31 Dezember 2007

VIRGINIA CITY (Michael Curtiz, 1940)

Ein klassischer Western mit einem gewohnt charmanten Errol Flynn in der Hauptrolle und Bogart als Anführer einer Banditenhorde. Erwähnenswert sind die gute Story und die souveränen Darstellerleistungen. Nur sind leider klassische Western nicht so mein Ding (von einigen herausragenden Genrevertretern mal abgesehen), so dass sich meine Begeisterung in Grenzen hält. Solide Unterhaltung sicherlich, mehr aber nicht. 

30 Dezember 2007

DARK PASSAGE (Delmer Daves, 1947)

Trotz der arg konstruierten Handlung, die sich bei nüchterner Betrachtung als ziemlicher Unfug erweist, und der klischeehaften Figuren (der unschuldig verurteilte Mörder, der seine Unschuld beweisen will, die aufopferungswillige Frau, die durch das ähnliche Schicksal ihres Vaters geprägt, ihm hilft, der schmierige Kleinganove, der durch Zufall die Chance sieht, eine großen Coup zu landen, etc.) machte mir der Film großen Spaß. 

Denn Regisseur Daves hat den ganzen Unsinn äußerst kurzweilig inszeniert, er beschränkt sich immer auf das Wesentliche, so dass man als Zuschauer ständig am Ball bleibt. Dazu ein glänzend aufgelegter Bogart, der einmal mehr mit seiner Frau Lauren Bacall zusammenfinden darf. Alleine den beiden zuzusehen, sichert dem Film schon die halbe Miete. Zudem ist das alles auch ziemlich spannend, solange man nicht genauer über die Story nachdenkt. Und die Synchro war hier immerhin nicht ganz so schlimm wie bei High Sierra. 

29 Dezember 2007

HIGH SIERRA (Raoul Walsh, 1941)

Ordentlicher Gangsterfilm mit einem gewohnt souveränen Bogart. Allerdings ist der Mittelteil recht zäh geraten, der Nebenplot mit der Operation des Klumpfußes wäre meiner Meinung nach entbehrlich gewesen und zieht das Ganze unnötig in die Länge. Dafür wird man dann mit der fulminanten Verfolgungsjagd am Schluss entschädigt. 

Die Synchro war eine mittlere Zumutung und trübte den Filmspaß doch erheblich. Schade, dass 3Sat bei der tollen Bogart-Reihe nicht die Möglichkeit anbietet, die Filme im O-Ton anzusehen.

28 Dezember 2007

THE BIG SLEEP (Howard Hawks, 1946)

Die von 3Sat über die Weihnachtsfeiertage angesetzte Humphrey-Bogart-Reihe bietet mir eine willkommene Gelegenheit, die ein oder andere Lücke zu schließen und ein paar ungesehene Klassiker mit dem kleinen Großen nachzuholen. Den Auftakt bildete Casablanca, den ich mir geschenkt habe, weil ich die DVD besitze und ihn auch schon mehrfach gesehen habe. Deswegen steige ich mit Hawks The Big Sleep ein.

Ganz ohne Zweifel einer der großen Klassiker des Film Noir. Die Stärken des Films sind seine tolle Atmosphäre und natürlich das überragende Paar Bogart/Bacall. Insbesondere Bacall überzeugt in der Rolle der undurchsichtigen, geheimnisvollen Femme Fatale, die dem kaltschnäuzigen Philip Marlowe den Kopf verdreht. Dabei kommt ihr auch die wirre Story zugute, die einen erheblichen Anteil daran hat, dass man bis zum Schluss nicht weiß, was sie eigentlich antreibt. 

Womit wir auch schon beim großen Schwachpunkt des Films wären: die Story ist dermaßen verworren, dass ich sie auch beim zweiten Gucken (bei der ersten Sichtung während der TV-Ausstrahlung kämpfte ich aufgrund der späten Uhrzeit dauernd mit dem Schlaf, deswegen schaute ich mir die Aufnahme am nächsten Abend nochmal an) nicht richtig verstanden habe. Eine Beurteilung der Dialogqualität fällt mir schwer, weil ich nur die synchronisierte Fassung gesehen habe. Stellenweise klangen die Dialoge etwas holprig, ließen aber dabei aufgrund des unterschwelligen Humors immer Raum für die Hoffnung, dass dies lediglich eine Schwäche der eingedeutschten Fassung ist. Muss mir das Teil bei Gelegenheit mal im O-Ton ansehen. Vielleicht verstehe ich dann auch, wer wen warum erpresst bzw. ermordet hat...

Alles in allem bereitete mir The Big Sleep zwei vergnügliche Stunden mit Bogart und Bacall, ohne jedoch an die Klasse von Bogarts Besten (Casablanca, Treasures of the Sierra Madre) heranzureichen.

25 Dezember 2007

RYAN'S DAUGHTER (David Lean, 1970)

Immer wieder faszinierend zu sehen, wie Lean es schafft, eine im Grunde genommen einfache Geschichte auf epische Größe aufzublasen, wobei das Wort „aufblasen" keineswegs negativ gemeint ist. Im Gegenteil: hätte ein x-beliebiger anderer Regisseur diese doch eher triviale Geschichte verfilmt, wäre vermutlich ein langweiliger, uninteressanter Streifen herausgekommen, ein typischer Frauenfilm. 

