You made us freaks!
Der Film punktet mit schönen Landschaftsaufnahmen und überzeugenden Darstellern, allen voran Viggo Mortensen in der Hauptrolle. So richtig gepackt hat mich das Geschehen allerdings nicht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Ben über weite Strecken ausgesprochen unsympathisch wirkt. Seine Vorstellung eines unabhängigen Lebens setzt er kompromisslos und mit einer bemerkenswerten Rücksichtslosigkeit gegenüber seinen Kindern durch. Dabei erweist sich seine Ideologie nicht einmal als besonders konsequent.
Als die Familie zur Beerdigung von Bens Frau in die Zivilisation zurückkehrt, verlässt er nach einem Blick auf die Speisekarte demonstrativ ein Restaurant mit den Worten: "There's no actual food on this menu." Wenig später simuliert er in einem Supermarkt einen Herzinfarkt, damit seine Kinder die entstandene Verwirrung nutzen können, um in großem Stil Lebensmittel zu stehlen. Den Ablauf hat er zuvor minutiös mit ihnen einstudiert. Abgesehen von der fragwürdigen Moral seines Handelns scheint ihn dabei auch nicht weiter zu stören, dass die Familie anschließend überwiegend hochverarbeitete Lebensmittel einschließlich einer Torte mit einer Extra-Portion Sahne konsumiert.
Zur Vernunft kommt Ben erst, nachdem eine seiner Töchter bei einer von ihm initiierten Kletteraktion schwer verunglückt. Er zeigt erstmals echte Selbstzweifel und erkennt, dass seine Kinder zwar vieles gelernt haben, gleichzeitig aber zu einem gewissen Grad weltfremd geblieben sind und beginnt, seine eigenen Vorstellungen kritisch zu hinterfragen.
Neben der fehlenden Konsistenz störte mich vor allem die plakative Kapitalismus- und Gesellschaftskritik des Films. Die Gegenüberstellung von alternativem Lebensstil und bürgerlicher Normalität ist für meinen Geschmack zu einseitig und überzogen. Captain Fantastic ist ein Film, der nteressante Fragen über Erziehung, Freiheit und gesellschaftliche Konventionen aufwirft, bei deren Beantwortung jedoch zu einfachen Lösungen greift. Damit ist er eher Groteske als ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema. Einen gewissen Unterhaltungswert kann man ihm dennoch nicht absprechen.
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