29 Oktober 2007

JAMES-BOND-REIHE #20: DIE ANOTHER DAY (Lee Tamahori, 2002)

In Missachtung des kollegialen Rats habe ich Bond Nr. 20 dann doch nüchtern geguckt, und abgesehen von dem miesesten Score der Bondgeschichte sah das Gebotene zunächst gar nicht übel aus. Eine gelungene Pre-Credits-Sequenz (wenn auch etwas unbeholfen inszeniert), ein brauchbarer Titelsong, dem man gewisse Ohrwurmqualitäten nicht absprechen kann, obwohl er so klingt, als hätte die Tonspur Aussetzer und eine interessante Story, die Abwechslung vom üblichen Bond-Einerlei versprach. Dazu mit Kuba endlich mal wieder eine richtig exotische Location und interessante Frauen gibt’s auch. Halle Berry ist zwar recht unsympathisch, sieht aber sehr gut aus, Rosamund Pike ist ebenso giftig wie süß und für Madonna habe ich schon seit jeher ein Faible. So weit, so gut.

Nach etwa einer Stunde geht’s dann nach Island und was dann kam, übertraf meine schlimmsten Befürchtungen. Und damit meine ich jetzt nicht etwa den fehlenden Realismus, das hat mich bei Bond noch nie gestört, denn kein einziger Film der Reihe ist realistisch, auch wenn der hier neue Höchstmarken in Sachen Schwachsinn setzt. Viel schlimmer wiegen andere Dinge. Alle bisherigen Bondfilme verzichteten auf Computereffekte und boten „ehrliche“, handgemachte Action. Natürlich wurde man auch da als Zuschauer „betrogen“, es wurden Miniaturen eingesetzt, Matte-Paintings und Stuntmen. Aber die Stunts waren real. Wenn in TMWTGG der Lotus mit einer 360°-Drehung über den Fluss fliegt, dann sitzt da ein Stuntman drin, der diesen Sprung tatsächlich so geschafft hat. Sieht man dagegen den völlig lächerlichen 180°-Dreher des Aston Martin in DAD, schreit der an allen Ecken und Enden CGI. Das wäre ja vielleicht noch zu ertragen, wenn es wenigstens gut aussehen würde. Aber zu allem Überfluss bietet Bond Nr. 20 die miesesten, ja peinlichsten, CGI-Effekte, die mir bisher untergekommen sind. Als das Raketenauto über den Abgrund hinausschoss und anschließend gegen die Wand schlug, musste ich laut lachen, so scheiße sah das aus! Gar nicht zu reden von der unsäglichen Surftour. Und das in einer Serie, die jahrzehntelang Maßstäbe setzte, was die spektakuläre Inszenierung von Action angeht, die Trendsetter war für ein ganzes Genre! Es ist einfach nicht zu glauben.

Das zweite große Ärgernis ist die Optik im Allgemeinen, die weniger an die bisherigen Bonds als vielmehr an elende John-Woo-goes-Hollywood-Machwerke wie MI2 oder Paycheck erinnert. Einfrierende Bilder, Jump-Cuts und eine rotierende Kamera – das passt einfach nicht zu Bond. Und scheiße aussehen tut’s auch. Da haben nur noch in Zeitlupe fliegende Kugeln gefehlt. Der Showdown im Flugzeug erinnerte mich dann irgendwie an Wolfgang Petersens peinlichen Air Force One und vermittelte weder Spannung noch Dynamik noch Bondfeeling noch irgendwas. Da kommt gar nix rüber. Nur der Kampf zwischen den beiden Frauen war ganz witzig, aber zu dem Zeitpunkt hatte ich mich innerlich schon längst von dem Film verabschiedet. An einigen Stellen war ich kurz davor auszuschalten und es bedurfte schon all meiner Willenskraft, diesen seelenlosen Murks bis zum Ende durchzustehen. Und als hätte Tamahori mich noch nicht genug gequält, taucht kurz vor Schluss auch noch die fürchterliche Samantha Bond als Moneypenny auf. Hier bleibt einem wirklich nichts erspart! Das war der erste Bond, bei dem ich froh war, als endlich die Endcredits liefen. Der traurige Tiefpunkt einer Serie, deren Anfänge fester Bestandtteil meiner Kindheit waren und die mir in den letzten Wochen doch sehr ans Herz gewachsen ist.

Nur gut, dass Albert Broccoli das nicht mehr erleben musste... 

27 Oktober 2007

HIGH PLAINS DRIFTER (Clint Eastwood, 1973)

It's what people know about themselves inside that makes 'em afraid.

Eigentlich wäre der nächste Bond an der Reihe gewesen, aber die DVD mit Eastwoods zweiter Regiearbeit lag gestern im Briefkasten und der Trailer sah so vielversprechend aus, dass ich den Film mal kurz dazwischengeschoben habe. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Schon der Beginn, wenn Eastwood durch die flimmernde Hitze auf das Städtchen Lago zureitet, begleitet von fiebrigen Klängen, macht deutlich, dass es sich hier nicht um einen gewöhnlichen Western handelt. Die ersten Minuten atmen den Geist des großen Sergio Leone, und das nicht nur, weil Eastwood hier eine ähnliche Figur verkörpert wie in den Dollarfilmen. Sieben Minuten lang wird kein Wort gesprochen, man sieht nur die Einwohner des Städtchens, die den fremden Ankömmling mit einer Mischung aus Neugierde und Abweisung anstarren. Großartig die Szene im Saloon, wenn die Kamera über Eastwoods Schulter blickend gleichzeitig mit seiner Hutkrempe nach oben schwenkt, um den Blick auf die Gesichter der Anwesenden freizugeben. 

