Sonntag, 30. Mai 2010

WHITE HUNTER BLACK HEART (Clint Eastwood, 1990)

If there's half as much love in this old gal as there is talk, I may be dead in the morning.

Nach dem kürzlich gesichteten African Queen verspürte ich den dringenden Wunsch, endlich mal Eastwoods Verfilmung der in Peter Viertels Roman festgehaltenen teils fiktiven, teils wahren Begebenheiten um die Dreharbeiten des Huston-Films zu sehen. Da die neue US-DVD damals bereits angekündigt war, wurde sie sofort vorbestellt. Am Freitag traf sie endlich bei mir ein.

Die ruhige, gelassene Inszenierung und die phantastischen Landschaftsaufnahmen erinnerten mich an den zwei Jahre später entstandenen Unforgiven. Und auch wenn White Hunter Black Heart nicht ganz dessen Klasse erreicht, so steht schon nach der ersten Sichtung fest, dass der Film zum Besten zählt, was Eastwood bisher gemacht hat. Inwieweit die Geschehnisse auf Tatsachen beruhen, kann ich nicht beurteilen und ist mir im Grunde genommen auch egal, aber hier passt einfach alles zusammen: erstklassige Darsteller, betörend schöne Landschaftsaufnahmen, schnittige Dialoge und ein wieder einmal großartiger Score von Lennie Niehaus.

Donnerstag, 27. Mai 2010

ONE FROM THE HEART (Francis Ford Coppola, 1982)

If you wanna get rid of a circus girl, all you've gotta do is close your eyes.

One from the Heart war Coppolas erster Film nach Apocalypse Now. Die Produktionskosten stiegen während der Dreharbeiten ins Unermessliche und lagen am Ende mehr als zehnmal so hoch wie ursprünglich veranschlagt, was – in Kombination mit den mageren Einspielergebnissen – Coppola an den Rande des finanziellen Ruins trieb. Hauptgrund für die immensen Kosten war der hohe künstlerische Anspruch, den Coppola an sich selbst stellte und der ihn darauf bestehen ließ, den kompletten Film an nachgebauten Sets in den Hallen seines Zoetrope Studios zu drehen statt an Originalschauplätzen in Las Vegas bzw. der umliegenden Wüste. Die Marschrichtung ist dann auch von der ersten Filmminute an klar: es geht Coppola nicht um das Erzählen einer interessanten Geschichte – die Story um eine kriselnde Beziehung könnte banaler kaum sein – sondern darum, die Kunstformen Theater und Kino miteinander zu verbinden. So ist ein in hohem Maße künstlicher und künstlerischer Film entstanden, dessen teils surreale Szenen der Wirklichkeit weit entrückt sind. Hier seien insbesondere die Liebesszene zwischen Hank und Leila und die nachfolgenden Sequenzen genannt.

Die musikalische Untermalung von Crystal Gayle and Tom Waits trifft nicht unbedingt meinen Geschmack, passt aber hervorragend, zumal die Songtexte oft direkten Bezug auf das Geschehen auf dem Bildschirm nehmen. Frederic Forrest und Teri Garr geben ein glaubwürdiges und durchaus sympathisches Paar ab und stehen mit ihrer Bodenständigkeit und Natürlichkeit in krassem Gegensatz zu den künstlichen, zumeist in grelle Neonfarben getauchten Kulissen. Bemerkenswert sind auch die optischen Spielereien, die Coppola bei zahlreichen Übergängen einsetzt, z. B. wenn er die Folgeszene als Hintergrundbild der noch laufenden Szene einblendet.

One from the Heart ist ein Film, bei dem es so viel zu entdecken gibt, dass es bei der ersten Sichtung gar nicht möglich ist, alles richtig zu erfassen. Ein ebenso experimenteller wie mutiger Film, dessen Schöpfer bei seiner Fertigung wie ein Pokerspieler alles auf eine Karte setzte – und verlor. In finanzieller Hinsicht versteht sich, denn dass One from the Heart unter rein künstlerischen Aspekten ein Gewinn ist, steht außer Frage.  

Sonntag, 16. Mai 2010

IN THE NAME OF THE FATHER (Jim Sheridan, 1993)

I'm a free man, and I'm going out the front door.

In the Name of the Father erzählt die Geschichte von Gerry Conlon, einem jungen Mann aus Belfast, der in den 70er‑Jahren in London zu Unrecht als Beteiligter an einem IRA‑Anschlag verhaftet wird. Unter massivem Druck legt er ein falsches Geständnis ab, woraufhin nicht nur er, sondern auch sein Vater Giuseppe und mehrere Bekannte verurteilt werden.

Ein in Ansätzen recht interessanter Film, dessen Story so unglaublich klingt, dass man kaum glauben mag, dass sie wahr ist. Trotz der guten Darstellerleistungen - hier ist insbesondere Daniel Day-Lewis zu nennen - konnte mich der Film nicht vollauf begeistern, wobei ich selbst nicht sagen kann, woran das lag. Letztlich plätscherten die 130 Minuten an mir vorbei, ohne dass ich Anteil am Schicksal der unschuldig Verurteilten genommen hätte.

 

Freitag, 14. Mai 2010

PUBLIC ENEMIES (Michael Mann, 2009)

We're having too good a time today. We ain't thinking about tomorrow.

Nach dem etwas enttäuschenden Miami Vice bot die Geschichte des legendären Bankräubers John Dillinger die idealen Voraussetzungen für ein spannendes Gangster-Epos. So dachte ich jedenfalls, doch nach der Sichtung bleibt ein fader Beigeschmack. Die Schießereien sind großartig inszeniert, da gibt's kein Vertun, nur gibt es zu viele davon. 

