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10 Mai 2013

RIDE WITH THE DEVIL (Ang Lee, 1999)

It ain't right, and it ain't wrong. It just is.

Western vor dem Hintergrund des Sezessionskriegs werden von mir immer gerne genommen, wobei die Konzentration auf die kleineren Scharmützel zwischen den beiden Guerilla-Gruppen (Bushwackers auf der einen und Jayhawkers auf der anderen Seite) einen interessanten Ansatz bildet. Nicht nur die Grenzen zwischen Zivilisten und Miliz sind fließend, sondern auch die zwischen Unionisten und Konföderierten. Dies zeigt die tiefe Zerrissenheit der amerikanischen Bevölkerung in jenen Tagen. 

Ang Lee kleidet die Geschichte in die für ihn so typischen ausladenden und betörend schönen Bilder. Und im CGI-Zeitalter tut es immer wieder gut, echte Reiterhorden mit lebenden Pferden und lebenden Menschen zu sehen. Runde Sache.

30 Dezember 2012

WO HU CANG LONG / TIGER AND DRAGON (Ang Lee, 2000)

Als Ang Lees Wuxia-Märchen im Jahr 2000 erschien, belebte es das Genre neu und löste eine (allerdings überschaubare) Welle nachfolgender Filme aus, von denen der bekannteste (und beste) Zhang Yimous Hero ist. 

Doch auch Tiger and Dragon (den "deutschen" Titel werde ich nie verstehen, entweder hätte man den internationalen englischsprachigen Titel ganz übernehmen oder ihn gleich eindeutschen sollen) geizt nicht mit Reizen und hat neben den wunderschönen Landschaftsaufnahmen malerische Sets, perfekt choreographierte Kämpfe und einen nahezu hypnotischen Score zu bieten. Die Story vereint mehrere Handlungsstränge in sich, wobei die verhinderte Liebe zwischen Li Mu Bai und Yu Xiu Lian im Mittelpunkt steht. Und Zhang Ziyi ist bezaubernd wie immer.

Auch wenn mir persönlich Hero noch eine Ecke besser gefällt, lasse ich mich doch immer wieder gerne von diesem filmischen Schmuckstück verzaubern.

 

24 Februar 2009

SE, JIE / Gefahr und Begierde (Ang Lee, 2007)

Nach Wo hu cang long ist Se, Jie erst meine zweite Begegnung mit Lee, was auch daran liegt, dass er des öfteren Themen verarbeitet, die mich nicht einmal im Ansatz interessieren. Mir ist jedenfalls bisher kein Grund eingefallen, warum ich mir Hulk oder Brokeback Mountain anschauen sollte.

Ganz anders diese groß angelegte Spionage-Geschichte, die inhaltlich verblüffende Parallelen zu Verhoevens Zwartboek aufweist, obwohl Lee die Sache ganz anders angeht als der von mir so verehrte Niederländer. Angesiedelt im japanisch besetzten China der 40er Jahre erzählt Lee über eine Spieldauer von 2 1/2 Stunden eine Geschichte über Liebe und Verrat, über Misstrauen, Einsamkeit und unerfüllte Sehnsüchte. Er konzentriert sich auf die beiden Hauptfiguren Yi (ein großartiger Tony Leung) und Mak Tai Tai, die von der Debütantin Wei Tang mitreißend verkörpert wird und räumt den Nebenrollen nur wenig Platz ein. 
 
Dabei geht es Lee weniger um einen spannenden Spionage-Thriller (der Se, Jie nicht ist), als um eine atmosphärisch dichte Schilderung der fiktiven Geschehnisse. Bildgewaltig und mit fast pedantischer Akribie lässt er das Shanghai der 40er Jahre vor den Augen des Zuschauers wiederauferstehen und zieht dabei alle Register. Ausstattung, Sets und Kostüme sind schlichtweg eine Wucht. 
 
Ungewöhnlich sind die recht krassen Sexszenen inklusive einer halben Vergewaltigung, die dem Film in den USA ein NC-17-Rating verpassten. Diese Szenen, in denen die beiden Darsteller an ihre Grenzen gehen, zeigen exemplarisch die innere Zerrissenheit der Figuren, speziell die erste, in der Yi mit einer angedeuteten Leibesvisitation beginnt, ihr die Kleider vom Leib reißt, sie mit dem Gürtel schlägt und fesselt, während ihre angewiderte Abwehrhaltung zu Beginn einer immer stärkeren Hingabe weicht. Großartig gespielt. Guter Film.