Dienstag, 28. Juni 2011

TETRO (Francis Ford Coppola, 2009)

Your opinion doesn't matter to me anymore.

Bennie sucht nach seinem älteren Bruder Angelo, der sich vor Jahren ohne für ihn ersichtlichen Grund nach Südamerika abgesetzt hat und jetzt unter dem Namen Tetro in Buenos Aires lebt. Tetro ist vom Besuch seines Bruders wenig begeistert, wollte er doch damals mit seiner Familie für immer abschließen. Doch die Begegnung mit Bennie bringt Stück für Stück die Schatten der Vergangenheit in Tetros Leben zurück...

Dass der Patient Francis Ford auf dem Wege der Besserung ist, hat sich schon bei Youth without Youth angedeutet, auch wenn dieser mich noch nicht vollends überzeugen konnte. Mit Tetro hingegen knüpft Coppola an seine Schaffensphase zu Beginn der 80er Jahre an, als er mehrere stilistisch recht eigenwillige Werke wie One from the Heart, Rumble Fish oder auch The Cotton Club schuf. Tetro fügt sich hier nahtlos ein und lässt den Zuschauer schnell vergessen, dass seither mehr als 25 Jahre vergangen sind. Die Geschichte wird überwiegend in Schwarzweiß-Bildern erzählt, nur die Rückblenden sind in Farbe gehalten. Das immer wiederkehrende Motiv des Autounfalls zieht sich wie ein roter Faden durch den Film und markiert gleichzeitig mehrere Schlüsselelemente der Handlung. Erst am Ende wird dem Zuschauer offenbart, warum Tetro nach Südamerika ausgewandert ist.

Coppola ist immer dann am besten, wenn er es schafft, seinen hohen künstlerischen Anspruch mit einer mitreißenden Geschichte zu verbinden. Tetro ist dafür ein eindrucksvolles Beispiel. Dies ist auch ein Verdienst der beiden Hauptdarsteller Alden Ehrenreich und Vincent Gallo, wobei insbesondere Letzterer eine eindringliche Vorstellung abliefert. Klaus Maria Brandauer hat zwar nur wenige Szenen, dominiert diese aber durch seine starke Präsenz.

Montag, 20. Juni 2011

THE OUTSIDERS - The Complete Novel (Francis Ford Coppola, 1982)

Boys will be boys.

The Outsiders ist Coppolas erste Verfilmung eines Hinton-Romans. Mit dem unmittelbar darauf folgenden Rumble Fish gibt es viele Gemeinsamkeiten, dessen formale Brillanz erreicht The Outsiders aber nicht. Die 2005 veröffentlichte Langfassung ist entstanden, als Coppolas Enkelin ihn bat, den Film in ihrer Schule vorzuführen, nachdem sie im Unterricht das Buch gelesen hatten. Weil jedoch viele Stellen aus dem Buch im Film fehlten (auch auf Druck des Studios vor der Veröffentlichung) entschloss er sich, eine längere Fassung zu schneiden, deren Aufbau sich an der Buchvorlage orientiert.

Mir ist die Langfassung lieber als die Kinofassung, die ich vor Jahren mal im Fernsehen gesehen und emotional als weit weniger packend empfunden habe. The Outsiders ist weniger ein Film über Gewalt unter Jugendlichen, sondern in erster Linie ein Film über Freundschaft und Familie. Die Gewalt ist zwar immer präsent, geht aber kaum über die übliche Rivalität unter Heranwachsenden hinaus. (Bobs Tod bildet eine kleine Ausnahme, wobei es sich ja nicht um eine vorsätzliche Tötung sondern eher um Notwehr handelte.) Selbst der große Kampf zwischen den Greasers und den Socs am Ende wird ohne Waffen und nach fairen Regeln ausgetragen. Man haut sich gegenseitig auf die Fresse, aber niemand kommt ernsthaft zu Schaden. Bezeichnenderweise ist es die heldenhafte Rettung von Kindern vor dem Verbrennen, die Johnny das Leben kostet. Interessant auch, dass mit Johnny und Dallas gerade die beiden der Greasers ihr Leben lassen, denen der familiäre Rückhalt fehlt.

Freitag, 17. Juni 2011

THE STEEL HELMET (Samuel Fuller, 1951)

Dead man's nothin' but a corpse. No one cares what he is now.

"There is no end to this story" heißt die Einblendung am Schluss des Films. Konsequenterweise hätte Fuller den Film auch mit der Einblendung "There is no beginning to this story" beginnen können. So unvermittelt wie der Zuschauer in die Handlung geworfen wird, wird er auch wieder entlassen. Wobei Handlung schon fast zuviel gesagt ist, denn eine richtige Handlung hat The Steel Helmet gar nicht. Er besteht aus einer lose aneinandergereihten Folge aus Kampfszenen und Dialogen, die kein Ziel zu haben scheinen. Außer das, irgendwie zu überleben. 

Die Figuren bleiben nahezu konturenlos; das ihnen innewohnende Potential wird nur ansatzweise ausgeschöpft. Aber so ist das wohl im Krieg: bevor man seine Kameraden näher kennengelernt hat, sind die meisten schon gefallen.

Montag, 6. Juni 2011

THE MACKINTOSH MAN (John Huston, 1973)

Even the best of politicians have to compromise sometimes.

Ein recht spannender Agententhriller mit einem vollkommen souveränen Paul Newman in der Hauptrolle. 

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Huston sich hier von den James-Bond-Filmen hat inspirieren lassen, wobei The Mackintosh Man dann doch eher in die Kategorie "James Bond für Arme" fällt. Der größte Schauwert sind hier nicht etwa exotische Landschaften, sondern die äußerst attraktive Dominique Sanda. 

Alles in allem ein harmloses aber kurzweiliges Vergnügen.

Freitag, 3. Juni 2011

DEAD RECKONING (John Cromwell, 1947)

The trouble with women is they ask too many questions.

Die beiden Fallschirmspringer Murdock und Drake befinden sich nach Kriegsende auf dem Weg nach Washington, um dort für ihre Verdienste geehrt zu werden. Der Grund für die Reise ist ihnen zunächst nicht bekannt. Als Drake den Hintergrund erfährt, setzt er sich ab. Murdock, der sich das Verhalten seines Freundes nicht erklären kann, versucht dessen Aufenthaltsort in Erfahrung zu bringen und erfährt dabei, dass dieser wegen Mordes gesucht wird und sich der Strafverfolgung nur durch den freiwilligen Eintritt in die Armee entzogen hat. Bevor er ihn ausfindig machen kann, stirbt Drake bei einem Autounfall. Murdock ist von der Unschuld seines Freundes überzeugt und stellt auf eigene Faust Ermittlungen an.

Ein klassischer Film Noir mit den üblichen Zutaten und Bogart in gewohnter Rolle. Kennt man schon aus The Maltese Falcon oder The Big Sleep, macht aber trotzdem immer wieder Spaß. Die sehr maskuline Lizabeth Scott ist als Femme fatale nicht immer überzeugend, doch ist das letztlich der einzige Vorwurf, den man Dead Reckoning machen kann. Die Story gewinnt zwar keinen Preis für Originalität, bietet aber genug Wendungen, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Zudem ist das Ganze souverän inszeniert, und Bogart als unbeugsamer, stets am Rande der Legalität wandelnder Ermittler ist immer wieder eine Schau.