Sonntag, 30. Juli 2017

THE GREAT WALL (Zhang Yimou, 2016)

The Great Wall bietet eine etwas eigenwillige Mischung aus Historienepos und Fantasy, das vom chinesichen Meister-Regisseur gekonnt in Szene gesetzt wurde. Zhang Yimous atemberaubende Bildersprache ist natürlich auch hier der eigentliche Star des Films und letztlich leider auch der einzige Grund, sich diesen anzuschauen. Die dünne Story, an der lustigerweise gleich ein ganzes Heer an Autoren mitgewirkt hat, ist nicht der Rede wert und so vorhersehbar wie nur was. Darstellerisch wird immerhin solide Kost geboten. Matt Damon und Pedro Pascal, der bisher vorwiegend TV-Serien gedreht hat, machen ihre Sache nicht schlecht und Willem Dafoe kann in der Rolle des hinterhältigen Ballard überzeugen. Die weibliche Hauptrolle wurde mit der mir bis dato unbekannten Chinesin Tian Jing besetzt, die eine starke Präsenz hat und sehr überzeugend agiert.

Auch wenn man bei der Erschaffung der Tao Tei auf CGI zurückgegriffen hat, setzt Zhang wie bie seinen bisherigen Filmen in den Massenszenen ansonsten auf echte Menschen, was naturgemäß einen viel gewaltigeren Eindruck hinterlässt als die sonst üblichen CGI-Horden. Ich glaube, ich erwähne das in jedem Text zu Filmen, in denen Massenszenen vorkommen, aber ich erfreue mich einfach immer wieder an solchen Szenen, wenn echte Menschen zum Einsatz kommen. Früher Standard, heute leider eher die Ausnahme. Zumal Zhang auch hier wieder auf kräftige Farben setzt und auch damit einen angenehmen Gegenpart zu dem heutzutage üblichen Color-Grading bildet. Diese Massenszenen - sowohl bei den zahlreichen Kämpfen als auch bei den übrigen Szenen wie beispielsweise der Beerdigung General Shaos - sind die Highlights des Films und lassen einen die wenig gehaltvolle Story schnell vergessen. 

Zhang Yimou hat ohne Zweifel viele Filme gemacht, die weitaus besser sind als The Great Wall. Für 100 Minuten kurzweilige Unterhaltung reicht es dennoch.

Freitag, 12. Mai 2017

ROGUE ONE (Gareth Edwards, 2016)

Rebellions are built on hope.

Gareth Edwards konnte mich mit seinen beiden bisherigen Spielfilmen, dem mäßig unterhaltsamen Monsters und dem grottenschlechten Godzilla nicht gerade begeistern. Insofern war ich etwas skeptisch, inwieweit er die richtige Wahl für das erste offizielle Star-Wars-Spin-Off sein würde. Meine anfänglichen Zweifel wurden jedoch schnell zerstreut.  

Wie allseits bekannt, erzählt Rogue One die Vorgeschichte zu Episode IV, also davon, wie die Baupläne des Todessterns in die Hände der Rebellen gelangten. Und obwohl die Protagonisten allesamt unbekannt sind und in den bisherigen Filmen der Reihe nicht vorkommen, stellte sich doch schnell das Gefühl ein, einem echten Star-Wars-Film beizuwohnen. Dafür sorgen nicht nur die bekannten Settings, Figuren und Raumschiffe, sondern auch zahlreiche weitere Referenzen für diejenigen, die mit den übrigen Filmen vertraut sind. Sei es der „Walrus-Man“ (Ponda Baba) samt Begleiter, der in einer kurzen Szene zu sehen ist und in Episode IV zu einem wenig ruhmreichen Auftritt in der Bar in Mos Eisley kam, das Schachspiel mit den kleinen Monstern, das auch später von Chewie im Millenium Falcon gespielt wird, etc. Und auch Darth Vader ist natürlich mit von der Partie, wobei sich seine Präsenz auf einige kurze, dafür aber umso bedrohlicher wirkende Auftritte beschränkt.