Insbesondere in der ersten Hälfte des Films verkommen die Dialogszenen dazwischen beinahe zum reinen Füllmaterial. Die Handlung läuft im Grunde genommen so ab: Dillinger bricht aus dem Gefängnis aus, Dillinger überfällt eine Bank, Dillinger liefert sich eine Schießerei mit der Polizei, Dillinger bricht aus dem Gefängnis aus, Dillinger überfällt noch 'ne Bank, etc. Spannend ist das nur bedingt, zumal bei der ganzen Ballerei die Figuren auf der Strecke bleiben. Dillingers Kumpanen sind nicht mehr als Abziehbilder, sogar er selbst bleibt erstaunlich blass. Und über seinen Gegenspieler, Melvin Purvis, erfährt man im Grunde genommen gar nichts. 

Ein weiterer Kritikpunkt ist der moderne Look des Films, der u. a. auf die Verwendung von Digitalkameras zurückzuführen ist und der nicht recht zu einem Film, der in den 30er Jahren spielt, passen will. Das hat mich seinerzeit schon bei Ali gestört (wobei dort keine Digitalkameras zum Einsatz kamen). So mag sich trotz der tollen Sets, Kostüme und Requisiten kein Weltwirtschaftskrisen-Flair einstellen. Wie das besser geht, zeigte beispielsweise Ron Howard mit Cinderella Man. Mann hingegen bietet dem Zuschauer eine seelenlose 140-minütige Hetzjagd, an deren Ende man erschöpft zurückbleibt. Ein hektisch geschnittener, oberflächlicher Hochglanz-Actionfilm, der aus seinem Desinteresse an den handelnden Personen keinen Hehl macht. 

Nachdem der Vorgänger mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte, mache ich mir doch langsam Sorgen, ob Michael Mann verlernt hat, wie man richtig gute Filme macht. Public Enemies ist beileibe kein schlechter Film, als unterhaltsamer, anspruchsloser Gangsterstreifen taugt er allemal. Von filmischen Großtaten wie Collateral oder gar Heat ist er allerdings meilenweit entfernt.  

Montag, 10. Mai 2010

THE MALTESE FALCON (John Huston, 1941)

The stuff that dreams are made of. 

Hustons Regiedebut ist nicht nur einer der wichtigsten Vertreter des Film Noir, sondern auch der erste, der die Rolle des sich stets am Rande der Legalität bewegenden, zwielichtigen Privatdetektivs in den Mittelpunkt stellte und so eine ganze Reihe von Filmen ähnlicher Machart nach sich zog. Ob Hawks Big Sleep (Bogart spielt hier eine sehr ähnliche Rolle) oder Polanskis Chinatown - die Spuren, die Hustons Film hinterlassen hat, sind unübersehbar. 

Die Story, die sich zu einem Großteil aus Lügen und deren Enttarnung zusammensetzt, verkommt beinahe zur Nebensache. Weitaus wichtiger sind die Entwicklung der Hauptfiguren und ihre Interaktionen. The Maltese Falcon lebt von seinen messerscharfen, äußerst pointierten Dialogen, die Huston überwiegend wörtlich aus Hammetts Roman übernahm, und natürlich von seinen Darstellern. Neben einem großartig aufspielenden Bogart ragt vor allem der Theaterschauspieler Sydney Greenstreet heraus. Seine Wortduelle mit Bogart sind es alleine wert, den Film zu sehen. Auch toll: Peter Lorre in einer überaus schmierigen Rolle. Nicht gänzlich überzeugen kann hingegen Mary Astor.

Als ich am Tag nach der Sichtung die DVD nochmals einlegte, um mir ein paar Szenen erneut anzusehen, landete ich zunächst in der deutschen Sprachfassung, um völlig irritiert festzustellen, dass man die deutsche Tonspur mit einer leichtfüßigen Jazznummer unterlegt hat, die in völligem Gegensatz zur düsteren Atmosphäre des Films steht. Im Originalton kommt an dieser Stelle gar keine Musik. Weiteres Zappen brachte zutage, dass man dies auch an anderen Stellen des Films gemacht hat. Und nicht nur das: auch die Darsteller klingen in der deutschen Fassung stellenweise so, als hätten sie einem im Tee. Daher an dieser Stelle die dringende Empfehlung, sich The Maltese Falcon unbedingt im Original anzuschauen.  

Donnerstag, 6. Mai 2010

THE HIDDEN (Jack Sholder, 1987)

Yo, hippy, what kind of dude are you?  

Meine erste Begegnung mit dieser Trash-Granate liegt schon viele Jahre zurück. Damals bin ich beim Zappen durch das TV-Programm bei der Verfolgungsjagd mit dem Ferrari zu Beginn hängengeblieben. Die Story um eine außerirdische Kreatur, die den Körper eines x-beliebigen Lebewesens als Wirt nutzen kann und dabei äußerst menschliche Bedürfnisse offenbart, wie die nach Geld, schnellen Autos, lauter Musik und Frauen, hat mich auf Anhieb begeistert. 

Das Ganze ist spannend und witzig zugleich, die Darsteller sind wunderbar – mein Favorit ist nach wie vor William Boyett in der Rolle des unter Gastritis leidenden, herzkranken Jonathan Miller, der rülpsend mit seinem bis zum Anschlag aufgedrehten Ghettoblaster durch die Gegend irrt, auf der krampfhaften Suche nach weiblichen Kontakten. Zum Ende hin geht dem Film zwar etwas die Puste aus – die ständigen Identitätswechsel wirken ermüdend – aber rechtzeitig bevor man beginnt sich zu langweilen, bringt Sholder die Hetzjagd zu einem gelungenen Abschluss: ein Happy End, das nur scheinbar eines ist.