24 September 2008

ELEMENTARTEILCHEN (Oskar Roehler, 2006)

Roehlers filmische Umsetzung des (mir unbekannten) Romans von Michel Houellebecq changiert lässig zwischen Groteske, Drama und Romanze und weiß damit über die gesamte Spieldauer vorzüglich zu unterhalten. Dabei beackert er gleich eine ganze Reihe interessanter Themenfelder wie Gentechnik, Vereinsamung des Einzelnen in der Gesellschaft, etc., kratzt dabei jedoch immer nur an der Oberfläche und lässt jeden Tiefgang vermissen. 

Diese vermeintliche Schwäche ist aber die eigentliche Stärke des Films, verleiht sie ihm doch eine Leichtfüßigkeit, die sich angenehm von der im deutschen Film so verbreiteten Bedeutungsschwere abhebt. Zahlreiche Szenen sind traurig und witzig zugleich, insbesondere diverse Anekdoten aus Brunos Kindheit oder auch Christianes verzweifeltes Bemühen, innerhalb der ihr verbleibenden Zeit die maximale sexuelle Befriedigung zu erzielen. 

Darstellerisch ist alles im grünen Bereich, Franka Potente finde ich auch im biederen Kleidchen mit Pickeln im Gesicht scharf und Uwe Ochsenknecht hat einen ebenso kurzen wie prägnanten Auftritt als Brunos versoffener Vater.  

22 September 2008

REPULSION (Roman Polanski, 1965)

Look, relax, take it easy, enjoy life!

Polanskis erster englischsprachiger Film unterscheidet sich qualitativ doch recht deutlich vom direkten Vorgänger Nóz w wodzie

Katherine Deneuve verkörpert überzeugend die verstörte junge Frau in einer fremden Stadt, die zunehmend von schizophrenen Wahnvorstellungen überwältigt wird, je länger sie alleine in ihrer Wohnung sitzt. Eigentlich macht sie nicht viel mehr als verängstigt in die Kamera zu schauen, aber es sind gerade die kleinen Gesten wie das nervöse Streichen über die Brust, die ihre Perfomance so außergewöhnlich machen. Risse in den Wänden, virtuelle Vergewaltigungen durch unbekannte Männer – aus ihrer Sicht nur konsequent, jeden realen Menschen zu töten, der sich in ihre Wohnung verirrt. Toll auch wie beiläufig Polanski einen möglichen sexuellen Missbrauch durch den Vater nur durch den abschließenden Zoom auf das Familienfoto andeutet.  

TOY STORY 2 (John Lasseter, 1999)

Pixars Schwächster und der einzige Film des Erfolgsstudios, zu dem ich auch nach mehrfacher Sichtung keinen richtigen Zugang finde. Schlecht ist er natürlich nicht, aber er hat eben mit den typischen Problemen so vieler Fortsetzungen zu kämpfen: die Charaktere sind bekannt, Überraschungseffekte bleiben aus und die Story ist nur eine Variation der des ersten Teils. Wobei die gefälligen ersten fünf Minuten (die Videospielsequenz) sich durchaus positiv vom durchwachsenen Rest abheben.

21 September 2008

DEATH AND THE MAIDEN (Roman Polanski, 1994)

As long as you're holding the gun, we have nothing to discuss.

Starkes Drei-Personen-Kammerspiel mit einer guten Story und hervorragenden Darstellern. Wobei hier gleichzeitig auch ein kleiner Schwachpunkt liegt, denn Sigourney Weaver fand ich schon immer extrem unsympathisch. So gut sie auch spielt - ich mag sie einfach nicht, und so fiel es mir schwer, mich richtig mit ihr zu identifizieren. Ein ähnliches Problem hatte ich seinerzeit mit Weirs The Year of living dangerously, wo Weaver zusammen mit Mel Gibson ein wenig glaubwürdiges Liebespaar abgab. 

Und so kann ich eine gewisse Distanz zum Geschehen nicht leugnen, aufgrund derer ich mich in die Rolle des unbeteiligten Zuschauers gedrängt sah, statt echten Anteil an ihrem Schicksal zu nehmen. Spannend ist das Ganze natürlich trotzdem. Gut gelungen auch das Ende, was bei einer derartigen Geschichte alles andere als selbstverständlich ist.  