Bezüglich des Looks orientierte man sich glücklicherweise an den alten Filmen und ignorierte den Hochglanz-Look der Episoden I bis III. Und so passt sich Rogue One schon rein optisch nahtlos ein und wirkt als Prequel authentischer als die Vorgenannten. Auch die Herausforderung, eine schlüssige Story um die Entwendung der Todesstern-Pläne zu entwickeln, wurde gut gemeistert. Die Geschichte wirkt durchaus glaubwürdig und passt gut in den Gesamtkontext, zumal nun endlich eine Frage zufriedenstellend beantwortet wird, die der aufmerksame Kinogänger sich schon anno 1977 gestellt hat, nämlich wie es passieren konnte, dass eine derart aufwändig und perfekt konstruierte Raumstation wie der Todesstern eine solche Schwachstelle aufweisen konnte. Nun weiß man es endlich. Die Inszenierung ist relativ actionlastig und orientiert sich damit stärker an Return of the Jedi als an den Episoden IV und V. Auch der Humoranteil wurde (glücklicherweise) stark reduziert. Die Wirkung der Macht wird kaum thematisiert, was aber ebenfalls passt, denn zu Beginn von Episode IV ist eben jene ja ziemlich in Vergessenheit geraten, weil es dank Order 66 so gut wie keine Jedi mehr gibt. 

Die kleine Rebellengruppe, die im Zentrum der Handlung steht, ist bunt gemischt und die Zusammenstellung erkennbar von dem Bemühen geprägt, jeder Figur ein Wiedererkennungsmerkmal zu verpassen. Dies ist gut gelungen und selbst die Einbindung eines Droiden funktioniert völlig problemlos. Der wuchtige und irgendwie etwas unheimliche K-2SO, ein umprogrammierter Wachroboter des Imperiums, ist eine der interessantesten künstlichen Geschöpfe des Star-Wars-Universums. 

Ein besonderes Lob gebührt den Machern für die „Wiederbelebung“ Peter Cushings als Gouverneur Tarkin mittels motion-capturing. Die Wirkung ist einfach phänomenal und die entstandenen Bilder wirken täuschend echt. Man könnte meinen, die Szenen seien tatsächlich vom dem vor knapp 25 Jahren verstorbenen Briten gespielt worden, wozu sicherlich auch die Tatsache beiträgt, dass Cushing schon zu Lebzeiten den optischen Eindruck einer wiederbelebten Leiche vermittelte. Jedenfalls bereiteten mir die Szenen mit ihm große Freude. Bei Carrie Fisher als Prinzessin Leia verpufft der Effekt hingegen etwas, was aber auch an der kurzen Screentime liegt. Dennoch trägt die Szene zu einem fast nahtlosen Übergang zwischen dem Ende von Rogue One und dem Beginn von Episode IV bei. 

Gibt es auch etwas Negatives über Rogue One zu berichten? Wenn man kritisch sein will, könnte man sagen, dass die Rebellen um Jyn Erso nicht die Magie entfalten wie seinerzeit Luke Skywalker, Prinzessin Leia und Han Solo. Das stimmt zwar, ist aber irgendwie auch etwas unfair. Außerdem empfand ich die Gegenseite (das Imperium) ohnehin immer als die Faszinierendere, und deren Wirkung ist nach wie vor ungebrochen. Wenn etwa Darth Vader auftaucht, begleitet von den typischen Geräuschen seiner Beatmungsmaske, hält man immer noch in Ehrfurcht die Luft an – genau wie vor 40 Jahren. Und mein inzwischen recht fortgeschrittenes Alter trägt zu der Erkenntnis bei, die Rebellengruppe ganz ohne Verklärung als das zu sehen, was sie schon 1977 war: eine Bande skrupelloser Terroristen, die weder vor Attentaten noch Terroranschlägen zurückschreckt. Natürlich machen sie hehre Ziele für ihre Taten geltend, doch macht das nicht jeder Terrorist? Die Daumen drückt man ihnen natürlich trotzdem.

Samstag, 29. April 2017

ELLE (Paul Verhoeven, 2016)

Der Niederländer Paul Verhoeven, der zu meinen Lieblingsregisseuren zählt, hat sich in den letzten Jahren rar gemacht, was einerseits auf zahlreiche Probleme bei der Realisierung seiner geplanten Projekte zurückzuführen ist, nicht zuletzt vermutlich aber auch mit seinem fortgeschrittenen Lebensalter zusammenhängt. Elle ist erst sein dritter Film in den letzten 15 Jahren, wobei ich den experimentellen Steekspel aus Furcht vor einer Enttäuschung immer noch nicht gesehen habe. 