Der eigenwillige Score trägt viel zu der surrealen Atmosphäre bei, die über dem Geschehen liegt, genauso wie der Traum Eastwoods, in dem er die Ermordung des früheren Marshalls mit ansieht, obwohl er damals vermutlich gar nicht dabei war (die Szene kommt später noch einmal - allerdings dann in Form einer Erinnerung Mordecais, der das Geschehen damals aus einem Versteck unter einer Veranda verfolgte). Völlig entrückt dann die Szene am Ende, wo Eastwood einen der drei Ankömmlinge mit einer Peitsche zu Tode prügelt, während hinter ihm die Flammen lodern. Ein Hinweis auf das Fegefeuer? 

Wer ist Eastwood nun? Ein überirdischer Rächer, ein Wiedergänger des ermordeten Marshalls, vielleicht sogar der Teufel persönlich oder einfach nur ein Durchreisender, der zu seinem Verweilen im Ort erst durch die Provokationen der angeheuerten Revolverhelden veranlasst wurde? I was just stopping by for a bottle of whiskey and a nice hot bath sagt er zu Sarah. Erst durch die grundlose Aggression der Männer werden die nachfolgenden Szenen heraufbeschworen. Hätten sie ihn in Ruhe gelassen, wäre er womöglich einfach weitergeritten. Die Stärke des Films ist, dass die Identität des Fremden nie eindeutig geklärt wird und beide Möglichkeiten offengehalten werden. Ich bin ziemlich beeindruckt.           

26 Oktober 2007

JAMES-BOND-REIHE #19: THE WORLD IS NOT ENOUGH (Michael Apted, 1999)

Nach dem enttäuschenden Tomorrow never dies gibt es hier wieder das volle Brett. Nahezu alle Fehler des Vorgängers wurden vermieden und so überzeugt Bond Nr. 19 auf der ganzen Linie.

Die Pre-Credits-Sequenz ist eine der besten der Bondhistorie und zugleich die bisher längste. Die Story ist interessant, originell und mit einigen überraschenden Wendungen versehen, so dass man erst im letzten Drittel langsam den Durchblick bekommt, wohin die Reise geht. Brosnan liefert seine bisher beste Vorstellung ab und erreicht beinahe Connery-Niveau, zumal er hier von einem Cast umgeben ist, der kaum Wünsche offenlässt. Robert Carlyle spielt den schmerzunempfindlichen, dem Tod geweihten Terroristen mit großer Inbrunst und Sophie Marceau ist nicht nur rein optisch eines der aufregendsten Bondgirls bisher, sondern verkörpert darüber hinaus die Rolle der Oberschurkin sehr glaubhaft. Tolle Frau!

Judi Dench hat dieses Mal einen recht großen Part und überzeugt einmal mehr. Das Wiedersehen mit Robbie Coltrane in der Rolle des Valentin Zukovsky hat mir große Freude bereitet, war der Charakter doch schon einer meiner Favoriten in GoldenEye. Negativ zu erwähnen sind an dieser Stelle wieder Samantha Bond als Moneypenny zum Abgewöhnen (zumal sie hier auch noch aussieht wie eine Kampflesbe) und natürlich Denise Richards, die in jedem Film, in dem sie mitspielt, einfach tierisch nervt. In der Rolle der Nuklearwissenschaftlerin, die in Hotpants ständig mit Fachbegriffen aus der Atomphysik um sich wirft, ist sie ähnlich überzeugend wie Jonathan Pryce im Vorgänger, wobei man ihr natürlich zugestehen muss, dass ihre Rolle von vorne herein als Karikatur angelegt ist. Dennoch ist die Frau eine einzige Zumutung und man wünscht sich ständig, sie würde doch bei der nächstbesten Gelegenheit ersaufen.

Ansonsten aber ist alles im grünen Bereich. Die Aktionszenen sind allesamt großartig inszeniert und angenehm dosiert, der Humor macht sich in feinem Wortwitz bemerkbar und hebt sich wohltuend von den Albernheiten des Vorgängers ab, Brosnan haut gute Sprüche am laufenden Band raus und sogar der Titelsong ist ganz brauchbar. Insgesamt also eine runde Sache.

Vor dem nächsten Bond aber habe ich richtig Schiss, zumal mir selbst die hartgesottenen Bondfans unter meinen Kollegen raten, den Film nicht in nüchternem Zustand zu gucken. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Warnungen berechtigt waren...

24 Oktober 2007

JAMES-BOND-REIHE #18: TOMORROW NEVER DIES (Roger Spottiswoode, 1997)

Da haben wir sie also: die erste richtige Enttäuschung. Irgendwann musste sie ja mal kommen. Nach 17 guten Bonds kann man einen Ausreißer verkraften, aber ärgerlich ist er trotzdem, denn bei Tomorrow never dies ging so ziemlich alles schief. 

Die Story ist selbst für Bondverhältnisse ungewöhnlich dämlich, der Humor ist so flach, dass es stellenweise richtig schmerzt, der Titelsong ist schlecht und die Besetzung ein totaler Reinfall. Jonathan Pryce ist eine einzige Lachnummer und erinnerte mich eher an meinen früheren Religionslehrer als an einen nach der Weltherrschaft strebenden Wahnsinnigen, Terri Hatcher bleibt völlig blass, Samantha Bond als Moneypenny ist weiterhin eine krasse Fehlbesetzung, auch wenn ihr Auftritt dieses Mal nicht ganz so daneben war wie beim Vorgänger, und Götz Ottos schauspielerisches Potential ist vergleichbar mit dem von Till Schweiger. Einziger Lichtblick: Michelle Yeoh, die zwar nicht gerade eine Schönheit ist, aber zumindest gut spielte. Zudem bot sie einige tolle Kampfszenen, die sogar ohne Doubles gedreht wurden. Brosnan ist wieder souverän, aber bei all den Nieten, mit denen er hier umgeben ist, kann er auch nicht mehr viel retten.

