Sonntag, 9. Januar 2005

WHITE SQUALL (Ridley Scott, 1996)

You can't run from the wind.

Ridley Scott liefert wie gewohnt beeindruckende Bilder. Die Mädels der dänischen Schulklasse sind ebenso nett anzuschauien wie die exotischen landschaftsaufnahmen der Karibik. Und Jeff Bridges glänzt einmal mehr mit einer souveränen, präzise dosierten Performance.

Damit ist die Liste der positiven Aspekte von White Squall allerdings nahezu erschöpft. Kein Wunder, dass mir der Film zuvor nie begegnet ist. Die erzählerischen Ansätze sind durchaus vielversprechend, werden jedoch durch stereotype Figurenzeichnungen und vorhersehbare Dramaturgie schnell zunichtegemacht. Der unter Höhenangst leidende Junge, dessen Bruder von einem Baum stürzte; der Legastheniker, der nur durch einen Trick an Bord gelangt und später mithilfe seiner Kameraden Bestnoten erzielt; der Überforderte, der dem Druck seines Vaters nicht standhält und in Aggression flüchtet – ein Klischee reiht sich ans nächste.

Den Höhepunkt im negativen Sinne bildet die peinlich inszenierte Anhörung des Skippers am Ende sowie die pathetischen Solidaritätsbekundungen der Schüler. Spätestens hier fühlte ich mich schmerzlich an Peter Weirs Dead Poets Society erinnert – wobei mir White Squall im direkten Vergleich dann doch einen Tick besser gefällt. Insgesamt bleibt er dennoch einer der schwächsten Scott‑Filme, die ich bislang gesehen habe.