Die Handlung - erfolgreiche Unternehmerin wird von einem maskierten Eindringling vergewaltigt und versucht auf eigene Faust den Täter zu ermitteln - lässt zunächst einen klassischen Thriller vermuten. Doch wer Verhoeven kennt, der weiß natürlich, dass ihn bloßer Nervenkitzel nicht interessiert. Und so entpuppt sich Elle schon bald als komplexe Studie über eine willensstarke Frau, die es aufgrund ihrer traumatischen Kindheit gewohnt ist, Probleme selbst zu lösen, statt auf die Hilfe Dritter, wie beispielsweise der Polizei zu vertrauen. Obwohl Michèle in ihrem Alltag mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert ist und ihr Leben zum Teil etwas chaotisch verläuft, vermittelt sie durch ihre burschikose Art zumindest oberflächlich das Gefühl, jederzeit alles unter Kontrolle zu haben.  Da ist die heimliche Liebesaffäre mit dem Partner ihrer besten Freundin, die neue Freundin ihres Ex-Mannes, an dem sie noch immer hängt, ihr unreife Sohn, der Vater wird und sich gegenüber seiner Freundin nicht behaupten kann, ihre psychopathische Mutter, die ihren jungen Liebhaber heiraten will, der gutaussehende Nachbar, bei dem ihre Avancen nicht recht zu verfangen scheinen, ihr aufmüpfiger Mitarbeiter, der vor versammelter Belegschaft die Auseinandersetzung mit ihr sucht, usw. Das alles steht unter dem dunklen Schatten der Vergangenheit: das ungeklärte Verhältnis zu ihrem Vater, der vor 40 Jahren in einem Amoklauf 27 Menschen tötete und seither im Gefängnis sitzt, ohne dass sie ihn jemals besucht hat.

Wie der Filmtitel ("elle" ist das französische Wort für "sie") schon vorgibt, konzentriert Verhoeven sich ganz auf seine Protagonistin. Es gibt kaum eine Szene ohne sie, sie ist die zentrale Figur, die all die kleinen Geschichten zusammenführt. Isabelle Huppert sieht nicht nur toll aus, sondern glänzt zudem mit einer der besten Vorstellungen ihrer Karriere und verleiht der Figur der Michèle eine faszinierende Persönlichkeit.

Eine der größten Stärken von Elle ist es, dass die Handlung nie vorhersehbar ist. Die Erwartungshaltung des Zuschauers wird konsequent unterlaufen und man weiß nie, was als nächstes geschieht. Michèle trägt fraglos psychopathische Züge und ihre Handlungen wirken nicht immer rational. Am Ende schafft sie es jedoch, alle Probleme zu lösen und sich Stück für Stück selbst zu befreien, wobei dies teils ihrer Initiative, teils auch nur den Umständen zuzuschreiben ist. So erhängt sich ihr Vater in seiner Zelle kurz nachdem er erfahren hat, dass sie ihn zum ersten Mal besuchen will, und löst damit den inneren Konflikt Michèles, der sie über all die Jahre belastet hat. Am Ende hat sie ein gutes Stück mehr Ordnung in ihr Leben gebracht, und selbst ihren Vergewaltiger ist sie in der ihr eigenen Art losgeworden. Emanzipation der etwas andere Art.

Mit Elle meldet sich Paul Verhoeven auf höchst eindrucksvolle Weise zurück. Das sahen auch die Kritiker so, die den Film gleich mit einer ganzen Reihe von Preisen überschütteten. Bleibt zu hoffen, dass sich der Niederländer bis zu seinem nächsten Film nicht ganz so viel Zeit lässt. 

Sonntag, 23. April 2017

WATERLOO ( Sergey Bondarchuk, 1970)

Give me night or give me Blücher!

Wie der Filmtitel schon erahnen lässt, stellt Waterloo die Herrschaft der hundert Tage in den Mittelpunkt der Erzählung und insbesondere natürlich die berühmte Schlacht, die die endgültige Niederlage Napoleons bedeutete. Die Handlung beginnt mit der Abdankung des Kaisers und der anschließenden Verbannung nach Elba. Napoleons Flucht und seine Machtergreifung werden relativ zügig abgehandelt, bevor dann die Vorbereitung für die große Schlacht in den Mittelpunkt rückt.

