29 September 2007

DELIVERANCE (John Boorman, 1972)

Ja, brat mir einer einen Storch! Da fällt mir neulich im hiesigen Kaufland beim Stöbern im DVD-Wühltisch eine DVD mit dem albernen Titel Beim Sterben ist jeder der Erste für 5,99 in die Finger und ich denke mir, was ist denn das für ein Scheiß? Nie im Leben wäre ich drauf gekommen, dass es sich dabei um Boormans Deliverance handelt, der schon lange auf meiner Watch-Liste steht. Erst durch einen Thread bei cinefacts vor ein paar Tagen wurde mir dies bewusst. Glücklicherweise war gestern noch ein Exemplar der DVD da und so kam ich dann abends endlich in den Genuss, den Film zu sehen. Aber ich frage mich wirklich, warum man so vielen Filmen derart dämliche Titel in Deutschland gibt.

Nun ja, der Film hat jedenfalls meine Erwartungen voll und ganz erfüllt. Unheimlich spannend und in schönen Bildern erzählt, zudem wirkt das Ganze auch recht realistisch. Man kann sich durchaus vorstellen, dass sich die Geschichte so zugetragen haben könnte. Ok, Voights Kletterei an der Felswand ist vielleicht etwas übertrieben, aber ansonsten passt alles. Übrigens erinnerte der Film mich von seiner Machart stark an Walter Hills Southern Comfort und ich bin überzeugt, dass Hill sich hat von Boorman inspirieren lassen. Nach Point Blank ist dies nun schon die zweite Arbeit des Briten, die mir ausgesprochen gut gefallen hat. 

28 September 2007

CARS (John Lasseter, 2006)

Meine Tochter wollte den gestern nochmal sehen und da entschloss ich mich kurzerhand mitzugucken - quasi zur Einstimmung auf den nächste Woche anlaufenden Ratatouille.

Was den Film in erster Linie auszeichnet, sind die vielen liebevollen Details, die witzigen Dialoge und skurrilen Figuren. Der alte Militärjeep, der jeden Morgen die amerikanische Flagge in seinem Garten hisst und dazu bei Marschmusik salutiert, sein Nachbar, der 60er-Jahre-VW-Bus-Hippie, der nur mit Bio-Sprit fährt und Jimmi Hendrix hört, der italienische Reifenhändler Luigi, der fanatischer Ferrari-Fan ist oder die alte vergessliche Ford-Oma Lizzie, Witwe des Gründers von Radiator Springs - einfach köstlich! Cars sprüht nur so vor tollen Einfällen und witzigen Ideen. Da gibt es Fliegen, die sich bei genauerem Hinsehen als Mini-VW-Käfer mit Flügelchen entpuppen oder Traktoren-Kühe, die in einem langen Tross auf die Weide getrieben werden und wenn sie erschreckt werden, nach hinten umfallen und alle vier Reifen von sich strecken. 

Cars ist hier ebenso konsequent wie Monsters Inc.: alles wird in einen Auto-Kosmos eingebettet, bis ins letzte Detail. Abgerundet wird das Ganze schließlich durch eine zwar einfache, aber dennoch mitreißende Story, in der dem arroganten, selbstverliebten Rennauto Lightning McQueen durch einen Zwangsaufenthalt in dem Wüstenkaff Radiator Springs klargemacht wird, dass es neben Autorennen noch andere schöne Dinge im Leben gibt.

Die technische Umsetzung ist wieder einmal atemberaubend. Selbst schwierigste Animationsprozesse wie spritzendes Wasser beim Durchfahren der Regenpfützen oder der sensationelle Wasserfall in den Canyons wurden scheinbar mühelos gemeistert und ließen mich auch dieses Mal wieder mit offenem Mund im Sessel sitzen. Gerade in solchen Szenen zeigt sich, dass Pixar der Konkurrenz meilenweit voraus ist. Zusammen mit Finding Nemo für mich der beste Animationsfilm bisher. 

27 September 2007

BRINGING OUT THE DEAD (Martin Scorsese, 1999)

Normalerweise mag ich Nicolas Cage nicht, aber das hier ist natürlich eine Paraderolle für ihn. Ich kann mir wirklich niemanden vorstellen, der Frank Pierce glaubwürdiger verkörpert hätte. Der übliche Dackelblick wird einfach ergänzt um dicke Augenringe und eine wirre Frisur und fertig ist das perfekte Abbild des ruhelosen Rettungssanitäters, der unter Schlafstörungen leidet, von den Geistern seiner verstorbenen Patienten verfolgt wird und in dem ganzen Elend um ihn herum zu ersticken droht. Die nächtlichen Fahrten durch die Straßen New Yorks sind höchst beeindruckend in Szene gesetzt und vermitteln dem Zuschauer durch die unscharfen, überstrahlenden Lichter die an totale Erschöpfung grenzende Übermüdung des Protagonisten.

