20 Oktober 2026

FERRARI (Michael Mann, 2023)

I'd rearm Germany before I gave that woman a gun. 

Sehr elegant inszenierte Biografie des Ferrari-Gründers Enzo Ferrari, die weniger an den technischen Aspekten des Motorsports interessiert ist als an der vielschichtigen Persönlichkeit ihres Protagonisten. Die stimmungsvollen Bilder des Kameramanns Erik Messerschmidt fangen die Atmosphäre im italienischen Modena der 50er Jahre wunderbar ein und verleihen dem Film eine getragene, bisweilen melancholische Grundstimmung.

Ich gestehe, dass ich im Vorfeld gewisse Schwierigkeiten hatte, mir Adam Driver in der Rolle des Enzo Ferrari vorzustellen. Tatsächlich macht er seine Sache jedoch sehr gut und porträtiert den Firmengründer als ebenso zielstrebigen wie rücksichtslosen Geschäftsmann, dessen Handeln in erster Linie von seiner Leidenschaft für den Motorsport bestimmt wird. Nicht umsonst sagt Ferrari an einer Stelle: "Jaguar races only to sell cars. I sell cars only to be racing."

Dabei zeichnet Michael Mann jedoch kein eindimensionales Bild seiner Hauptfigur. Einerseits ist Ferrari ein eiskalter Machtmensch, der wirtschaftliche und sportliche Entscheidungen mit der nötigen Härte und Entschlossenheit trifft, ohne auf persönliche Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. Andererseits zeigt ihn der Film auch als gebrochenen Familienvater, der den Tod seines Sohnes Dino nicht überwunden hat, diesen regelmäßig auf dem Friedhof besucht und zugleich eine enge Beziehung zu seinem unehelichen Sohn Piero pflegt. Gemeinsam mit dessen Mutter Lina bildet er seit Jahren eine zweite Familie, während er offiziell weiterhin mit seiner Frau und Geschäftspartnerin Laura zusammenlebt, die von seinem Doppelleben lange Zeit nichts ahnt.

Besonders gelungen ist der Kontrast zwischen den ruhigen Szenen, die den privaten Enzo Ferrari zeigen, und den dynamisch inszenierten Rennsequenzen, bei denen die Kamera nur wenige Zentimeter über dem Asphalt schwebt. Hier beweist Michael Mann einmal mehr sein außergewöhnliches Gespür für Geschwindigkeit und Bewegung.

Die Darstellung des schrecklichen Unfalls in Guidizzolo bildet den dramatischen Höhepunkt des Films und kam zumindest für mich sehr überraschend, was auch darauf zurückzuführen ist, dass ich mich vor der Sichtung eines Films nicht oder nur sehr grob mit dem Inhalt beschäftige. Beim Hergang des Unfalls wird die Rolle des Ferrari-Teams beziehungsweise die Verantwortung des Fahrers Alfonso de Portagos im Zusammenhang mit den stark abgefahrenen Reifen etwas heruntergespielt, wobei die Firma allerdings letztlich von jeder Verantwortung freigesprochen wurde.

Ferrari ist ein vor allem stilistisch überzeugender Film, der die schillernde Figur des Ferrari-Gründers in den Mittelpunkt stellt und dabei mehr Charakterstudie als klassisches Rennsportdrama ist.

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