Nicht so bei Lean: durch die geschickte Integration eines politischen Hintergrundes und die sprachlos machende Bildsprache schafft er es wie schon bei Doctor Zhivago und später A Passage to India, den Zuschauer unvermittelt in den Film hineinzusaugen und ihn nach dreieinhalb Stunden wieder hochzufrieden zu entlassen. Dabei hat man aber nie das Gefühl, einen politischen Film zu sehen. Lean verliert sein eigentliches Thema nie aus den Augen und setzt den Focus klar auf die mit ihrer Ehe unzufriedene Rosy Ryan, die sexuelle Erfüllung bei dem jungen britischen Major Doryan sucht und findet. Den irischen Osteraufstand nutzt er dabei lediglich als Hintergrund, um seine Figuren und die Geschichte in seinem Kontext zu verorten, ähnlich wie die russische Oktoberrevolution beim Vorgänger. Die größten Schauwerte des Films sind zweifellos die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen der irischen Halbinsel Dingle. Hervorzuheben außerdem die erstklassige Besetzung bis in die Nebenrollen, wobei mich das Wiedersehen mit Trevor Howard besonders gefreut hat.

Auffällig sind die Parallelen zwischen Rosy Ryan und Adela Quested aus Leans letztem Film A Passage to India. Beide sind mit ihren jeweiligen Männern unzufrieden und stürzen sich auf der Suche nach der sexuellen Erfüllung selbst ins Unglück – auf unterschiedliche Weise natürlich. Die Klasse von A Passage to India erreicht Ryan's Daughter dabei nicht ganz, aber die seinerzeit teilweise sehr harschen Kritiken hat der Film nicht verdient. Auch wenn er inzwischen quasi rehabilitiert ist und bei den Liebhabern von Leans Filmen den Status erreicht hat, den er verdient, waren diese völlig überzogenen Kritiken der Grund dafür, dass einer der größten Regisseure, die die Welt je gesehen hat, eine Schaffenspause von fast 14 Jahren einlegte. Und das ist angesichts der Klasse seiner Filme beinahe als tragisch zu bezeichnen. 

21 Dezember 2007

THE ITALIAN JOB ( Peter Collinson, 1969)

Mäßig unterhaltsames Filmchen, dass auf Gedeih und Verderb versucht lustig zu sein, es aber nicht ist. Ich habe jedenfalls kein einziges Mal gelacht. Michael Caine ist erstaunlich unsympathisch und ließ in jungen Jahren das starke Charisma vermissen, das ihn heute auszeichnet. Das fiel mir zwar schon bei dem kürzlich gesichteten Get Carter auf, aber damals schob ich das auf die Synchro, die ich dieses Mal nicht ins Feld führen kann. 

Die eigentlich spektakuläre Flucht mit den Minis wird ihrer Wirkung durch die dämliche Musik und die holprige Inszenierung vollständig beraubt und zieht sich beinahe endlos in die Länge. Lediglich das Ende ist gelungen, ein Cliffhanger im wahrsten Sinne des Wortes, aber retten kann er den Film dann auch nicht mehr. Da war selbst das dürftige 2003er Remake unterhaltsamer. Die DVD ist ein klarer Fall für ebay.  

17 Dezember 2007

THE SHAWSHANK REDEMPTION (Frank Darabont, 1994)

Get busy living, or get busy dying.

Es gibt nicht viele Filme, die ich öfter gesehen habe als Darabonts Adaption der großartigen King-Novelle Rita Hayworth and Shawshank Redemption. Und dennoch ist jede Sichtung immer wieder ein besonderes Erlebnis. 

Darabont ist ein mitreißendes Plädoyer dafür gelungen, dass man die Hoffnung nie aufgeben sollte, egal wie trostlos die eigene Lage auch sein mag. Wie auch bei seiner späteren King-Adaption The Green Mile bleibt er dabei sehr eng an der Vorlage und fängt den Geist der zugrundeliegenden King-Erzählung auf eine Weise ein, die King selbst nicht besser hinbekommen hätte. Und auch wenn er sich am Ende die Freiheit nimmt, über die Vorlage hinauszugehen und die beiden Freunde in Mexiko wieder zusammenzuführen, zeigt er dies dezent genug und völlig frei von Kitsch.

The Shawshank Redemption zählt zu den ganz wenigen Filmen, die nicht den geringsten Makel aufweisen, von vorne bis hinten schlichtweg perfekt sind und auch nach der zehnten Sichtung noch die gleiche Magie entfalten wie bei der ersten. Ein zeitlos schönes Monument gegen die Hoffnungslosigkeit. 

15 Dezember 2007

THE DRIVER (Walter Hill, 1978)

Die Sympathien sind klar verteilt in Walter Hills Großstadtwestern. Auf der einen Seite der ruhige, zurückhaltende, irgendwie sympathische Driver, der jeglichen Schusswaffengebrauch bei der Durchführung seiner Aufträge ablehnt, auf der anderen Seite der asoziale Arschloch-Cop, dem jedes Mittel recht ist, um den Driver hinter Schloss und Riegel zu bringen, und der sogar einen Banküberfall in Auftrag gibt, um seinen Widersacher zu schnappen. 

