04 Oktober 2026

EL (Luis Buñuel, 1953)

In seiner Biographie bezeichnet Buñuel El als einen seiner Lieblingsfilme. Das verwundert, handelt es sich doch um einen eher ungewöhnlichen Eintrag in seinem Œuvre. Ein spannender Psychothriller um einen paranoiden Geschäftsmann Francisco, der zunächst seinem Geschäftspartner dessen Frau Gloria kurz vor der geplanten Hochzeit ausspannt, um sie dann - von krankhafter Eifersucht besessen - zunehmend als sein Eigentum zu betrachten. Ein Stoff, dessen Umsetzung man sich auch gut bei Hitchcock hätte vorstellen können. 

Witzig und auch typisch für Buñuel ist hingegen die Art und Weise, wie Francisco auf Gloria aufmerksam wird. Bei einer Fußwaschung von jungen Ministranten fallen ihm die in High Heels steckenden Füße einer Besucherin auf. Davon ist er so fasziniert, dass er der Besitzerin nachstellt. 
 
Ich habe ohnehin den Eindruck, dass Buñuel seiner Vorliebe für weibliche Füße und High Heels in den 1950er- und 1960er-Jahren deutlich häufiger Ausdruck verliehen hat als in seinen späteren Werken. Bereits in El ángel exterminador sind mir die zahlreichen Aufnahmen weiblicher Füße aufgefallen, und in Le Journal d'une femme de chambre lebt Monsieur Rabour seinen Fetisch für Damenschuhe und High Heels ganz offen aus. Auch in Viridiana finden sich mehrere Einstellungen von Silvia Pinals nackten Füßen. Dabei geht Buñuel allerdings wesentlich subtiler vor als beispielsweise Quentin Tarantino, der derartige Motive in seinen Filmen oftmals regelrecht zelebriert.
 
Unabhängig davon ist El ein äußerst kurzweiliger und spannender Film, dessen Handlung sich über die Laufzeit von gut neunzig Minuten immer weiter zuspitzt. Arturo de Córdova überzeugt als von paranoiden Wahnvorstellungen getriebener Ehemann, der seiner Frau das Leben zur Hölle macht. Dabei entgeht sie zweimal nur knapp ihrer Ermordung. Das Ende setzt dann einen bitteren Schlusspunkt. Zwar scheint Francisco in einem Kloster endlich seinen Frieden gefunden zu haben, doch sein bizarrer Gang in der Schlusssequenz deutet an, dass seine psychischen Probleme keineswegs überwunden sind. 
 
Ein äußerst gelungener Psychothriller, der innerhalb von Buñuels Filmografie eine interessante Sonderstellung einnimmt und einmal mehr dessen Gespür für menschliche Obsessionen und Abgründe offenbart.

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