Alive or dead? It's your choice
Höher, schneller, weiter: Nach dem ungeachtet seiner Klasse eher spartanischen Per un pugno di dollari geht Per qualche dollaro in più in jeder Hinsicht einen Schritt weiter – wie schon der Titel nahelegt. Das dreimal so hohe Budget, das Leone nach dem Erfolg des Vorgängers zugestanden wurde, ermöglichte aufwändigere Sets, abwechslungsreichere Locations, bessere Effekte, größer angelegte Schießereien und insgesamt deutlich mehr Action.
Clint Eastwood tritt erneut in einer nahezu identischen Rolle auf, diesmal jedoch nicht mehr als bloßer Opportunist, sondern als eiskalter Kopfgeldjäger. Ihm zur Seite stellt Leone den von Lee Van Cleef verkörperten Colonel Mortimer – einen ebenso kompetenten, aber moralisch anders motivierten Partner. Zwar ist auch Mortimer Kopfgeldjäger, doch sein eigentliches Ziel ist Rache aus familiären Gründen. Die berühmte Taschenuhr fungiert dabei als zentrales Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart und wird immer wieder geschickt als dramaturgisches Gimmick eingesetzt, um Spannung zu erzeugen. Ihre Funktion als akustisches Signal ist ein Paradebeispiel für Leones Fähigkeit, Requisiten erzählerisch aufzuladen.
Bei allem Zynismus und aller Brutalität kommt auch der Humor nicht zu kurz – ein wichtiges Element in Leones Schaffen, das auch bei den beiden folgenden Western eine bedeutende Rolle spielen sollte. Das Drehbuch verfasste Leone diesmal gemeinsam mit Luciano Vincenzoni, dessen Gespür für pointierte Dialoge und klare Figurenzeichnung dem Film spürbar zugutekommt.
Auch atmosphärisch macht Per qualche dollaro in più einen großen Sprung nach vorn. Morricones Score ist deutlich abwechslungsreicher als der des Vorgängers und integriert erneut typische Elemente wie Flöten, Maultrommeln und Alltagsgeräusche. Die symbiotische Verbindung zwischen Bild und Ton erreicht hier eine neue Qualität: Morricones Musik kommentiert nicht nur das Geschehen, sondern strukturiert es, steigert die Spannung und verleiht den ikonischen Bildern eine unverwechselbare emotionale Tiefe. Diese Zusammenarbeit zwischen Leone und Morricone – zwei Römern, die sich gegenseitig künstlerisch beflügelten – ist in dieser Form einzigartig
Der Showdown schließlich, inszeniert wie ein Duell in einer Arena, ist grandios. Die wechselnden Close-Ups, die kreisende Kamera, die sich stetig steigernde Spannung und Morricones Crescendo bilden ein audiovisuelles Finale, das bereits alle Qualitäten enthält, die man gemeinhin mit Leones Western verbindet. In dieser Disziplin kann ihm niemand das Wasser reichen.
Wenn Per un pugno di dollari das Genre des Spaghetti-Western begründete, wirkte Per qualche dollaro in più wie ein Katalysator. Er reaktivierte die ins Stocken geratene Karriere Lee van Cleefs, machte Klaus Kinski einem größeren Publikum bekannt (der daraufhin in diversen weiteren Italo-Western mitspielte), katapultierte Clint Eastwood endgültig zum Weltstar und etablierte Leone als meisterhaften Regisseur, der hier sein erstes voll ausgeformtes Meisterwerk ablieferte. Drei weitere sollten folgen.

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