Die Actionszenen sind recht behäbig inszeniert, wie meist bei Hill, und selbst den Autoverfolgungsjagden wohnt einen gewisse Trägheit inne. Unter dem Strich dennoch eine runde Sache. 

10 Dezember 2007

ALEXANDER - Final Cut (Oliver Stone, 2004)

Conquer your fear, and I promise you, you will conquer death.

Die Kinofassung konnte mich seinerzeit nicht vollends überzeugen, auch wenn sie mir insgesamt recht gut gefallen hatte. An Einzelheiten kann ich mich nicht mehr erinnern, aber ich weiß noch, dass mein Hauptproblem in der nicht erkennbaren Motivation Alexanders für seine beispiellosen Eroberungszüge lag. Diese kam in der Kinofassung nicht richtig zur Geltung, ebenso wie die beinahe unglaublichen kriegerischen Erfolge ein wenig ins Hintertreffen gerieten.

Ganz anders nun der Final Cut (den Director's Cut hatte ich mir in weiser Voraussicht gleich geschenkt): Stone geht viel detaillierter auf die Motive Alexanders ein und verleiht seinem Charakter durch zahlreiche Rückblicke auf dessen Kindheit enorme Tiefe. Er zeichnet Alexander als einen Mann, der ähnlich wie sein Streitross quasi Angst vor seinem eigenen Schatten hat und auf der ständigen Flucht vor sich selbst ist. Diese treibt ihn quer durch Europa bis nach Indien, wo er schließlich nach einer schweren Verwundung die Heimreise antritt. Ob diese Motive Alexanders den historischen Tatsachen entsprechen, sei mal dahingestellt und wird sowieso nie geklärt werden – auf mich wirken sie glaubwürdig. Damit enthält der Final Cut den entscheidenden Mosaikstein, der der Kinofassung fehlte. Und nicht nur dass: die Kampfszenen wirken nun viel realistischer und dynamischer und vermitteln dem Zuschauer ein Gefühl dafür, wie eine solche Schlacht in Wirklichkeit ablief. Dazu gehören auch die zahlreichen blutigen Details, die Stone eingefügt hat, wie abgehackte Gliedmaßen und dergleichen. Ich bin nun wahrlich kein Gorefreak, aber das viele zusätzliche Blut gibt den Kämpfen die Härte und Brutalität, die die Kinofassung vermissen ließ.

Gut gefiel mir auch der neue dramaturgische Aufbau. Stone erzählt Alexanders Leben in nichtchronologischer Reihenfolge und wechselt ständig in der Zeit hin- und her, ohne dass dies übermäßig konstruiert wirkt. Die Sets sind teilweise atemberaubend schön, insbesondere Babylon ist hervorragend gelungen und lässt erkennen, wofür die 160 Mio, die der Film gekostet hat, verwendet wurden. Makellos ist der Final Cut zwar immer noch nicht, denn mit Angelina Jolie in der Rolle der Olympia kann ich mich nach wie vor nicht anfreunden und auch das geschwätzige Ende wäre entbehrlich gewesen. Ich hätte den Abspann direkt nach der Sterbeszene Alexanders gestartet, mit dem Zerbrechen des Siegelrings. Aber das sind angesichts der Stärken des Gesamtwerks eher Kleinigkeiten, die den rundum positiven Eindruck nicht nachhaltig trüben können.

Alexander der Große war einer der größten Feldherrn aller Zeiten. Wirkte er in der Kinofassung eher wie ein starker, aber historisch völlig unbedeutender Kriegsfürst, ist es Stone nun mit dem Final Cut gelungen, dem Zuschauer diese Größe Alexanders auch in Bildern zu vermitteln. Ein mitreißendes Filmerlebnis, dass trotz der stattlichen Spieldauer von 3 ½ Stunden keine Minute langweilig wird. 

07 Dezember 2007

DRACULA: PRINCE OF DARKNESS (Terence Fisher, 1966)

Die offizielle Fortsetzung von Dracula aus dem Jahr 1958  nimmt sich viel Zeit mit der Einführung der Charaktere und setzt zunächst mehr auf den Aufbau einer dichten Atmosphäre als auf Schockeffekte. So dauert es mehr als 45 Minuten bis Dracula zum ersten Mal erscheint. 

Dies gereicht dem Film aber keineswegs zum Nachteil, sondern bietet dem Zuschauer eine hervorragende Identifikationsmöglichkeit mit den beiden Paaren, die leichtsinnigerweise trotz vorheriger Warnung auf Draculas Schloss übernachten. Auch das Fehlen von Peter Cushing macht sich nicht negativ bemerkbar, auch wenn sein Quasi-Ersatz Andrew Keir in der Rolle des Father Sandor dessen überwältigende Ausstrahlung vermissen lässt. Seine Sache macht er dennoch gut. 

