26 Januar 2008

THE THREE BURIALS OF MELQUIADES ESTRADA (Tommy Lee Jones, 2005)

Aufgrund der euphorischen Kritiken, die ich im Vorfeld zu Tommy Lee Jones' Regiedebut gelesen hatte, waren meine Erwartungen so hoch, dass ich insgeheim schon wieder eine Enttäuschung befürchtete, aber die blieb zum Glück aus.

Jones ist ein origineller Mix aus Western und Road Movie gelungen, der mit herrlichen Landschaftsaufnahmen und souveränen Darstellern punktet. Nicht zu vergessen natürlich das Drehbuch von Guillermo Arriaga, der bereits u.a. mit Amores Perros und 21 Grams sein Können unter Beweis gestellt hat. Barry Pepper mag ich ja sowieso, und die Rolle des Grenzposten Mike Norton ist ihm wie auf den Leib geschneidert. Nachdem er den mexikanischen Tagelöhner Melquiades erschossen hat, wird er von dessen Freund gezwungen, die Leiche wieder auszugraben und nach Mexiko in den Heimatort zu bringen, um sie dort zu bestatten. Das Ganze wird zu einer Art Wallfahrt, während der Norton aufgrund der extremen körperlichen und psychischen Belastungen, denen er ausgesetzt ist, nach und nach echte Reue zeigt. Am Ende wird er geläutert in die Freiheit entlassen.

Ein ungemein sympathischer Film, der mich stellenweise an Peckinpahs Bring me the Head of Alfredo Garcia erinnerte, mir insgesamt jedoch wesentlich besser gefiel. 

25 Januar 2008

THIS HAPPY BREED (David Lean, 1944)

Nachdem der Postmann mir gestern die David-Lean-Vollbedienung in Form eines 9 DVDs umfassenden Boxsets gebracht hat, habe ich mich entschlossen, das Werk David Leans einer systematischen Betrachtung zu unterziehen - in chronologischer Reihenfolge selbstverständlich. Dabei kommt mir die Tatsache zugute, dass mir mit Ausnahme von In which we serve, wo er neben Noel Coward nur die zweite Geige spielte und Summertime alle seine Filme auf DVD vorliegen. Letzteren werde ich noch rechtzeitig besorgen, bei ersterem muss ich mal schauen, ob es eine brauchbare DVD gibt. Seine beiden letzten Filme Ryan’s Daughter und A Passage to India lasse ich unberücksichtigt, da ich sie kürzlich erst gesichtet und besprochen habe. Erwähnenswert ist noch, dass ich von Leans Frühwerk bisher nur Oliver Twist kenne. Dementsprechend gespannt blicke ich den Sichtungen der kommenden Wochen entgegen.

Los geht's also mit Leans erstem eigenen Film, einer Adaption des gleichnamigen Bühnenstücks seines Freundes und Partners Noel Coward, der den Film auch produziert hat. Erzählt wird die Geschichte der Familie Gibbons, die nach dem Ende des 1. Weltkriegs und der Rückkehr des Familienoberhaupts ein neues Haus bezieht, das sie bei Ausbruch des 2. Weltkrieges 20 Jahre später wieder verlässt. Lean behielt die Charakteristika des Bühnenstücks bei seiner Umsetzung weitgehend bei, der überwiegende Teil der Handlung spielt sich im Haus oder der direkten Umgebung ab. Lediglich zu Beginn gibt es einige Szenen, die nicht im Haus, dem dazugehörigen Garten oder dem davorliegenden Straßenabschnitt spielen.

Ich war einigermaßen überrascht, dass der Film in Technicolor gedreht wurde, war ich doch immer der Meinung, Leans erster Farbfilm sei Summertime gewesen. Da habe ich mich wohl geirrt. Inzwischen weiß ich, dass auch Blithe Spirit noch in Farbe gedreht wurde, bevor Lean in Schwarzweiß weitermachte.