Die Regie hat seinerzeit der Russe Sergey Bondarchuk übernommen, den man vor allem mit der filmischen Umsetzung des Tolstoi-Romans Krieg und Frieden in Verbindung bringt. Waterloo inszenierte er in der Art eines Schachspiels, in dem sich die begnadeten Strategen Napoleon und der Duke of Wellington gegenüber stehen, darauf lauernd, dass der jeweils andere einen Fehler macht. Dabei gewährt er dem Zuschauer auch immer wieder Einblicke in die Gedankenwelt der Protagonisten, indem er sie aus dem Off sagen lässt, was ihnen gerade durch den Kopf geht. Insbesondere der Franzose ist voller Selbstzweifel - ungeachtet seines siegessicher Auftretens seinen Leuten gegenüber - und zudem von heftigen Magenschmerzen geplagt, die es ihm zeitweise unmöglich machen, die Befehlsgewalt über die Truppen auszuüben. Doch auch Wellington ist keineswegs so siegesgewiss wie er nach außen tut, denn ihm ist auch klar, dass Sieg oder Niederlage nicht zuletzt davon abhängen, ob die preußische Armee unter Blüchers Führung rechtzeitig eintreffen wird. Es gelingt dem Film insgesamt recht gut, die herausragenden strategischen Fähigkeiten der Protagonisten herauszustellen, ohne sie dabei zu übergroßen Helden zu stilisieren.

Das Beindruckendste an Waterloo aber sind zweifellos die überwältigenden Massenszenen mit teils Zehntausenden von Statisten. Für die Dreharbeiten konnte Bondarchuk auf mehr als 15.000 sowjetische Soldaten zurückgreifen. Um das Schlachtfeld realistisch zu gestalten, wurde ein immenser Aufwand betrieben und umfangreiche Umgestaltungen der Landschaft vorgenommen. Das Ergebnis ist geradezu atemberaubend. Ich habe es an anderer Stelle schon mehrfach gesagt: egal, wie perfekt die heutzutage eingesetzten CGI sind und wie weit der technologische Fortschritt Filmemacher in die Lage versetzt, Massenszenen am Computer entstehen zu lassen: eine Schlacht mit mehreren tausend echten Menschen und lebenden Pferden ist etwas völlig anderes. Und Waterloo schöpft hier wirklich aus dem Vollen. Man ergötzt sich als Zuschauer einfach an der schieren Masse der Soldaten und bekommt ein realistisches Gefühl dafür, wie derartige Schlachten tatsächlich abgelaufen sind.

Inwieweit die Abläufe in den Details den tatsächlichen Vorkommnissen entsprechen, ist umstritten und im Übrigen für den FIlm völlig unerheblich. Einen wichtigen Beitrag zum Gelingen liefern auch die beiden Hauptdarsteller Rod Steiger und Christopher Plummer, die beide in ihren Rollen vollauf überzeugen können. Insbesondere Steiger begeistert mit einer charismatischen Performance als zwischen Größenwahn und Selbstzweifeln hin- und hergerissener Anführer, der sich innerlich bewusst ist, dass er seinen Zenit längst überschritten hat.




Freitag, 21. April 2017

THE MAGNIFICENT SEVEN (Antoine Fuqua, 2016)

I've always wanted to blow something up.

Ich bin kein Freund von Remakes, war aber dennoch gespannt, wie Fuqua seine Neuinterpretation des Sturges-Klassikers angehen würde, der seinerseits wie allseits bekannt von Kurosawas Shichinin no samurai inspiriert wurde. Erwartungsgemäß nimmt er sich recht große Freiheiten, was die Figurenzeichnung und ihre Motive angeht. Derlei Ansätze begrüße ich bei Remakes oder Neuverfilmungen grundsätzlich, denn einen Film 1:1 nachzuerzählen, schafft in den seltensten Fällen einen Mehrwert. Selbst die Grundkonstellation ist etwas anders als bei Sturges. Während dort mexikanische Bewohner eines Dorfes von Banditen drangsaliert werden, ist es hier der böse Kapitalist Bartholomew Bogue, der ein Dorf in Minnesota terrorisiert und die Bewohner dazu zwingt, unter miserablen Bedingungen und gegen einen Hungerlohn in seinen Goldminen zu arbeiten. Das Proletariat erhebt sich schließlich, und um nur ja kein Klischee auszulassen ist es natürlich eine tapfere Witwe, die den von persönlichen Rachemotiven getriebenen Kopfgeldjäger Sam Chisolm anheuert. Dieser stellt flugs eine bunt gemischte Multi-Kulti-Truppe zusammen, in der nahezu alle Kulturen vertreten sind, deren Auftauchen im Wilden Westen anno 1879 halbwegs plausibel erscheint - frei nach Marx: Revolverhelden aller Länder, vereinigt euch!