Draculas Auferstehung schließlich ist für die damalige Zeit recht effektiv in Szene gesetzt und sorgt dann letztlich doch noch für den wohligen Schauer, der sich bei jedem Terence-Fisher-Film früher oder später einstellt. Eine rundum gelungene Fortsetzung also, bei der alles richtig gemacht wurde. 

03 Dezember 2007

MIAMI VICE (Michael Mann, 2006)

Gefiel mir etwas besser als bei der Erstsichtung, dennoch ist Miami Vice nur wenig mehr als ein solider Cop-Thriller. Von Michael Mann erwarte ich immer das Besondere, das Außergewöhnliche, und besonders oder gar außergewöhnlich ist hier nicht viel. 

Manns Stil ist zwar unverkennbar, audiovisuell ist der Film wieder einmal ein Genuss. Die Story dagegen ist typische US-Standardware, schon hundertmal gesehen, die Charaktere sind stereotyp und flach, die Darsteller solide, aber nicht herausragend. Als Film an sich ok, als Michael-Mann-Film doch eher enttäuschend. 

25 November 2007

DEATH PROOF (Quentin Tarantino, 2007)

You'll crack my back. You'll give me foot massages. And after I shower, you put moisturizer on my butt.

Viele Frauenfüße gibt es hier zu sehen, meist in Großaufnahme. Und ein paar Ärsche auch. Tarantino frönt seinem Fuß-Fetisch in seinem neuesten Werk in bisher noch nicht gesehener Hemmungslosigkeit. Insbesondere Sydney Poitier macht dabei eine gute Figur. Aber auch darüber hinaus trifft Tarantino bei mir wieder voll ins Schwarze. Ist der Beginn noch etwas verhalten, weil die Gespräche der Mädels mich nicht so richtig packen, nimmt der Film dann nach dem Lap-Dance doch ordentlich Fahrt auf. Kurt Russell merkt man seine Freude, noch einmal eine größere Rolle spielen zu können, deutlich an und die Mädels in der zweiten Hälfte gefielen mir sowieso viel besser.

Eine echte Entdeckung ist Zoe Bell, die sich hier selbst spielt und dabei unter Beweis stellt, dass sie nicht nur eine gute Stuntfrau sondern auch eine brauchbare Schauspielerin mit starker Ausstrahlung ist. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass ein neuseeländischer Akzent auch eine erotisierende Wirkung haben kann.

Death Proof ist nicht nur wieder mit Filmzitaten gespickt, sondern auch selbstreferenziell bis zum Abwinken. Ob Big-Kahuna-Burger, Red-Apple-Zigaretten, der Twisted-Nerve-Klingelton oder der obligatorische Shot aus dem Innern eines Kofferraums: Kenner der Tarantinofilme schmunzeln wissend vor sich hin. Und auch das nunmehr dritte Auftauchen des Texas Rangers Earl McGraw (Michael Parks) deutet darauf hin, dass Tarantino sich zunehmend sein eigenes Filmuniversum schafft, wobei Parks Auftritt dieses Mal nicht ganz so unterhaltsam ist wie in Kill Bill. Dennoch immer wieder ein Genuss ihm zuzusehen und vor allem zuzuhören mit seiner unnachahmlichen Art zu sprechen.

Die große Verfolgungsjagd im letzten Drittel ist derart mitreißend inszeniert, dass man sie getrost auf eine Stufe mit den ganz großen Autorennen der Filmgeschichte stellen kann, was ja auch das erklärte Ziel des Meisters war, wie er im Interview auf der DVD erklärt. Ach ja, noch was: ich hatte ganz vergessen, wie schön stylisch das Rauchen einer Zigarette in Schwarzweiß sein kann. 

21 November 2007

PLANET OF THE APES (Tim Burton, 2001)

Get your stinking hands off me, you damn dirty human!

Tim Burtons Affenfilm genießt ja keinen sonderlich guten Ruf, und auch an der imdb-Note von 5,5 (die mit Abstand schlechteste eines Burtonfilms) lässt sich diese Geringschätzung ablesen. Das ist sicherlich nachvollziehbar, wenn man Burtons Version mit der von Schaffner vergleicht, denn hier zieht Burton eindeutig den Kürzeren. Dabei wird aber häufig übersehen, dass Burton ausdrücklich kein Remake des Schaffnerfilms machen wollte, sondern eine Neuinterpretation von Boulles Roman. Vergleicht man die beiden Filme, muss man zwangsläufig enttäuscht werden, denn Burton legt den Schwerpunkt auf eine actiongetriebene Story, während Schaffners Film weitaus philosophischer und gesellschaftskritischer daherkommt. Da ich bei meiner Erstsichtung im Kino im Jahre 2001 das „Original“ nicht kannte, hatte ich damals keine Vergleichsmöglichkeit, aber auch bei der Zweitsichtung gestern (inzwischen habe ich Schaffners Film zweimal gesehen) hatte ich nicht das Bedürfnis, die beiden Filme gegeneinander aufzurechnen. Dafür sind sie in ihrem Ansatz zu unterschiedlich.

