21 Oktober 2026

CELA S'APPELLE L'AURORE (Luis Buñuel, 1956)

Unmittelbar vor La Mort en ce jardin drehte Buñuel Cela s'appelle l'aurore, ein spannendes Drama um den Arzt Valerio, der sich auf Korsika um die gesundheitlichen Leiden der armen Arbeiterschaft kümmert. Seine Frau fühlt sich dort zunehmend isoliert und verfällt immer mehr in Depressionen, was sie schließlich dazu veranlasst, für einige Monate in ihre Heimat nach Nizza zurückzukehren. Unterdessen verliebt sich Valerio in die wohlhabende Witwe Clara.

Der Konflikt zwischen Arm und Reich, hier in erster Linie verkörpert durch den Industriellen Gorzone, ist ein Thema, mit dem sich der spanische Regisseur vor allem während seiner mexikanischen Schaffensphase immer wieder auseinandergesetzt hat. Dabei lässt Buñuel nie einen Zweifel daran, auf wessen Seite seine Sympathien liegen. So auch hier: Obwohl Valerio als Arzt durchaus zu den wohlhabenderen Bewohnern der Insel zählt, fühlt er sich den einfachen Arbeitern deutlich stärker verbunden als den gesellschaftlichen Eliten. Dies gipfelt schließlich darin, dass er seinen langjährigen Freund und ehemaligen Kriegskameraden Sandro in seinem Haus vor der Polizei versteckt, nachdem dieser Gorzone ermordet hat.  

Der Spanier arbeitete hier erstmals mit Georges Marchal und Julien Bertheau zusammen, auf deren Dienste er in den kommenden Jahren noch mehrfach zurückgreifen sollte. Insbesondere Letzterer ist ein häufiger Gast in den Filmen, die Buñuel nach seiner Rückkehr nach Europa in Frankreich gedreht hat.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Filmen des Spaniers hat Cela s'appelle l'aurore sogar so etwas wie ein Happy End, lösen sich doch Valerios Probleme nach und nach alle in Luft auf, sodass einer gemeinsamen Zukunft mit Clara am Ende nichts mehr im Wege steht. Ein für Buñuel ungewöhnlich optimistischer Ausklang.

Cela s'appelle l'aurore ist ein sehr spannender und ausgesprochen kurzweiliger Film mit einer guten Geschichte, überzeugenden Darstellern und vergleichsweise sorgfältig ausgearbeiteten Figuren. Keiner der ganz großen Buñuels, aber doch ein bemerkenswerter Beitrag zu seinem Schaffen, der im Allgemeinen nicht die Anerkennung erfährt, die er verdient hätte.

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