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Die Tatsache, dass Scorsese die Geschehnisse hauptsächlich aus der Täterperspektive schildert bedeutet nicht, dass er die der Opfer vernachlässigt. Von Anfang an ist klar, dass für Menschen vom Schlag Hale nichts außer Geld wichtig ist. Nach außen hin tritt er großzügig als Freund und Gönner der Indianer auf, nur um sie nach Strich und Faden auszunehmen. Auch seine beiden Neffen sind dabei nur Werkzeuge. Eine solche Geschichte aus Sicht der Täter zu erzählen, ist sicher ungewohnt. Gerade das macht aber Killers of the Flower Moon zu einem so guten Film, weil die moralische Verkommenheit der Figuren dadurch umso deutlicher hervortritt.
Neben De Niro, der eine der niederträchtigsten Figuren seiner Karriere verkörpert, brilliert Leonardo DiCaprio als sein tumber, willfähriger Neffe Ernest Burkhart, der ohne mit der Wimper zu zucken jeden Auftrag seines Onkels ausführt und dabei den Eindruck vermittelt, nie das Gesamtbild im Blick zu haben. Hale verfolgt von Anfang an und über Jahre hinweg einen perfiden Plan, in dem Ernest eine entscheidende Rolle spielt, diese aber nie in Gänze und aller Konsequenz zu begreifen scheint. DiCaprio spielt das großartig und sorgt dafür, dass man seinen Charakter trotz der bösen Taten als noch nicht einmal unsympathisch wahrnimmt. Dessen ambivalenten Gefühle kommen auch gegenüber seiner indianischen Frau Mollie zum Ausdruck, die er einerseits zu lieben scheint und zu beschützen versucht, andererseits ihr aber täglich kaltblütig kleine Dosen eines ungenannten Gifts (vermutlich Strychnin) verabreicht, das sie in zunehmendem Maße dahinsiechen lässt. Lily Gladstone liefert eine beeindruckende Vorstellung und spielt die Rolle mit einer Mischung aus Demut gegenüber ihrem Mann und Ergebenheit in das ihr scheinbar vorbestimmte Schicksal. Obwohl sie schon beim ersten Treffen ahnt, dass Ernest in erster Linie auf ihr Geld aus ist ("Coyote wants money"), zeigt sie lange keinen echten Kampfeswillen, gegen das Unrecht aufzubegehren. Erst nachdem alle ihre Schwestern ermordet wurden, reist sie nach Washington, um den Präsidenten um Hilfe zu bitten.
Neben den tollen Darstellern können die hervorragende Kamerarbeit des Mexikaners Rodrigo Prieto, mit dem Scorsese schon mehrfach zusammengearbeitet hat und die authentisch wirkenden Sets und Kostüme überzeugen. In Kombination mit dem effektvollen Score ergibt sich eine dichte Atmosphäre, die den Zuschauer 100 Jahre zurückversetzt.
Auch wenn Scorsese in erster Linie natürlich sein Publikum unterhalten will, deutet der ungewöhnliche Auftritt am Ende darauf hin, in dem die Zuschauer im Stile einer Live-Radio Bühnenschau über den weiteren Werdegang der Protagonisten aufgekärt werden, dass er zugleich eine Form der historischen Einordnung liefern möchte. Ganz am Schluss tritt er höchstselbst in Erscheinung, um über Mollies weitere Schicksal zu berichten, was dem Film einen stillen, respektvollen Abschluss verleiht.
Killers of the Flower Moon ist zwar nicht Scorseses bester, aber ohne Zweifel ein herausragend guter Film, der über die Spieldauer von 206 Minuten nie langweilig wird. Ein ebenso bewegendes wie mitreißendes Filmerlebnis. Bleibt angesichts des fortgeschrittenen Alters des New Yorker Meisterregisseurs zu hoffen, dass es nicht seine letzte Großtat war.
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