Die Darsteller bewegen sich durch diese Szenerie mit einer gewissen Hölzernheit, die vermutlich zum Konzept gehört, und wirken dabei wie Marionetten, ihre Dialoge wie auswendig gelernte Phrasen, denen jede natürliche Regung abtrainiert wurde. Auch sexuelle Bedürfnisse scheinen sie kaum zu verspüren, wobei der Vater interessanterweise für seinen Sohn eine Sexpartnerin in Person einer Kollegin organisiert hat, die er regelmäßig für ihre Dienste an seinem Sohn bezahlt. Diese wiederum nutzt die Naivität der älteren Tochter aus, indem sie sich von ihr oral befriedigen lässt.
Mit fortschreitender Laufzeit zieht Lanthimos die Schraube langsam, aber unerbittlich an. Besonders schockierend sind die immer wieder völlig unvermittelt auftretenden Gewaltausbrüche, die ohne Vorankündigung über den Zuschauer hereinbrechen. Die Dramaturgie spitzt sich in dem Moment merklich zu, in dem die ältere Tochter heimlich die beiden Videokassetten mit den Kinofilmen Rocky und Jaws sieht und dadurch merkt, dass es noch eine andere Welt gibt als die von ihrem Vater geschaffene. Die logische Konsequenz: die Flucht aus dieser künstlichen Welt, die ihr Gefängnis ist.
Kynodontas ist kein schöner Film. Kein Film, dessen Sichtung man genießt und an dem man sich erfreut. Es ist ein Film, den man aushält, beobachtet und verarbeitet. Lanthimos zeigte hier zum ersten Mal, über welch immensen Fähigkeiten er als Filmemacher verfügt und setzte ein Statement, das nach dem Abspann noch lange nachhallt.

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