Ein immer wiederkehrendes Thema bei Buñuel sind Männer in fortgeschrittenem Alter, die jungen Frauen nachstellen. Susana dürfte diesbezüglich die erste filmische Umsetzung des Spaniers sein. Erzählt wird die Geschichte der 20-jährigen Susana, die aus einer staatlichen Besserungsanstalt flieht und Zuflucht auf der Hacienda des wohlhabenden Don Guadalupe findet. Schon bald versucht der Stallknecht Jesús die dralle Blondine zu verführen. Beinahe zeitgleich verdreht sie dem jungen Sohn des Hauses, Alberto, den Kopf, nur um sich schließlich auch noch an Don Guadalupe selbst heranzumachen. Die daraus entstehenden Rivalitäten und Eifersüchteleien, in die nach und nach auch Guadalupes Ehefrau Carmen und die Kammerzofe Felisa hineingezogen werden, sorgen dafür, dass die bis dahin harmonische Familie zusehends auseinanderbricht.
Buñuel zeigt mit viel Witz und sichtbarer Freude an der Überzeichnung, wie sich drei triebgesteuerte Männer zum Gespött machen und bereit sind, für die Zuneigung der umschwärmten Susana nahezu alles aufs Spiel zu setzen. Diese wiederum lässt nichts unversucht, um ihre körperlichen Reize wirkungsvoll einzusetzen. Da wird das Dekolleté etwas tiefer gezogen oder dem Hausherrn ein nackter Oberschenkel präsentiert. Die Männer reagieren erwartungsgemäß wie Motten auf das Licht und verlieren dabei zunehmend jede Form von Vernunft.
Interessant ist auch die mögliche Interpretation, dass Susana den Teufel symbolisiert und die Hacienda heimsucht, um die Bewohner in Versuchung zu führen. Mit ihrer Ankunft wenden sich die Dinge zum Schlechten. Das betrifft nicht nur das Verhältnis der Personen untereinander, sondern auch das neu geborene Fohlen, das direkt nach ihrer Ankunft stirbt, die rätselhafte Erkrankung der Stute, die zeitgleich auftritt und wiederum jäh verschwindet, nachdem Susana das Haus verlassen hat und natürlich das kitschige und völlig groteske Ende, wenn die zuvor bis aufs Blut Zerstrittenen sich innerhalb weniger Minuten wieder versöhnen und plötzlich sogar die Sonne scheint.
Doch auch ohne diese symbolische Ebene funktioniert Susana hervorragend. Buñuel entlarvt mit sichtlichem Vergnügen die Doppelmoral einer patriarchalischen Gesellschaft, deren vermeintlich tugendhafte Männer ihre Prinzipien bei der erstbesten Versuchung über Bord werfen. Nicht Susana richtet das Chaos an, sondern die Schwächen und Begierden der ihren körperlichen Reizen verfallenen Männer.
Ein ausgesprochen unterhaltsamer, überraschend humorvoller und zugleich bemerkenswert cleverer Film, der bereits viele Themen vorwegnimmt, die Buñuel in seinem späteren Werk immer wieder beschäftigen sollten.
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