Sonntag, 22. August 2010

BOXCAR BERTHA (Martin Scorsese, 1972)

I don't wanna sleep alone tonight.

Ein Frühwerk Scorseses aus der Corman-Schmiede, das stellenweise etwas unbeholfen wirkt, mir aber insbesondere aufgrund der tollen Atmosphäre und der Darsteller ausgesprochen gut gefallen hat. 

Die Dialoge sind für Scorsese-Verhältnisse äußerst zahm, die Bilder hingegen ganz und gar nicht. Wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass seine später so markante Handschrift hier kaum zu erkennen ist. Obwohl der Film zur Zeit der Depression angesiedelt ist, versprüht er doch eher den Geist seiner Entstehungszeit, sprich: der 70er Jahre, wobei ich gerade diesen Gegensatz reizvoll fand.  

Boxcar Bertha ist ein kleiner ungeschliffener Rohdiamant, dem die Brillanz der späteren Scorsese-Werke abgeht, der aber dennoch einen wichtigen Punkt in der Entwicklung des Regisseurs markiert und daher undbedingt sehenswert ist.

Dienstag, 17. August 2010

VANISHING POINT (Richard C. Sarafian, 1971)

Patiently. That's the only way to wait for somebody.

Sarafian, Sohn armenischer Immigranten, verfolgt bei Vanishing Point einen ähnlich minimalistischen Ansatz wie Steven Spielberg beim im gleichen Jahr entstandenen Duel. Der ganze Film besteht im Grunde genommen aus einer Verfolgungsjagd, quer durch drei Bundesstaaten. Dabei trifft Kowalski auf diverse skurrile Personen, die ihm fast alle wohlgesonnen sind. Ein blinder Radio-DJ erhebt ihn sogar zum letzten wahren Helden Amerikas, zum Symbol der Freiheit. 

Kowalski will von all dem nichts wissen. Er sieht sich weder als Freiheitssymbol noch als Helden. Das Angebot der nackten Motorradfahrerin, alles für ihn zu tun, lehnt er ebenso ab wie das angebotene Gras. Wobei er insgeheim die Fahrt wohl dennoch als letztes Aufbäumen, als letzten Ritt durch die Freiheit begreift, bevor er seinem verkorksten Leben ein donnerndes Ende setzt.  

Samstag, 14. August 2010

CREATURE FROM THE BLACK LAGOON (Jack Arnold, 1954)

We're staying until we get him.

Auch ein Klassiker aus Kindertagen. Im Gegensatz zu anderen Arnold-Filmen wie Tarantula oder The incredible shrinking Man ist dieser hier deutlich schlechter gealtert. 

Das fängt mit dem Monster an, das weniger wie ein prähistorisches Wesen wirkt, sondern eher wie ein besoffener Karnevalist, der sich verlaufen hat. Vor allem verwundert, wie langsam und ungeschickt die Kreatur schwimmt, soll sie doch beinahe ihr ganzes Leben unter Wasser verbracht haben. Die Story ist nicht sonderlich originell, erfüllt aber ihren Zweck. 

Wie beim großen Vorbild King Kong bemüht man auch hier den Beauty-and-the-Beast-Aspekt, der vor allem in der gemeinsamen Schwimmszene mit Kay und der Kreatur erkennbar wird. Und während ihre männlichen Mitstreiter nach und nach massakriert werden, wird Kay natürlich entführt. Immerhin erspart man dem Zuschauer die Verbringung der Kreatur in die Zivilisation - das sollte dem Nachfolger Revenge of the Creature vorbehalten bleiben.

Trotz all dieser Schwächen ist der Film dennoch recht spaßig geraten, was vor allem der straffen, schnörkellosen Inszenierung und dem stimmungsvollen Schauplatz zu verdanken ist.   

Freitag, 13. August 2010

NEW YORK, NEW YORK (Martin Scorsese, 1977)

Kein Musical im klassischen Sinne, aber ein Film, in dem die Musik eine tragende Rolle spielt. Eine Musik, die mir leider vollkommen fremd ist und meine Nerven auf eine harte Probe stellte. 