Über weite Strecken wirkt Bringing out the Dead wie eine Mischung aus Taxi Driver und After Hours. Letzterer deswegen, weil Pierce ähnlich wie Paul durch das nächtliche New York irrt und dabei von einer bizarren Situation in die nächste gerät. Aus Pierces Sichtweise scheinen alle dem Wahnsinn verfallen zu sein, wobei die Vorfälle – und da unterscheiden sich die beiden Filme – einfach nur den Alltag eines Rettungssanitäters wiederspiegeln und nicht wie eine Anhäufung merkwürdiger Zufälle wirken. Dennoch geben sie dem Film einen deutlich surrealen Anstrich, was sich auch in Pierces Drogentrip in der Wohnung des Dealers manifestiert.

Im Gegensatz zu Travis Bickle in Taxi Driver wird Frank Pierce von dem Wunsch getrieben, anderen Menschen zu helfen, Leben zu retten. Saving someone’s life is like falling in love. The best drug in the world sagt er einmal. Die Tatsache, dass er meist nicht mehr helfen kann, ist der Hauptgrund für seine Probleme. Bickle hingegen würden den ganzen „Abschaum“ am liebsten von der Straße spülen. So gesehen sind also die Parallelen zwischen den beiden Filmen nur oberflächlich, in den Motiven der Protagonisten unterscheiden sie sich grundlegend.

Trotz der traurigen Grundstimmung ist Bringing out the Dead aber auch recht lustig, insbesondere die Szene, in der Pierce dem verhinderten Selbstmörder genaue Anweisungen gibt, wie er sich die Pulsadern aufzuschneiden hat, ihm sein Taschenmesser anbietet und ihn dann zusammenscheißt, weil er nicht den Mut dazu hat, brachte mich zum Lachen. Für den ein oder anderen Schmunzler sorgen auch Pierces Kollegen, die mit ihm unterwegs sind, wobei mir vor allem Tom Sizemore gut gefiel. Patricia Arquette sah ganz anders aus als sonst und anfangs habe ich sie nur an ihrer Stimme erkannt. Erst ein Blick auf die Cover-Rückseite der DVD brachte Gewissheit.

Das Ende fand ich etwas flach, die Art und Weise, wie Pierce plötzlich mit dem Geist des Mädchens spricht und Erlösung findet, erinnerte mich stark an Schumachers Flatliners. Dann liegt er in Marys Armen und kann endlich schlafen, während draußen auf den Straßen der Wahnsinn weitergeht.           

22 September 2007

JAMES-BOND-REIHE #5: YOU ONLY LIVE TWICE (Lewis Gilbert, 1967)

Und noch ein sehr unterhaltsamer Bond, der allerdings das Niveau seiner beiden Vorgänger nicht ganz erreicht. 

Die Locations sind nicht so spektakulär wie bei Thunderball und auch der Titelsong gefällt mir nicht sonderlich. Das Ninja-Trainingslager und die Hochzeitsszene hätte man für meine Begriffe ruhig weglassen können. Dafür ist das Finale in dem Vulkan das bisher beste der Serie. 

Richtig Spaß hat mir auch der Luftkampf mit Little Nellie und den Hubschraubern gemacht. Wesentliche Neuerungen gibt es keine, außer vielleicht, dass Blofeld erstmals als No. 1 in Erscheinung tritt. Ansonsten beschränkte man sich darauf, dass Erfolgsrezept der Vorgänger zu kopieren, und damit kann ich prima leben.

21 September 2007

APOCALYPSE NOW (Francis Ford Coppola, 1979)

The horror... the horror...

Nachdem ich bei der letzten Sichtung die Redux-Fassung gesehen hatte, wählte ich dieses Mal die Kinofassung. Kurioserweise machte DVD Nr. 2 dann mit der Redux-Fassung weiter, obwohl ich auch hier die Kinofassung gewählt hatte (Mastering-Fehler?). So kam ich also in den zweifelhaften Genuss, eine Mischung aus Kinofassung (1. Hälfte) und Redux (2. Hälfte) zu sehen. Zum Ausgleich schaue ich dann vielleicht beim nächsten Mal die 1. Hälfte der Redux-Fassung und die 2. Hälfte des Kino-Cuts... 