Betrachtet man also Burtons Planet of the Apes losgelöst von all dem, offenbart er doch eine Reihe von Qualitäten. Da ist zunächst einmal die Story, die ungeachtet einiger Logiklöcher über die gesamte Spielzeit zu fesseln weiß. Die Actionszenen sind gut inszeniert und wirken nie selbstzweckhaft. Die Darsteller agieren größtenteils überzeugend, die Masken sind hervorragend und die immer wieder – trotz eines im allgemeinen menschlichen Verhaltens – durchscheinenden affentypischen Eigenarten sorgen für die notwendige Glaubwürdigkeit. Philosophische Fragen werden zwar aufgeworfen, meist aber nur oberflächlich behandelt. Burton beschränkt sich darauf, eine Gesellschaft mit vertauschten Rollen zu zeigen, in der Menschen als Sklaven oder Haustiere für Kinder gehalten werden. Absolut gelungen ist auch der Twist am Ende, in dem viele Kritiker merkwürdigerweise einen Hinweis auf eine mögliche Fortsetzung sehen, was ich allerdings überhaupt nicht nachvollziehen kann. Einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Films liefert Burtons Hauskomponist Danny Elfman mit einem guten, dynamischen Score.

Neben so viel Licht gibt es aber auch eine Menge Schatten. Helena Bonham Carter, die ich normalerweise sehr schätze, ging mir tierisch auf den Senkel in der Rolle der verständnisvollen Affenfrau Ari, die sich mit an Selbstaufgabe grenzender Hingabe für die Rechte der unterdrückten Menschen einsetzt. Ihr Charakter ist nicht nur vollkommen unglaubwürdig, sondern nervt in etwa so wie die Ökos im Strickpulli und mit dem „Atomkraft – nein danke“-Aufkleber auf dem Schulranzen in der siebten Klasse während meiner Schulzeit. Der Sklavenhändler Limbo (Paul Giamatti), der für die witzigen Momente sorgen soll, fällt vorwiegend mit flachen Sprüchen auf, wobei generell anzumerken ist, dass der Humor meist über Slapstick-Niveau nicht hinauskommt. Und Estella Warren sieht zwar ganz süß aus, ihre Rolle ist jedoch komplett überflüssig. Wahrscheinlich durfte sie nur mitmachen, weil die Produzenten ein leicht bekleidetes Mädel dabei haben wollten.

Dennoch: unter dem Strich bietet Planet of the Apes zwei Stunden gute Unterhaltung. Sicher nicht Burtons Bester, aber so schlecht, wie er oft geredet wird, ist er wirklich nicht. 

19 November 2007

DA HONG DENG LONG GAO GOA GUA/Rote Laterne (Zhang Yimou, 1991)

Schon die Eröffnungsszene ist bedrückend. Man sieht Songlian (Gong Li) in Großaufnahme, während sie mit ihrer Mutter im Off spricht. Ich werde heiraten, sagt sie. Einen reichen Mann. Ganz langsam rollt eine Träne ihre Wangen hinab.

Kurz nach ihrer Ankunft im neuen Zuhause gerät sie schon mit ihrer Dienerin aneinander. Die Atmosphäre am Hof ist geprägt von Neid, Eifersucht und Misstrauen, nicht nur der vier Ehefrauen untereinander sondern auch teilweise den Bediensteten gegenüber. Interessant dabei ist, dass keine der handelnden Personen richtig unsympathisch ist, irgendwie kann man alle mehr oder minder verstehen. Selbst der Herr des Hauses, den man immer nur in der Totalen oder im Halbdunkeln zu Gesicht bekommt, scheint kein schlechter Mensch zu sein - erst später stellt sich heraus, dass er zum kaltblütigen Mörder werden kann. Überhaupt scheint zu Beginn alles anders zu sein als es tatsächlich ist. Herrin Nr. 2 kümmert sich beinahe rührend um Songlian, ist dabei aber die größte Intrigantin am Hof und schadet ihr im Hintergrund wo sie kann, während Herrin Nr. 3 ihr sehr abweisend aber immerhin ehrlich gegenübertritt. Gonglian ist zwar unglücklich, scheint aber anfangs durchaus in der Lage, das böse Spiel mitzuspielen. Sie kontert geschickt die Anfeindungen durch Herrin Nr. 3 und entledigt sich auf recht elegante Weise ihrer ungeliebten Dienerin. Erst als sie die wahre Natur der Herrin Nr. 2 enttarnt, beginnt sich das Blatt zu wenden, und Gonglian muss auf schmerzhafte Weise erkennen, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, mit den Gegebenheiten am Hofe umzugehen: sie stillschweigend zu ertragen und souverän über den Dingen zu stehen wie Herrin Nr. 1 oder dagegen anzukämpfen und früher oder später daran zugrundezugehen, sei es wie Herrin Nr. 3 durch den Tod oder eben den Verlust der Realität und das Abdriften in den Wahnsinn.

