. Die Story wurde meines Wissens von Coppola selbst geschrieben und ist recht brauchbar, bewegt sich dabei natürlich streng innerhalb der Genre-Grenzen. 

Wenn man dem Film etwas vorwerfen kann, dann sicherlich dass er etwas zu durchsichtig ist, denn man ahnt schon sehr früh, wer hinter allem steckt. Das tut dem Vergnügen aber keinen Abbruch und auch dank der kurzen Spielzeit von knapp 75 Minuten weiß Dementia 13 durchgehend gut zu unterhalten. Doch, hat mir eigentlich ganz gut gefallen. 

02 November 2007

SIN CITY (Robert Rodriguez, 2005)

Schon bei meiner Erstsichtung konnte mich Rodriguez Comic-Adaption nicht vollends überzeugen und gestern erging es mir nicht anders. 

Anfangs wird man von der phantastischen Optik fast erschlagen, rein formal ist Sin City natürlich über jeden Zweifel erhaben. Man kann gar nicht genug bekommen von diesem stilistischen Overkill und sitzt völlig gebannt vor dem Schirm. Doch leider stellt sich recht bald Ernüchterung ein, die in dem Maße zunimmt, in dem man erkennt, dass der Inhalt nicht halten kann, was die Verpackung verspricht. Die 3 ½ Storys sind ebenso banal wie belanglos und sorgen (zumindest bei mir) dafür, dass die anfängliche Begeisterung zunehmend in Langeweile umschlägt, hat man sich erstmal an der ungewöhnlichen Optik sattgesehen. Daran ändert auch die Vielzahl hochkarätiger Darsteller nichts, die sich hier ein Stelldichein gibt. 

Sin City ist ein riesiger Haufen Luft, die sich nach dem Auspacken erstaunlich schnell verflüchtigt. Bei der Verpackung aber hat Rodriguez wirklich ganze Arbeit geleistet, das muss man ihm lassen.

 

JAMES-BOND-REIHE: FAZIT

Das war er also, mein James-Bond-Marathon. Es begann vor knapp zwei Monaten damit, dass ich bei ebay meine zum damaligen Zeitpunkt Lieblingsbonds (Dr. No, Goldfinger und Thunderball) ersteigern wollte, um in den Genuss der verbesserten Bildqualität der Ultimate Editions zu kommen. Da die drei anderen Connery-Bonds besonders günstig zu haben waren, kaufte ich diese gleich mit und wollte es dabei auch bewenden lassen. Damals konnte ich noch nicht ahnen, dass sich mit der Sichtung der ersten Filme eine solche Begeisterung einstellen würde, dass ich gar nicht mehr genug bekommen konnte von den Abenteuern des berühmtesten Geheimagenten der Welt. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hat sicherlich die höchst beeindruckende Bildrestauration der von MGM beauftragten Spezialisten von Lowry Digital, die (wohl nicht nur bei mir) immer wieder für ungläubiges Staunen sorgte. Es macht einfach irre Spaß, wenn man Filme, die 40 Jahre und mehr auf dem Buckel haben, in einer Bildqualität genießen kann, die selbst viele aktuelle Produktionen nicht bieten.

Was also zunächst als reine Connery-Bond-Serie geplant war, endete damit, dass ich mir nach und nach auch alle anderen Bonds auf DVD besorgte und mir 21 Filme in chronologischer Reihenfolge einverleibte. Dabei hatte ich einen solchen Spaß – das glaubt mir kein Mensch, oder höchstens derjenige, der eine solche Aktion auch schon hinter sich hat. Es ist hochinteressant, die Entwicklung der Serie vom reinen Agentenfilm mit kleinen Actioneinlagen (Dr. No, From Russia with Love) hin zu den immer stärker actionorientierten Filmen der 70er und 80er Jahre zu sehen, wobei zwischendurch immer wieder Rückbesinnungen auf alte Qualitäten erkennbar sind, wenn man es im Vorgänger zu doll getrieben hatte. Die neueren Bonds mit Brosnan unterscheiden sich bei genauer Betrachtung gar nicht mal so sehr von den Moore-Bonds der 70er, wenn man die technische und politische Entwicklung in die Betrachtung mit einbezieht. 

Und das muss man, denn die Bond-Serie kann natürlich nicht losgelöst vom jeweils aktuellen politischen Geschehen funktionieren, ebenso wenig wie der technische Fortschritt ignoriert werden kann. Während man 1964 in Goldfinger die Zuschauer mit einem Auto mit Schleudersitz und integriertem Ölwerfer in ungläubiges Staunen versetzen konnte, lockt man heutzutage damit keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor (was natürlich nichts daran ändert, dass ich Goldfinger nach wie vor für den besten Bondfilm halte). Vor diesem Hintergrund ist es nur logisch, dass auch die Actionszenen im Laufe der Jahre immer spektakulärer wurden, auch wenn es in jüngster Zeit zunehmend schwieriger wurde, der Vorreiterrolle, die die Bondfilme in dieser Hinsicht seit jeher innehatten, gerecht zu werden. Dies gipfelte dann schließlich in dem vollkommen albernen Die another Day, bei dem wohl auch die Produzenten erkannten, dass es so nicht weitergehen konnte und mit Casino Royale einen mehr als gelungenen Neubeginn wagten, der mich den kommenden Bonds mit großer Hoffnung entgegenblicken lässt.