Stilistisch pendelt Fuqua dabei irgendwo zwischen Comic und dem Italo-Western. So wirkt beispielsweise die sorgsam eingeleitete Zuspitzung mit vielen Close-Ups auf die Gesichter der Protagonisten in der Szene, in der die Sieben auf den korrupten Sheriff und seine Deputies treffen, wie eine Verbeugung vor dem italienischen Großmeister Sergio Leone. Mit dem klassischen Western, zu deren Vertretern ja auch die 60er Version zählt, hat der Amerikaner hingegen - kaum überraschend - nicht viel am Hut. Seine größte Stärke, nämlich mitreißende Action makellos zu inszenieren, kommt besonders in dem ausgedehnten Showdown zur Geltung, der keine Wünsche offen lässt und für die ein oder andere Länge im Vorfeld entschädigt. Hier werden wirklich alle Register gezogen und ein wahres Feuerwerk abgebrannt.

Unter dem Strich ist The Magnificent Seven ein recht unterhaltsamer Film geworden, der mit soliden Darstellern und grandios inszenierter Action aufwarten kann. Fuqua liefert das, was man von ihm erwarten konnte, und für zwei kurzweilige Stunden reicht das allemal.

Dienstag, 28. März 2017

JANE GOT A GUN (Gavin O'Connor, 2015)

Western mit starken Frauen in der Hauptrolle gibt es nicht allzu viele – Grund genug, um JANE GOT A GUN mit gewisser Vorfreude entgegen zu blicken.

Die Produktion des Films, der ursprünglich zwei Jahre früher veröffentlicht werden sollte, war mit diversen Schwierigkeiten verbunden, was dazu führte, dass sich die Arbeiten über mehrere Jahre hinzogen. Auch wenn es für die Beteiligten sicher alles andere als lustig war, ist es schon amüsant zu lesen, welche namhaften Darsteller in der Zwischenzeit gehandelt, angekündigt und letztlich doch nicht verpflichtet wurden. Und auch der Regieposten blieb von den Wechseln nicht verschont. Doch auch die endgültige Besetzung kann sich sehen lassen, sind doch neben Natalie Portman u. a. Ewan McGregor und der charismatische Joel Edgerton zu sehen.

Die Darsteller sind dann auch eine der Stärken des Films, der ansonsten nur in Teilbereichen zu überzeugen weiß. Dies liegt vor allem daran, dass es sich mehr um ein traditionelles Familiendrama inklusive glücklicher Zusammenführung am Ende handelt, als um einen actiongeladenen Western, den der Titel suggeriert. Die titelgebende Figur der Jane ist eine Frau zwischen zwei Männern, die mehr von ihrer Vergangenheit gequält wird als von den aktuellen Geschehnissen. Das ist zumindest der Eindruck, der sich bei der Sichtung aufdrängt. Unterstrichen wird dies durch die zahlreichen Rückblenden, die dem Zuschauer eine epische Tiefe vorgaukeln, die die im Grunde genommen recht simple Handlung einfach nicht hat. Hinzu kommt, dass die Zeitsprünge den Erzählfluss merklich hemmen und dadurch etwas anstrengend wirken.

Positiv zu erwähnen sind in jedem Fall die schönen Aufnahmen der kargen Landschaft New Mexicos und der gelungene Score, der jedoch bisweilen mehr Dynamik vermittelt als die Handlung zu bieten vermag. Selbst die Belagerungssituation auf Janes Farm, die eigentlich das Potential für einen spannungsgeladenen Showdown gehabt hätte, wird relativ schnell und wenig spektakulär abgehandelt. Da fragt man sich schon, warum hier über 60 Minuten lang ein großes Bedrohungsszenario entwickelt wird, das dann innerhalb von wenigen Minuten in sich zusammenfällt.

