Donnerstag, 8. Januar 2026

PHANTOM THREAD (Paul Thomas Anderson, 2017)

I think it's the expectations and assumptions of others that cause heartache. 

Normalerweise schätze ich Anderson Filme sehr, aber Phantom Thread macht es dem Zuschauer sehr schwer, ihn richtig zu mögen. In Erinnerung wird er vor allem deshalb bleiben, weil es lange Zeit offiziell der letzte Film von Daniel Day-Lewis war, wobei dies inzwischen dadurch überholt ist, dass er im vergangenen Jahr die Hauptrolle im Regidebut seines Sohnes übernommen hat. 

Phantom Thread erzählt die durchaus interessante Geschichte einer kranken Liebe zwischen dem berühmten Modedesigner Reynolds Woodcock und der Kellnerin Alma Elson, die zunächst seine Muse, dann seine Geliebte und schließlich seine Ehefrau wird. Da der hochsensible und feingeistige Reynolds nicht zu der Art von Beziehung fähig ist, die Alma sich wünscht, versucht sie zunächst ihn durch Manipulation zu ändern, kommt dabei aber schnell an ihre Grenzen. Schließlich stößt sie mehr oder weniger zufällig auf eine elegante Möglichkeit, ihn in eine Lage zu versetzen, in der er ihr völlig ausgeliefert ist und sich ihrer Liebe und Fürsorge gar nicht entziehen kann. "I want you flat on your back. Helpless, tender, open with only me to help" sagt sie einmal.

Dies kleidet Anderson in betörend schöne Bilder, die das London der 50er Jahre in all seiner Schönheit auf die Leinwand bringen. Auch darstellerisch gibt es wenig zu meckern. Daniel Day-Lewis ist ohne Zweifel einer der besten Schauspieler seiner Zeit und dominiert jeden Film, in dem er mitspielt. So auch hier. Dagegen kommt Vicky Krieps als Alma naturgemäß nicht an, kann aber dennoch überzeugen, ebenso wie Lesley Manville als Reynolds dominante Schwester Cyril. Natürlich wird auch hier wieder das für Anderson so typische Thema der disfunktionalen Familie behandelt, dieses Mal hauptsächlich in Person von Reynolds verstorbener Mutter. Die Erinnerung an sie lässt ihn nicht los und ohne seine Schwester Cyril, die mit ihm zusammenlebt und alles Wichtige regelt, scheint er kaum lebensfähig zu sein.

Soweit ist das alle stimmig und doch wollte keine richtige Begeisterung bei mir aufkommen, weil alles so furchtbar träge und langatmig erzählt wird. Phantom Thread ist mit einer Spieldauer von etwas mehr als zwei Stunden einer der kürzesten Filme Andersons, wirkt aber deutlich länger als beispielsweise Magnolia, bei dem die drei Stunden wie im Flug vergehen. Als der Abspann lief, fühlte ich mich regelrecht erschöpft. Irgendwie schade, denn die Geschichte ist durchaus interessant und formal gibt es auch nichts zu beanstanden. 

Dienstag, 6. Januar 2026

ONE BATTLE AFTER ANOTHER (Paul Thomas Anderson, 2025)

No more lunatics!

Andersons aktuelles Werk ist eine Mischung aus bissiger Satire und Thriller, in deren Mittelpunkt einmal mehr eine Vater-Kind-Geschichte steht. Meist geht es bei Anderson um eine Vater-Sohn-Beziehung, hier geht es um die Beziehung zwischen einer jungen Frau und ihren beiden Vätern: einmal ihrem leiblichen Vater, von dessen Existenz sie zunächst nichts weiß und ihrem Ziehvater, der sie schon als Säugling unter seine Fittiche genommen hat, in der Meinung, ihr leiblicher Vater zu sein, nachdem ihre Mutter sich aus dem Staub gemacht hatte.

Das Ganze spielt vor dem politischen Hintergrund der Einwanderungsproblematik an der Südgrenze der USA und thematisiert dabei den allgegenwärtigen Kampf zwischen links und rechts ebenso wie den Missbrauch der Staatsgewalt. Und auch wenn diese Themen nach wie vor aktuell sind, hat man den Eindruck, dass sich Anderson dafür nur am Rande interessiert und er dies vielmehr als Aufhänger nutzt, um eine etwas wirre Geschichte um eine linke Terroristengruppe zu erzählen, die in einer nicht genau zu verortenden Zeit Anschläge auf staatliche Institutionen verübt. Die Story basiert zudem lose auf einem mir unbekannten Roman aus den 90er Jahren und ist letztlich ziemlich belanglos. One Battle after another lebt vielmehr von seinem skurrilen Humor und den schrillen Charakteren, wobei Sean Penn den Vogel abschießt. Sein Colonel Steven J. Lockjaw verkommt zu einer reinen Comicfigur, was dem Unterhaltungsfaktor äußerst zuträglich ist. Großartig auch Leonardo DiCaprio in der Rolle des etwas ungeschickten, aber aufopferungsvoll kämpfenden Vaters, der verzweifelt versucht, seine Tochter zu retten.

Während der 2 1/2 Stunden fragt man sich immer wieder, was das Ganze soll, nimmt das bisweilen recht bizarre Geschehen aufgrund des enorm hohen Unterhaltungsfaktors aber dennoch gerne an. Ich habe mich jedenfalls köstlich amüsiert. PTA beweist damit einmal mehr, dass er einer der ganz großen Hollywood-Regisseure ist.