Samstag, 28. Februar 2026

THE BALLAD OF BUSTER SCRUGGS (Ethan & Joel Coen, 2018)

First time?

The Ballad of Buster Scruggs markiert die vorläufig (?) letzte Zusammenarbeit der beiden Coen-Brüder, die seither mit Solo-Projekten unterwegs sind. Erzählt werden sechs von einander unabhängige Geschichten, die im weitesten Sinne dem Western-Genre zuzuordnen sind, wobei Stil, Erzählrhythmus und Tonalität der einzelnen Episoden sehr unterschiedlich ausfallen. Die Übergänge zwischen den Geschichten werden in Form eines Buchbandes umgesetzt, bei dem zu Beginn der nächsten Episode jeweils eine neue Seite aufgeschlagen wird.

Ursprünglich war The Ballad of Buster Scruggs als Serie mit sechs Episoden konzipiert, bevor die Brüder sich dazu entschlossen haben, daraus einen Spielfilm zu machen. Die erzählten Geschichten sind von unterschiedlicher Qualität, dabei durch die Bank kurzweilig und  unterhaltsam und zum Teil auch recht witzig. Insbesondere die richtig fiese dritte Episode Meal Ticket und die nachfolgende All Gold Canyon mit einem tollen Tom Waits in der Hauptrolle konnten mich begeistern. 

Bleibt zu hoffen, dass es bald wieder ein gemeinsames Projekt der Coens geben wird, denn auch The Ballad of Buster Scruggs unterstreicht die Klasse der Beiden - zumindest dann, wenn sie zusammenarbeiten.

Freitag, 27. Februar 2026

BROOKLYN'S FINEST (Antoine Fuqua, 2009)

I don't want God's forgiveness. I want his fuckin help!

Antoine Fuquas siebter Spielfilm gehört ohne Frage zu den stärkeren Arbeiten des Regisseurs. Er erzählt in drei lose miteinander verwobenen Episoden von drei New Yorker Polizisten, die alle auf ihre Weise an den Rändern ihrer Belastbarkeit angekommen sind. Fuqua interessiert sich weniger für die Mechanik des Thrillers als für die innere Erosion seiner Figuren, und so ist Brooklyn’s Finest mehr Drama als Actionfilm.

Die Struktur erinnert an den klassischen Ensemble-Film. Fuqua entfaltet ein Panorama aus Müdigkeit, moralischen Kompromissen und kleinen, unscheinbaren Entscheidungen, die sich langsam zu etwas Unausweichlichem verdichten und auf die Eskalation zulaufen. In manchen Momenten wirkt der Film wie ein Magnolia für Hartgesottene: ein Mosaik aus Schicksalen, das weniger auf große Überraschungen aus ist als auf das stille, stetige Abgleiten seiner Protagonisten.

Punkten kann Brooklyn’s Finest vor allem mit seinen Figuren und den Darstellern, die ihre Sache allesamt hervorragend machen. Richard Gere spielt einen kurz vor der Rente stehenden Cop, der längst innerlich gekündigt hat, dem Alkohol verfallen ist und sein inneres Glück bei einer Nutte sucht. Ethan Hawke zeigt einen Polizisten, der unter der Last seiner Verantwortung und dem Willen, seiner Familie ein besseres Leben zu bieten zerbricht, und Don Cheadle balanciert als Undercover-Cop überzeugend zwischen Loyalität und Selbstschutz. Auch toll: Wesley Snipes, der inmitten all seiner B-Movies hier nochmal Akzente setzen kann.

Fuqua inszeniert das alles mit einer gewissen Schwere, aber ohne nerviges Pathos. Die Straßen, die Wohnungen, die Gesichter - alles trägt die Spuren der Abnutzung und des langsamen Verfalls. Brooklyn’s Finest lebt weniger von seiner Handlung als von diesem Gefühl des langsamen Ausfransens. Am Ende bleibt der Eindruck von drei Männern, die längst wissen, dass es für sie keine einfachen Wege mehr gibt, und die trotzdem weitergehen, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt. 

Samstag, 21. Februar 2026

THE KEEP (Michael Mann, 1983)

Your new home: how do you like it?

Michael Mann ist ganz ohne Zweifel einer der herausragenden Regisseure der Gegenwart und darüber hinaus einer meiner absoluten Lieblinge. Was ihn seinerzeit geritten, diesen konfusen Mix aus Horror, Kriegsfilm und Mystery zu drehen, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. Umso erstaunlicher, dass es ihm gelungen ist, eine beeindruckende Riege namhafter Schauspieler für das Projekt zu gewinnen: Scott Glenn, Ian McKellen, Gabriel Byrne, Jürgen Prochnow, etc..