JANE GOT A GUN ist kein schlechter Film und trotz des ganzen Hickhacks in der Produktionsphase über weite Strecken durchaus gefällig anzuschauen. In erster Linie ist es aber ein Film der nicht eingelösten Versprechen, der einen ahnen lässt, dass hier unter besseren Bedingungen mehr drin gewesen wäre. So aber ist er nicht mehr als ein solider Vertreter seines Genres, an den sich in fünf Jahren niemand mehr erinnern wird.

Montag, 23. Januar 2017

LONELY ARE THE BRAVE (David Miller, 1962)

Für einen kurzen Moment wähnt man sich in einem klassischen Western, wenn man Kirk Douglas mit Cowboyhut dabei beobachten kann, wie er genüsslich an seiner Zigarette zieht, doch der Motorenlärm und die Kondensstreifen der vorbeifliegenden Düsenjäger machen schnell klar, dass dies ein Trugschluss war. Und doch war der erste Eindruck nicht so falsch, denn bei dem von Douglas verkörperten Jack handelt es sich um einen Außenseiter, der in der falschen Zeit gefangen scheint. Einen festen Wohnsitz hat er ebenso wenig wie einen Ausweis. Finanziell über Wasser hält er sich mit Gelegenheitsjobs als Viehhirte. Er ist ein echter Abenteurer, der den zivilisatorischen Errungenschaften wenig abgewinnen kann und lieber auf seinem Pferd durch die Gegend reitet als ein Auto zu benutzen. Sein Versuch, seinen Kumpel aus dem Gefängnis zu befreien, mutet ebenso naiv wie albern an, doch entspricht das Vorgehen eben seiner Denkweise. Er ist ein Mann für die einfachen Lösungen. Was jedoch zunächst noch nach einem großen Spaß aussieht, nimmt spätestens dann dramatische Züge an, als Jack nach seinem Gefängnisausbruch von der gesamten Obrigkeit durch die Berge gejagt wird.

Und hier schließlich wird ihm seine Prinzipienfestigkeit zum Verhängnis. Ohne sein Pferd, das ihm ohnehin mehr Probleme bereitet als es ihm nutzt, wäre es für ihn ein leichtes gewesen, seinen Häschern in dem unzugänglichen Gelände zu entkommen, doch bringt er es nicht fertig, die Mähre im Stich zu lassen. So scheitert er letztlich an seiner selbst auferlegten Fürsorgepflicht für sein störrisches Pferd, das ihn nicht nur immer wieder aufhält, sondern ihn am Ende geradewegs ins Verderben trägt. Diese finale Szene wird lange vorbereitet und nahezu über die gesamte Spielzeit immer wieder angedeutet. LKW gegen Pferd – Repräsentanten zweier Epochen.

Sehenswert ist Lonely are the Brave vor allem wegen der herausragenden Leistung von Kirk Douglas, der hier zur absoluten Höchstform aufläuft. Die Verfolgungsjagd in den Bergen, die einen Großteil des Films ausmacht, weist übrigens einige Parallelen zu First Blood auf. Und auch die beiden Protagonisten verbindet zumindest das Gefühl, außerhalb der Gesellschaft zu stehen. Auch wenn ich Douglas' Einschätzung, dies sei sein bester Film, nicht unbedingt teile, gibt es wahrscheinlich keinen anderen, der so auf ihn zugeschnitten ist und der so von seiner eindringlichen Darstellung geprägt ist wie dieser.

Sonntag, 18. Dezember 2016

LEGEND OF TARZAN (David Yates, 2016)