Hinzu kommt, dass der Film trotz der zahlreichen Actionszenen ziemlich langweilig ist. Vor allem die erste Hälfte in Hamburg ist schwach. Bei der Verfolgungsjagd mit dem ferngesteuerten Auto im Parkhaus kracht es zwar ständig, aber unter mitreißender Action verstehe ich etwas anderes. Auch das Finale auf dem Stealthboot hat mir nicht sonderlich gefallen, gab es ähnliche Showdowns doch schon in etlichen Vorgängerfilmen. Nur die Jagd durch Saigon mit dem Motorrad und die anschließende Prügelei haben mir richtig Spaß gemacht. Zu wenig für 115 Minuten Film. 

22 Oktober 2007

JAMES-BOND-REIHE #17: GOLDENEYE (Martin Campbell, 1995)

Ein bisschen Bammel hatte ich ja schon vor den Brosnan-Bonds, aber zumindest bei diesem hier erwies sich das als völlig unbegründet. Brosnan passt hervorragend in die Rolle, er orientiert sich stark an Connery, nimmt aber die menschliche Komponente mit, die Dalton ins Spiel brachte, und gibt eine rundum überzeugende Vorstellung. 

Dazu tragen auch die für Bondverhältnisse erstaunlich guten Dialoge bei, wie z. B. die Unterhaltung zwischen ihm und Sean Bean über die jeweiligen Motive für ihr Handeln. Da pariert Janus Bonds Frage nach dem Warum ganz souverän mit der Gegenfrage, ob die zahlreichen Wodka Martini die Schreie der getöteten Männer übertönen könnten oder die zahlreichen Frauen diejenigen vergessen machten, die Bond nicht retten konnte. Und auch die Unterhaltungen mit M und später am Strand mit Natalya verleihen der Figur James Bond einen Anflug von Tiefe.

Darstellerisch ist alles im grünen Bereich. Judi Dench gefällt mir ausgesprochen gut als M, Sean Bean ist ein Bond ebenbürtiger Gegner und auch Gottfried John kann ein paar Akzente setzen. Ok, Famke Janssen übertreibt etwas mit ihrer Darstellung der durchgeknallten Killerin, aber immerhin sind ihre Szenen recht lustig. Unangenehm fielen mir lediglich Samantha Bond als Moneypenny auf (fürchterlich!), die plötzlich Bonds Avancen kalt zurückweist, wo es doch sonst immer Bond war, der sie verschmähte. Und auch Alan Cumming nervt in der Rolle des typischen Computer-Freaks, aber glücklicherweise wird beiden Personen nicht allzu viel Raum zugestanden. Izabella Scorupco ist zwar keine Frau, die meinen Herzschlag beschleunigen kann, aber sie sieht immerhin nett aus und hat einen lustigen Akzent.

Die Story ist gut und kommt trotz der großen Actioneinlagen nicht zu kurz. Und von letzteren gibt es reichlich. Besonderen Spaß hat mir die Panzerfahrt durch St. Petersburg gemacht, wo Bond kurzerhand ein paar Straßen verbreitert und jede Menge Autos plattwalzt. Zwischendurch hält er kurz inne, um seinen Krawattenknoten zurechtzurücken. Das Finale ist ebenfalls klasse. Und da auch der Humor nicht zu kurz kommt, bietet GoldenEye somit alles, was ich von einem guten Bond erwarte. 

20 Oktober 2007

JAMES-BOND-REIHE #16: LICENCE TO KILL (John Glen, 1989)

Auf Daltons Zweiten war ich besonders gespannt, versprach doch die Story eine nette Abwechslung vom üblichen Schema. Allerdings stellte sich ziemlich schnell heraus, dass Bonds Rachemission sich kaum von seinen sonstigen unterscheidet, denn abgesehen von der Szene, wo M ihm die Lizenz zum Töten entzieht, macht sich dies kaum bemerkbar. Auch in den bisherigen Filmen war Bond ja meist auf sich alleine gestellt und hier bekommt er sogar noch tatkräftige Unterstützung von Q und Pam Bouvier. Und ob er Sanchez jetzt zur Strecke bringen will, weil er einen dienstlichen Auftrag hat oder aus persönlicher Rache, macht letztlich auch keinen großen Unterschied. Was ich sagen will: hätte Bond von M den Auftrag bekommen, Sanchez zu eliminieren, hätte der Film im Prinzip genauso ablaufen können.

In zwei Punkten unterscheidet sich Licence to kill aber doch von den meisten Vorgängern: erstens gibt es relativ wenig Action, LTK ist viel mehr Thriller als Actionfilm. Zweitens schaltet Bond seine Widersacher hier meist nicht selbst aus (wie es eigentlich zu seiner Rachemission passen würde), sondern spielt sie teilweise so geschickt gegeneinander aus, dass sie sich gegenseitig eliminieren. Beides Dinge, die mir sehr gut gefallen haben, wie überhaupt Bond Nr. 16 keinen Deut schlechter ist als sein erstklassiger Vorgänger. 

Dafür sorgt u. a. Robert Davi, der einen starken und charismatischen Gegenspieler Bonds abgibt und für mich zu den beeindruckendsten Bösewichten der ganzen Serie zählt. Kaum weniger beeindruckend Anthony Zerbe als Milton Krest und ein junger Benicio del Toro, der hier schon andeutet, welch großes Potential in ihm steckt. Der absolute Höhepunkt ist aber das dramatische Finale mit den Tanklastern, das für die vorangegangene Actionarmut mehr als entschädigt. Wirklich schade, dass Dalton nur zwei Bondfilme gemacht hat, denn diese beiden haben mir ganz ausgezeichnet gefallen.

