We've all done terrible things to survive. But don't ever lie to me again.
.png)
Nach seinem letzten Film Master and Commander nahm
sich Peter Weir sieben Jahre Zeit, bevor er die Flucht von sieben
Häftlingen aus einem sibirischen Gulag ins 6.500 km entfernte Indien
verfilmte. Der Wahrheitsgehalt der Romanvorlage des Polen Slawomir
Rawicz ist umstritten, doch scheint zumindest Weir davon überzeugt zu
sein, widmet er seinen Film doch den drei Häftlingen, die 1941 Indien
erreichten. Für das Funktionieren des Films ist die Frage, wieviel von
der Geschichte letztlich wahr ist, nicht von Belang.
In seinen besten Zeiten stand Weir für unkonventionelle Filme, die den
gängigen Hollywood-Konventionen trotzten, auch wenn dies auf seine
Arbeiten ab Ende der 80er Jahre nur noch bedingt zutrifft. Doch schon
mit Master and Commander besann er sich auf alte Tugenden, und The Way back
macht genau da weiter. Die Inszenierung ist betont leise und
zurückhaltend. Abgesehen von der kurzen Ausbruchssequenz aus dem Gulag
gibt es keine Actionszenen, Musik wird nur selten und dosiert
eingesetzt. Gesprochen wird wenig, was die Erschöpfung der Protagonisten
umso greifbarer macht. Der eigentliche Hauptdarsteller jedoch ist die
Natur. Weir zeigt ihre betörende Schönheit in ausladenden Bildern, die
jedoch nicht darüber hinwegtäuschen können, dass sie die einzigen
Gefahrenquellen für die Flüchtlinge bereitstellt. Und hier gibt’s die
volle Breitseite: Kälte und Hitze, Sandsturm und Schneesturm, selbst
Moskitos quälen die Flüchtenden. Hunger und Durst sind ohnehin ständige
Begleiter. Eine der besten Szenen des Films ist jene, in der die
Flüchtlinge die mongolische Grenze überschritten haben, sich zunächst in
Sicherheit wähnen um dann zu erkennen, dass inzwischen auch hier der
Kommunismus Einzug gehalten hat.
Über den Schluss kann man geteilter Meinung sein. Natürlich ist er
kitschig, doch mit fortschreitendem Alter scheint bei mir auch die
Bereitschaft zuzunehmen, mich auf derartige Dinge einzulassen. Vor
zwanzig Jahren hätte ich mich wahrscheinlich geärgert, heute sehe ich
milde darüber hinweg. Vielleicht erste Anzeichen einer einsetzenden
Altersweisheit? Darstellerisch gibt es nichts zu beanstanden, auch wenn
ich ein gewisses Unbehagen im Vorfeld angesichts solcher Namen wie Colin
Farrell und Ed Harris nicht leugnen will. Doch gerade Farrell gefiel
mir ausgesprochen gut in der Rolle des russischen Kriminellen Valka. Da
ist es auch stimmig, dass er, der einzige nicht politische Sträfling und
zudem überzeugter Stalin-Anhänger, an der russisch-mongolischen Grenze
kehrtmacht und in Russland bleibt, auch auf die Gefahr hin, bald wieder
in einem Arbeitslager zu landen.
Mit The Way back ist Weir ein ebenso
leidenschaftliches wie überzeugendes Plädoyer für die Freiheit und gegen
den Kommunismus gelungen, dessen Bildgewalt den Zuschauer die Leiden
der Protagonisten beinahe physisch spüren lässt. Bleibt zu hoffen, dass
sein nächster Film nicht wieder sieben Jahre auf sich warten lässt.