Posts mit dem Label François Truffaut werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label François Truffaut werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

27 Oktober 2026

L'HISTOIRE D'ADÈLE H. (François Truffaut, 1975)

Wie die Einblendung zu Beginn verrät, basiert die Handlung auf wahren Begebenheiten und erzählt von der obsessiven Liebe der Adèle Hugo, Tochter des berühmten französischen Schriftstellers Victor Hugo, zu dem Oberleutnant Albert Pinson. Obwohl Albert ihr klarmacht, dass er ihre Liebe nicht erwidert und kein Interesse mehr an ihr hat, verfolgt sie ihn regelrecht. Auch die Tatsache, dass er sich mit ständig wechselnden jungen Damen umgibt, tut ihrer Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft keinen Abbruch. Pinson erweist sich dabei keineswegs als unschuldiges Opfer. Er nutzt Adèles Gefühle immer wieder aus und nimmt bereitwillig Geld von ihr an, um unter anderem seine Spielschulden zu begleichen.

Gequält von einem traumatischen Erlebnis in ihrer Vergangenheit - der tragische Tod ihrer Schwester durch Ertrinken - flüchtet sich Adèle immer stärker in eine Phantasiewelt. In ihren zahlreichen Briefen stellt sie ihre Wunschträume als Realität dar und berichtet beispielsweise ihren Eltern von ihrer Hochzeit mit Albert, die in Wahrheit nie stattgefunden hat. Die Grenzen zwischen Realität und Wahnsinn verschwimmen immer mehr und Adèle verliert zunehmend den Bezug zur Wirklichkeit.

Truffaut inszeniert die tragische Geschichte zurückhaltend und vermeidet eine unnötige Dramatisierung. Unterstützt wird dies durch die authentisch wirkenden Kostüme und Sets, die das 19. Jahrhundert überzeugend zum Leben erwecken. Die meist düsteren Bilder und der Verzicht auf künstlich ausgeleuchtete Sets verleihen dem Film eine melancholische Grundstimmung, die die zunehmende Verzweiflung der Protagonistin greifbar macht. 

Auch darstellerisch kann der Film überzeugen. Vor allem die zur Drehzeit erst 20-jährige Isabelle Adjani liefert eine beeindruckende Leistung ab und erhielt dafür auch eine Oscar-Nominierung. 

L'Histoire d'Adèle H. ist alles andere als eine klassische Liebesgeschichte, sondern vielmehr ein detailliertes Psychogramm einer Frau, die sich immer tiefer in ihren Obsessionen und Wunschvorstellungen verliert. Ein atmosphärisch sehr dichter und hervorragend gespielter Film.