Jedenfalls führte mir mein Missgeschick noch deutlicher als bei der letzten Redux-Sichtung vor Augen, dass die Plantagen-Szene ein Fremdkörper ist und den Filmfluss nicht nur merklich hemmt, sondern vor allem auch die bis dahin vorherrrschende bedrohliche Atmosphäre deutlich abkühlt. Damit keine Zweifel aufkommen: die Szene ist wunderschön fotografiert und toll gespielt, aber sie passt einfach nicht zum Rest des Films. Lustigerweise bezeichnet Coppola im Bonus-Material die Redux-Fassung als eine surreale Version des Kino-Cuts und hier führt er als Beleg insbesondere die Plantagenszene ins Feld. Ich bin genau der gegenteiligen Meinung: die Redux-Fassung mit ihren zahlreichen Ergänzungen hat nicht nur weniger Tempo, sondern wirkt auch bodenständiger. Alles in allem hat mich die gestrige Sichtung in meiner Meinung bestärkt, dass die Kinofassung der Redux-Fassung überlegen ist.

Im Gegensatz zur gängigen Meinung sehe ich Apocalypse Now nicht in erster Linie als Kriegsfilm, sondern vielmehr als Reise in den Wahnsinn - eben wie der Titel der Romanvorlage schon sagt: eine Reise ins Herz der Finsternis. Coppola inszenierte diese Reise wie einen schlechten Drogen-Trip, einen surrealen Fiebertraum, in dem die Grenzen zwischen richtig und falsch, zwischen Vernunft und Wahnsinn immer mehr verschwimmen. Charging a man with murder in this place was like handing out speeding tickets in the Indy 500 sagt Willard und trifft dabei den Nagel auf den Kopf. If that's how Kilgore fought the war I began to wonder what they really had against Kurtz. It wasn't just insanity and murder, there was enough of that to go around for everyone. Natürlich merkt Willard sehr bald, dass die Militärführung Kurtz deshalb töten lassen will, weil er nicht das macht, was sie ihm sagen, weil er sich nicht mehr von ihnen kontrollieren lässt. Der beste Dialog des Films kommt dann kurz vor Schluss, als Kurtz Willard nach seinem Auftrag fragt. They told me that you had gone totally insane, and that your methods were unsound sagt er, worauf Kurtz ihn fragt: Are my methods unsound? - I don't see any method at all entgegnet Willard. Eine Aussage, die nicht nur Kurtz‘ Verhalten beschreibt, sondern den gesamten Vietnamkrieg in sieben Worten charakterisiert. 

Apocalypse Now zählt ohne Zweifel zu Coppolas besten Arbeiten und ist ein Film, der mit jeder Sichtung wächst. Der arg strapazierte Begriff "Meisterwerk" ist hier durchaus angebracht.

19 September 2007

JAMES-BOND-REIHE #4: THUNDERBALL (Terence Young, 1965)

Ein weiteres Highlight der Serie, bei dem beinahe alles stimmt: ein erstklassiger Titelsong, wohldosierte Action-Sequenzen, exotische Schauplätze und die atemberaubenden Unterwasseraufnahmen. 

Largos Figur ist ähnlich groß angelegt wie die des Goldfinger, wenn auch Adolfo Celi Gert Fröbe nicht das Wasser reichen kann. Seine Sache macht er trotzdem gut. 

Die zwei Stunden vergingen wie im Flug.

18 September 2007

JAMES-BOND-REIHE #3: GOLDFINGER (Guy Hamilton, 1964)

Do you expect me to talk? - No, Mr. Bond. I expect you to die.

Goldfinger führt eine Reihe von richtungsweisenden Neuerungen für die Serie ein. Zum ersten Mal steht James Bond mit Auric Goldfinger ein echter Gegenspieler gegenüber - hervorragend verkörpert von Gert Fröbe. Dr. No tauchte ja erst kurz vor Schluss auf und von Blofeld kriegt man in From Russia With Love nur die Hände zu sehen. 