Darüber hinaus hat New York, New York nicht viel zu bieten. Eine belanglose Liebesgeschichte zwischen zwei Musikern inklusive Hochzeit und späterer Trennung. Der ein oder anderer interessante Ansatz geht im Strudel der Musik unter.  

Donnerstag, 12. August 2010

A BUG'S LIFE (John Lasseter, 1998)

Im Gegensatz zu den neueren Pixarfilmen kann man A Bug's Life ruhigen Gewissens als Kinderfilm bezeichnen, was nicht heißen muss, dass man nicht auch als Erwachsener seine Freude daran haben kann. Der tiefgründige Humor der späteren Werke fehlt hier gänzlich; stattdessen dominieren einfache Witzchen und Slapstick. 

Technisch gesehen wirkt der Film auf mich irgendwie unfertig. Optisch sehr beeindruckende Szenen wie der Regenguss wechseln sich ab mit relativ schlichten Animationen, aber womöglich ist das Auge angesichts der aktuellen Pixarhits schon zu verwöhnt. Trotz dieser Defizite machte der Film mir auch heute wieder eine Menge Spaß, hab' ich die bunte Zirkustruppe doch im Laufe der Jahre in mein Herz geschlossen.  

Mittwoch, 11. August 2010

BARTON FINK (Ethan & Joel Coen, 1991)

I've always found that writing comes from a great inner pain.

Grandioses Werk der Coen Brothers, das zum Besten zählt, was ich bisher von den Brüdern gesehen habe. Eine äußerst gelungene Mischung aus bissiger Satire - das System Hollywood wird respektlos durch den Kakao gezogen - und surrealem Drama, das die Leiden des Autors Barton Fink in den Mittelpunkt stellt, großartig verkörpert von John Turturro. 

Der Film würde vermutlich auch als Theaterstück gut funktionieren. Die Handlung besteht fast ausschließlich aus Dialogen und spielt sich nur an wenigen Orten ab, überwiegend in dem heruntergekommenen Hotelzimmer mit dem scheinbar endlosen düsteren Flur. Die Atmosphäre ist so dicht, dass man sie beinahe mit Händen greifen kann. Neben Turturro überzeugt vor allem John Goodman, den ich noch nie besser gesehen habe. Als Zuschauer ist man dem bizarren Treiben ähnlich hilflos ausgeliefert wie Fink; man weiß nie, was als nächstes passiert. 

Zum Schluss bleiben viele Fragen ungeklärt, was Anlass genug ist, sich auch nach dem Abspann weiter intensiv mit dem Film zu beschäftigen. Die Schlusseinstellung bietet den perfekten Ausklang. Viel besser geht's nicht mehr.  

WALL·E (Andrew Stanton, 2008)

Bei der Erstsichtung vor anderthalb Jahren im Kino hielt sich meine Begeisterung doch sehr in Grenzen, insbesondere was die zweite Hälfte des Films angeht. 

Heute gefiel er mir deutlich besser. Dennoch bedauere ich, dass Wall·E nach der beinahe magischen ersten Hälfte, in der praktisch nichts gesprochen wird, derart abfällt, auch wenn mir der Unterschied nicht mehr so krass erschien wie im Kino. Letztlich bleibt nur ein durchschnittlicher Pixarfilm, der viel von seinem Potential ungenutzt lässt.

Montag, 9. August 2010

TOY STORY 3 (Lee Unkrich, 2010)

Auf Pixar ist Verlass. Mit schöner Regelmäßigkeit bietet das kalifornische Animationsstudio beste Unterhaltung für die ganze Familie. 

Mit ihrem nunmehr elften Spielfilm greifen die Mannen um John Lasseter zum dritten Mal das Toy-Story-Thema auf; dieses Mal erzählen sie vom Ende der Kindheit, vom Erwachsenwerden und der damit einhergehenden Trennung von den Spielzeugen aus Kindertagen. 