Dem Vernehmen nach soll die ursprüngliche Fassung auf Druck der Produzenten auf die Hälfte gekürzt worden sein, doch mir fehlt die Phantasie mir vorzustellen, dass The Keep mit mehr Spielzeit auch nur ein halbwegs guter Film geworden wäre. Das Teil ist von vorne bis hinten Murks und langweilt trotz der sehr kompakten Spieldauer von gerade einmal 96 Minuten. Die Darsteller mühen sich redlich, haben aber gegen das von Mann höchstpersönlich verfasste Drehbuch keine Chance. Die Special Effects sind selbst angesichts der Entstehungszeit an der Grenze zur Lächerlichkeit und zu allem Überfluss wird das Ganze von einem äußerst nervigen Score der deutschen Band Tangerine Dream untermalt, in dem die für die 80er so typischen Keyboards dominieren. 

Ein fürchterlicher Film und so ziemlich das Schlechteste, was ich in den letzten Jahren gesehen habe. Dass dies von einem Meister wie Michael Mann zu verantworten ist, mag man kaum glauben. Aber wie sagte Les Claypool einst so treffend: "We all crap in our pants once in a while".

Dienstag, 17. Februar 2026

SALTBURN (Emerald Fennell, 2023)

I'm sorry, my performance wasn't good enough.

Saltburn ist eine schrille Parabel auf die Macht der Manipulation, weitaus schriller noch als Fennells Debüt. Anfangs mäandert die Handlung eher ziellos umher, was zumindest meine Geduld auf eine harte Probe stellte, bevor die Story dann Fahrt aufnimmt und sich Stück für Stück in eine zunächst nicht vermutete Richtung entwickelt. Die bizarren, völlig überzeichneten Charaktere, von denen keiner Gefahr läuft, als Abbild einer real existierenden Person durchzugehen, verschieben Saltburn in den Bereich der Groteske. Ernstnehmen kann man das Treiben beim besten Willen nicht, aber unterhaltsam ist es trotzdem.

Zu loben ist unbedingt die Leistung des Hauptdarstellers Barry Keoghan, der den unterwürfigen, scheinbar tumben, in Wahrheit aber stets extrem kalkulierten und berechnenden Oliver Quick als faszinierenden Charakter porträtiert, der am Ende alle kalt stellt und am Ziel seiner Träume angekommen ist.

Saltburn ist ein Film, auf den man sich einlassen muss, auch wenn das über weite Strecken schwerfällt und darüber hinaus auch ein Film, der in den Tagen danach an einem nagt und sich immer wieder ins Gedächtnis drängt. Fand ich Saltburn während und unmittelbar nach der Sichtung nicht sonderlich gelungen, setzte sich in den folgenden Tagen immer mehr die Erkenntnis durch, dem Film mit dieser Einordnung Unrecht getan zu haben. Ich glaube, dass er seine wahre Klasse erst bei einer zweiten Sichtung entfalten kann. In jedem Fall eine weitere interessante Arbeit einer (dienst-)jungen Regisseurin, die im Auge zu behalten sich lohnen dürfte.

Sonntag, 15. Februar 2026

PROMISING YOUNG WOMAN (Emerald Fennell, 2020)

Don't underestimate a girl with a plan!

Emerald Fennells Promising Young Woman ist ein Film, der zweifelfrei als Kind der #MeToo‑Debatte Ende der 2010er Jahre zu erkennen ist. In ihrem Spielfilmdebüt setzt die ehemalige Schauspielerin auf eine schrille Mischung aus Thriller, Satire und Popästhetik. Die Grundidee ist originell und witzig zugleich, die Umsetzung kann aber nicht immer völlig überzeugen. Insbesondere die Szenen, in denen Cassie vorgibt betrunken zu sein und sich von "hilfsbereiten" Männern abschleppen lässt, die natürlich nur Sex mit ihr und ihre scheinbar hilflose Situation ausnutzen wollen, wirken zu konstruiert, um glaubwürdig zu sein. In der Realität wäre die Reaktion der Männer wohl eine andere und Cassie würde mit ihrer Nummer vermutlich nicht immer ungeschoren davon kommen. Und das plötzlich auftauchende Handyvideo der Vergewaltigungsszene von vor sieben Jahren kommt so unverhofft daher wie das Kaninchen aus dem Hut. Letztlich dient es nur dazu, den bis dahin sympathisch wirkenden Ryan, der drauf und dran ist, Cassies Herz zu erobern und sie aus ihrer Lethargie zu reißen, als Beteiligten zu entlarven. Darüber hinaus hat es keine Funktion.

Trotz dieser Taschenspielertricks ist das Ganze sehr spannend und darüber hinaus auch ausgesprochen stylisch inszeniert. Carey Mulligan in der Hauptrolle macht ihre Sache gut und in der letzten halben Stunde spitzen sich die Ereignisse nochmal deutlich zu. Das Ende kommt dann recht unerwartet und setzt einen gelungenen Schlusspunkt. Doch, hat mir gut gefallen.

Mittwoch, 11. Februar 2026

BOOGIE NIGHTS (Paul Thomas Anderson, 1997)

Everyone's blessed with one special thing.