This happy Breed bietet einen interessanten Einblick in das Leben einer typischen britischen Mittelklassenfamilie, die zwar noch unter den Auswirkungen des Kriegs zu leiden hat, diesen aber vergleichsweise gut und weitgehend unbeschadet überstanden hat. Die wirklich tragischen Ereignisse treten erst in den Folgejahren ein, beispielsweise der Tod einer Tochter und ihres Ehemannes durch einen Unfall mit einem LKW. Dabei hat der Film mit den Problemen zu kämpfen, die Bühnenstückadaptionen üblicherweise mit sich bringen. Die Beschränkung auf einen Handlungsort hat zur Folge, dass man die zahlreichen Ereignisse meist nur erzählt bekommt, es bleibt also der eigenen Phantasie überlassen, sich deren Hergang im Detail auszumalen. Dies kann man natürlich auch als Vorteil ansehen, ich persönlich bevorzuge jedoch eine visuelle Umsetzung. Doch auch wenn hier nicht die ganz großen Emotionen geweckt werden, ist das Ganze alles andere als langweilig. Man erfährt viel über die Denkweise der Menschen damals, ihre Ängste, geschürt durch die Verunsicherung und Verluste des vergangenen Krieges, der ungewissen Zukunft und der Angst vor einem neuen Krieg. Auch die sozialen und wirtschaftlichen Probleme und Ungerechtigkeiten werden thematisiert, obwohl sie angesichts der einigermaßen komfortablen Lage, in der sich die Familie Gibbons befindet, keine zentrale Rolle einnehmen.

Am Ende schließt sich dann der Kreis: der neue Krieg beginnt, die Familie zieht aus und der Film endet mit der gleichen Einstellung des leeren, unbewohnten Hauses, mit der er begann.

24 Januar 2008

A GOOD YEAR (Ridley Scott, 2006)

I'm a banker. I have no imagination.

Scott liefert mit A good Year ein seichtes, jederzeit vorhersehbares Gute-Laune-Filmchen ab, das mich trotz der flachen Story und der stereotypen Charaktere recht gut unterhalten hat. 

Die nicht zu bestreitenden Schauwerte bestehen aus dem wunderschönen Weingut in der Provence sowie Marion Cotillard. Russell Crowe wirkt irgendwie unterfordert, dafür macht man mit dem sympathischen Didier Bourdon in der Rolle des grummeligen Weinpflegers Francis Duflot Boden gut. Star des Films ist aber Albert Finney, der Crowe die Show stiehlt, obwohl er nur in einigen Rückblenden zum Einsatz kommt. 

Insgesamt hätte dem Film etwas mehr Ernsthaftigkeit gut getan, einige Szenen sind doch arg albern geraten wie beispielsweise Skinners Probleme mit dem Navigationsgerät. Dennoch: A good Year verbreitet gute Laune, und als gemütlicher Ausklang nach einem langen Arbeitstag taugt er allemal. 

21 Januar 2008

TAXI DRIVER (Martin Scorsese, 1976)

Someday a real rain will come and wash all this scum off the streets.

Lange nicht mehr gesehen, da war die neue DVD ein willkommener Anlass für eine Auffrischung. 

Scorseses verstörendes Porträt eines Mannes auf der Suche nach Erlösung aus seiner Einsamkeit zählt ohne Zweifel zu den faszinierendsten Filmen der 70er Jahre. Der bedrohliche Score von Bernard Herrmann bildet die perfekte Untermalung der beinahe apokalyptischen Bilder Michael Chapmans, und Robert de Niro zeigt hier eine der beeindruckendsten Leistungen seiner Karriere. Mit seiner Darstellung schafft er es, beim Zuschauer Sympathien für Travis Bickle zu wecken, trotz dessen extremer Ansichten und Taten. Wahrscheinlich hat sich jeder schon mal dabei ertappt, wie ihm ähnliche Gedanken wie die in dem oben verwendeten Zitat durch den Kopf gingen. 

Entscheidend für die Identifikation mit ihm ist auch die Tatsache, dass praktisch die gesamte Handlung aus seiner Sicht geschildert wird inklusive aus dem Off gesprochener Passagen seines Tagebuchs. Es gibt keine einzige Szene, in der de Niro nicht präsent ist, was gleichzeitig bezeichnend für seine Situation ist: außer ihm selbst gibt es niemanden in seinem Leben, wie er auch selbst sagt: Loneliness has followed me my whole life. Everywhere. In bars, in cars, sidewalks, stores, everywhere. There's no escape. I'm God's lonely man.

Meisterhaft!

16 Januar 2008

LEAVE HER TO HEAVEN (John M. Stahl, 1945)

Ellen always wins.

Von dem Film hatte ich bis vor kurzem noch nie etwas gehört. Die DVD lag bei Tedi für 2 Euro rum, der Klappentext klang interessant, Vincent Price spielt mit und einen Oscar konnte man auch einsacken, also habe ich die DVD mitgenommen. Meine Erwartungen waren dementsprechend gering, aber zu meiner Überraschung verbirgt sich hinter dem merkwürdigen deutschen Titel Todsünde ein mehr als ansehnliches Filmchen, dass mich über die gesamte Spielzeit zu fesseln wusste.

