31 Dezember 2007

VIRGINIA CITY (Michael Curtiz, 1940)

Ein klassischer Western mit einem gewohnt charmanten Errol Flynn in der Hauptrolle und Bogart als Anführer einer Banditenhorde. Erwähnenswert sind die gute Story und die souveränen Darstellerleistungen. Nur sind leider klassische Western nicht so mein Ding (von einigen herausragenden Genrevertretern mal abgesehen), so dass sich meine Begeisterung in Grenzen hält. Solide Unterhaltung sicherlich, mehr aber nicht. 

30 Dezember 2007

DARK PASSAGE (Delmer Daves, 1947)

Trotz der arg konstruierten Handlung, die sich bei nüchterner Betrachtung als ziemlicher Unfug erweist, und der klischeehaften Figuren (der unschuldig verurteilte Mörder, der seine Unschuld beweisen will, die aufopferungswillige Frau, die durch das ähnliche Schicksal ihres Vaters geprägt, ihm hilft, der schmierige Kleinganove, der durch Zufall die Chance sieht, eine großen Coup zu landen, etc.) machte mir der Film großen Spaß. 

Denn Regisseur Daves hat den ganzen Unsinn äußerst kurzweilig inszeniert, er beschränkt sich immer auf das Wesentliche, so dass man als Zuschauer ständig am Ball bleibt. Dazu ein glänzend aufgelegter Bogart, der einmal mehr mit seiner Frau Lauren Bacall zusammenfinden darf. Alleine den beiden zuzusehen, sichert dem Film schon die halbe Miete. Zudem ist das alles auch ziemlich spannend, solange man nicht genauer über die Story nachdenkt. Und die Synchro war hier immerhin nicht ganz so schlimm wie bei High Sierra. 

29 Dezember 2007

HIGH SIERRA (Raoul Walsh, 1941)

Ordentlicher Gangsterfilm mit einem gewohnt souveränen Bogart. Allerdings ist der Mittelteil recht zäh geraten, der Nebenplot mit der Operation des Klumpfußes wäre meiner Meinung nach entbehrlich gewesen und zieht das Ganze unnötig in die Länge. Dafür wird man dann mit der fulminanten Verfolgungsjagd am Schluss entschädigt. 

Die Synchro war eine mittlere Zumutung und trübte den Filmspaß doch erheblich. Schade, dass 3Sat bei der tollen Bogart-Reihe nicht die Möglichkeit anbietet, die Filme im O-Ton anzusehen.

28 Dezember 2007

THE BIG SLEEP (Howard Hawks, 1946)

Die von 3Sat über die Weihnachtsfeiertage angesetzte Humphrey-Bogart-Reihe bietet mir eine willkommene Gelegenheit, die ein oder andere Lücke zu schließen und ein paar ungesehene Klassiker mit dem kleinen Großen nachzuholen. Den Auftakt bildete Casablanca, den ich mir geschenkt habe, weil ich die DVD besitze und ihn auch schon mehrfach gesehen habe. Deswegen steige ich mit Hawks The Big Sleep ein.

Ganz ohne Zweifel einer der großen Klassiker des Film Noir. Die Stärken des Films sind seine tolle Atmosphäre und natürlich das überragende Paar Bogart/Bacall. Insbesondere Bacall überzeugt in der Rolle der undurchsichtigen, geheimnisvollen Femme Fatale, die dem kaltschnäuzigen Philip Marlowe den Kopf verdreht. Dabei kommt ihr auch die wirre Story zugute, die einen erheblichen Anteil daran hat, dass man bis zum Schluss nicht weiß, was sie eigentlich antreibt. 

Womit wir auch schon beim großen Schwachpunkt des Films wären: die Story ist dermaßen verworren, dass ich sie auch beim zweiten Gucken (bei der ersten Sichtung während der TV-Ausstrahlung kämpfte ich aufgrund der späten Uhrzeit dauernd mit dem Schlaf, deswegen schaute ich mir die Aufnahme am nächsten Abend nochmal an) nicht richtig verstanden habe. Eine Beurteilung der Dialogqualität fällt mir schwer, weil ich nur die synchronisierte Fassung gesehen habe. Stellenweise klangen die Dialoge etwas holprig, ließen aber dabei aufgrund des unterschwelligen Humors immer Raum für die Hoffnung, dass dies lediglich eine Schwäche der eingedeutschten Fassung ist. Muss mir das Teil bei Gelegenheit mal im O-Ton ansehen. Vielleicht verstehe ich dann auch, wer wen warum erpresst bzw. ermordet hat...

Alles in allem bereitete mir The Big Sleep zwei vergnügliche Stunden mit Bogart und Bacall, ohne jedoch an die Klasse von Bogarts Besten (Casablanca, Treasures of the Sierra Madre) heranzureichen.

25 Dezember 2007

RYAN'S DAUGHTER (David Lean, 1970)

Immer wieder faszinierend zu sehen, wie Lean es schafft, eine im Grunde genommen einfache Geschichte auf epische Größe aufzublasen, wobei das Wort „aufblasen" keineswegs negativ gemeint ist. Im Gegenteil: hätte ein x-beliebiger anderer Regisseur diese doch eher triviale Geschichte verfilmt, wäre vermutlich ein langweiliger, uninteressanter Streifen herausgekommen, ein typischer Frauenfilm. 

Nicht so bei Lean: durch die geschickte Integration eines politischen Hintergrundes und die sprachlos machende Bildsprache schafft er es wie schon bei Doctor Zhivago und später A Passage to India, den Zuschauer unvermittelt in den Film hineinzusaugen und ihn nach dreieinhalb Stunden wieder hochzufrieden zu entlassen. Dabei hat man aber nie das Gefühl, einen politischen Film zu sehen. Lean verliert sein eigentliches Thema nie aus den Augen und setzt den Focus klar auf die mit ihrer Ehe unzufriedene Rosy Ryan, die sexuelle Erfüllung bei dem jungen britischen Major Doryan sucht und findet. Den irischen Osteraufstand nutzt er dabei lediglich als Hintergrund, um seine Figuren und die Geschichte in seinem Kontext zu verorten, ähnlich wie die russische Oktoberrevolution beim Vorgänger. Die größten Schauwerte des Films sind zweifellos die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen der irischen Halbinsel Dingle. Hervorzuheben außerdem die erstklassige Besetzung bis in die Nebenrollen, wobei mich das Wiedersehen mit Trevor Howard besonders gefreut hat.

Auffällig sind die Parallelen zwischen Rosy Ryan und Adela Quested aus Leans letztem Film A Passage to India. Beide sind mit ihren jeweiligen Männern unzufrieden und stürzen sich auf der Suche nach der sexuellen Erfüllung selbst ins Unglück – auf unterschiedliche Weise natürlich. Die Klasse von A Passage to India erreicht Ryan's Daughter dabei nicht ganz, aber die seinerzeit teilweise sehr harschen Kritiken hat der Film nicht verdient. Auch wenn er inzwischen quasi rehabilitiert ist und bei den Liebhabern von Leans Filmen den Status erreicht hat, den er verdient, waren diese völlig überzogenen Kritiken der Grund dafür, dass einer der größten Regisseure, die die Welt je gesehen hat, eine Schaffenspause von fast 14 Jahren einlegte. Und das ist angesichts der Klasse seiner Filme beinahe als tragisch zu bezeichnen.