Nach dem relativ schwachen zweiten Teil, den ich für den bisher schwächsten Pixarfilm halte, kann Teil 3 wieder voll überzeugen und bietet die gewohnte Qualität. Die 3D-Effekte wurden relativ dezent eingesetzt und fallen nach wenigen Minuten nicht mehr großartig auf. Tricktechnisch ist das Ganze natürlich auf höchstem Niveau, doch auch dies ist bei Pixar Standard. Nichts Neues also, und das ist auch gut so.  

Sonntag, 8. August 2010

THE INVISIBLE MAN (James Whale, 1933)

An invisible man can rule the world.

Wie der große Bruder Frankenstein bildet auch The invisible Man einen Meilenstein des Horrorfilms. Whales Adaption des Wells-Romans zog eine ganze Reihe von Fortsetzungen, Spin-Offs und Remakes nach sich, von denen ich allerdings die wenigsten kenne. Claude Rains ist hier in seinem ersten Hollywood-Film zu sehen, oder besser gesagt zu hören, denn seiner ansichtig wird man nur in der letzten Szene. 

Als sensationell muss man die Special Effects bezeichnen, die auch nach mehr als 75 Jahren vollauf überzeugen können. Interessant dabei ist, dass die damalige Umsetzung durch John Fulton im Prinzip dem heute üblichen Bluescreen-Verfahren entspricht, indem die durchsichtigen Körperteile mit schwarzem Tape abgedeckt und später durch separat aufgenommene Hintergrundbilder ersetzt wurden.  

Samstag, 7. August 2010

BODY OF LIES (Ridley Scott, 2008)

You know you can always tell who cares about you the most by who comes first to visit you in the hospital.

Routiniert heruntergekurbelter Agententhriller von der Stange, der mich sehr ordentlich unterhalten hat. Als Ersatz für die zahlreichen Locations im Nahen Osten musste mal wieder Marokko herhalten. Aber - das muss man Scott respektive seiner Crew lassen - die Sets wirken äußerst authentisch und glaubwürdig. 

Die Story bietet nichts Besonderes, typischer Kampf-gegen-den-Terror-Kram halt, was aber nicht weiter stört. Etwas ärgerlich ist die obligatorische Einbindung einer Liebesbeziehung zu einer Einheimischen, die zu allem Überfluss auch noch den unfreiwilligen Lockvogel spielen muss. Die finale Falle, in die zunächst Roger Ferris und dann Al-Saleem tappt, ist völlig unglaubwürdig und hinterlässt einen faden Nachgeschmack. 

Dennoch: spannende Hochglanz-Unterhaltung bietet Body of Lies allemal, und mehr kann man vom einstigen Visionär Scott ja schon seit längerem nicht mehr erwarten. Von daher: Mission accomplished.  

Donnerstag, 5. August 2010

YOUTH WITHOUT YOUTH (Francis Ford Coppola, 2007)

What do we do with... time?

Auch einen Tag nach der Sichtung des ersten Coppola-Films seit dem dürftigen The Rainmaker weiß ich nicht recht, was ich dazu schreiben soll. Sicher ist: nach der seelenlosen vorgenannten Auftragsarbeit handelt es sich hier wieder um einen echten Coppola. Er basiert auf dem Roman des Rumänen Mircea Eliade und verbindet u. a. die Themen Zeit, Sprachen und Seelenwanderung bzw. Reinkarnation zu einer in Ansätzen interessanten Geschichte, die allerdings seltsam unausgegoren wirkt. 

Dies gleich als "Eso-Quatsch" zu bezeichnen, wie in einigen Kritiken der Fall, ist allerdings übertrieben und wird dem Film nicht gerecht. (Außerdem springt mir, wenn ich die Schublade mit der Beschriftung "Eso-Quatsch" öffne, immer sofort Aronofskys The Fountain entgegen.) Auch die in Kritiken öfter erwähnte unfreiwillige Komik habe ich nicht wahrgenommen. 

Darstellerisch gibt es wenig zu bemängeln. Vor allem Tim Roth liefert eine überzeugende Leistung ab. Gedreht wurde ausschließlich an Originalschauplätzen. Auch Sets und Kostüme geben keinen Anlass zur Kritik. So richtig glücklich bin ich mit Youth without Youth trotzdem nicht. Für meine Begriffe hätte der Story eine kräftige Entschlackung gutgetan; insbesondere der Nazi-/Geheimdienst-Subplot wirkte fehl am Platz, auch wenn ich die Idee mit dem Hakenkreuz auf dem Strumpfband sensationell fand. Der Film wirkt überfrachtet und in sich nicht immer schlüssig. 

