03 Oktober 2026

CET OBSCUR OBJET DU DÉSIR (Luis Buñuel, 1977)

Buñuels letzter Film stellt den alten, wohlhabenden Geschäftsmann Mathieu in den Mittelpunkt der Erzählung, der sich Hals über Kopf in sein 18-jähriges Hausmädchen Conchita verliebt. Dieses weist seine Liebe einerseits zurück, gibt ihm andererseits aber immer wieder das Gefühl, seine Gefühle zu erwidern. Dies schickt Mathieu auf eine emotionale Achterbahnfahrt, die im Verlauf der Handlung immer extremere Züge annimmt. 

Grundlage ist ein mir bislang unbekannter Roman, der bereits mehrfach verfilmt wurde und dem spanischen Regisseur einmal mehr die ideale Gelegenheit bietet, sich über das gehobene Bürgertum und die von ihm häufig thematisierte Vorliebe älterer Männer für junge Frauen lustig zu machen. Der interessanteste Aspekt des Films ist dabei zweifellos die Tatsache, dass Buñuel die Rolle der Conchita von zwei völlig unterschiedlichen Darstellerinnen verkörpern lässt: von der eher verschlossenen, zurückhaltenden und groß gewachsenen Französin Carole Bouquet sowie der temperamentvollen, kleinen, deutlich freizügiger auftretenden Spanierin Ángela Molina. Zwei Frauentypen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten.

Beide Figuren werden jedoch im französisch-spanischen Original von derselben Synchronsprecherin gesprochen (Molina sprach kein französisch und musste daher synchronisiert werden), sodass sie trotz aller optischen Unterschiede dieselbe Stimme besitzen. Auch ihr Kleindungsstil unterscheidet sich deutlich. Während Bouquet meist dezent und hochgeschlossen auftritt, gibt sich Molina wesentlich freizügiger. Die anderen Figuren im Film reagieren in keiner Weise auf den Wechsel der Schauspielerinnen und sehen ganz offensichtlich beide als diesselbe Person an.  

Man könnte erwarten, dass Buñuel die beiden Darstellerinnen nutzt, um konsequent die unterschiedlichen Seiten Conchitas zu repräsentieren: die Mathieu zugewandte Frau, die ihm Hoffnung macht, einerseits, und diejenige, die ihn zurückweist und provoziert, andererseits. Dies ist jedoch nicht der Fall. Vielmehr wechseln die Darstellerinnen mitunter mitten in einer Szene. Durch diese Vorgehensweise verweigert der spanische Regisseur dem Zuschauer eine eindeutige Interpretation und unterstreicht einen zentralen Gedanken des Films: Das Objekt von Mathieus Begierde ist eben nicht klar umrissen und eindeutig greifbar, sondern bleibt verschwommen, widersprüchlich und letztlich unnahbar, wie es bereits der Filmtitel andeutet.  

Zwischendurch finden sich immer wieder die für Buñuel so typischen surrealen Momente. So erklärt der Besitzer der Bar, in der Conchita zuvor gearbeitet hat, bei einem Besuch unmissverständlich, dass sie in seinem Haus unerwünscht sei, nur um sie bei ihrer nächsten Ankunft freundlich zu begrüßen und ihr ein Glas Champagner anzubieten. In beiden Szenen wird Conchita von Bouquet dargestellt. 

Wie so oft bei Buñuel bleiben am Ende zahlreiche Fragen offen. Welche Bedeutung die immer wieder auftretenden Terroranschläge linker Gruppierungen besitzen bleibt ebenso unklar wie die Frage, wie es mit der Beziehung zwischen Mathieu und Conchita weitergeht beziehungsweise ob beide die Bombenexplosion am Ende, die sich in ihrer unmittelbaren Nähe ereignet, überhaupt überleben.

Ein wieder einmal höchst unterhaltsamer und gleichermaßen rätselhafter Film des spanischen Meisterregisseurs, der sich wunderbar in sein Gesamtwerk einfügt und es auf perfekte Weise abrundet.

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