Montag, 28. April 2008

DOCTOR ZHIVAGO (David Lean, 1965)

I hate everything you say, but not enough to kill you for it.

Nach zwei „Männerfilmen" ohne nennenswerte Frauenrollen widmete sich Lean wieder seinem Lieblingsthema - dieses Mal allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Keine Frau zwischen zwei Männern, sondern ein Mann zwischen zwei Frauen. Die Grundlage dafür bildete Boris Pasternaks berühmter Roman, der von Robert Bolt, mit dem Lean schon beim Vorgängerfilm zusammenarbeitete, zu einem kompakten Drehbuch verarbeitet wurde, das Lean anschließend noch um diverse politische Elemente bereinigte. Somit bildete der politische Hintergrund (in diesem Fall die russische Revolution) nur den Rahmen für eine groß angelegte Liebesgeschichte, ein Konzept, das so gut funktionierte, dass Lean es bei den beiden folgenden Filmen wieder anwendete.

Auch wenn Doctor Zhivago nicht ganz die Klasse seiner beiden Vorgänger erreicht, gelang es Lean wieder, eine fesselnde und mitreißende Geschichte zu erzählen, die über die gesamte, sehr stattliche Spieldauer auf hohem Niveau unterhalten kann. Freddie Youngs imposante Bilder, aufwändige Kostüme und Kulissen, für die u. a. zwei komplette Straßenzüge Moskaus in Spanien nachgebaut wurden, eine herausragende internationale Darstellerriege und Maurice Jarres dynamischer Score (sieht man mal von der ständigen Wiederholung des schmalzigen und irgendwie nervigen Lara's Theme ab) ergeben eine großartige Mixtur, die kaum Wünsche offenlässt. Die Rahmenhandlung mit Alec Guinness in der Rolle des Erzählers, der den Zuschauer durch die Handlung führt, wäre entbehrlich gewesen, stört aber auch nicht weiter.

Damit enden meine persönlichen David-Lean-Festspiele. Seine beiden letzten Filme habe ich schon besprochen: Ryan's Daughter und A Passage to India. Es war eine tolle Erfahrung, die Entwicklung eines Regisseurs Stück für Stück in chronologischer Reihenfolge (naja, fast jedenfalls) über die Jahre und Jahrzehnte nachvollziehen zu können, und ich bin froh, dass ich mir dafür gerade den britischen Meisterregisseur ausgesucht habe. Dies war meine erste komplette Werkschau eines Regisseurs und es wird sicher nicht meine letzte bleiben.
  

Montag, 21. April 2008

LAWRENCE OF ARABIA (David Lean, 1962)

Who are you?

Der König der Monumentalfilme. Ein Film, der eine ganze Generation von Filmemachern beeinflusste und heute noch beeinflusst. Stephen Spielberg erklärt im Bonusmaterial, dass er die Szene, in der Ali (Omar Sharif) am Horizont aus der Fata Morgana auftaucht, für die großartigste Filmszene überhaupt hält. Und tatsächlich sind dies die Bilder, die man als erstes vor seinem geistigen Auge sieht, wenn der Name des Films fällt. Zumindest ist es bei mir so.

Aber Lawrence of Arabia ist viel mehr als eine Ansammlung bildgewaltiger Szenen, wobei die atemberaubenden Wüstenaufnahmen natürlich einen gehörigen Anteil der Faszination des Gesamtkunstwerks ausmachen. Ebenso die stimmungsvollen Klänge Maurice Jarres, die sogar die 4½-minütige Ouvertüre mit schwarzem Bildschirm zu einem Genuss werden lassen. Die Wahl des bei Drehbeginn völlig unbekannten Bühnenschauspielers Peter O'Toole für die Hauptrolle erwies sich als Glücksgriff. Sein Lawrence ist kein strahlender Held, sondern ein von innerer Unruhe getriebener Mann, der zwischen zwei Welten hin- und hergerissen ist und dabei seine Identität verliert. Wie sehr häufig bei Lean ist das grundlegende Thema der Konflikt zwischen Herz und Verstand. Lawrences ganze Sympathie gilt der arabischen Sache, er hat sich die Vereinigung der sich untereinander bekämpfenden arabischen Stämme auf die Fahnen geschrieben, ist als britischer Soldat aber auch den Interessen des Vaterlandes verpflichtet. Diese ignoriert er soweit er kann, indem er sich bedingungslos für die Interessen der Araber einsetzt. Dabei erkennt jedoch zunehmend, dass er nur ein Spielball der großen Politik ist, die im Geheimen schon den Nahen Osten zwischen England und Frankreich aufteilt. So ist seine Mission aus verschiedenen Gründen zum Scheitern verurteilt, nicht zuletzt aufgrund der Uneinigkeit der arabischen Führer untereinander.

