Darstellerisch ragt vor allem die bereits erwähnte Gene Tierney heraus, die die Rolle der paranoiden, mit ihrer grenzenlose Liebe alles verzehrenden Ellen absolut glaubwürdig spielt. Der übrige Cast passt sich diesem Niveau an, wobei Vincent Price seine schon damals vorhandene phänomenale Ausstrahlung erst gegen Ende ausspielen kann. Womit wir auch schon beim einzigen Schwachpunkt dieses ansonsten rundum gelungenen Films wären: das arg konstruierte, zwanghaft herbeigeführte Happy End stieß mir richtig übel auf und passte überhaupt nicht zum Rest des Films. Hier war überdeutlich das Bemühen zu spüren, den Zuschauer letztlich gutgelaunt aus dem Kinosaal zu entlassen. Stattdessen hätte man die Geschichte konsequent zu Ende führen und mit einer Verurteilung Ruths wegen Mordes enden lassen sollen, zumal sich mir nicht erschließen will, wieso die paar Sätze von Richard die Geschworenen von Ruths Unschuld überzeugen sollten, angesichts der erdrückenden Last (gefälschter) Beweise ihrer Schuld. Aber sei’s drum – ich habe keine Lust, mir die Freude über diesen überaus gelungenen Film durch die letzten zwei Filmminuten verderben zu lassen.
16 Januar 2008
LEAVE HER TO HEAVEN (John M. Stahl, 1945)
Yes, she is that kind of a monster!
Von dem Film hatte ich bis vor kurzem noch nie etwas gehört. Die DVD lag
bei Tedi für 2 Euro rum, der Klappentext klang interessant, Vincent
Price spielt mit und einen Oscar konnte man auch einsacken, also habe
ich die DVD mitgenommen. Meine Erwartungen waren dementsprechend gering,
aber zu meiner Überraschung verbirgt sich hinter dem merkwürdigen
deutschen Titel Todsünde ein mehr als ansehnliches Filmchen, dass mich über die gesamte Spielzeit zu fesseln wusste.
Einen erheblichen Anteil daran trägt die zu Recht oscarprämierte
Bildkomposition von Leon Shamroy, die mit ihren in warme, sommerliche
Farben getauchten Landschaftsaufnahmen einen interessanten Kontrast zur
Gefühlskälte der von Gene Tierney verkörperten Ellen Harland bildet.
Wobei Gefühlskälte nicht ganz richtig ist, da diese ja nur jene trifft,
die ihrer Liebe zu ihrem Mann im Weg zu stehen scheinen. Ihr eiskalter
Blick als sie, im Boot sitzend, in aller Seelenruhe zusieht, wie ihr
behinderter Schwager ertrinkt, ließ mir die Nackenhaare zu Berge stehen.
Gedreht wurde offenbar ausschließlich on location; billige
Studiokulissen und Matte-Paintings sucht man hier vergebens. Stattdessen
werden dem Zuschauer atemberaubende Naturkulissen geboten, an denen man
sich gar nicht sattsehen kann. Aber nicht nur die Verpackung ist schön –
auch der Inhalt kann überzeugen. Die spannende Story bietet genug Raum
für eine recht detaillierte Charakterentwicklung, wobei natürlich die
Figur der Ellen im Vordergrund steht. Aus den Äußerungen über ihr
Verhältnis zu ihrem Vater glaubte ich, Hinweise auf eine inzestuöse
Verbindung herauszuhören, aber die Sache bleibt vage genug, um dem
Zuschauer die Interpretation zu überlassen. Zumindest aber wird
deutlich, dass das Verhältnis zu ihm weit über die übliche
Vater-Tochter-Beziehung hinausging.
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