Donnerstag, 29. November 2012

THE GIRL WITH THE DRAGON TATTOO (David Fincher, 2011)

I like working with you.

Ich kenne weder Larssons Roman noch die schwedische Fernsehumsetzung desselben - gute Voraussetzungen also, sich Finchers Adaption unvoreingenommen zu nähern. Und auf Fincher ist wieder mal Verlass. Einen schlechten Film hat er ohnehin noch nicht gemacht, und The Girl with the Dragon Tattoo ist sein bester seit Zodiac

Die ausgesprochen elegante Inszenierung und die düsteren Bilder erinnern an sein Meisterwerk Se7en, auch inhaltlich gibt es gewisse Parallelen. Im Gegensatz zu dessen Story gibt die der Larsson-Verfilmung allerdings nicht viel her. Hier wird kein Klischee ausgelassen und man gewinnt den Eindruck, die schwedische Bevölkerung männlichen Geschlechts würde nur aus geisteskranken Triebtätern bestehen. Dass Fincher dennoch einen so großartigen Film daraus gemacht hat, spricht für ihn. 

Sonntag, 25. November 2012

WOLF (Mike Nichols, 1994)

The worm has turned and it is now packing an Uzi!

Nichols Film kann man durchaus als Metapher auf das rücksichtslose Machtstreben unter Rivalen im Berufsleben interpretieren. Der sprichwörtliche Wolf im Manne sozusagen. Die Ansätze sind vielversprechend, doch nach einem interessanten Beginn verliert sich Wolf zunehmend in einem eher langweiligen Krimi-Plot, zu dessen Gunsten die eigentlich schöne Idee in den Hintergrund tritt. Von den inhaltlichen Ungereimtheiten ganz zu schweigen. 

Unterhaltsam ist das dennoch, alleine Nicholsons Wandlung vom in die Jahre gekommenen desillusionierten Schreibtischhengst zur Kämpfernatur ist die Sichtung wert. Bedauerlich nur, dass man am Ende das Gefühl hat, hier wäre mehr drin gewesen.  

Donnerstag, 22. November 2012

HELL (Tim Fehlbaum, 2011)

Im Jahr 2016 ist die Erdtemperatur um 10°C gestiegen. Das Land ist verödet, die Wälder sind verbrannt, alles Vieh verendet. Marie ist mit ihrer Schwester Leonie und ihrem Freund Phillip in einem Auto unterwegs in der Hoffnung, oberhalb der Waldgrenze Wasser zu finden. Unterwegs machen sie die unliebsame Bekanntschaft mit einheimischen Kannibalen, die Menschen entführen, wie Vieh halten und schlachten.

Zugegeben: Fehlbaums Debut ist nicht sehr originell und kann dem Genre keine neuen Impulse geben, doch spielt er geschickt mit dessen Versatzstücken und fügt diese gekonnt zusammen. Das Ergebnis ist ein äußerst gelungener und homogener Film, dessen grelle, überbelichtete Bilder den Überlebenskampf auf einer verbrannten Erde perfekt in Szene setzen. Die Inszenierung ist zurückhaltend, gesprochen wird wenig. Etwas nervig sind lediglich die schnellen Schnittfolgen während der Actionsequenzen. 

Darstellerisch gibt es nichts zu beanstanden, vor allem Angela Winkler ist eine Wucht. Wenn man kleinlich sein will, kann man einwenden, dass Hannah Herzsprung etwas zu wohlgenährt daherkommt im Hinblick auf den ständigen Mangel an Nahrung und Wasser. Aber egal. Letztlich bietet der Film zwar nichts Neues und der Vergleich zu Hillcoats The Road drängt sich geradezu auf. Im Vergleich zu jenem ist Hell nicht ganz so nihilistisch und auch bei weitem nicht so deprimierend, so dass man diesen auch mal schnell zwischendurch genießen kann. Zudem gibt es hier am Ende sogar einen kleinen Hoffnungsschimmer. Insgesamt eine runde Sache.

Montag, 12. November 2012

TWIXT (Francis Ford Coppola, 2011)

Do you dare go further?

Coppola macht es einem wirklich nicht leicht. Nach dem eigenartigen Youth without Youth und dem erzählerisch wie stilistisch großartigen Tetro fordert er den Zuschauer mit der kruden Horrorgeschichte Twixt heraus. Im Grunde genommen werden zwei Geschichten parallel erzählt, die miteinander verwoben sind: Da ist die Geschichte des mäßig erfolgreichen Schriftstellers Hall Baltimore, der durch einige kleine Käffer tourt, um sein aktuelles Buch zu signieren. In einer kleinen Stadt wurde kürzlich ein junges Mädchen ermordet, das mit einem durchs Herz gerammten Pfahl in der Leichenhalle liegt. Der Sheriff ist überzeugt, dass sie Opfer eines Serienmörders wurde und überredet Baltimore zum Bleiben. In der zweiten Geschichte erscheint Baltimore im Traum der Geist eines 1955 ermordeten jungen Mädchens sowie der Geist Edgar Allan Poes, der einst in dem Hotel, in dem das Mädchen bis zu seiner Ermordung lebte, übernachtet hat und Baltimore in seinen Träumen bei der Aufklärung der damaligen Geschehnisse hilft. Und dann ist da noch der Turm mit den 7 Uhren, von denen jede eine andere Uhrzeit anzeigt und in dem angeblich der Teufel gewohnt haben soll.