Alles in allem also eine durchaus zwiespältige Angelegenheit.  

Mittwoch, 4. August 2010

MIDNIGHT IN THE GARDEN OF GOOD AND EVIL (Clint Eastwood, 1997)

Prevention is better than a cure.

Ein ungewöhnlicher Film im Œuvre Eastwoods. Mir scheint, es ging ihm hier in erster Linie darum, das Städtchen Savannah als Sammelbecken für skurrile Charaktere darzustellen. Die ein oder andere Figur könnte auch problemlos dem Coen-Universum entsprungen sein. Der Zuschauer kann sich der Faszination des bunten Treibens ebenso wenig entziehen wie der Journalist John Kelso, der eigentlich nur einen kleinen Beitrag über die Weihnachtsfeier des exzentrischen Millionärs Jim Williams schreiben wollte. 

Der Film changiert zwischen Kleinstadtstudie und klassischem Gerichtsdrama und weiß vor allem mit den schrulligen aber überwiegend liebenswerten Charakteren zu überzeugen. Eastwoods entspannte und unaufgeregte Art, seine Geschichten zu erzählen, lobe ich in fast jedem Text zu einem seiner Filme, daher will ich es hier nicht schon wieder tun. Und einen schwachen Film hat er in den letzten 20 Jahren wohl sowieso nicht gemacht.  

Dienstag, 3. August 2010

BRIDE OF FRANKENSTEIN (James Whale, 1935)

To a new world of gods and monsters!

Ebenso wie sein Vorgänger ein Meilenstein des Horrorfilms. Insgesamt vielleicht noch eine Spur besser als der erste Film, weil er im Gegensatz zu diesem keine nennenswerten Schwächen aufweist und dessen Stärken übernimmt. 

Nach der Sichtung habe ich gleich noch einen weiteren Whale-Film bestellt.  

Montag, 2. August 2010

INGLOURIOUS BASTERDS (Quentin Tarantino, 2009)

Mit einiger Verzögerung kam ich endlich in den Genuss des neuesten Tarantino-Streifens. Seit vielen Jahren sorgt der Meister mit seinen Filmcollagen bei mir für Begeisterung, und erwartungsgemäß bietet auch Inglourious Basterds wieder eine bunte Mischung aus Versatzstücken und Zitaten, hier erstmals bereichert um eine historische Komponente. 

Aber Tarantino wäre nicht Tarantino, hätte er die Gelegenheit nicht genutzt, die Geschichte in seinem Sinne umzuschreiben. Bezeichnenderweise ist es ein Kino, in dem der Führer samt Gefolge den Tod findet. Die Schlussszene ist zugleich Höhepunkt des Films, wenn Shosannas wild lachendes Gesicht von den Flammen verzehrt wird, während den Kinobesuchern erst allmählich dämmert, dass die Flammen kein Teil des Films sondern echt sind. Etwas ärgerlich hingegen ist der Subplot um die titelgebenden Basterds. Vor allem Brad Pitt ging mir seiner gekünstelten Darstellung ziemlich auf den Keks. Auch Martin Wuttke als Hitler ist eine einzige Lachnummer, wobei das möglicherweise beabsichtigt war. Gut gefiel mir hingegen Sylvester Groth als Goebbels.

Inglourious Basterds erinnerte mich von Aufbau und Erzählstruktur stark an Pulp Fiction, und so ist es wahrscheinlich kein Zufall, dass ich diese beiden Filme für die schwächsten Tarantinos halte. Was natürlich nicht heißen soll, dass es schlechte Filme sind, im Gegenteil. Doch von seinen Sternstunden Reservoir Dogs oder dem unvergleichlichen Jackie Brown ist das hier doch ein ganzes Stück entfernt. Wobei durchaus die Möglichkeit besteht, dass mich künftige Sichtungen eines Besseren belehren.