Freitag, 27. Februar 2009

THE ILLUSIONIST (Neil Burger, 2006)

Eine leidliche spannende Geschichte, ein stimmungsvoller Score und ein tolles Setting im Wien des ausklingenden 19. Jahrhunderts. Jessica Biel ist 'ne hässliche Kröte, Edward Norton und Paul Giamatti überzeugen, Rufus Sewell weniger. Insgesamt recht unterhaltsam.

Dienstag, 24. Februar 2009

SE, JIE / Gefahr und Begierde (Ang Lee, 2007)

Nach Wo hu cang long ist Se, Jie erst meine zweite Begegnung mit Lee, was auch daran liegt, dass er des öfteren Themen verarbeitet, die mich nicht einmal im Ansatz interessieren. Mir ist jedenfalls bisher kein Grund eingefallen, warum ich mir Hulk oder Brokeback Mountain anschauen sollte.

Ganz anders diese groß angelegte Spionage-Geschichte, die inhaltlich verblüffende Parallelen zu Verhoevens Zwartboek aufweist, obwohl Lee die Sache ganz anders angeht als der von mir so verehrte Niederländer. Angesiedelt im japanisch besetzten China der 40er Jahre erzählt Lee über eine Spieldauer von 2 1/2 Stunden eine Geschichte über Liebe und Verrat, über Misstrauen, Einsamkeit und unerfüllte Sehnsüchte. Er konzentriert sich auf die beiden Hauptfiguren Yi (ein großartiger Tony Leung) und Mak Tai Tai, die von der Debütantin Wei Tang mitreißend verkörpert wird und räumt den Nebenrollen nur wenig Platz ein. 
 
Dabei geht es Lee weniger um einen spannenden Spionage-Thriller (der Se, Jie nicht ist), als um eine atmosphärisch dichte Schilderung der fiktiven Geschehnisse. Bildgewaltig und mit fast pedantischer Akribie lässt er das Shanghai der 40er Jahre vor den Augen des Zuschauers wiederauferstehen und zieht dabei alle Register. Ausstattung, Sets und Kostüme sind schlichtweg eine Wucht. 
 
Ungewöhnlich sind die recht krassen Sexszenen inklusive einer halben Vergewaltigung, die dem Film in den USA ein NC-17-Rating verpassten. Diese Szenen, in denen die beiden Darsteller an ihre Grenzen gehen, zeigen exemplarisch die innere Zerrissenheit der Figuren, speziell die erste, in der Yi mit einer angedeuteten Leibesvisitation beginnt, ihr die Kleider vom Leib reißt, sie mit dem Gürtel schlägt und fesselt, während ihre angewiderte Abwehrhaltung zu Beginn einer immer stärkeren Hingabe weicht. Großartig gespielt. Guter Film.  

Freitag, 20. Februar 2009

THE BERMUDA TRIANGLE (René Cardona Jr., 1978)

In den Anfangszeiten des deutschen Privatfernsehens lief der Streifen des öfteren zu nächtlicher Stunde bei RTL, wo er mich mit seiner düsteren, furchteinflößenden Atmosphäre regelmäßig zu begeistern wusste. Seit meiner letzten Sichtung sind mehr als zwanzig Jahre vergangen und so war ich gespannt, inwieweit Cardonas Filmchen über das Bermuda-Dreieck mich noch würde beeindrucken können. 

Einigermaßen überrascht war ich, dass John Huston mitspielt, der normalerweise für Qualität steht, unabhängig davon, ob er vor oder hinter der Kamera agiert. Wobei man in diesem Fall von Qualität eigentlich nicht sprechen kann, denn objektiv betrachtet ist The Bermuda Triangle ein kleines, billiges Horrorfilmchen mit mäßig agierenden Darstellern, schlampigen Effekten und einer nicht immer schlüssigen Story. 

Dennoch kann und will ich nicht verhehlen, dass ich mich von dem Dargebotenen äußerst gut unterhalten fühlte. Von dem undurchsichtig agierenden kleinen Mädchen mit der unheimlichen Puppe geht eine morbide Faszination aus, der man sich nur schwer entziehen kann, wenn auch die Idee alles andere als neu ist. Zudem vermeidet Cardona den Fehler, die Vorgänge irgendwie erklären zu wollen und überlässt es dem Zuschauer, sich die Details zusammenzureimen. Sein Film funktioniert nach dem simplen 10-kleine-Negerlein-Prinzip, nur dass man hier meistens vorher weiß, wer als nächstes dran glauben muss, weil das kleine Mädchen es ankündigt. Da ist das verwirrende Ende nur konsequent, das den Film in perfekter Weise abrundet.

Freitag, 6. Februar 2009

PARAN DAEMUN/Birdcage Inn (Kim Ki-duk, 1998)

Im Vergleich zu Kims rohem Erstling Crocodile ist sein dritter Film (den zweiten, Wild Animals, kenne ich leider noch nicht) ein Rückschritt. Deutlich glatter, geradliniger und gewöhnlicher und zudem für Kims Verhältnisse auch außerordentlich geschwätzig erzählt er zwar eine interessante Geschichte, der allerdings die rechte Würze fehlt. Nach dem kürzlich gesichteten Hwal nun der nächste "Kim light". 

Nicht zuletzt aufgrund der ungewöhnlich vielen Dialoge für Neueinsteiger sicherlich einer seiner zugänglichsten Filme. Seine sperrigen Werke sind mir dennoch lieber.

Dienstag, 3. Februar 2009

LAURA (Otto Preminger, 1944)

I can afford a blemish on my character, but not on my clothes.

Ein Klassiker des Film Noir, der genauso gut von Hitchcock stammen könnte. Ein spannend inszenierter Whodunnit, der mit einer ganzen Reihe zwielichtiger Gestalten und einigen unerwarteten Plottwists aufwarten kann. 

Als Zuschauer ist man ähnlich wie McPherson ständig hin- und hergerissen, wen man nun verdächtigen soll, wobei die totale Faszination Lauras auf die Männerwelt aufgrund der etwas spröden Darstellung Gene Tierneys nur bedingt nachzuvollziehen ist. Herausragend für mich die Performance von Clifton Webb, der mit seinen messerscharfen zynischen Wortpfeilen den anderen die Show stiehlt. Ein Misanthrop wie aus dem Bilderbuch.

  

Montag, 2. Februar 2009

CINCINNATI KID (Norman Jewison, 1965)

You're good, kid, but as long as I'm around, you're only second best.

Die Handlung weist bei oberflächlicher Betrachtung starke Ähnlichkeiten mit The Hustler auf, doch im Gegensatz zu diesem setzt Jewisons Film weniger auf Charakterentwicklung denn auf vordergründige Spannung. Die Charaktere bleiben relativ flach und machen auch keine nennenswerte Entwicklung durch, so dass der Streifen seine Spannung einzig und allein aus der Frage bezieht, wer am Ende siegreich sein wird. 

Was nicht heißen soll, dass der Film schlecht ist, nein, das Ganze ist durchaus spannend inszeniert und atmosphärisch sehr gelungen. Die Darstellerriege beeindruckt schon allein durch die Ansammlung hochkarätiger Namen. 

Unter dem Strich sehr ansehnlich, aber doch eine ganze Klasse unterhalb von The Hustler angesiedelt.