Ein Novum auch der mit zahlreichen Gimmicks versehene Aston Martin, der für mich nach wie vor das schönste Bond-Auto ist. Zudem bietet Goldfinger weitaus mehr Action als die beiden Vorgänger, so zum Beispiel eine tolle Verfolgungsjagd in den Schweizer Alpen oder der große Showdown in Fort Knox. Die Story ist natürlich wieder kompletter Schwachsinn, aber das ist ja bei den Bondfilmen eher ein Qualitätsmerkmal als ein Makel. 

Goldfinger ist in jeder Hinsicht der bisherige Höhepunkt der Serie und seit vielen Jahren mein Lieblingsbond. 

16 September 2007

JAMES-BOND-REIHE #1: DR. NO (Terence Young, 1962)

Auftakt meiner kleinen James-Bond-Reihe. 

Dr. No ist nicht nur der erste Bond überhaupt, sondern auch der erste, den ich gesehen habe. Das ist jetzt etwa 25 Jahre her und seitdem habe ich ihn viele Male gesehen. Dürfte wahrscheinlich mein meistgesehener Bond sein. 

Die erste Hälfte des Films gibt ein ordentliches Tempo vor, aber mit der Gefangennahme Bonds verflacht das Geschehen merklich. Der Showdown ist im Vergleich zu den späteren Bonds eher unspektakulär wie überhaupt die letzte halbe Stunde nicht mehr die ganz große Unterhaltung bietet. Die ersten 60 bis 70 Minuten jedoch zählen für mich nach wie vor mit zum Besten, was die Bond-Reihe zu bieten hat. 

Ein besonderes Lob an dieser Stelle an MGM bzw. Lowry Digital für die ausgezeichnete Bildqualität der Ultimate Edition, die einen vergessen lässt, dass der Film schon 45 Jahre auf dem Buckel hat. 

14 September 2007

THE LAST WAVE (Peter Weir, 1977)

A dream is a shadow of something real.

Der Anwalt David Burton übernimmt die Verteidigung von fünf Aborigines, die wegen Totschlags angeklagt sind. Durch den Kontakt mit den Eingeborenen erfährt er nach und nach, was es mit den furchteinflößenden Träumen auf sich hat, die ihn seit einiger Zeit quälen.

Von Beginn an entfaltet der Film eine düstere, unheilvolle Stimmung, der man sich nicht entziehen kann. Schon der sintflutartige Regen zu Beginn aus einem wolkenlosen Himmel heraus lässt nichts Gutes ahnen. Ähnlich wie bei dem brillanten Picnic at Hanging Rock baut Weir mit simplen Mitteln eine immense Spannung auf, die den Zuschauer die ständige Bedrohung spüren lässt, ohne sie greifen zu können. 

Ein entscheidender Faktor ist dabei, dass man als Zuschauer immer auf Augenhöhe mit Burton ist, man hat den gleichen Wissensstand. Als dieser schließlich in der Höhle die Wahrheit erkennt, steht die Apocalypse unmittelbar bevor. Er weiß was geschehen wird, aber er kann es nicht verhindern, genauso wenig wie er den Tod seiner Mutter verhindern konnte, obwohl er ihn vorausgesehen hatte. Ihm wurde die Fähigkeit gegeben, drohendes Unheil vorauszusehen, nicht jedoch die Macht, dieses abzuwenden. Diese Erkenntnis lässt ihn am Ende angesichts der heranrollenden Flutwelle am Strand zusammenbrechen.

Ein weiterer höchst beeindruckender Film von Peter Weir, mit dem er den guten Ruf untermauert, den er bei mir genießt. Außer Green Card (der mich nicht sonderlich interessiert) habe ich nun alle seine Filme gesehen. 

13 September 2007

FEARLESS (Peter Weir, 1993)

Weirs elfter Spielfilm fällt in seine Schwächephase Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre, als er – vermutlich desillusioniert vom finanziellen Reinfall des (hervorragenden) The Mosquito Coast – auf einmal anfing, Filme für ein Massenpublikum zu machen. Nachdem er mit dem unsäglichen Dead Poets Society den absoluten Tiefpunkt erreicht hatte, zeigte er sich mit Fearless wieder auf dem Wege der Besserung. Nachdem ich den Film vor einigen Jahren mal im Fernsehen gesehen hatte, folgte nun die Zweitsichtung auf DVD.

Fearless ist ein guter Film, keine Frage. Handwerklich brillant – alleine die Eröffnungssequenz, wo Jeff Bridges wie in Hypnose durch den Busch schreitet, ein Baby auf dem Arm, einen Jungen an der Hand und eine Reihe Erwachsener, die hinter ihm herlaufen – das hat schon Klasse. Bridges spielt wie immer hervorragend. Mit wenigen Worten und einer ausdrucksstarken Mimik gelingt es ihm, dem Zuschauer einen Eindruck davon zu vermitteln, wie es in seinem Innern aussieht. 

