Freitag, 18. Juli 2008

SUNSET BLVD. (Billy Wilder, 1950)

I know your face.

Faszinierendes Porträt einer alternden Diva, die nicht erkennen will, dass ihre Zeit vorbei ist. 

Interessant sind die zahlreichen Verwebungen realer Personen und Ereignisse der goldenen Ära Hollywoods mit fiktiven Elementen sowie die Gastauftritte von Hollywood-Schwergewichten wie Buster Keaton oder H. B. Warner. Ich bedaure es sehr, dass ich nicht die Möglichkeit hatte, den Film im Originalton zu sehen, denn die geschliffenen Dialoge entfalten dort vermutlich noch eine ganz andere Wirkung als die (brauchbare) Synchro. Aber das wird bei der passenden Gelegenheit nachgeholt. 

Montag, 7. Juli 2008

ED WOOD (Tim Burton, 1994)

This' is the one I'll be remembered for.

Ich habe leider noch nie einen Film von Ed Wood gesehen, aber nach der Sichtung von Burtons liebevoller Hommage an den "schlechtesten Regisseur aller Zeiten" habe ich direkt Lust, mir Klassiker wie Plan 9 from Outer Space oder Bride of the Monster anzuschauen. Was jetzt weniger was über die Qualität der Filme als vielmehr über Burtons Film aussagt. Er porträtiert Ed Wood nicht als Versager, sondern als zwar talentfreien aber begeisterten und ideenreichen Filmemacher, der es auf geradezu abenteuerliche Art und Weise immer wieder verstand, irgendwelche Menschen dazu zu bewegen, seine zum Scheitern verurteilten Projekte zu finanzieren. Die Krönung ist die Sache mit der Baptistenkirche inkl. Massentaufe der gesamten Crew - einfach unglaublich!

Herausragend die Leistung Martin Landaus in der Rolle des Bela Lugosi, für die es völlig zu Recht einen Oscar gab. Damit legt er die Messlatte sehr hoch für die übrigen Darsteller, die es jedoch schaffen, sich diesem Niveau anzunähern. Freude hat mir das unerwartete Wiedersehen mit George "The Animal" Steele bereitet, den ich noch aus Zeiten kenne, zu denen ich mich allwöchentlich an den WWF-Übertragungen des britischen Senders Sky Channel erfreute (damals noch mit Kommentaren von Jesse Ventura).   

Sonntag, 6. Juli 2008

THE HOLCROFT COVENANT (John Frankenheimer, 1985)

The world is full of lunatics shooting each other in the streets.

Herrjeh, die Story als hanebüchen zu bezeichnen, ist schon beinahe euphemistisch. Auf so einen Blödsinn muss man erstmal kommen, da sind selbst die Geschichten der meisten Bondfilme realistischer. 

Aufgrund der gewohnt souveränen Regie Frankenheimers sowie der guten Darsteller ist The Holcroft Covenant unter dem Strich dennoch ein unterhaltsamer Film geworden. Lediglich Anthony Andrews nahm ich die Rolle des bösen Nazi-Wiedergängers nicht ab - der Rest des Casts jedoch gibt sich keine Blöße. Besonderen Spaß hatte ich mit Mario Adorf in der Rolle des schmierigen Dirigenten Jürgen Maas. Merkwürdig nur, dass man ihn in der deutschen Fassung von jemand anderem hat synchronisieren lassen, wo er sich doch genauso gut hätte selbst sprechen können. 

Wie auch immer: Frankenheimers geradlinige, schnörkellose Inszenierung sorgt dafür, dass man während des Films nicht zu intensiv über die Story nachdenkt und trägt dadurch erheblich dazu bei, dass der Film trotz dieses Schwachpunkts funktioniert.   

Donnerstag, 3. Juli 2008

THE LADY VANISHES (Alfred Hitchcock, 1938)

I've no regrets.

Ein etwas eigenartiger Film von Hitchcock, dessen Dreiteilung mir zu schaffen machte. 

Die erste halbe Stunde im Hotel kommt im Stil einer albernen Komödie daher und dient im Grunde genommen nur dazu, die verschiedenen Charaktere einzuführen. Die Dialoge sind stellenweise kaum zum Aushalten, wobei ich vermute, dass dies an der Synchro liegt. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die Sequenz im Originalton deutlich amüsanter ist, aber dies ist nur eine Vermutung. 

Der zweite Teil hingegen (die Zugfahrt) überzeugt uneingeschränkt und bietet ein spannendes Detektivspiel, bei dem Hitch den Zuschauer lange darüber im Unklaren lässt, ob es Miss Froy tatsächlich gibt oder sie nur eine Ausgeburt der Phantasie Iris Hendersons ist. 

Statt den Film mit dem Abschluss der Zugfahrt zu beenden, hängte der Altmeister leider noch einen völlig überflüssigen dritten Teil an, der zum Rest des Films passt wie die Faust aufs Auge. So bleibt man als Zuschauer trotz des brillanten Mittelteils letztlich unbefriedigt zurück.