Ich habe gesehen, dass die anderen hier im Forum, die eine ähnliche Aktion hinter sich haben, am Ende die Filme in Listform nach Gefallen bewertet haben. Ich sehe mich dazu außerstande, da man viele Filme nur bedingt vergleichen kann und mir bis auf zwei Ausnahmen alle auf ihre Art gefallen haben. Letzteres ist sicher auch ein Beleg für den hohen Qualitätslevel der Reihe, der seit den Anfangstagen aufrecht erhalten wurde, Ausreißer nach oben oder unten natürlich inbegriffen. Ich beschränke mich daher in meiner Einordnung der einzelnen Filme auf die Aussage, dass die 5 besten Bonds für mich (in chronologischer Reihenfolge) Dr. No, Goldfinger, Thunderball, For your eyes only und Casino Royale sind, die beiden schlechtesten Tomorrow never dies und (der absolute Tiefpunkt) Die another day. Der Rest liegt irgendwo dazwischen.

Auch mit allen Bond-Darstellern bin ich gut klargekommen, lediglich Lazenby konnte mich nicht überzeugen. Connery gefällt mir nach wie vor am besten in der Rolle, gefolgt von Brosnan, Dalton und Moore, wobei ich jetzt ausschließlich die Leistung des Darstellers unabhängig von der Qualität der Filme werte (dass TND und DAD so in die Hose gingen, ist nicht Brosnan anzulasten). Craig hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, aber bedingt dadurch, dass er bisher nur einen Film gemacht hat, tue ich mich mit einer Einordnung schwer.

Kurz noch ein Wort zu den Regisseuren: der wichtigste und beste Bondregisseur war natürlich Terence Young, der nicht nur die ersten beiden Bonds gemacht hat, sondern auch den Stil der Serie prägte und bis heute prägt. Die Zeit nach Young gehörte zunächst Guy Hamilton und Lewis Gilbert, die sich in der Regie quasi abwechselten. Hier geht der Punkt natürlich klar an Hamilton, der unter dem Strich einfach die besseren Filme machte, während Gilberts drei Beiträge allesamt zu den schwächeren der Reihe gehören. Anschließend übernahm John Glen das Ruder, der die Bondserie souverän durch die 80er Jahre steuerte. Danach war es dann mit der Kontinuität auf dem Regiesessel vorbei, so dass nur noch Martin Campbell einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen konnte, der bei zwei Filmen Regie geführt hat. 

01 November 2007

JAMES-BOND-REIHE #21: CASINO ROYALE (Martin Campbell, 2006)

Welch ein Comeback! Ich habe jetzt absichtlich eine Nacht darüber geschlafen, bevor ich den Text zum vorerst letzten Bond schreibe, um zu sehen, ob sich meine Begeisterung etwas legt, aber dies ist mitnichten der Fall. Nach dem unsäglichen DAD meldet sich EON mit einem wahren Hammer zurück, der alles in den Schatten stellt, was unter dem Namen Bond in den letzten 35 Jahren veröffentlicht wurde und an die glorreichen Anfangstage der Serie anknüpft.

Über die Idee, Flemmings ersten Roman zu verfilmen und Bonds Geschichte nochmal vor vorne zu erzählen, kann man sicher streiten, aber gefiel dieses Back-to-the-Roots sehr gut, zumal man auch formal an alte Zeiten anknüpft. Man vertraut wieder ausschließlich auf echte Stunts und so erhalten die Actionszenen (die zudem weitaus sparsamer eingesetzt werden als in den Vorgängern) wieder die alte Qualität und heben sich wohltuend von der CGI-Scheiße ab, die den Vorgänger kennzeichnete. Vor allem aber legt die Story den Schwerpunkt ganz klar auf Spannung und weniger auf Action, auch wenn die ausgedehnte Verfolgungsjagd zu Beginn das zunächst nicht vermuten lässt. Diese ist vielleicht insgesamt etwas lang geraten, aber es ist beeindruckend zu sehen, wie der Free-Running-Artist Sébastien Foucan durch die Baustelle sprintet und dabei jedes Hindernis mit spielerischer Leichtigkeit meistert. Nach dem verhinderten Bombenanschlag wird der Actionlevel beinahe auf Null zurückgefahren, um der mitreißenden Story (das Pokerspiel ist eine der spannendsten Sequenzen der Bondgeschichte) Raum zu verschaffen. Darstellerisch auf hohem Niveau (Craig, Dench, Mikkelsen, Giannini, Green – allesamt klasse!), inszenatorisch jederzeit souverän erzählt Campbell eine spannende und erstaunlich realistische Geschichte, die kurz vor Schluss sogar noch mit einem (zumindest für mich) völlig überraschenden Plottwist aufwartet, zu einem Zeitpunkt, wo man sich auf einen gemütlichen Ausklang des Films eingestellt hatte.

Auffallend ist, dass Bonds Charakter hier weit mehr Tiefgang aufweist als in praktisch allen Vorgängern – OHMSS vielleicht ausgenommen. Hier ist er nicht der eindimensionale Superheld, der über allem schwebt und alle Probleme im Alleingang löst, sondern ein Mensch mit Zweifeln an dem, was er tut (was ihn nicht daran hindert, zum eiskalten Killer zu werden, sofern seine Arbeit dies erfordert). Für eine Frau will er sogar den Dienst quittieren und ihr Verrat an ihm ist es, der die Grundlage legt für seine spätere (in den Vorgängerfilmen zu sehende) Verachtung, die er Frauen gegenüber hegt, die eiskalte Berechnung, mit der er Frauen benutzt und sie zu willenlosen Helferinnen degradiert, die aus seiner Sicht nur dazu da sind, ihm ein paar schöne Stunden zu bereiten und nützliche Informationen zu verschaffen. An all dem ist quasi Eva Green schuld.

Und als ganz am Schluss der Satz fiel The name is Bond - James Bond und im Hintergrund das 007-Theme einsetzte, da lief mir glatt ein wohliger Schauer über den Rücken und ich wäre fast vom Sofa aufgestanden, um zu applaudieren.