Gestört haben mich jedoch zwei Dinge: zum Einen die übertrieben große Erleichterung Carlas, als sie begreift, dass sie nicht für den Tod ihres Sohnes verantwortlich ist und ihn auch nicht hätte verhindern können. Natürlich ist diese Erkenntnis eine gewisse Erleichterung. Sie ändert aber nichts daran, dass Carla bei dem Absturz íhr einziges Kind verloren hat. Sie sagt dann zwar noch, dass nichts mehr so sein wird wie früher – dennoch fand ich die geradezu euphorische Stimmung den Tatsachen unangemessen. Darüber hinaus stoße ich mich an der die Figur des Anwalts, die derart überzeichnet ist, dass sie zur Karikatur verkommt. Sein Gelaber soll wohl lustig sein, mich hat es nur genervt.

Den positiven Gesamteindruck können diese Mängel allerdings nur unwesentlich schmälern. Fearless zählt für mich zwar nicht zu Weirs besten Filmen, aber sehenswert ist er allemal. 

12 September 2007

TARANTULA (Jack Arnold, 1955)

Das letzte Mal vor etwa 20 Jahren gesehen, hatte ich schon einige Bedenken, inwieweit mich der Film heute noch würde beeindrucken können, aber zu meinem Erstaunen funktioniert Tarantula auch anno 2007 noch gut. Das Monster ist zwar reichlich unscharf und hebt sich damit deutlich von der Umgebung ab, sieht aber ansonsten ganz gut aus und wirkt weitaus realistischer als wenn man für die Realisierung Stop-Motion verwendet hätte. 

Sehr gut gefallen haben mir die Aufnahmen in Professor Deemers Labor, die riesigen Ratten sahen schon sehr echt aus. Die Spieldauer ist leider sehr kurz, vor allem das Ende fällt ziemlich unspektakulär aus. Spannend im eigentlichen Sinne ist Tarantula auch nicht, aber großen Spaß hat er mir trotzdem gemacht.

Wird Zeit, dass ich noch ein paar andere Arnolds aus der Versenkung hole... 

11 September 2007

SLIVER (Phillip Noyce, 1993)

Get a life!

Objektiv betrachtet gibt es vermutlich nicht viel, was man an Sliver gut finden kann. Die Story ist wirr, das Drehbuch schlecht, die Charaktere bleiben nahezu konturenlos und die Darsteller sind bestenfalls durchschnittlich. Man könnte Seiten füllen mit all den Schwächen, die alleine das Drehbuch aufzuweisen hat.

Und dennoch: ich mag den Film. Ich habe ihn 1993 im Kino gesehen, danach ein- oder zweimal im TV und jetzt auf DVD. Und er gefällt mir immer noch, auch wenn ich selbst nicht so genau weiß warum. Für mich funktioniert die halbgare Mischung aus Thriller und schwüler Erotik einfach – egal wie viele Himbeeren Sliver seinerzeit gewonnen hat. Vielleicht sind es gerade die ganzen Unzulänglichkeiten, die dem Film auch einen gewissen Charme verleihen. Wie auch immer – die 100 Minuten vergingen wie im Flug und ich fühlte mich mal wieder gut unterhalten. 

10 September 2007

THE MAN WHO SHOT LIBERTY VALANCE (John Ford, 1962)

Fords Spätwestern gilt gemeinhin als einer der großen Western-Klassiker, aber diesem Anspruch wird er meiner Meinung nach nur begingt gerecht. Zu bieder und vorhersehbar ist das Ganze. 

Bemerkenswert allenfalls wie hier die Legende demontiert wird, ein Thema, das Sergie Leone in den folgenden Jahren - wenn auch aus einer anderen Sichtweise heraus - in seiner Dollar-Trilogie aufgreifen sollte. Stoddards beeindruckende Karriere gründet sich alleine auf den Verdienst, das Städtchen Shinbone von Liberty Valance erlöst zu haben, wobei sich dann am Ende herausstellt, dass er gar nicht derjenige war, der Valance erschossen hat. Doch als der Journalist die Wahrheit erfährt, vernichtet er die Aufzeichnungen und hält lieber an der Legende fest. Genauso wie Fords Western weniger an einer realistischen Darstellung des Westens interessiert waren als vielmehr der Legendenbildung Vorschub leisteten.  

