26 Mai 2008

3:10 TO YUMA (James Mangold, 2007)

Sometimes a man has to be big enough to see how small he is. 

Das Original aus den 50er Jahren kenne ich nicht, gute Voraussetzungen also für ein unbelastetes Filmerlebnis. Und ein Erlebnis wurde es in der Tat, denn Mangold ist ein außerordentlich stimmungsvoller und spannender Western gelungen, der vor allem durch eine ausgeprägte Charakterzeichnung überzeugt und bis in die Nebenrollen ausgezeichnet besetzt ist. Denn neben Russell Crowe und Christian Bale in den Hauptrollen kann auch die zweite Reihe begeistern, beispielsweise Peter Fonda oder der überragende, mir bis dato völlig unbekannte Ben Foster, der mich stellenweise etwas an Klaus Kinski erinnerte. 

Die Story weist deutliche Parallelen zu High Noon auf und ist alles andere als schlüssig, aber der Western ist eines der Genres, die am ehesten auf eine gute Story verzichten können. Lediglich das Ende hat mich etwas enttäuscht, weil es das Bemühen erkennen ließ, den Zuschauer um jeden Preis zu überraschen. Dass einer der beiden Protagonisten sterben würde, war von Anfang an klar, und wer von beiden es sein würde, ahnte ich auch schon früh. Jedoch erschien mir Ben Wades Vorgehen zutiefst irrational und ist mit seinem in zwei Stunden detailliert aufgebauten Charakter nur schwer in Einklang zu bringen. 

Trotz dieses Wermuttropfens eine rundum überzeugende Arbeit von James Mangold, die außer der Frage nach Wades Motiven noch eine weitere offenlässt: wer, zur Hölle, denkt sich immer diese peinlichen deutschen Filmtitel aus?  

SERAPHIM FALLS (David Von Ancken, 2006)

Die beiden Schüsse aus dem Hinterhalt zu Beginn des Films katapultieren den Zuschauer mitten in die Handlung hinein. Es gibt keine Erklärung, keine Vorstellung der handelnden Personen. Man erfährt nur das Nötigste, die Story wird reduziert auf die Flucht eines Mannes vor seinen Verfolgern. Pierce Brosnan rennt durch den Wald wie einst John Rambo anno 1979 und bringt seine Häscher nach und nach zur Strecke. 

Doch je länger ich David von Anckens minimalistische Herangehensweise genoss, desto mehr wuchs in meinem Innern die Befürchtung, dass er das nicht bis zum Ende durchziehen würde, sondern in bester Hollywoodmanier das Kunststück vollbringen würde, den Streifen nach einem so hervorragenden Beginn noch vor die Wand zu setzen. Und tatsächlich: nach der großen Flashback-Szene, in der die Beziehung zwischen Gideon und Carver erklärt wird, war bei mir der Ofen aus. Was folgte, war eine zunehmend langweilige Odyssee zweier Männer, die nicht nur unter der sengenden Sonne, sondern vor allem unter der immer penetranteren Symbolik zusammenzubrechen drohten. 

So bleibt unter dem Strich ein eher zwiespältiger Eindruck nach einer mitreißenden ersten und einer langweiligen, mit Metaphern überladenen zweiten Hälfte.  

18 Mai 2008

FROM HERE TO ETERNITY (Fred Zinnemann, 1953)

Maybe back in the days of the pioneers a man could go his own way, but today you got to play ball.

Fesselndes Liebes-Melodram vor dem Hintergrund des Angriffs der Japaner auf Pearl Harbor. Auffallend ist die detaillierte Charakterzeichnung, an der die allesamt überzeugenden Darsteller einen gehörigen Anteil haben. Erwähnenswert auch das gute Drehbuch, das die beiden parallel erzählten Handlungsstränge gekonnt verknüpft und die Geschichte zu einem konsequenten, passenden Abschluss bringt. 

Von Fred Zinnemann kenne ich bisher leider nur drei Filme (diesen mitgerechnet), und alle drei sind hervorragend. Wird Zeit, sich mal etwas näher mit der Arbeit des Österreichers auseinanderzusetzen...  

15 Mai 2008

QIAN LI ZOU DAN QI/Der einsame Tausendmeilenritt (Zhang Yimou, 2005)

Routinierte Arbeit von Zhang Yimou. Ähnlich wie bei Yi ge dou bu neng shao erzählt er eine sehr einfache Geschichte, deren Verlauf zu großen Teilen vorhersehbar ist. Echte Überraschungen bleiben aus, zumindest wenn man bereits ein paar Filme des großen chinesischen Regisseurs gesehen hat. 

Wie schon bei dem vorgenannten Film verwendete er überwiegend Laiendarsteller, die vollkommen authentisch und natürlich wirken. Bei einem Thema wie diesem ist die Gefahr groß, in rührseligen Kitsch abzugleiten, doch nicht zuletzt dank der tollen Darsteller meistert Zhang die Gratwanderung und liefert einen bewegenden und ehrlichen Film ab.  

05 Mai 2008

AMERICAN GANGSTER (Ridley Scott, 2007)

Nun versucht sich Ridley Scott also auch am Gangsterfilm und bedient sich dabei derart schamlos bei den Größen des Genres, dass einem die Spucke wegbleibt. Ein bisschen French Connection hier, eine Prise Heat da, und natürlich zeigt man sich auch von Goodfellas, The Godfather und Scarface beeinflusst. 

Was aber alle genannten Filme auszeichnet, fehlt American Gangster: eine mitreißende Geschichte, ein authentischer Einblick in die Welt des Verbrechens und interessante Charaktere, die den Zuschauer emotional binden. Nichts davon findet sich bei Scotts Opus. Es ist weder Fisch noch Fleisch, es fehlt die klare Linie. Obwohl man Frank Lucas und Richie Roberts mehr als 2 ½ Stunden lang begleitet, erfährt man nicht viel Wesentliches über sie. Die detaillierte Charakterzeichnung ist Scotts Ding nicht - seine alte Schwäche, die sich wie ein roter Faden durch sein Werk zieht, von wenigen Ausnahmen abgesehen. 

Das wäre nun nicht weiter schlimm, wenn American Gangster sich als actionorientierter Gangsterfilm verstehen würde. Da könnte man vielleicht über die ein oder andere inhaltliche Schwäche hinwegsehen. Stattdessen legt Scott seinen Film als Charakterstudie an, und da schmerzen die vorgenannten Unzulänglichkeiten doch sehr. Von der Tiefe und Klasse eines Heat ist er jedenfalls meilenweit entfernt. Erschwerend hinzu kommt die unglückliche Wahl Denzel Washingtons für die Rolle des Frank Lucas, die ich ihm einfach nicht abnehme. Davon abgesehen warte ich immer noch darauf, dass Washington mal einen richtig guten Film macht.

Doch nicht alles an American Gangster ist schlecht. Die Bilder sind beeindruckend, es gibt einige durchaus gelungene Szenen und Russell Crowe gefällt in der Rolle des (stellenweise etwas überzeichneten) ehrlichen Polizisten, der dadurch zum Außenseiter wird, dass er den zufälligen Fund von einer Million Dollar ordnungsgemäß abliefert, statt sich ein schönes Leben zu machen. 

In seiner Gesamtheit aber ist Scotts erster Versuch im Bereich des Gangsterfilms weder originell noch emotional packend. Ein oberflächliches, schön anzusehendes Stück Hollywood von der Stange, das keine neuen Impulse geben kann.