Und jetzt bin ich mal gespannt, wie sich Mr. Brosnan so schlagen wird, denn inzwischen habe ich alle 21 Bonds auf DVD, so dass ich meine Reihe bis zum bitteren (?) Ende durchziehen werde. 

19 Oktober 2007

HAE ANSEON/The Coast Guard (Kim Ki-duk, 2002)

Dies war jetzt meine sechste Begegnung mit Kim Ki-duk und wenn man ihm eines mit Sicherheit nicht nachsagen kann, dann ist das, er mache lebensbejahende Filme. Seine Figuren sind fast immer seelisch krank oder traumatisiert, häufig auch auf einem Selbstzerstörungstrip. The Coast Guard bildet da keine Ausnahme.

Eine Stärke Kims ist es, dem Zuschauer die Gefühle seiner Figuren ohne viele Worte zu vermitteln, was sicher auch dadurch möglich ist, dass er immer ein glückliches Händchen bei der Wahl seiner Darsteller hat (zumindest in den Filmen, die ich bisher gesehen habe). Und auch wenn The Coast Guard für Kims Verhältnisse beinahe geschwätzig wirkt, sind es doch in erster Linie die Nebendarsteller, die den Großteil der Dialoge sprechen, während die beiden Hauptfiguren (Kang und Mi-yeong) die gesamte Spielzeit über fast nichts sagen. Dass man sich dennoch gut vorstellen kann, was in ihrem Innern vorgeht und man fast so etwas wie Verständnis für ihr absurdes Verhalten aufbringen kann, ist eben dieser Fähigkeit Kims zu verdanken. Beide sind Opfer eines unglücklichen Vorfalls, eines Missverständnisses. Und auch wenn es zunächst bizarr erscheinen mag, dass Kang für die Tötung eines unschuldigen Zivilisten eine offizielle Belobigung erhält, muss man doch sehen, dass er letztlich nur seine Pflicht erfüllt hat und ihm somit aus dienstlich-/militärischer Sicht kein Vorwurf zu machen ist. 

Die moralische Sichtweise ist natürlich eine andere und der innere Konflikt ist es, an dem Kang letztlich zerbricht. Dabei ist es gleichermaßen faszinierend wie beängstigend zu sehen, wie er immer mehr dem Wahnsinn verfällt. Was mit eher harmlosen Neckereien beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einem tödlichen Spiel und gipfelt in der bizarren Schluss-Szene, in der Kang auf einem öffentlichen Platz mit Gewehr exerziert und einem unbeteiligten Zuschauer sein Bajonett in den Bauch rammt.

The Coast Guard ist ein weiterer außergewöhnlicher Film des südkoreanischen Ausnahmeregisseurs, vor dem ich mit jedem seiner Filme mehr Achtung bekomme.

18 Oktober 2007

JAMES-BOND-REIHE #15: THE LIVING DAYLIGHTS (John Glen, 1987)

Timothy Dalton spielt den Superagenten deutlich ernster und härter als Moore, aber auch menschlicher (als Connery und Moore) und trifft dabei eine Mischung, dir mir ausgesprochen gut gefällt. Auch darüber hinaus gibt es fast nur Gutes zu berichten von Bond Nr. 15.

Die erste Hälfte des Films zählt zum Besten, was die Serie bisher zu bieten hatte. Nach der erstklassigen Pre-Credits-Sequenz setzte man auf eine zunächst klassische Agentenstory, die im späteren Verlauf mit einigen kleineren Plottwists aufwartet, gewürzt mit rasanten Actionszenen, von denen mir die Verfolgungsjagd im Schnee am besten gefallen hat. Es gibt endlich mal wieder ein paar schöne Gadgets von Q und der neue Aston Martin weckte sehnsüchtige Erinnerungen an seinen Vorgänger in Goldinger. Joe Don Baker gibt einen brauchbaren Villain als schmieriger Waffenhändler ab und Jeroen Krabbé sehe ich sowieso gerne.

In der zweiten Hälfte, die überwiegend in Afghanistan spielt, verflacht das Geschehen etwas, aber auch hier gibt es mit der Flugzeug-Sequenz ein echtes Highlight zu vermelden. Der Kampf mit den Mudschaheddin-Horden erinnerte mich etwas an Rambo 3, und irgendwie will dieses Kriegsszenario nicht so recht zu einem Bondfilm passen. Dennoch ein mehr als gelungener Einstand für Dalton. 

15 Oktober 2007

JAMES-BOND-REIHE #14: A VIEW TO A KILL (John Glen, 1985)

Die Abschiedsvorstellungen der Bond-Darsteller haben es ja traditionsgemäß schwer bei den Fans. Konnte ich dies schon bei Diamonds are forever nicht nachvollziehen, ist es mir bei A view to a Kill noch unverständlicher, denn Moores Letzter hat wirklich alles, was einen guten Bond ausmacht. 

Die Story ist fesselnd, wird spannend erzählt und legt den Schwerpunkt endlich mal wieder auf das Spionage-Element, die Action ist wohldosiert und im Vergleich zu dem stellenweise beinahe albernen Octopussy geht es hier wieder deutlich ernster zur Sache. Es gibt ein paar tolle Verfolgungsjagden (zu Beginn in Paris und später mit dem Feuerwehrauto durch an San Francisco) und ein spektakuläres Finale auf der Golden-Gate-Bridge. Ein besonderes Lob verdient sich Produktionsdesigner Peter Lamont, Zorins Bergwerk ist sicherlich der imposanteste Bühnenbau bisher in einem Bondfilm. Den Titelsong von Duran Duran kann man mögen oder auch nicht – ich bin mit dieser Musik aufgewachsen und mag ihn.

