21 August 2026

CITIZEN KANE (Orson Welles 1941)

Rosebud.

Citizen Kane ist ohne Zweifel einer der innovativsten und einflussreichsten Filme der Geschichte. Ein Werk, das das Kino veränderte und unzählige Regisseure inspirierte und beeinflusste. Und doch macht es Welles seinem Publikum nicht leicht, den Film zu lieben. 

Die Handlung entfaltet sich überwiegend in Rückblenden, die nach und nach ein facettenreiches Bild des Zeitungsmagnaten Charles Foster Kane zeichnen. Das Besondere daran: Die Rückblenden werden nicht aus einer vermeintlich objektiven Perspektive erzählt, wie es klassische Dramaturgien oft tun, sondern durch die Erinnerungen verschiedener Zeitzeugen. Jeder von ihnen liefert seine eigene, subjektive Sicht auf den Verstorbenen und die Ereignisse. Dieser Ansatz wirkt deutlich realistischer als die üblichen filmischen Erzählmuster, denn eine objektive Wahrheit existiert ohnehin nicht. Entscheidend ist stets die Perspektive desjenigen, der etwas erlebt - geprägt durch Biografie, Charakter und persönliche Motive.

Auch visuell ist Citizen Kane revolutionär. Welles und sein Kameramann Gregg Toland arbeiten mit extremen Tiefenschärfen, ungewöhnlichen Kameraperspektiven, Spiegelungen und langen Einstellungen mit wenigen Schnitten. Diese Mittel dienen nicht nur der formalen Innovation, sondern charakterisieren auch die Figuren und ihre Beziehungen zueinander.

Die Auflösung des Rätsels um „Rosebud“ ist schließlich ein Geniestreich. So banal sie im ersten Moment erscheinen mag, vermittelt sie dem Zuschauer mehr über Kane als die Erzählungen der Zeitzeugen zuvor. Sie macht deutlich, warum er sich zu dem Menschen entwickelte, der er war und wie ein einziger, verlorener Moment aus der Kindheit sein Leben überschattete. Der Verlust von Geborgenheit.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen