Mittwoch, 18. Januar 2012

WINTER'S BONE (Debra Granik, 2010)

I'm a Dolly, bread and buttered and that's how I know Dad is dead.

Ein feiner kleiner Thriller, der durch seine ruhige, zurückhaltende Erzählweise besticht. Angesiedelt in den Ozarks gewährt er einen Einblick in den Lebensalltag einer Gemeinde, die sich weitgehend selbst versorgt und durch Produktion und Konsum der Droge Crystal Meth immer wieder in den Fokus der Obrigkeit gerät. Nur verständlich also, dass man am liebsten unter sich bleibt, zumal jeder mit jedem irgendwie verwandt ist. Aufmerksamkeit von außen kann man ebensowenig brauchen wie Clanmitglieder, die zu viele Fragen stellen oder gar Insiderwissen preisgeben. Die Bestrafung folgt auf dem Fuß, sei es eine zünftige Tracht Prügel oder direkt die finale Lösung.

Auffallend sind die starken Frauenfiguren des Films, die davon zeugen, dass eine Frau auf dem Regiestuhl saß. Winter's Bone schert sich einen Dreck um die gängigen Hollywood-Konventionen und versprüht die rohe, unbändige Kraft des Independentfilms, personifiziert vor allem durch die bärenstarke Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence. Die vielen Laiendarsteller und die detailverliebte Kameraführung verleihen dem Film ein hohes Maß an Authentizität. Die Atmosphäre ist zum Greifen dicht und erzeugt ganz ohne die genretypischen Stilmittel eine immense Spannung. Und als Sahnehäubchen gibt's Sheryl Lee in einer Nebenrolle, die damit den Beweis antritt, dass sie selbst als Hinterwäldlerin eine echte Show ist.

Montag, 16. Januar 2012

GIRL WITH A PEARL EARRING (Peter Webber, 2003)

How hard is it to paint a pretty girl?

Webbers Spielfilm-Debut basiert auf dem gleichnamigen Roman von Tracy Chevalier, der eine fiktive Entstehungsgeschichte zu Vermeers berühmtem Gemälde "Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge" erzählt. 
 
Dabei verlässt sich der Brite in erster Linie auf die ausdrucksstarken Bilder. Bei der Farbgebung hat er sich erkennbar an den Gemälden des Niederländers orientiert. Die detailverliebten Kulissen wirken authentisch und lassen die Delfter Innenstadt des 17. Jahrhunderts vor den Augen des Zuschauers wiederauferstehen. Das zeitgenössische Flair wurde gekonnt eingefangen, die dezent eingesetzte Musik bildet die perfekte Untermalung und sorgt für eine stimmige und dichte Atmosphäre. 

Scarlett Johansson ist perfekt in der Rolle des Dienstmädchens Griet, nicht zuletzt aufgrund ihrer Physiognomie, die erstaunliche Ähnlichkeiten mit dem Mädchen auf dem Originalbild aufweist. Ein wundervoller Film, und ungeheuer entspannend dazu.

Sonntag, 15. Januar 2012

THE ROAD (John Hillcoat, 2009)

Are we still the good guys?

John Hillcoats filmische Umsetzung des gleichnamigen McCarthy-Romans ist einer der schwermütigsten und deprimierendsten Filme, die ich in meinem Leben gesehen habe. Egal wie gut gelaunt man die Sichtung angeht - danach ist zunächst alle Freude am Leben verschwunden und es dauert eine geraume Zeit, bis das Gesehene verarbeitet ist. Ein Film, nach dessen Sichtung man am liebsten seine ganze Familie an sich drücken möchte, um sich zu versichern, dass alles in Ordnung ist. 

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt einen derart hoffnungslosen und nihilistischen Film gesehen habe. Dabei ist er beeindruckend konsequent. Nicht der leiseste Hoffnungsschimmer, nicht das kleinste Anzeichen dafür, dass das Leben in dieser toten, grauen, staubbedeckten Welt noch einen Sinn hat, ist dem Zuschauer vergönnt. Selbst die lange herbeigesehnte Ankunft am Atlantik ist ernüchternd, denn auch die See entpuppt sich als graue, leblose Brühe. Als besonders beeindruckend empfand ich die Leistung des 13-jährigen Kodi Smit-McPhee, der vollkommen ungekünstelt und natürlich agiert. 

Ein sehr beeindruckender Film, den ich aber wahrscheinlich nie wieder sehen will.