Der größte Pluspunkt aber sind die hervorragenden Darsteller. Christopher Walken mimt den psychopathischen Großindustriellen sehr überzeugend (seine blondierten Haare... naja, Deutsche müssen bei Bond halt blond sein) und hebt sich damit wohltuend von der Schwuchtel aus dem Vorgängerfilm ab. Zudem schafft er es, mit wenigen Gesten und Blicken Zorins Größenwahn glaubwürdig rüberzubringen, ohne der Gefahr des Overactings zu erliegen (ganz groß sein irres Lachen, bevor er am Ende in die Tiefe stürzt). Grace Jones entspricht sicher nicht dem gängigen Schönheitsideal, mir jedoch gefällt sie in dieser Rolle ausgesprochen gut. Von ihrer unheimlichen, dämonischen Ausstrahlung können Langweiler wie Maud Adams (Octopussy) und Konsorten nur träumen und ihre heisere Stimme unterstreicht dies perfekt. Tany Roberts ist zwar langweilig, sieht aber zumindest ganz nett aus, obwohl ihr ständiges Gejammer mir ziemlich auf den Keks ging.

A view to a Kill ist für mich einer der besten Moore-Bonds und ein rundum gelungener Abgang für Sir Roger. Und jetzt freue ich mich auf Timothy Dalton, von dem ich bisher noch gar keinen Film gesehen habe.           

13 Oktober 2007

NEVER SAY NEVER AGAIN (Irvin Kershner, 1983)

Bevor es mit meiner James-Bond-Reihe weitergeht, schiebe ich noch den inoffiziellen Bond dazwischen, da er nur wenige Monate nach Octopussy ins Kino kam.

In meiner Erinnerung war aus den TV-Sichtungen nur noch die Szene mit dem Domination-Spiel hängengeblieben. Der erneuten Sichtung hatte ich im Vorfeld mit großer Freude entgegengesehen, versprach sie doch ein Wiedersehen mit dem Ur-Bond Sean Connery. Erstaunt war ich, dass Connery von den Gesichtszügen her deutlich älter aussieht als Moore in Octopussy, obwohl Moore 3 Jahre älter ist als. Dafür wirkt Connery körperlich wesentlich fitter, für einen 53-Jährigen ist er ziemlich durchtrainiert. Gut gefallen hat mir die Selbstironie, die Connery an den Tag legt, die Diskussion mit M zu Beginn, sein Kokettieren mit dem Alter. 

Die Actionszenen sind überwiegend gutgemacht, Highlights waren die Verfolgungsjagd mit dem Motorrad und die sehr dynamisch inszenierte Schlägerei im Trainingsraum, bei der eine Menge zu Bruch geht und die bei mir Erinnerungen an die Prügelei in der Glaserei bei Moonraker weckte. Das Finale hingegen war mir zu unspektakulär, wie überhaupt die Szenen unter Wasser ziemlich schwach sind. Kein Vergleich zu Thunderball. Connerys Sprüche sitzen wie immer. Nicht recht glücklich hingegen bin ich mit der Wahl der Darsteller. Klaus Maria Brandauer wirkt auf mich nicht wie ein Superschurke, sonder eher wie ein Clown, Kim Basinger mochte ich noch nie und an erotischer Ausstrahlung wird sie locker von jeder Bratpfanne übertroffen. Den Vogel schießt aber Rowan Atkinson ab (den ich normalerweise sehr gerne mag), der hier in einer völlig überflüssigen Nebenrolle einfach tierisch nervt. Soll wohl lustig sein, ist es aber nicht. Lediglich Barbara Carrera gefiel mir ausgesprochen gut.

Unter dem Strich ein kurzweiliges Abenteuer auf dem Niveau eines durchschnittlichen Moore-Bonds, aber weit vom Niveau der alten Connery-Bonds entfernt, gar nicht zu reden von Thunderball, der für mich zu den fünf besten Filmen der ganzen Serie zählt. Trotzdem schön, Connery nochmal in der Rolle seines Lebens zu sehen.           

12 Oktober 2007

JAMES-BOND-REIHE #13: OCTOPUSSY (John Glen, 1983)

Die Pre-Credit-Sequenz ist eine der besten der Serie bisher, der Titelsong hingegen unspektakulär. Der eigentliche Film bietet solide Unterhaltung auf gewohntem Niveau, ohne besonders zu glänzen. In Sachen Humor kommt Moore des öfteren der Grenze zum Klamauk gefährlich nah, beispielsweise bei der Verfolgungsjagd zu Beginn oder der Tarzanschrei bei seiner Flucht vor Khan.

Im Vergleich zum Vorgänger fallen die Darsteller merklich ab. Loius Jordan als Kamal Khan wirkte auf mich überhaupt nicht bedrohlich, sondern einfach nur schwul. Wesentlich besser kam da schon sein wortkarger Diener Gobinda rüber, der eindrucksvoll von Kabir Bedi gespielt wird. Steven Berkoff als durchgeknallter russischer General Orlov kann ebenfalls nicht überzeugen, sein Overacting ist stellenweise schon fast peinlich. Maud Adams sieht zwar nicht schlecht aus, ist mir für die Rolle der Octopussy aber zu spröde und lässt die mystische Ausstrahlung vermissen, die man mit einer solchen Figur verbindet. Ein weiterer Kritikpunkt ist die wirre Story, die für mich auch nach der schätzungsweise vierten Sichtung keinen rechten Sinn ergibt. Aber gut, bei einem Bondfilm sieht man darüber großzügig hinweg.