Boogie Nights ist ein höchst unterhaltsames Porträt der goldenen Ära der amerikanischen Pornoszene der späten Siebziger, personifiziert durch den Aufstieg des jungen Eddie mit dem Künstlernamen Dirk Diggler, der über herausragende Steher-Qualitäten verfügt und von Mark Wahlberg perfekt verkörpert wird. Die Rolle scheint ihm wie auf den Leib geschneidert. Der Film wirkt dabei weniger wie ein Milieustück als wie ein Blick in eine Gemeinschaft, die sich selbst als eine bizarr anmutende Familie versteht und in vielen Szenen fühlt man sich tatsächlich wie bei einem schrillen, aber warmherzigen Familientreffen. Anderson enthält sich jeder Wertung bezüglich des Tuns seiner Protagonisten und zeigt sie als eine Gruppe liebenswerter und sympathischer Charaktere, die letztlich alle nur nach Erfolg und persönlichem Glück streben. Die Ausnahme bildet der pädophile Geldgeber "Colonel James", der aus der "Familie" verstoßen wird und im Gefängnis landet, nachdem seine Vorliebe bekannt geworden ist.

Gleich zu Beginn gibt Anderson den Rhythmus vor: die lange Kamerafahrt von der Straße hinein in die Disco führt uns an den wichtigsten Figuren vorbei und bringt sie dem Zuschauer näher. Nicht über Dialoge, sondern über Blicke, Bewegungen, kleine Gesten, Wortfetzen. Eine ähnliche Szene gibt es später nochmal bei der Poolparty. Bemerkenswert ist Andersons großes Interesse für diese Figuren, von denen keine auf ein oberflächlich gezeichnetes Abziehbild reduziert wird. Vielmehr werden sie als liebenswerte Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen, ihren Problemen und Ängsten gezeichnet.

Ein wiederkehrendes Motiv in Andersons Filmen ist das Vater-Sohn-Verhältnis. Nachdem Eddie sich mit seiner Mutter überworfen hat - sein Vater nimmt das Zerwürfnis passiv hin und greift nicht ein - findet er in dem Pornoproduzenten Jack Horner (grandios: Burt Reynolds) eine Art Ersatzvater, der ihn unter seine Fittiche nimmt und ihn zu seinem Hauptdarsteller macht. Reynolds verleiht Jack eine Mischung aus Autorität, Fürsorge und leiser Melancholie, die den Film entscheidend mitprägt. Ohne Zweifel eine der besten Leistungen seiner Karriere. Auch das übrige Ensemble kann mit guten Leistungen überzeugen. Dass mit Nina Hartley und Ron Jeremy zwei reale Größen der damaligen Szene in Nebenrollen auftauchen, verstärkt den Eindruck, in eine Zeit einzutauchen, die Anderson mit viel Gespür rekonstruiert hat. Das Flair der späten Siebziger ist überall spürbar: in der Ausstattung, im Licht, im Rhythmus und nicht zuletzt im großartigen Score, der erheblich zur wunderbar melancholischen Atmosphäre beiträgt.

Boogie Nights ist weniger ein Film über die Pornobranche als solche als vielmehr ein klassischer Ensemble-Film, der - wie auch der nachfolgende Magnolia - über eine ganze Armada an interessanten Figuren verfügt. Ein präzise beobachtetes, warmherziges und leichtfüßiges Zeitporträt, das wunderbar unterhält und die Zeit wie im Flug vergehen lässt.

 

Donnerstag, 5. Februar 2026

MAXXXINE (Ti West, 2024)

I always wanted to be famous.

Nach dem tollen Pearl und dem ordentlichen X war ich gespannt, ob Ti West auch mit dem abschließenden Teil der Reihe würde überzeugen können, doch leider ist MaXXXine eine ziemliche Enttäuschung. 

Die Story ist ebenso banal wie einfallslos. Während Pearl eine schöne Reflexion über Befreiung und die Sehnsucht nach einem besseren Leben war und X zumindest noch als gelungene Texas Chainsaw-Massacre-Hommage durchgeht, bietet MaXXXine nichts, was irgendwie erinnerungswürdig wäre, abgesehen von den zahlreichen Anspielungen und Zitaten diverser Hollywood-Filme respektive -Figuren. Mia Goth müht sich redlich, doch gegen das schwache Drehbuch kommt sie nicht an. Zwar wird - zumindest in der ersten Filmhälfte - ein gewisser Spannungsbogen gehalten, doch insbesondere im letzten Drittel verliert sich der Streifen in einem immer schwächer werdenden Plot, in dessen Mittelpunkt ein Exorzismus steht, um dann in einem ebenso platten wie vorhersehbaren 08/15-Finale zu enden. 

Man muss West allerdings zugute halten, dass das alles recht stylisch inszeniert ist. Der grelle Look in der Ästhetik der 80er-Jahre weiß durchaus zu gefallen, kann aber nicht kaschieren, dass der Film im Kern erstaunlich konventionell bleibt. So bleibt MaXXXine letztlich Stückwerk und eine halbgare Mischung zwischen ironischer Genre-Spielerei und wenig originellem Thriller mit einem unglaubwürdigen Plot. Die beiden Vorgängerfilme hätten einen besseren Abschluss der Reihe verdient gehabt.