Zhang Yimou schildert dies alles in ruhigen, fast statischen Bildern. Es gibt wenig Bewegung und die Tatsache, dass der komplette Film in der herrschaftlichen Anlage spielt, verleiht ihm dem Charakter eines Bühnenstücks. Dabei verlässt sich Zhang neben den wunderschönen Aufnahmen der verschiedenen Hofbereiche voll auf seine in allen Belangen überzeugenden Darsteller. Von seiner Machart ist Rote Laterne seinem aktuellen Film Curse of the golden Flower nicht unähnlich, auch wenn Ersterer weitaus zurückhaltender in Szene gesetzt wurde und mir auch insgesamt ein wenig besser gefällt.

Ein formal sehr schöner, aber auch bedrückender Film. Die DVD wandert auf meine Kaufliste. 

18 November 2007

THE NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS (Henry Selick, 1993)

Ein toll gemachtes Puppenmusical mit irrwitzigen Dialogen, skurrilen Figuren und faszinierendem Detailreichtum. Obwohl Tim Burton nicht Regie geführt hat, ist sein Einfluss an allen Ecken und Enden spürbar. Danny Elfmans Score ist phänomenal, die musikalischen Darbietungen phantastisch und obendrein leiht er noch der Figur des Jack Skellington seine Stimme während dessen Gesangspassagen.  Witzig auch die zahlreichen Anspielungen auf die früheren Burton-Filme. 

Ein rundum gelungener Spaß, der zwar etwas kurz geraten ist, dafür aber eine solche Fülle an Ideen und Gags in sich vereint, wie viele andere Filme sie in der doppelten Zeit nicht bieten.            

15 November 2007

GET CARTER (Mike Hodges, 1971)

Ich weiß jetzt gar nicht so recht, was ich zu dem Film schreiben soll. Die Rahmenbedingungen stimmten eigentlich: passable Rachestory, ansehnlicher Cast und mit Newcastle ein richtiges Drecksloch als eher ungewöhnliches Setting. 

Dennoch konnte mich der Film zu keiner Zeit fesseln, und so machte sich schnell Langweile breit. Außerdem hatte ich Probleme, die ganzen Personen auseinanderzuhalten, aber das ist vermutlich der leichten Müdigkeit geschuldet, die mich während der Sichtung heimsuchte. Und der Film selbst konnte leider nichts dazu beitragen, diese Müdigkeit zu vertreiben. Vielleicht lag es daran, dass ausnahmslos alle Figuren völlig unsympathisch rüberkommen, auch mit Michael Caine konnte ich mich nicht identifizieren, und so wurde es mir mit zunehmender Spieldauer immer gleichgültiger, wer denn nun seinen Bruder ermordet hat. 

Erwähnenswert lediglich die für die damalige Zeit recht krassen Gewalt- und Sexszenen sowie der gelungene Schluss, den ich so nicht erwartet hatte.

14 November 2007

A STREETCAR NAMED DESIRE (Elia Kazan, 1951)

Auf diesen Film war ich mächtig gespannt, konnte mich doch das Duo Kazan/Brando schon mit dem einige Jahre später entstandenen meisterhaften On the Waterfront begeistern. Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch, aber Kazans Filmadaption des Bühnenstücks von Tennessee Williams erwies sich am Ende als eher zweifelhaftes Vergnügen.

Von Beginn an merkt man, dass es sich um die Umsetzung eines Bühnenstücks handelt, selbst wenn man es vorher nicht wusste. Abgesehen von der Ankunft DuBois in New Orleans spielt der komplette Film an einem einzigen Set. Dies muss nun nichts Schlechtes sein, wie u.a. Hitchcocks Rear Window demonstriert. Erschwerend hinzu kommt aber hier – und das ist es, was mir den Filmgenuss letztlich doch arg verleidete – dass praktisch die gesamte Handlung sich auf die Person der Blanche DuBois konzentriert, die von einer völlig überforderten Vivien Leigh verkörpert wird. Zu keinem Zeitpunkt nahm ich ihr die psychisch Kranke ab, sondern sah in ihr ständig die Schauspielerin, die krampfhaft versucht, eine Psychopathin zu spielen, dabei jedoch auf der ganzen Linie scheitert. Ihre theatralischen Gesten und gestelzt vorgetragenen Dialogpassagen sind für sich alleine schon schlimm genug, aber gerade in den gemeinsamen Szenen mit Brando wird sie von diesem derart gnadenlos an die Wand gespielt, dass es nicht mehr feierlich ist. Zwar bekleckern sich auch Kim Hunter und Karl Malden nicht gerade mit Ruhm, wirken aber zumindest noch einigermaßen glaubhaft. Umso mehr glänzt Brando, der den Film im Alleingang vor dem Untergang rettet und wieder einmal beweist, dass er einer der Größten seiner Zunft war.

Die Story ist an sich recht interessant und die Tatsache, dass die Wahrheit um den Charakter der Blanche DuBois im Verlauf der knapp 2 Stunden scheibchenweise enthüllt wird, hält den Zuschauer zumindest bei der Stange, aber all die guten Ansätze werden durch Leighs unterirdische Performance zunichte gemacht. Dass sie für diese erbärmliche Leistung auch noch einen Oscar bekommen hat, ist unfassbar.

