19 September 2004

DEAD POETS SOCIETY (Peter Weir, 1989)

Zum ersten Mal enttäuscht mich der Australier. Bieder, konservativ und ohne Esprit - dazu noch eine elendig langweilige Story. Die Geschichte entwickelt sich weitgehend vorhersehbar, die Figuren bleiben häufig auf bekannte Rollenklischees reduziert und die emotionalen Höhepunkte wirken zu kalkuliert.

Auf der Habenseite steht alleine die gelungene Atmosphäre, aber das ist leider zu wenig. Einem Regisseur von Peter Weirs Format verzeiht man einen solchen Ausrutscher natürlich gerne.

05 August 2004

RAISING CAIN (Brian de Palma, 1992)

Eine ziemlich wirre, vor Logikfehlern strotzende Story und ein schwächelnder John Lithgow, der den schizophrenen Psychopathen wenig überzeugend mimt. Allerdings ist das Ganze de-Palma-typisch sehr spannend in Szene gesetzt, und auch einige gelungene Schockeffekte sorgen für wohliges Unbehagen. Und wirre Stories sind bei de Palma ja auch nichts Neues. Nicht richtig schlecht, aber nach Mission To Mars der schwächste de Palma, den ich bisher gesehen habe. 

31 Juli 2004

THE LAST SAMURAI (Edward Zwick, 2003)

The last Samurai besticht durch schöne Landschaftsaufnahmen, gut choreografierte Kämpfe und weitgehend überzeugende Darsteller. Selbst Tom Cruise kommt einigermaßen glaubwürdig rüber. Es gibt aber auch genügend zu kritisieren: die Story ist wenig originell, es werden sämtliche gängigen Klischees bedient und insbesondere Algrens Gefangenschaft ist etwas langatmig in Szene gesetzt. Dafür entschädigt die fulminante Schlacht am Ende. Der Schluss ist für meinen Geschmack zu kitschig, aber bei einem Tom-Cruise-Film ist man darauf ja vorbereitet. Unter dem Strich ganz ordentlich. 

30 Juli 2004

ALIEN: RESURRECTION (Jean-Piere Jeunet, 1997)

Jahrelang habe ich mich vor dem 4. Teil der Alien-Saga gedrückt. Die Idee, Ripley nach 200 Jahren wieder zum Leben zu erwecken, erschien mir einfach zu dämlich, zumal Teil 3 nach dem mäßigen zweiten Teil ein hervorragender Abschluss der Story war. 

Nun ja, jetzt also doch, und dieses elende Machwerk schafft es tatsächlich mühelos, meine ohnehin niedrigen Erwartungen noch zu unterbieten. Teil 2 war ja schon ein Langweiler par Excellence, aber angesichts dessen, was hier geboten wurde, fiel es mir schwer, bis zum Ende durchzuhalten. Die Absenz jeglicher Spannung und die drögen Kampfszenen alleine wären ja schon schlimm genug gewesen; die Krönung jedoch war Ripleys völlig unglaubwürdiger Konflikt mit der Alienbrut. Als sie ihren „Nachwuchs“ pulverisierte und dabei mit Tränen in den Augen ein zartes „Sorry“ hauchte, hätte ich fast unter den Couchtisch gekotzt. No, Monsieur Jeunet, so nicht!  

27 Juli 2004

EL DORADO (Howard Hawks, 1966)

Die Handlung ist im Prinzip der gleiche wie die von Rio Bravo, wobei jener mir weitaus besser gefällt. Dennoch unterhält El Dorado über die gesamte Laufzeit ausgesprochen gut. Ein solider, unspektakulärer Western, der wenig Neues bietet. 

Erfreulich ist das sehr gut restaurierte Bild der vorliegenden DVD, das einen das Alter des Films fast vergessen lässt. Hier hat Paramount ganze Arbeit geleistet. 

25 Juli 2004

DJANGO (Sergio Corbucci, 1966)

Unzweifelhaft einer der besseren Spaghetti-Western überhaupt. Im Fernsehen kam leider nur die geschnittene Fassung, aber auch hier wird die für die damalige Zeit außerordentliche Brutalität deutlich. Corbucci gewährt dem Zuschauer einen zynischen Blick auf eine Welt, in der ein Menschenleben nichts wert ist und gelangweilte Söldner sich einen Spaß daraus machen, Mexikaner wie Tontauben abzuschießen. Die Figur des von Franco Nero verkörperten Django wurde zur Ikone. Hart aber gut.