20 September 2008

PLAN 9 FROM OUTER SPACE (Edward D. Wood, 1959)

Nach der Sichtung von Burtons Ed Wood vor einigen Wochen ließ ich mir natürlich die Gelegenheit nicht entgehen, Woods bekanntesten Film im Rahmen der Arte-Trash-Reihe zu bestaunen. Ich hatte mir vorgenommen, die Sichtung möglichst wohlwollend anzugehen, musste jedoch angesichts des trostlosen Treibens auf dem Bildschirm recht bald kapitulieren.  

Plan 9 from Outer Space ist sicherlich nicht der schlechteste Film, den ich in meinem Leben gesehen habe (Saw beispielsweise war schlechter), aber etwas Positives will mir dazu auch nicht einfallen. Dilettantisch und vor allem gähnend langweilig. Dennoch stellte sich zum Ende hin ein beruhigendes Gefühl ein, da ich nun wenigstens mal einen Film von Ed Wood gesehen habe.

TOY STORY (John Lasseter, 1995)

Bei der Veröffentlichung 1995 waren die Animationen bahnbrechend - immerhin war Toy Story der erste Kinofilm seiner Art und legte damit den Grundstein für ein neues Subgenre - und sehen heute immer noch gut aus. Auch die detailliert ausgearbeiteten Charaktere, für die Pixar heute steht, gab es damals schon. Die Story ist simpel, erfüllt aber ihren Zweck. Damals wie heute ein schöner Film für die ganze Familie.  

16 September 2008

FRIDA (Julie Taymor, 2002)

I hope the exit is joyful and I hope never to return.

Julie Taymors phantastische Biographie der mexikanischen Malerin Frida Kahlo konnte mich schon bei der Erstsichtung vor einigen Jahren restlos überzeugen und hinterließ gestern einen noch tieferen Eindruck. 

Bemerkenswert ist vor allem die kunstvolle Integration zahlreicher Bilder (vor allem Selbstporträts) Frida Kahlos, indem sie die dargestellten Szenen mit Salma Hayek nachstellt und dann in das Originalbild überblendet oder eben umgekehrt - vom Bild zur realen Darstellung. Besonders eindrücklich ist dies bei Fridas Sterbeszene gelungen, wo die von Flammen umloderte Hayek durch Fridas flammenumzüngeltes Selbstporträt ersetzt wird. 

Vor allem aber gelingt es Taymor, den Schmerz und das endlose Leiden Kahlos, das sich auch in vielen ihrer Bilder widerspiegelt, glaubwürdig zu vermitteln, ohne dabei jedoch ihre unbändige Lebensfreude, die sie ihre schwere Krankheit und die ständige Untreue Diego Riveras ertragen ließen, zu vernachlässigen. Perfekt untermalt wird dies von einem herrlichen Score, der die überwältigenden Bilder kongenial ergänzt.  

15 September 2008

52 Pick-Up (John Frankenheimer, 1986)

There's something about your face that makes me want to slap the shit out of it!

Die DVD war ein Blindkauf, aber einer mit geringem Risiko, denn auf Frankenheimer ist normalerweise Verlass. Und tatsächlich weiß der im schmierigen Pornomilieu der 80er angesiedelte Thriller zu gefallen.  

52 Pick-Up ist wie viele Frankenheimer-Filme aus den 80er Jahren keine Großtat und recht deutlich vom Niveau seiner Arbeiten aus den 60er Jahren entfernt, aber doch weitaus mehr als solide Unterhaltung. Durch immer wieder eingebaute kleinere Plottwists, die punktgenau dann kommen, wenn die Story in Langeweile abzudriften droht, hält Frankenheimer den Zuschauer bei der Stange. Und auch Jost Vacanos hervorragende Kameraarbeit ist ein nicht zu bestreitender Schauwert. Das Ende ist zwar vorhersehbar (warum sonst sollte Harry Alan seinen Wagen anbieten?), aber dennoch gelungen. 

Eine runde Sache.