I do not like to be interrupted in the middle of an insult.
Ganz so überraschend ist die spätere Enthüllung allerdings nicht. Alida Valli spielt die des Mordes angeklagte Anna Paradine derart kühl, distanziert und undurchschaubar, dass es von Beginn an schwerfällt, ihr zu vertrauen oder gar Sympathie für sie zu entwickeln. Gregory Peck gibt den erfolgreichen Anwalt Anthony Keane, der den Reizen seiner Mandantin erliegt und zunehmend die nötige professionelle Distanz verliert. Um Anna zu retten, versucht er mit aller Macht, die Schuld auf den Kammerdiener abzuwälzen, und verstrickt sich dabei immer tiefer in seine Obsession.
Hier offenbart sich zugleich die größte Schwäche des Films. Die Figuren sind etwas zu plakativ gezeichnet. Hitchcock kennt hier nur schwarz und weiß. Da bleibt kein Raum für Zwischentöne. Auf der einen Seite steht die gutmütige, treue Ehefrau, die ihren Mann bedingungslos liebt und ihm selbst offensichtliche Verfehlungen verzeiht, auf der anderen die kalte und berechnende Angeklagte. Dazwischen agiert ein Anwalt, der sich von seinen Gefühlen leiten lässt und die Realität zunehmend aus den Augen verliert.
Trotz dieser Schwächen ist The Paradine Case ein durchaus spannender und unterhaltsamer Thriller geworden. Die Gerichtsverhandlung entwickelt eine stetig wachsende Spannung, und die Handlung nimmt einige unerwartete Wendungen. Vor allem die Tatsache, dass die bei Gerichtsdramen ansonsten übliche Heroisierung des Anwalts sich hier ins Gegenteil verkehrt, hebt den Film von vielen konventionellen Genrevertretern ab. Zwar zählt The Paradine Case nicht zu den ganz großen Werken Hitchcocks, sehenswert ist der Film allemal.
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