Auch im Kleinen zeigt sich Lawrences Konflikt: das Töten eines Menschen erfüllt ihn mit Abscheu – aber auch mit Genuss. Anfangs davon erschreckt, weicht seine zunächst gezeigte Gnade dem besiegten Gegner gegenüber immer mehr einem regelrechten Hass auf die Türken – auch befeuert durch die Prügel in türkischer Gefangenschaft – und mündet schließlich im erbarmungslosen Abschlachten einer türkischen Garnison, die sich bereits ergeben hatte. Ein typisches Bild seiner Zerrissenheit ist auch die immer wieder wechselnde Kleidung, das Hin und Her zwischen schlecht sitzender britischer Uniform und blütenweißen arabischen Gewändern.

Am Ende kehrt er zurück nach England, desillusioniert und desorientiert, ein Mensch auf der Flucht vor sich selbst. Diese Flucht endet mit dem tödlichen Motorradunfall, mit dem der Film begann.

Freitag, 18. April 2008

VIVA ZAPATA! (Elia Kazan, 1952)

Kazans Porträt des mexikanischen Revolutionärs Emiliano Zapata beginnt vielversprechend. Doch je länger der Film dauerte, desto mehr langweilte er mich, was in erster Linie auf die zerfahrene Inszenierung zurückzuführen ist. Kazan breitet keine schlüssige Story vor dem Zuschauer aus, sondern bietet eine lose, stellenweise willkürlich wirkende Aneinanderreihung einzelner Szenen, die einfach kein stimmiges Gesamtbild ergeben wollen. Hinzu kommt, dass Kazan den Helden der mexikanischen Revolution derart idealisiert und romantisiert, dass die Grenze des Erträglichen überschritten wird. Sein Zapata ist ein solcher Gutmensch, dass einem beinahe übel wird. 

Dass der Film nicht völlig abschmiert, sondern unter dem Strich doch ganz passabel ist, ist fast ausschließlich den hervorragenden Darstellern zu verdanken, bei denen vor allem Marlon Brando und Anthony Quinn Gala-Vorstellungen abliefern. Aber das ist man bei den beiden ja gewohnt.  

Mittwoch, 9. April 2008

TALES OF TERROR (Roger Corman, 1962)

Für Tales Of Terror verwurstete Roger Corman in Zusammenarbeit mit Richard Matheson gleich fünf Kurzgeschichten Egar Allan Poes, aus denen man drei Erzählungen machte, die mit den ursprünglichen Werken bis auf den Titel nicht mehr allzu viel gemeinsam haben. Das Ergebnis ist von unterschiedlicher Qualität.

„Morella“ ist die erste und zugleich schwächste Geschichte. Mit Poes gleichnamiger Erzählung hat sie nur wenig zu tun, stattdessen wurden vorwiegend Motive aus „Ligeia“ verwendet. Weitaus besser gefällt da schon „The Black Cat“, wo man geschickt die beiden thematisch ähnlichen Geschichten „The Black Cat“ und „The Cask Of Amontillado“ zu einer witzigen und originellen Story zusammenfasste und zudem mit Peter Lorre einen starken Gegenpart zu Vincent Price aufbieten konnte. Letzterer spielt natürlich wieder in allen drei Storys mit und sorgt zudem wie schon bei Twice-Told Tales für den Voice-Over zwischen den einzelnen Erzählungen. „The Facts in the Case of M. Valdemar“ wurde inhaltlich auch ziemlich verunstaltet, gefiel mir aber trotzdem gut, was in erster Linie der herrlich fiesen Performance Basil Rathbones zu verdanken ist. 

Der entscheidende Punkt für das Gelingen von Cormans Film ist jedoch, dass es ihm wieder einmal gelungen ist, mit seinen düsteren, unheilschwangeren Bildern die typische Poe-Atmosphäre einzufangen. Da sieht man über inhaltliche Ungereimtheiten und die fehlende Werkstreue gerne hinweg.

 

Donnerstag, 3. April 2008

TWICE-TOLD TALES (Sidney Salkow, 1963)

In meiner Jugend recht häufig im Fernsehen gesehen, aber im Original-Ton wirken die drei Geschichten gleich nochmal eine ganze Ecke morbider, vor allem Dank Vincent Prices unvergleichlicher Stimme. Wie auch bei allen früheren Sichtungen konnte ich mich lediglich für die beiden ersten Storys erwärmen, die dritte „The House of the seven Gables“ ist erschreckend langweilig und einfallslos. Das machen die ersten beiden aber locker wett, wobei es mir seit jeher „Rappaccini’s Daughter“ am meisten angetan hat. Die Idee ist einfach völlig krank und konsequent umgesetzt - für mich nach wie vor eine der besten Horrorkurzgeschichten überhaupt. 

Insgesamt ein sehr angenehmes Wiedersehen mit einem alten Bekannten.