Donnerstag, 29. Januar 2009

MR. DEEDS GOES TO TOWN (Frank Capra, 1936)

People here are funny. They work so hard at living they forget how to live.

Den Film habe ich vor etwa 30 Jahren mal im Fernsehen gesehen. Deeds Plädoyer am Ende ist mir seither in Erinnerung geblieben und war der Antrieb, den Film nochmal zu sichten. Im Grunde genommen eine harmlose Komödie, die den arglosen Gutmenschen Longfellow Deeds, absolut liebenswürdig verkörpert von Gary Cooper, in den Mittelpunkt stellt, der sich aufgrund einer Millionen-Erbschaft genötigt sieht, sein friedliches Dörfchen Mandrake Falls zu verlassen und nach Manhattan zu ziehen.

Mr. Deeds goes to Town ist in seiner Schwarzweiß-Malerei so herrlich einfältig, wie es nur ein Capra-Film sein kann. Hier das ruhige, beschauliche Mandrake Falls mit seinen schrulligen, aber liebenswerten Einwohnern, dort die Hölle der Großstadt, mit der armen, arbeitslosen Bevölkerung auf der einen und den gierigen, nimmersatten Anwälten, Reportern und entfernten Verwandten des Verblichenen auf der anderen Seite. 

Und mitten drin der unbedarfte Mr. Deeds, der das viele Geld gar nicht will und in dem ganzen Wirrwarr beinahe auf der Strecke bleibt. Und so ganz nebenbei findet er die große Liebe seines Lebens, für die er sich quasi aufgespart hat. Unfassbar naiv, aber auch unbestreitbar schön. Typisch Capra eben. 

Montag, 26. Januar 2009

JOYEUX NOËL (Christian Carion, 2005)

Ein in Ansätzen recht ansehnlicher Versuch, die bruchstückhaft überlieferten Ereignisse des Weihnachtsfriedens 1914 in Form eines Spielfilms aufzubereiten. Wie so oft leidet die Glaubwürdigkeit unter der massenkompatiblen Ausarbeitung der Details, die ihren unrühmlichen Höhepunkt in dem völlig unplausiblen Subplot um den Tenor Nikolaus Sprink und seine dänische Geliebte Anna Sörensen findet. Wenn Diane Krüger in ihrem dünnen Kleidchen, aber immerhin mit dickem Pelzmantel, engelsgleich durch den Schützengraben schwebt, möchte man sich mit der flachen Hand auf die Stirn schlagen. Nicht zu vergessen die schlecht inszenierten Playbackszenen, wenn die beiden mit aufgerissenem Mund ihre Arien schmettern oder die gemeinsame Flucht in den französischen Graben, hinein in die (freiwillige) Kriegsgefangenschaft.

Und doch: abgesehen von den oben beschriebenen Ärgernissen werden die Zwischenfälle recht glaubwürdig geschildert. Die meisten Charaktere bleiben zwar flach wie ein Zimtstern, aber es gibt eine Reihe gelungener Szenen, zu denen insbesondere die Dialoge zwischen dem deutschen Oberleutnant (Daniel Brühl) und seinem französischen Gegenspieler (Guillaume Canet) zählen und auch Gary Lewis gefällt in der Rolle des schottischen Seelsorgers. 
 
Letztlich gelingt es Carion ganz gut, das Bedürfnis der Soldaten nach Frieden und Menschlichkeit in Kontrast zum erbarmungslosen Alltag des Stellungskrieges zu setzen, ohne dabei zu sehr auf dem Offensichtlichen herumzureiten, so dass man Joyeux Noël insgesamt als durchaus gelungen bezeichnen kann. Dennoch bezeichnend, dass die kurze Eröffnungsszene, in der nacheinander drei Schulkinder die jeweils gegnerische Nation in Landessprache verfluchen, die mit Abstand stärkste Szene des gesamten Films ist.