Einen erheblichen Anteil daran trägt die zu Recht oscarprämierte Bildkomposition von Leon Shamroy, die mit ihren in warme, sommerliche Farben getauchten Landschaftsaufnahmen einen interessanten Kontrast zur Gefühlskälte der von Gene Tierney verkörperten Ellen Harland bildet. Wobei Gefühlskälte nicht ganz richtig ist, da diese ja nur jene trifft, die ihrer Liebe zu ihrem Mann im Weg zu stehen scheinen. Ihr eiskalter Blick als sie, im Boot sitzend, in aller Seelenruhe zusieht, wie ihr behinderter Schwager ertrinkt, ließ mir die Nackenhaare zu Berge stehen. Gedreht wurde offenbar ausschließlich on location; billige Studiokulissen und Matte-Paintings sucht man hier vergebens. Stattdessen werden dem Zuschauer atemberaubende Naturkulissen geboten, an denen man sich gar nicht sattsehen kann. Aber nicht nur die Verpackung ist schön – auch der Inhalt kann überzeugen. Die spannende Story bietet genug Raum für eine recht detaillierte Charakterentwicklung, wobei natürlich die Figur der Ellen im Vordergrund steht. Aus den Äußerungen über ihr Verhältnis zu ihrem Vater glaubte ich, Hinweise auf eine inzestuöse Verbindung herauszuhören, aber die Sache bleibt vage genug, um dem Zuschauer die Interpretation zu überlassen. Zumindest aber wird deutlich, dass das Verhältnis zu ihm weit über die übliche Vater-Tochter-Beziehung hinausging.

Darstellerisch ragt vor allem die bereits erwähnte Gene Tierney heraus, die die Rolle der paranoiden, mit ihrer grenzenlose Liebe alles verzehrenden Ellen absolut glaubwürdig spielt. Der übrige Cast passt sich diesem Niveau an, wobei Vincent Price seine schon damals vorhandene phänomenale Ausstrahlung erst gegen Ende ausspielen kann. Womit wir auch schon beim einzigen Schwachpunkt dieses ansonsten rundum gelungenen Films wären: das arg konstruierte, zwanghaft herbeigeführte Happy End stieß mir richtig übel auf und passte überhaupt nicht zum Rest des Films. Hier war überdeutlich das Bemühen zu spüren, den Zuschauer letztlich gutgelaunt aus dem Kinosaal zu entlassen. Stattdessen hätte man die Geschichte konsequent zu Ende führen und mit einer Verurteilung Ruths wegen Mordes enden lassen sollen, zumal sich mir nicht erschließen will, wieso die paar Sätze von Richard die Geschworenen von Ruths Unschuld überzeugen sollten, angesichts der erdrückenden Last (gefälschter) Beweise ihrer Schuld. Aber sei’s drum – ich habe keine Lust, mir die Freude über diesen überaus gelungenen Film durch die letzten zwei Filmminuten verderben zu lassen. 

07 Januar 2008

BEETLE JUICE (Tim Burton, 1988)

Ein typischer Tim-Burton-Film. Schräg, bizarr, abgefahren. Das Set-Design erinnerte mich an Edward Scissorhands, der Humor an die Adams Family. 

Wie auch bei Corpse Bride und The Nightmare Before Christmas begeisterte mich die Detailverliebtheit, die irrsinnigen Ideen, die das Team um Tim Burton in die Tat umgesetzt hat. Alleine beim Gang zur Fürsorgestelle für die Verstorbenen wird ein wahres Feuerwerk an Gags abgebrannt und die allgegenwärtige Bürokratie durch den Kakao gezogen. Auch im Tod geht eben nichts ohne Formulare und Handbücher.

Michael Keaton nervte mich phasenweise etwas mit seiner völlig überzogenen Darstellung, dafür gaben Geena Davis und Alec Baldwin ein absolut liebenswürdiges Päärchen ab. Auch toll: eine sehr junge Winona Ryder in der Rolle der todessehnsüchtigen Lydia: My life is a dark room. One big dark room.

Die Special Effects sind zwar überwiegend billig, versprühen aber ihren ganz eigenen Charme und rücken Beetle Juice rein optisch in die Nähe der bereits erwähnten Burton’schen Puppenfilme.