11 November 2007

DEMENTIA 13 (Francis Ford Coppola, 1963)

Coppolas Debut, von Roger Corman produziert und am Set von The Young Racers entstanden, atmet mehr den Geist seines Produzenten als den seines Regisseurs. Eigentlich ein typischer Hammerfilm mit den üblichen Zutaten, der mit den späteren Arbeiten Coppolas nicht viel gemein hat. 

Dementia 13 punktet vor allem mit der durchweg düsteren, unheilschwangeren Atmosphäre, die von der fürchterlichen Bildqualität der mir vorliegenden UK-DVD noch unterstützt wurde. Zum Glück war die Tonqualität der Dialoge immerhin gut genug, um der Handlung problemlos folgen zu können. Die Story wurde meines Wissens von Coppola selbst geschrieben und ist recht brauchbar, bewegt sich dabei natürlich streng innerhalb der Genre-Grenzen. 

Wenn man dem Film etwas vorwerfen kann, dann sicherlich dass er etwas zu durchsichtig ist, denn man ahnt schon sehr früh, wer hinter allem steckt. Das tut dem Vergnügen aber keinen Abbruch und auch dank der kurzen Spielzeit von knapp 75 Minuten weiß Dementia 13 durchgehend gut zu unterhalten. Doch, hat mir eigentlich ganz gut gefallen. 

02 November 2007

SIN CITY (Robert Rodriguez, 2005)

Schon bei meiner Erstsichtung konnte mich Rodriguez Comic-Adaption nicht vollends überzeugen und gestern erging es mir nicht anders. 

Anfangs wird man von der phantastischen Optik fast erschlagen, rein formal ist Sin City natürlich über jeden Zweifel erhaben. Man kann gar nicht genug bekommen von diesem stilistischen Overkill und sitzt völlig gebannt vor dem Schirm. Doch leider stellt sich recht bald Ernüchterung ein, die in dem Maße zunimmt, in dem man erkennt, dass der Inhalt nicht halten kann, was die Verpackung verspricht. Die 3 ½ Storys sind ebenso banal wie belanglos und sorgen (zumindest bei mir) dafür, dass die anfängliche Begeisterung zunehmend in Langeweile umschlägt, hat man sich erstmal an der ungewöhnlichen Optik sattgesehen. Daran ändert auch die Vielzahl hochkarätiger Darsteller nichts, die sich hier ein Stelldichein gibt. 

Sin City ist ein riesiger Haufen Luft, die sich nach dem Auspacken erstaunlich schnell verflüchtigt. Bei der Verpackung aber hat Rodriguez wirklich ganze Arbeit geleistet, das muss man ihm lassen.

 

21 September 2007

APOCALYPSE NOW (Francis Ford Coppola, 1979)

The horror... the horror...

Nachdem ich bei der letzten Sichtung die Redux-Fassung gesehen hatte, wählte ich dieses Mal die Kinofassung. Kurioserweise machte DVD Nr. 2 dann mit der Redux-Fassung weiter, obwohl ich auch hier die Kinofassung gewählt hatte (Mastering-Fehler?). So kam ich also in den zweifelhaften Genuss, eine Mischung aus Kinofassung (1. Hälfte) und Redux (2. Hälfte) zu sehen. Zum Ausgleich schaue ich dann vielleicht beim nächsten Mal die 1. Hälfte der Redux-Fassung und die 2. Hälfte des Kino-Cuts... 

Jedenfalls führte mir mein Missgeschick noch deutlicher als bei der letzten Redux-Sichtung vor Augen, dass die Plantagen-Szene ein Fremdkörper ist und den Filmfluss nicht nur merklich hemmt, sondern vor allem auch die bis dahin vorherrrschende bedrohliche Atmosphäre deutlich abkühlt. Damit keine Zweifel aufkommen: die Szene ist wunderschön fotografiert und toll gespielt, aber sie passt einfach nicht zum Rest des Films. Lustigerweise bezeichnet Coppola im Bonus-Material die Redux-Fassung als eine surreale Version des Kino-Cuts und hier führt er als Beleg insbesondere die Plantagenszene ins Feld. Ich bin genau der gegenteiligen Meinung: die Redux-Fassung mit ihren zahlreichen Ergänzungen hat nicht nur weniger Tempo, sondern wirkt auch bodenständiger. Alles in allem hat mich die gestrige Sichtung in meiner Meinung bestärkt, dass die Kinofassung der Redux-Fassung überlegen ist.

Im Gegensatz zur gängigen Meinung sehe ich Apocalypse Now nicht in erster Linie als Kriegsfilm, sondern vielmehr als Reise in den Wahnsinn - eben wie der Titel der Romanvorlage schon sagt: eine Reise ins Herz der Finsternis. Coppola inszenierte diese Reise wie einen schlechten Drogen-Trip, einen surrealen Fiebertraum, in dem die Grenzen zwischen richtig und falsch, zwischen Vernunft und Wahnsinn immer mehr verschwimmen. Charging a man with murder in this place was like handing out speeding tickets in the Indy 500 sagt Willard und trifft dabei den Nagel auf den Kopf. If that's how Kilgore fought the war I began to wonder what they really had against Kurtz. It wasn't just insanity and murder, there was enough of that to go around for everyone. Natürlich merkt Willard sehr bald, dass die Militärführung Kurtz deshalb töten lassen will, weil er nicht das macht, was sie ihm sagen, weil er sich nicht mehr von ihnen kontrollieren lässt. Der beste Dialog des Films kommt dann kurz vor Schluss, als Kurtz Willard nach seinem Auftrag fragt. They told me that you had gone totally insane, and that your methods were unsound sagt er, worauf Kurtz ihn fragt: Are my methods unsound? - I don't see any method at all entgegnet Willard. Eine Aussage, die nicht nur Kurtz‘ Verhalten beschreibt, sondern den gesamten Vietnamkrieg in sieben Worten charakterisiert. 

