06 August 2026

ONCE UPON A TIME IN AMERICA (Sergio Leone, 1984)

It was a great friendship.

Sergio Leones letzter Film breitet in 229 Minuten eine epische Geschichte über Freundschaft, Verrat und vertane Lebenszeit aus, die ebenso faszinierend wie zeitlos ist. Von Beginn an entfalten die beeindruckenden Bilder in Kombination mit Ennio Morricones unvergleichlichem Score eine starke Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. Schon die ersten Einstellungen machen klar, dass Leone hier nicht nur einen Gangsterfilm, sondern ein melancholisches Erinnerungsstück inszeniert.

Die äußerst komplexe Geschichte ist angelegt als Elegie in drei Akten. Die Erzählweise ist nicht-chronologisch und springt immer wieder zwischen den drei Zeitebenen (1922, 1933 und 1968) hin und her. Dabei sind die Übergänge ausnehmend schön gestaltet, beispielsweise, wenn Noodles durch das Fenster in der Toilette Deborah beim Tanzen zuschaut oder das ewig lange klingelnde Telefon zu Beginn des Films. Leone nutzt diese Übergänge nicht nur als stilistische Spielerei, sondern als emotionales Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Schuld und Sehnsucht.

Die Darsteller sind allesamt wunderbar. Robert De Niro und James Woods liefern jeweils eine der besten Leistungen ihrer Karriere ab, Joe Pesci ist toll wie immer und auch die übrigen Darsteller machen ihre Sache gut. Die Kinderdarsteller sind ebenfalls hervorragend gewählt. Sie sehen den Schauspielern, die sie im jugendlichen Alter repräsentieren, nicht nur sehr ähnlich, sondern überzeugen darüber hinaus auch noch durchweg mit sehr guten Leistungen. Gerade die zumindest anfangs unbeschwerten Szenen der Kindheit verleihen den späteren Tragödien eine besonders bittere Note.

Unabhängig von der moralischen Verderbtheit seiner Protagonisten ist Once upon a Time in America nämlich ein sehr trauriger Film, lässt er sie doch alle letztlich als Verlierer dastehen. Lediglich Deborah, die eine erfolgreiche Schauspielerin wird, könnte man als Gewinnerin bezeichnen, doch vermittelt sie im letzten Gespräch mit Noodles auch nicht den Eindruck, ein glückliches Leben zu führen. Ruhm und Erfolg verdecken im besten Fall die tiefen Wunden, die die Vergangenheit bei ihr hinterlassen hat.

Von Beginn an liegt eine tiefe Schwermut über dem Geschehen und erzeugt in Kombination mit den bereits genannten Faktoren eine ebenso düstere wie faszinierende Stimmung, die während der ausufernden Spielzeit niemals so etwas wie Langeweile aufkommen lässt. Once upon a Time in America ist einherausragender Vertreter des Gangsterfilms und ein würdiger Abschluss für die leider viel zu kurze Karriere des iatlienischen Meisterregisseurs, den ich seit ich im jugendlichen Alter C'era una volta il West zum ersten Mal gesehen habe, zutiefst verehre. Ein zeitloses Meisterwerk.

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