I'm the bad guy?
Falling Down wird gerne vorschnell als Selbstjustizfilm etikettiert - eine Kategorisierung, die ich nie nachvollziehen konnte. Mit Selbstjustiz hat Bills Amoklauf nämlich herzlich wenig zu tun. Vielmehr erzählt der Film die Geschichte eines Mannes, der unter dem Druck seiner Lebensumstände - Scheidung, Kontaktverbot zu seiner Ex-Frau und der gemeinsamen Tochter, Verlust des Arbeitsplatzes - langsam, aber unaufhaltsam zerbricht. Der Stau zu Beginn des Films ist dabei weniger Auslöser als Katalysator: Hitze, Atemnot, lästige Fliegen, Baustellenlärm, ein visuelles und akustisches Kaleidoskop der Überforderung. Die Eröffnungssequenz ist schlichtweg genial, die Kameraführung brillant. Überhaupt zählt die Arbeit des polnischen Kameramanns Andrzej Bartkowiak zu den großen Stärken des Films und trägt erheblich dazu bei, dass Falling Down ein so großartiger Film geworden ist.
Michael Douglas trägt den Film mit einer souveränen, kontrolliert eskalierenden Darstellung, die Bills Irrationalität ebenso sichtbar macht wie seine innere Leere. Ihm gegenüber steht Robert Duvall als abgeklärter, müder Cop an seinem letzten Arbeitstag. Zwischen beiden Figuren gibt es überraschende Parallelen: Auch Duvalls Charakter hat seine Tochter verloren - nicht durch Scheidung, sondern durch einen plötzlichen Tod. Diese Spiegelung verleiht dem Film einen interessanten zusätzlichen Aspekt, ohne zu aufdringlich zu werden.
Die episodenhafte Erzählweise, die immer wieder in grotesk-komische Situationen kippt, verleiht dem Geschehen eine gewisse Leichtigkeit, die im starken Kontrast zur zunehmenden Verzweiflung des Protagonisten steht und auch zu den - durchaus schwerwiegenden - Folgen seiner Taten. So irrational Bills Verhalten auch ist, kann man ihn doch ein Stück weit verstehen. Dies geht aber nicht soweit, dass man echte Sympathie für ihn empfindet und gerade diese Ambivalenz ist eine der großen Stärken des Films. Was Bill letztlich genau vorhatte, ob er nur seine Ex-Frau oder auch seine Tochter töten wollte, und inwieweit sein Amoklauf vorher geplant oder eher einer sponatanen Errupttion geschuldet war, bleibt offen.
Falling Down ist ein Film über Kontrollverlust, gesellschaftlichen Druck und die Illusion, man könne sich aus einer ausweglosen Situation einfach „herauskämpfen“. Ein wütender, präzise inszenierter Großstadtalbtraum und ein Werk, das auch drei Jahrzehnte später nichts von seiner Wucht verloren hat. Großartig und brillant.
.png)
.png)

.png)
.png)
.png)
.png)
.png)
.png)
.png)
.png)

.png)
.png)