07 September 2007

ZODIAC (David Fincher, 2007)

I Need to know who he is. I need to stand there, I need to look him in the eye and I need to know that it's him.

Nach Paul Verhoeven meldet sich mit David Fincher ein weiterer Lieblingsregisseur nach längerer Schaffenspause zurück. Mit Zodiac greift er ein Thema auf, das er bereits in seinem ersten Meisterwerk Se7en thematisiert hatte, aber seine Herangehensweise in Zodiac unterscheidet sich grundlegend von der in Se7en. Im Mittelpunkt stehen nicht die Taten des Zodiac – diese werden in der ersten halben Stunde relativ zügig abgehandelt – sondern die Besessenheit des Cartoonisten Robert Graysmith den Fall zu lösen, nachdem die Polizei daran nur noch halbherzig interessiert scheint. Graysmith stellt auf eigene Faust Nachforschungen an und ist bereit, alles für die Lösung des Falls zu opfern: seinen Arbeitsplatz, seine Familie. Am Ende ist er überzeugt, den Täter zu kennen. Er sucht ihn an dessen Arbeitsplatz auf, sieht ihm wortlos in die Augen und kann seiner Seele endlich die Erlösung zuteil werden lassen, die er in all den Jahren gesucht hat. Oberflächlich suchte er einen Serienmörder, in Wahrheit jedoch sein Seelenheil, seinen inneren Frieden. Dass der Mörder letztlich nicht überführt werden kann bzw. vor einem geplanten Verhör stirbt, hat für Graysmith wenig Bedeutung und entspricht im Übrigen auch den Fakten des echten Falls.

Überhaupt orientierte sich Fincher eng an den Fakten und inszenierte Zodiac in einem unaufgeregten, halbdokumentarischen Stil. Die Atmosphäre der späten 60er/frühen 70er Jahre zu Beginn wird hervorragend durch die vorherrschenden Gelb- und Brauntöne eingefangen, die nach und nach durch eine natürlichere Farbgebung verdrängt werden, je mehr sich die Zeit der Gegenwart annähert. Auf die für ihn so typischen sensationellen Kamerafahrten, die insbesondere seine beiden letzten Filme auszeichneten, verzichtet Fincher dieses Mal. Im Vergleich zu Fight Club oder Panic Room wirkt die Inszenierung weitaus ruhiger, ja irgenwie altmodisch, wobei ich das keineswegs negativ sondern vielmehr als dem Film dienlich empfunden habe. Einen erheblichen Anteil zum Gelingen des Films steuern die erstklassigen Darsteller bei, wobei vor allem die beiden Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal und Mark Ruffalo zu nennen sind, aber auch Robert Downey Jr. und John Carroll Lynch überzeugen ohne Einschränkung. Während der doch recht stattlichen Spieldauer von fast 160 Minuten kommt nie so etwas wie Langeweile auf.

Mit Zodiac bleibt Fincher seinem (vermutlich nicht beabsichtigten) Rhythmus treu, indem er einem guten Film (Alien3, The Game, Panic Room) immer einen außergewöhnlichen (Se7en, Fight Club, Zodiac) folgen lässt. Bleibt nur zu hoffen, dass er mit dieser Tradition mit seiner nächsten Arbeit bricht und The Curious Case of Benjamin Button nicht nur ein guter Film wird sondern seine nächste Großtat. 

02 September 2007

LA RESA DEI CONTI (Sergio Sollima, 1966)

Bei La resa dei conti, der in Deutschland unter dem eigenartigen Titel "Der Gehetzt der Sierra Madre" veröffentlicht wurde, handelt es sich um einen recht ordentlicher Western, mit dem Sollima auf Leones Spuren wandelt, ohne dessen Klasse zu erreichen. Die deutsche Synchro war eine Zumutung und machte es mir schwer, den Film richtig einzuschätzen. 

Eine echte Bereicherung hingegen war mal wieder der tolle Score von Morricone. Lee van Cleef sehe ich auch gerne, obwohl er mir in der Rolle des Bösen besser gefällt. Hier liefert er sich jedenfalls ein tolles Duell mit Thomas Milian, der den Gejagten Cuchillo als charmantes Schlitzohr verkörpert. So richtig gepackt hat mich der Film trotzdem nicht, wobei ich jetzt nicht genau sagen kann warum. Vielleicht lag's doch an der Synchro.