We're having too good a time today. We ain't thinking about tomorrow.
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Nach dem etwas enttäuschenden
Miami Vice bot die
Geschichte des legendären Bankräubers John Dillinger die idealen
Voraussetzungen für ein spannendes Gangster-Epos. So dachte ich
jedenfalls, doch nach der Sichtung bleibt ein fader Beigeschmack. Die
Schießereien sind großartig inszeniert, da gibt's kein Vertun, nur gibt
es zu viele davon.
Insbesondere in der ersten Hälfte des Films verkommen
die Dialogszenen dazwischen beinahe zum reinen Füllmaterial. Die
Handlung läuft im Grunde genommen so ab: Dillinger bricht aus dem
Gefängnis aus, Dillinger überfällt eine Bank, Dillinger liefert sich
eine Schießerei mit der Polizei, Dillinger bricht aus dem Gefängnis aus,
Dillinger überfällt noch 'ne Bank, etc. Spannend ist das nur bedingt,
zumal bei der ganzen Ballerei die Figuren auf der Strecke bleiben.
Dillingers Kumpanen sind nicht mehr als Abziehbilder, sogar er selbst
bleibt erstaunlich blass. Und über seinen Gegenspieler, Melvin Purvis,
erfährt man im Grunde genommen gar nichts.
Ein weiterer Kritikpunkt ist
der moderne Look des Films, der u. a. auf die Verwendung von
Digitalkameras zurückzuführen ist und der nicht recht zu einem Film, der
in den 30er Jahren spielt, passen will. Das hat mich seinerzeit schon
bei Ali gestört (wobei dort keine Digitalkameras
zum Einsatz kamen). So mag sich trotz der tollen Sets, Kostüme und
Requisiten kein Weltwirtschaftskrisen-Flair einstellen. Wie das besser
geht, zeigte beispielsweise Ron Howard mit Cinderella Man.
Mann hingegen bietet dem Zuschauer eine seelenlose 140-minütige
Hetzjagd, an deren Ende man erschöpft zurückbleibt. Ein hektisch
geschnittener, oberflächlicher Hochglanz-Actionfilm, der aus seinem
Desinteresse an den handelnden Personen keinen Hehl macht.
Nachdem der
Vorgänger mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte, mache ich mir doch
langsam Sorgen, ob Michael Mann verlernt hat, wie man richtig gute Filme
macht. Public Enemies ist beileibe kein schlechter
Film, als unterhaltsamer, anspruchsloser Gangsterstreifen taugt er
allemal. Von filmischen Großtaten wie Collateral oder gar Heat ist er allerdings meilenweit entfernt.