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Nun versucht sich Ridley Scott also auch am Gangsterfilm und bedient
sich dabei derart schamlos bei den Größen des Genres, dass einem die
Spucke wegbleibt. Ein bisschen
French Connection hier, eine Prise
Heat da, und natürlich zeigt man sich auch von
Goodfellas,
The Godfather und
Scarface beeinflusst.
Was aber alle genannten Filme auszeichnet, fehlt American Gangster:
eine mitreißende Geschichte, ein authentischer Einblick in die Welt des
Verbrechens und interessante Charaktere, die den Zuschauer emotional
binden. Nichts davon findet sich bei Scotts Opus. Es ist weder Fisch
noch Fleisch, es fehlt die klare Linie. Obwohl man Frank Lucas und
Richie Roberts mehr als 2 ½ Stunden lang begleitet, erfährt man nicht
viel Wesentliches über sie. Die detaillierte Charakterzeichnung ist
Scotts Ding nicht - seine alte Schwäche, die sich wie ein roter Faden
durch sein Werk zieht, von wenigen Ausnahmen abgesehen.
Das wäre nun
nicht weiter schlimm, wenn American Gangster sich
als actionorientierter Gangsterfilm verstehen würde. Da könnte man
vielleicht über die ein oder andere inhaltliche Schwäche hinwegsehen.
Stattdessen legt Scott seinen Film als Charakterstudie an, und da
schmerzen die vorgenannten Unzulänglichkeiten doch sehr. Von der Tiefe
und Klasse eines Heat ist er jedenfalls meilenweit
entfernt. Erschwerend hinzu kommt die unglückliche Wahl Denzel
Washingtons für die Rolle des Frank Lucas, die ich ihm einfach nicht
abnehme. Davon abgesehen warte ich immer noch darauf, dass Washington
mal einen richtig guten Film macht.
Doch nicht alles an American Gangster ist schlecht.
Die Bilder sind beeindruckend, es gibt einige durchaus gelungene Szenen
und Russell Crowe gefällt in der Rolle des (stellenweise etwas
überzeichneten) ehrlichen Polizisten, der dadurch zum Außenseiter wird,
dass er den zufälligen Fund von einer Million Dollar ordnungsgemäß
abliefert, statt sich ein schönes Leben zu machen.
In seiner Gesamtheit
aber ist Scotts erster Versuch im Bereich des Gangsterfilms weder
originell noch emotional packend. Ein oberflächliches, schön
anzusehendes Stück Hollywood von der Stange, das keine neuen Impulse
geben kann.