Apocalypse Now zählt ohne Zweifel zu Coppolas besten Arbeiten und ist ein Film, der mit jeder Sichtung wächst. Der arg strapazierte Begriff "Meisterwerk" ist hier durchaus angebracht.

21 August 2007

TUCKER: THE MAN AND HIS DREAM (Francis Ford Coppola, 1988)

The car of tomorrow... today.

Coppola setzte seine persönliche Faszination für den legendären 1948 Tucker Sedan (Coppola hatte ebenso wie Produzent George Lucas bei Drehbeginn noch zwei Exemplare in seinem Besitz – wie das heute aussieht, weiß ich leider nicht) in Anlehnung an den 1948er Werbefilm für das Auto Tucker: The man and his car um und nutzte sogar eine leichte Abwandlung des Titels für seinen eigenen Film. Dem entsprechend wirkt Tucker (der Film) speziell zu Beginn wie ein Werbefilm, und auch im späteren Verlauf werden immer wieder aus dem Off gesprochene Passagen in typischer Verkäufermanier eingefügt. Ergänzt wird dies durch eine leicht theatralische Darbietung der Schauspieler, insbesondere Jeff Bridges spielt wie ein Darsteller auf einer Theaterbühne. Überhaupt ist es in erster Linie der brillanten Leistung von Bridges zu verdanken, dass der Film so gut funktioniert, denn er spielt den Idealisten Preston Tucker mit einer solchen Hingabe und Begeisterung, dass man als Zuschauer am liebsten selbst mitanpacken würde, damit das Auto schneller fertig wird. Beeindruckend zu sehen, wie weit Tucker damals seiner Zeit voraus war und wie er die zahlreichen Probleme, die sich ihm in den Weg stellten und den immensen zeitlichen Druck meisterte.

Coppola hält sich weitgehend an die tatsächlichen Geschehnisse, nimmt sich jedoch gegen Ende auch einige dramaturgische Freiheiten. Wenn man sich den oben bereits erwähnten Werbefilm ansieht, der auf der hervorragenden DVD von Paramount als Bonus enthalten ist, merkt man wie detailversessen Coppola gearbeitet hat. Die Szene, in der der Proto-Typ des Tucker der Öffentlichkeit vorgestellt wird, ist beinahe eine exakte Kopie der echten Szene, inklusive der unfreiwilligen Champagnerdusche.

Tucker ist ein mitreißender, wunderschön fotografierter Film über den visionären Autobauer, dessen Ideen damals revolutionär waren und heute Standard in jedem Auto sind (Sicherheitsgurte, Scheibenbremsen, Benzineinspritzung, etc.). Besonders ergreifend fand ich sein Plädoyer am Ende der Gerichtsverhandlung, wo er es mit nur wenigen Sätzen schafft, den ganzen Saal für sich einzunehmen.  

22 Juli 2007

RUMBLE FISH (Francis Ford Coppola, 1983)

Blind terror in a fight can easily pass for courage.

Zweifellos einer der experimentellsten Coppola-Filme. Komplett in schwarzweiß gehalten, als visuelle Umsetzung der Farbenblindheit des Motorcycle Boy. Nur die siamesischen Kampffische werden rot und blau dargestellt. 

Die Story um den orientierungslosen Rusty James und seinen von ihm nahezu vergötterten Bruder Motorcycle Boy ist eigentlich nichts Außergewöhnliches, und sie ist im Grunde genommen auch nicht wichtig. Weitaus interessanter sind stilistischen Mittel, derer sich Coppola bedient, und die Rumble Fish recht deutlich von seinem übrigen Schaffen abgrenzen. Es gibt viele schräge Kamerawinkel, sowie zahlreiche Aufnahmen aus der Frosch- oder Vogelperspektive. Das Motiv der im Zeitraffer über den Himmel jagenden Wolken taucht immer wieder auf, ebenso die häufigen Close-Ups auf Uhren. Auch der Score von Stewart Copeland ist ziemlich abgefahren. Neben seiner Farbenblindheit hat der Motorycle Boy auch ein Problem mit dem Hören, was Coppola immer wieder zum Anlass nimmt, einzelne Szenengeräusche extrem in den Vordergrund zu spielen, wie z. B. das überlaute Klackern der Schreibmaschinen in der Szene, wo Rusty James der Schule verwiesen wird.

Eine besondere Erwähnung verdient Nicolas Cage, denn dies ist der einzige Film, in dem er mir nicht tierisch auf den Senkel geht.