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The Lobster war nach vier Filmen in griechischer Sprache und mit griechischen Darstellern Lanthimos erste internationale Produktion mit vorwiegend britischen/irischen Schauspielern, wobei Angeliki Papoulia, die Hauptdarstellerin der beiden Vorgängerfilme, hier auch wieder in einer wunderbar überzeichneten Rolle dabei ist. Gedreht wurde in Irland in englischer Sprache. Dieser Schritt trug letztlich dazu bei, Lanthimos' Filme einem breiteren Puplikum zugänglich zu machen. Seinem Stil blieb er dabei treu. The Lobster ist eine bitterböse Groteske, die - ähnlich wie der einige Jahre später entstandene Poor Things - gängige gesellschaftliche Normen entlarvt und durch gezielte Zuspitzung ad absurdum führt.
Die Story ist ebenso originell wie bizarr: In einer dystopischen Zukunft werden Singles in ein Hotel gebracht, wo sie innerhalb von 45 Tagen einen Partner finden müssen. Gelingt dies nicht, werden sie in ein Tier ihrer Wahl verwandelt. Zusätzliche Zeit können sie sich dadurch erkaufen, dass sie bei den regelmäßig veranstalteten Jagden in den umliegenden Wald geflohene Singles mit einem Betäubungsgewehr außer Gefecht setzen. Für jeden "erlegten" Single gibt es einen Extra-Tag.
Lanthimos nutzt diese Ausgangslage weniger dafür, eine düstere Zukunftsvision zu entwerfen (die The Lobster natürlich auch ist), sondern in erster Linie, um vertraute Verhaltensmuster zu karikieren. Die Regeln des Hotels sind absurd, folgen aber einer Logik, die man aus dem Alltag kennt: Partnerschaft als gesellschaftliche Pflicht, eine Gemeinsamkeit als Grundlage für die Beziehung, ein Kind als Rettungsanker. Die Flüchlinge im Wald verkehren diese Regeln ins Gegenteil und sind dabei keinen Deut besser als das System, das sie kritisieren. Ihre Regeln sind mindestens genauso streng, die Strafen für Verstöße ebenso drastisch. Einige dieser Regeln porträtieren die heutzutage gerne angeführten Vorteile des Single-Daseins, die in der von Lanthimos dargestellten Überspitzung genauso lächerlich sind, wobei das im Film thematisierte Verbot von Zärtlichkeiten unter den Singles im realen Leben natürlich nicht dazu gehört. Aber der Rest passt. Der Protagonist David bricht dabei gleich alle Regeln: nach seiner Flucht in den Wald verliebt er sich in eine kurzsichtige Frau, die seine Liebe erwidert und für dieses Vergehen auf brutalste Weise von der Anführerin der Flüchtlinge bestraft wird. Um ihre Liebe zu retten und wieder eine Gemeinsamkeit zu haben - die nach den Regeln beider Systeme unabdingbar für eine stabile Beziehung zu sein scheint - entschließt er sich zu einem drastischen Schritt, wobei Lanthimos am Ende offen lässt, ob David dies tatsächlich vollzieht.
The Lobster ist trotz allem kein Film, der schlechte Stimmung macht oder deprimiert. Dafür ist er in seiner beißenden Gesellschaftskritik einfach zu überdreht und komisch. In jedem Fall aber ein Film, der - wie praktisch alle Filme des Griechen - den Zuschauer auch nach dem Abspann noch eine Weile beschäftigt.