Den vorgenannten Schwächen zum Trotz ist John Glen eine relativ spannende Inszenierung gelungen, die wiederum einige mitreißende Actionsequenzen zu bieten hat. Neben der Pre-Credit-Sequenz sind da vor allem Bonds Flucht aus Khans Palast sowie die Verfolgungsjagd am Anfang mit den dreirädrigen Fahrzeugen zu nennen. Auch das Finale in und auf dem Zug hat mir Spaß gemacht. Octopussy ist sicher nicht Moores bester Bond, aber allemal sehenswert.           

11 Oktober 2007

JAMES-BOND-REIHE #12: FOR YOUR EYES ONLY (John Glen, 1981)

Ohne Zweifel der beste Moore-Bond. Hier stimmt einfach alles. Viele schöne Locations im ständigen Wechsel, toll inszenierte Actionszenen am laufenden Band (stellvertretend sei hier nur die witzige Verfolgungsjagd mit der Ente genannt), eine interessante Story, die sogar mit einem kleinen Plottwist aufwartet und tolle Darsteller. Julian Glover ist zwar nicht als einer der Top-Bösewichte in die Bondhistorie eingegangen - dafür ist sein Part einfach zu klein - die Rolle spielt er dennoch überzeugend. Topol hat ein starkes Charisma und lässt in den gemeinsamen Szenen Moore verblassen und Carole Bouquet ist ein Bondgirl, das nicht nur gut aussieht, sondern auch eine starke Ausstrahlung hat und zudem sehr effektiv mit Pfeil und Bogen umgehen kann. Es gibt sehr viele Actionszenen, die im Gegensatz zu einigen anderen Bonds aber nicht völlig over-the-top sind und gerade im Vergleich mit dem Moonraker-Finale beinahe bodenständig wirken. Naja, mit Ausnahme der Eröffnungssequenz zumindest, in der Bond sich auf elegante Art seines alten Widersachers Blofeld entledigt.

Merkwürdig inkonsequent fand ich Bonds Versuch, Melina davon abzuhalten, Kristatos zu töten, wo er doch selbst keinerlei Skrupel hat, wenn es um das finale Ausschalten eines Gegners geht und dies erst kurz vorher wieder demonstriert hat, indem er Locque mitsamt Auto mit einem Fußtritt in den Abgrund befördert hatte. Auf den Schlussgag mit Maggie Thatcher und dem Papagei hätte man ruhig verzichten können, das war billiger Klamauk auf unterstem Niveau. 

Dies sind aber auch die einzigen negativen Aspekte dieses rundum gelungenen Films und man muss schon sehr kleinlich sein, um sich von diesen Lappalien den Filmgenuss schmälern zu lassen. Ich bin es nicht, daher Daumen nach oben für Bond Nr. 12! 

08 Oktober 2007

JAMES-BOND-REIHE #11: MOONRAKER (Lewis Gilbert, 1979)

Mit einem leichten Grummeln in der Magengegend legte ich die DVD ein, hatte ich Moonraker doch als schlechtesten Bond überhaupt in Erinnerung. Aber, o Wunder, heute gefiel er mir ziemlich gut, jedenfalls nicht weniger als Live and let die oder The spy who loved me

Die Story ist relativ spannend, die Locations exotisch und schön (Rio, Venedig), der Humor kommt nicht zu kurz (göttlich die Szene, wo sich Jaws und Bond gegenseitig angrinsen) und vor allem ist das Bondgirl (Lois Chiles) dieses Mal mal so richtig nach meinem Geschmack. Eine tolle Frau mit einer starken Präsenz, die anfangs von Bond ständig fertiggemacht wird, ihm am Ende in dem Spaceshuttle aber zeigt, wo der Hammer hängt. Es gibt zudem einige tolle Actionszenen wie die Bootsjagd durch Venedig (nur das Hoovercraft-Ende ist doof) oder die Prügelei in der Glaserei, wo so ziemlich jeder Fetzen Glas zerdeppert wird, der da rumsteht. 

Ein Hänger zum Schluss ist natürlich der alberne Showdown in der Raumstation. Nachhaltig schaden kann er dem Film nicht mehr, hatten mich doch die ersten 90 Minuten ganz hervorragend unterhalten, aber ein fader Nachgeschmack bleibt schon. Dennoch ein ordentlicher Bond, den ich als viel schlechteren Film in Erinnerung hatte. 

07 Oktober 2007

RATATOUILLE (Brad Bird, 2007)

Normalerweise gehe ich ja nicht mehr ins Kino, aber einmal im Jahr muss es dann doch sein: immer wenn ein neuer Pixarfilm anläuft. Aufgrund der durchgehend positiven Kritiken waren meine Erwartungen sehr hoch und sie wurden wieder einmal spielend erfüllt. Obwohl meine Tochter eine Menge Spaß hatte, ist Ratatouille kein reiner Kinderfilm. Eigentlich überhaupt kein Kinderfilm, denn ich bezweifle, dass ein Kind in der Lage ist, die zahlreichen Anspielungen und etwas tiefergründigen Gags zu verstehen. 

Technisch ist das Ganze wieder einmal absolut beeindruckend, alleine der Panoramablick über das nächtliche Paris lässt einen mit offenem Mund im Kinosessel sitzen. Die zahlreichen Actionszenen sind ebenso routiniert inszeniert wie bei Birds erster Arbeit für Pixar (The Incredibles) und überhaupt legt der Film ein überwiegend hohes Tempo vor. 