17 Juli 2004

IDENTITY (James Mangold, 2003)

Aufgrund des Hypes in diversen Foren waren meine Erwartungen recht hoch, wurden aber leider nicht ganz erfüllt. Ein guter, solider Thriller, keine Frage, durchaus spannend inszeniert und mit überzeugenden Darstellern. 

Die Wendung zum Schluss hinterließ bei mir jedoch einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits durchaus originell, nüchtern betrachtet aber reichlich schwachsinnig, von den zahlreichen Logiklöchern gar nicht zu reden. Zumindest aber war es keiner dieser Twists, die einem im Nachhinein den ganzen Film versauen, wie beispielsweise bei Vanilla Sky. 

Unter dem Strich bleibt ein handwerklich überzeugender Thriller, der mir einen unterhaltsamen Abend verschaffte. Warum ldentity teilweise sogar in einem Atemzug mit einem Meisterwerk wie Memento genannt wird, will sich mir beim besten Willen nicht erschließen.  

16 Juli 2004

COP LAND (James Mangold, 1997)

Vor Jahren schon mal gesehen und damals für schwach befunden, verdiente sich Cop Land alleine aufgrund des beeindruckenden Casts eine zweite Chance. Und siehe da: der Film ist weitaus besser als ich ihn nach meiner ersten Sichtung in Erinnerung hatte. 

Die Schwächen sind dennoch nicht zu übersehen. So liefert die Story zwar interessante Ansätze, bleibt insgesamt aber zu oberflächlich. Von der Komplexität eines L. A. Confidential ist Cop Land meilenweit entfernt. Auch die handelnden Personen wissen nicht richtig zu fesseln. Hier gilt wie für die Story: alles wird nur angekratzt, bleibt oberflächlich und merkwürdig distanziert. Kaum ein Charakter ist in sich wirklich stimmig. 

Darstellerisch ragt vor allem Harvey Keitel heraus, der wie immer eine überzeugende Performance liefert, aber auch Robert Patrick verdient eine Erwähnung. Und damit sind wir schon beim großen Pluspunkt, den Cop Land neben der in Ansätzen interessanten Story für sich verbuchen kann: die Darstellerriege ist wahrlich beeindruckend und hebt den Film aus der Masse der Copthriller heraus. Trotzdem bleibt nach dem Abspann das dumpfe Gefühl, dass mit einem besseren Drehbuch mehr drin gewesen wäre.

13 Juli 2004

MATCHSTICK MEN (Ridley Scott 2003)

Ein komischer Film von Ridley Scott, zu dessen Schaffen ich ein zwiespältiges Verhältnis habe. 

Die Story ist an sich nicht schlecht, die visuelle Umsetzung wie immer bei Scott beeindruckend. Das Hauptproblem ist die Besetzung der Hauptrolle mit Nicolas Cage, der eine schwache Vorstellung abliefert. Zu keiner Sekunde nehme ich ihm seine Rolle ab - was bei Cage zwar nichts Ungewöhnliches ist - aber so schlecht wie hier war er selten. In negativer Hinsicht bemerkenswert auch, wie blass sein Charakter über die gesamte Spieldauer bleibt. 

Einen gewissen Unterhaltungswert kann man Matchstick Men dennoch nicht absprechen, aber im Schaffen Ridley Scotts einer der schwächeren Vertreter.  

06 Juli 2004

THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE (Marcus Nispel, 2003)

I smell bullshit.

Dürften inzwischen an die 20 Jahre her sein, seit ich das Original gesehen habe. Erinnerungen daran sind praktisch keine mehr vorhanden, gute Voraussetzungen also, um unvoreingenommen an das Remake heranzugehen. 

Dieses beginnt dann auch recht vielversprechend. Die Jungdarsteller nerven nicht übermäßig, die Atmosphäre ist stimmig und R. Lee Ermey kann als Sheriff Akzente setzen. Spätestens mit dem ersten Auftritt von Leatherface ist es jedoch vorbei mit der Herrlichkeit. Es kommt wie immer bei solchen Filmen: eine uninspirierte, nicht enden wollende Hatz durch die Kulissen, bei der weder das knapp bekleidete Opfer noch eine der wechselweise auftretenden weiteren Personen die in mir immer stärker aufkommende Müdigkeit vertreiben konnten. Hier wird nichts geboten, was es nicht schon hundertmal in ähnlicher Form (und weitaus besser) zu sehen gab. 

Ein Film der Kategorie "Remakes, die die Welt nicht braucht."