Samstag, 18. Oktober 2025

THE ZONE OF INTEREST (Paul Glazer, 2023)

Der Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß lebt mit seiner Familie direkt neben dem Konzentrationslager. Das Grundstück grenzt an die Außenmauer des Lagers. Seine Frau Hedwig hat einen schönen Garten anlegen lassen mit Pavillon, Gewächshaus und Planschbecken und genießt mit den gemeinsamen Kindern das Leben, während direkt nebenan das alltägliche Grauen vonstatten geht.

Die Idee, das Unvorstellbare dadurch zu zeigen, dass man es eben nicht zeigt, ist ein hoch interessanter Ansatz. Bilder aus dem KZ sieht man über die gesamte Spieldauer keine. Außenaufnahmen der Lagermauer oder rauchende Schornsteine bekommt man stattdessen zu Gesicht. Man hört die Geräusche des Lagers, Gespräche, Schreie, vor allem aber viele Laute, die schwer zuzuordnen sind. Die Details bleiben der Phantasie des Zuschauers überlassen. Nicht zu Unrecht hat der Film einen Academy Award für den besten Ton erhalten. Auch die allesamt deutschsprachigen Darsteller lassen nichts anbrennen. Insbesondere Sandra Hüller kann in der Rolle der Hedwig Höß überzeugen. 

Leider steht Glazer sich mit seiner trägen Erzählweise und den oft zu langen Kamera-Einstellungen dabei selbst im Weg. Schon bei Under the Skin wünschte man sich, er möge das Gaspedal zumindest einen Tick weiter durchdrücken und auch hier wirken die einzelnen Szenen doch sehr überdehnt. Wenn andere Regisseure abblenden oder einen Schnitt zur nächsten Szene machen, hält Glazer noch 30 Sekunden drauf, ohne dass etwas Nennenswertes passiert. Im Grunde hat er auch nicht viel zu erzählen. Viele Szenen zeigen belanglose Alltagsaktivitäten, eben das "normale" Leben der Familie Höß. Der Ansatz ist durchaus originell doch leider im Ergebnis auch wenig unterhaltsam. So bleibt unter dem Strich eine interessante Idee, die jedoch - zumindest für meinen Geschmack - nur unzureichend umgesetzt wurde.

Freitag, 10. Oktober 2025

WHITE OLEANDER, Peter Kosminsky, 2002)

She let me go.

Über White Oleander bin ich eher zufällig gestolpert. Sein Thema – ein Coming-of-Age Drama, in dessen Mittelpunkt die junge Astrid steht, die unter ihrer narzisstischen, manipulativen Mutter leidet, die zu allem Überfluss dann auch noch wegen Mordes zu einer langen Haftstrafe verurteilt wird, gehört nicht unbedingt zu den Stoffen, die mich sofort anziehen. Und trotzdem hat mich der Film sträker gepackt, als ich erwartet hätte, was nicht zuletzt an der tollen Leistung Alison Lohmans liegt, die ihre Figur sehr überzeugend spielt. Man versteht sie, man leidet mit ihr mit und begleitet sie auf ihrer Odyssee durch die Institutionen und Pflegefamilien.

Noch beeindruckender ist Michelle Pfeiffer als Astrids Mutter mit einer wahrhaft teuflischen Performance. Ihre Figur ist nicht böse im klassischen Sinn. Einerseits charmant, verletzlich und oberflächlich fürsorglich, aber mit einem starken manipulativen und besitzergreifenden Kern, der sich erst nach und nach zeigt. Genau diese Mischung macht sie so unangenehm faszinierend. Man spürt, warum Astrid so auf sie fixiert ist und warum sie sich gleichzeitig von ihr lösen muss, um frei zu sein.

White Oleander ist kein lauter Film. Vielmehr sind es die vielen starken Momente, die berühren. Ich bin die Sichtung ohne große Erwartungen angegangen und wurde äußerst positiv überrascht. Ein Film, der zeigt, wie schwer es sein kann, zu sich selbst zu finden. Und wie befreiend, wenn es dann funktioniert.