Was die Filme Pixars aber in erster Linie auszeichnet, sind die liebevoll und detailliert gestalteten Charaktere und die meist einfache, aber mitreißende Handlung. So auch hier. Der erwachsene Zuschauer freut sich über die zahlreichen Seitenhiebe und den tiefgründigen Humor, die Kleinen genießen einfach die putzig gestalteten Ratten und die rasanten Actionszenen. Mit Ratatouille zeigt Pixar einmal mehr, wie man spannende Unterhaltung für Zuschauer jeden Alters bietet. 

06 Oktober 2007

JAMES-BOND-REIHE #10: THE SPY WHO LOVED ME (Lewis Gilbert, 1977)

Bond Nr. 10 hatte ich als den besten mit Moore in Erinnerung. Die gestrige Sichtung war leider etwas ernüchternd. Eigentlich nur ein guter, solider Bond, aber nichts Herausragendes. 

Auf der einen Seite gibt es mit Curd Jürgens als Stromberg einen der besten Gegenspieler Bonds der ganzen Serie. Jürgens hat eine geradezu diabolische Ausstrahlung, die jede Szene mit ihm zu einem Genuss werden lässt. Auch sein versenkbares Unterwasserquartier ist eine Wucht. Und natürlich Jaws, eine der originellsten Figuren der Serie. 

Auf der anderen Seite sind die Actionszenen ziemlich mau, die Verfolgungsjagd mit dem Lotus ist beinahe langweilig (zumal dieser dem Aston Martin aus Goldfinger sowieso nicht das Wasser reichen kann) und auch der große Shoot-Out in dem Dampfer konnte mich nicht vollends begeistern. Hinzu kommt, dass Bonds Gespielin für meinen Geschmack viel zu viel Raum gewährt wird, sie wirkt beinahe wie ein schlechter Sidekick. Wie auch schon beim Vorgänger ist sie zudem alles andere als hübsch, überhaupt sind die Bondgirls in den Moore-Filmen bisher ziemliche Tröten. Die Story bietet auch nichts Neues. In Thunderball wurde ein Kampfjet mit Nuklearwaffen gestohlen, in You only live twice Spaceshuttles, nun also U-Boote. Naja. 

Sicher kein schlechter Film, ich fühlte mich immer noch gut unterhalten, aber irgendwie hatte ich den besser in Erinnerung. 

05 Oktober 2007

JAMES-BOND-REIHE #9: THE MAN WITH THE GOLDEN GUN (Guy Hamilton, 1974)

Den hier kannte ich bisher gar nicht. Ein untypischer Bond, der doch ziemlich aus der Reihe tanzt und vieles von dem vermissen lässt, was die unmittelbaren Vorgänger ausgezeichnet hat: Moore hält sich mit seinen Sprüchen stark zurück, die Situationskomik beschränkt sich praktisch auf die Szenen mit dem Sheriff (die Idee, ihn dadurch in die Handlung einzubinden, dass er in Thailand Urlaub macht, ist genial!), das Bondgirl (Britt Ekland) ist dieses Mal richtig eklig (um nicht zu sagen häßlich) und Action gibt es nur sehr wenig. Lediglich die hervorragend inszenierte Verfolgungsjagd mit dem Boot durch die Kanäle Bangkoks ist da zu nennen und natürlich der 360°-Sprung mit dem Auto. 

Überhaupt passiert nicht allzu viel während der zwei Stunden. Zudem fiel mir Moores fehlende Fitness auf, als er in der Karateschule zum Kampf antreten musste. Das wirkte doch alles sehr ungelenk und passte nicht zu dem Bild des durchtrainierten Agenten, das die bisherigen Filme vermittelt haben.

Aber es gibt auch Positives: die Story an sich fand ich recht interessant und leidlich spannend, die Locations sind atemberaubend schön. Christopher Lee ist ein starker und überzeugender Gegenspieler Bonds und hat eine ähnlich große Rolle wie Gert Fröbe in Goldfinger. Folgerichtig sind die gemeinsamen Szenen der beiden zugleich auch die besten des Films. Und auch Hervé Villechaize als Scaramangas Diener Nick Nack hat mir gut gefallen. Der Showdown hingegen ist enttäuschend und bietet das gleiche Szenario wie die Eröffnungssequenz, nur langweiliger.

Vielleicht war ich gestern Abend schlecht drauf, aber für mich ist Bond Nr. 9 der bisher schwächste der Reihe, obwohl ich ihn unter dem Strich dennoch recht unterhaltsam fand. Allerdings habe ich das Gefühl, dass dies ein Film ist, der mit der 2. Sichtung wachsen wird. 

04 Oktober 2007

JAMES-BOND-REIHE #8: LIVE AND LET DIE (Guy Hamilton, 1973)

Moores Debut als James Bond habe ich vor gefühlten 100 Jahren schon mal im Fernsehen gesehen. Nennenswerte Erinnerungen waren keine mehr vorhanden, obwohl mir die ein oder andere Szene bekannt vorkam.

Mir fiel auf, dass Moore im O-Ton wesentlich weniger nervt als synchronisiert. Ich habe die Moore-Bonds noch nie im Original gesehen, daher war diese Erfahrung für mich neu. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass Moore die Rolle ausgesprochen gut ausfüllt, wenn er sie auch etwas anders interpretiert als Connery und dieser nach wie vor der beste James Bond für mich bleibt. Im Gegensatz zu Bond Nr. 6, wo ich ständig dachte, wieviel besser diese oder jene Szene mit Connery statt Lazenby wäre, verschwendete ich hier keinen Gedanken an derartige Überlegungen sondern akzeptierte Moore einfach als neuen Bond-Darsteller (was bleibt mir auch anderes übrig?)