Wie schon bei den vorgenannten Filmen bedient sich Coppola einer extrem stilisierten Optik, die er in ähnlicher Form erstmals 1983 bei Rumble Fish anwandte. Die verschiedenen Erzählebenen sind derart miteinander verwoben, dass teilweise kaum zwischen Traum und Realität unterschieden werden kann. Und am Ende bleibt es dem Zuschauer überlassen, sich einen Reim auf das zuvor Gesehene zu machen und herauszufinden, was nun eigentlich passiert ist.

Interessant sind - neben der ungewöhnlichen Optik - die zahlreichen Anspielungen auf Leben und Werk Egar Allan Poes einerseits und Coppolas eigenes Leben andererseits. Das ermordete Mädchen, das Baltimore erscheint, heißt Virginia und war 12 Jahre alt (sah aber wie 13 aus, wie sie selbst sagt). Poe heiratete seine Kusine Virginia Clemm, als diese 13 Jahre alt war. Sein Gedicht The Raven wird mehrfach zitiert, insbesondere das ständig wiederholte Nevermore. Und das lebendige Einmauern bzw. lebendig Begrabenwerden, das Virginia widerfährt, ist ein wiederkehrendes Motiv seiner Erzählungen, hatte er doch selbst zeitlebens große Angst davor. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Verweise auf Poes Werk. Nicht zuletzt ist natürlich auch Baltimores Nachname eine Reminiszenz: Poe verbrachte einen Teil seines Lebens in Baltimore, sein Vater stammte von dort und er (Poe) starb auch dort.

Auch auf Coppolas Leben gibt es mehrere Verweise, in erster Linie natürlich der Tod von Baltimores Tochter durch einen Bootsunfall. Coppolas ältester Sohn starb ebenfalls bei einem Bootsunfall, der sich genauso zugetragen hat, wie der im Film gezeigte Unfall von Baltimores Tochter. Dies gibt Twixt eine sehr persönliche Note.

Twixt ist ein ebenso verstörender wie schöner Film, dessen Komplexität sich bei der ersten Sichtung nicht völlig erschließt. Wirklich verstanden habe ich ihn nicht, aber was macht das schon?

Dienstag, 6. November 2012

THE EXPENDABLES (Sylvester Stallone, 2010)

I promised myself, I'm gonna die for something that counts. 

Stallones Reminiszenz an den klassischen Actionfilm der 80er Jahre ist recht spaßiges Spektakel. Leider sind nur wenige der damaligen "Action-Stars" in der Darstellerriege vertreten, dafür fügt sich Jason Statham hier wunderbar ein. Zudem gibt es eine recht witzige Szene, in der sich die Planet-Hollywood-Inhaber Stallone, Schwarzenegger und Willis ein kurzes Stelldichein geben. 

Im Vergleich zu dem schwachen Rambo gefiel mir The Expendables deutlich besser, obwohl Stallone hier immer noch wie eine geschminkte Tunte aussieht. Aber The Expendables bietet immerhin anständige Action und ließ mich für anderthalb Stunden in seligen Erinnerungen schwelgen. Von der Klasse eines Predator ist das hier natürlich meilenweit entfernt. Und die Szene mit dem rührseligen Mickey Rourke hätte ich auch nicht gebraucht. Dennoch: kuzweilige Unterhaltung bietet The Expendables allemal.

Sonntag, 4. November 2012

PLANET TERROR (Robert Rodriguez, 2007)

I'm gonna eat your brains and gain your knowledge.

Rodriguez' Beitrag zum Grindhouse-Thema hat mich nie sonderlich interessiert, weil ich mit allem, was er nach From Dusk Till Dawn gemacht hat, wenig anfangen kann. Nun wollte es der Zufall, dass ich in den Genuss des Filmchens kam und zu meiner großen Überraschung entpuppte sich das Teil als äußerst unterhaltsame Trash-Granate. Die rund 100 Minuten vergingen wie im Flug, wozu nicht zuletzt die guten Darsteller ihren Beitrag leisten. Die Inszenierung ist betont lässig und will nicht recht zu dem Grindhouse-Thema passen, doch tut das dem Vergnügen keinen Abbruch. 

An Tarantinos Death Proof kommt Planet Terror natürlich nicht heran, aber das konnte man auch nicht ernsthaft erwarten. Und ein Film, in dem Michael Parks mitspielt, kann sowieso nicht schlecht sein. 

Samstag, 3. November 2012

QUANTUM OF SOLACE (Marc Forster, 2008)

I really think you people should find a better place to meet.

Da jetzt ja der neue Bond anläuft wurde es höchste Zeit, die Sichtung des vorletzten Bond-Films endlich nachzuholen. Aufgrund der negativen Kritiken habe ich diese lange vor mir hergeschoben, doch letztlich erwies sich Forster Beitrag zu der Reihe besser als sein Ruf. Die klassischen Bond-Merkmale fehlen fast völlig, der hektische Schnitt nervt und die Aneinanderreihung der vielen Verfolgungsjagden, die so gut wie jedes verfügbare Transportmittel nutzen, wirkt beliebig. So weit, so schlecht. 

Dennoch macht der Film durchaus Spaß. Daniel Craig ist für mich der beste Bond seit Connery, die atemlose Inszenierung sorgt für ständige Spannung und gönnt dem Zuschauer kaum Verschnaufpausen. Die Handlung ist natürlich kompletter Schwachsinn, aber das ist ja bei vielen Bonds so. 

Mit dem, was man sich gemeinhin unter einem Bondfilm vorstellt, hat Quantum of Solace nicht viel zu tun. Der Wiedererkennungswert ist gleich null. Und mit dem tollen Casino Royale kann er sich schon gar nicht messen. Ein unterhaltsamer Film ist es trotzdem geworden.