Abgesehen vom Wechsel des Haupdarstellers macht Hamilton da weiter, wo er mit Diamonds are forever aufgehört hat, will sagen, der Humor verschafft sich zunehmend Raum in der Bond-Reihe. Moore bringt lockere Sprüche am laufenden Band und der dicke, aufgeblasene Sheriff ist ein echtes Highlight. Die Story ist ziemlich untypisch für Bond, und das nicht nur wegen des Voodoo-Zeugs (das mir nicht sonderlich gefallen hat), denn im Grunde genommen geht es „nur“ um einen größenwahnsinnigen Heroindealer, der den Fehler gemacht hat, ein paar von Bonds Kollegen ermorden zu lassen. 

Die erste Hälfte des Films bietet sehr wenig Action, aber das wird dann im zweiten Teil nachgeholt. Positiv zu erwähnen sind neben dem guten Titelsong und den wirklich tollen Locations vor allem die irre Verfolgungsjagd mit dem Doppeldeckerbus und die gesamte Sequenz in der Krokodilfarm. Das Bootsrennen ist natürlich auch klasse, aber meiner Meinung nach etwas zu lang geraten.

Insgesamt ein gelungener Einstieg für Roger Moore. 

03 Oktober 2007

JAMES-BOND-REIHE #7: DIAMONDS ARE FOREVER (Guy Hamilton, 1971)

Gerade nach dem schwachen Lazenby (der Darsteller, nicht der Film als solcher!) gestern habe ich Connerys Abschied doch mit einer gehörigen Prise Wehmut gesehen. Ich habe ja nie verstanden und werde es wohl auch nie begreifen, warum Diamonds are forever bei den meisten Bondfans so einen schlechten Ruf hat, denn ich halte Bond Nr. 7 für einen der besten der ganzen Serie. Die Sichtung eben hat das wieder bestätigt. 

Das fängt schon mit dem phantastischen Titelsong von Shirley Bassey an. Connery ist souverän wie immer, auch hier verstehe ich nicht, warum man immer wieder liest, er würde lustlos spielen. Ist mir bei inzwischen dreimaliger Sichtung noch nicht aufgefallen. Seine Oneliner sitzen besser denn je, und auch sonst kommt der Humor nicht zu kurz. Ob es jetzt die beiden schwulen Killer Mr. Kidd und Mr. Vint sind oder Bond von zwei resoluten Damen (Bambi und Thumper) Prügel bezieht - für den ein oder anderen Lacher ist gesorgt. 

Wie schon beim Vorgänger tritt auch hier die Action zugunsten der Story etwas in den Hintergrund, bietet aber immer noch genug fürs Auge. Beispielhaft seien die Verfolgungsjagd mit dem Mondmobil in der Wüste, das rasante Autorennen in Las Vegas inklusive der Fahrt auf zwei Rädern durch eine schmale Gasse oder der explosive Showdown auf der Bohrinsel genannt. Langeweile kam bei mir jedenfalls keine Sekunde auf, und irgendwie war ich ein bisschen traurig als der Film aus war, endete doch damit Connerys Bondzeit. 

Nachdem mich nun das Bondfieber doch ziemlich fest im Griff hat, habe ich mir kurzerhand noch die sieben Moore- und die beiden Dalton-Bonds besorgt, so dass ich meine James-Bond-Reihe zumindest bis Nr. 16 fortsetzen werde. 

02 Oktober 2007

JAMES-BOND-REIHE #6: ON HER MAJESTY’S SECRET SERVICE (Peter Hunt, 1969)

Nach einer Zwangspause geht es nun endlich weiter mit James Bond, nachdem mir die DVD des 6. Films endlich vorliegt. Auf diesen war ich besonders gespannt, da ich ihn noch nicht kannte und er zudem zu den umstrittensten unter den Bondfilmen zählt. 

Das größte Problem ist natürlich George Lazenby, der in der Rolle des James Bond so steif und ungelenk wirkt, dass man fast Mitleid mit ihm bekommen könnte. Aber auch sein weiblicher Gegenpart – sprich: seine spätere Frau – ist nicht viel besser. Zwar ist Diana Rigg keine schlechte Schauspielerin, aber anziehend oder gar erotisch ist an der Frau nun wirklich gar nichts. Da fand ich selbst die Tante aus From Russia with Love noch interessanter. Weitaus besser ist da schon Telly Savalas, der eine überzeugende Vorstellung als Blofeld gibt. Und die alten Bekannten M, Q und Miss Moneypenny (Lois Maxwell ist leider vor 3 Tagen verstorben) sorgen letztlich dafür, dass doch noch das James-Bond-Gefühl aufkommt.

Die beiden Hauptdarsteller sind aber der einzige Schwachpunkt dieses ansonsten sehr unterhaltsamen Films. Im Vergleich zu den Vorgängern wurde die Action etwas zurückgefahren und den Charakteren mehr Platz eingeräumt, auch wenn Bonds Wandlung vom Playboy zum monogamen Ehemann etwas gewöhnungsbedürftig ist. Höhepunkt des Films ist der Angriff der Hubschrauber auf Blofelds Klinik und Bonds Flucht auf Skiern. Besonders beeindruckend wurde dabei der Lawinenabgang in Szene gesetzt. Überhaupt sind die hervorragend inszenierten und wohldosiert eingesetzten Actionszenen der große Pluspunkt des Films.

Oh, einen Makel hätte ich fast vergessen: natürlich ist es kompletter Unsinn, Bond incognito zu Blofeld reisen zu lassen, wo die beiden sich doch im Vorgängerfilm gegenüber standen. Vielleicht ein Gag der Produzenten in Anspielung auf die beiden neuen Darsteller Bonds und Blofelds? Denn Lazenby und Savalas standen sich ja in You only live twice nicht gegenüber...