Legend of Tarzan bedient sich der Hauptfigur der vom amerikanischen Schriftsteller Edgar Rice Burroughs geschaffenen Tarzan-Geschichten, geht aber auf deren Leben im Dschungel nur in Rückblenden ein. Die eigentliche Geschichte beginnt viel später, lange nachdem Tarzan nach England zurückgekehrt ist und wieder den Titel Lord Greystoke trägt. Dabei setzte man wieder einmal auf das derzeit in Hollywood so angesagte Rassismus-Thema, und hier im speziellen die Ausbeutung der afrikanischen Ureinwohner durch den bösen weißen Mann. Dabei ist die weiße Rasse ein wahrer Ausbund an Schlechtigkeit, außer Tarzan und Jane sind alle Weißen ausnahmslos skrupellos, egoistisch und hemmungslos ausbeuterisch unterwegs. Als großer Edelmann kommt hingegen der von Samuel L. Jackson verkörperte George Washington Williams daher (kein Wunder - er ist ja auch schwarz), übrigens eine historische Figur. Und selbst der zunächst böse Stammeshäuptling Mbonga, der Tarzan aus Rache nach dem Leben trachtet, lässt sich von jenem schnell besänftigen, indem er ihm seine Motive für die Tötung von Mbongas Sohn erklärt. Von differenzierter Charakterzeichnung also keine Spur, hier gibt es nur schwarz oder weiß - im wahrsten Sinne des Wortes. Aber sei's drum!

Leider kann Legend of Tarzan auch darüber hinaus nur in Teilbereichen überzeugen. Darstellerisch ragt natürlich Jackson heraus, was aber auch das Problem beinhaltet, dass er mit seinem Charisma die eigentliche Hauptfigur eher zur Randerscheinung verkommen lässt, zumal diese vom Schweden Alexander Skarsgård recht spröde und nordisch unterkühlt dargeboten wird. Immerhin macht er dabei durch seine imposante körperliche Erscheinung eine gute Figur. Margot Robbie ist keine gute Schauspielerin, sieht aber zweifellos toll aus und bietet so einen schönen Blickfang. Und Christoph Waltz spielt die gleiche Rolle wie immer, wobei sein affektiertes Gehabe hier ganz gut zu seiner Figur passt. 

Positiv sind die gelungenen Special Effects zu erwähnen. Nahezu alle Tiere wurden digital erschaffen, was man aber - von vereinzelten Ausnahmen abgesehen (Stichwort: Leopard) - kaum bemerkt. Dazu gibt es atemberaubend schöne (digitale) Landschaftsaufnahmen und ein paar nett gemachte Actionszenen, die jedoch insgesamt sehr routiniert und wenig inspiriert wirken. Atmosphärisch ist das Ganze also durchaus stimmig, doch wirkt die Inszenierung wenig durchdacht und etwas unstrukturiert. Die zahlreichen Rückblenden stören den Filmfluss und sind eher selbstzweckhaft, als dass sie die Handlung vorantreiben.

Unter dem Strich bietet Legend of Tarzan bestenfalls durchschnittliche Unterhaltung. Da ich die Sichtung ohnehin mit geringen Erwartungen angegangen bin, hält sich meine Enttäuschung in Grenzen. Wenn man gar nicht mehr weiß, man gucken soll, kann man sich das durchaus mal anschauen. Man kann es aber genauso gut lassen.

Samstag, 26. November 2016

13 HOURS (Michael Bay, 2016)

You're in my world now.

Es ist jetzt nicht so, dass ich ein großer Fan von Michael Bay bin, aber atemlose Action mitreißend inszenieren - das kann er zweifellos. 13 Hours ist dafür ein gutes Beispiel. Auf unnötigen Ballast wie beispielsweise eine genauere Beleuchtung der Hintergründe oder der politischen Großwetterlage nach dem sogenannten "Arabischen Frühling" verzichtet er weitgehend. Erklärt wird nur das Notwendige, um die Situation, in der sich die CIA-Mitarbeiter befinden, dem Zuschauer näher zu bringen. Zwecks besserer Identifikation werden dann noch die familiären Gegebenheiten der Protagonisten kurz skizziert, und schon kann's losgehen.

Wer also hier eine kritische Abrechnung mit der US-Außenpolitik erwartet, ist fehl am Platz, wobei das Versagen des Außenministeriums in der Bengasi-Angelegenheit zumindest thematisiert wird. Die Leidtragenden sind die Einsatzkräfte vor Ort, die sich nach offizieller Sprachregelung gar nicht dort befinden. Kommt einem bekannt vor, folgt doch die Außenpolitik der Weltmacht seit Jahrzehnten dem immer gleichen Schema.

Das alles interessiert Michael Bay nur am Rande. Hat man die Einführung erstmal hinter sich gebracht, wird man mit einem furiosen Action-Feuerwerk belohnt, das kaum Wünsche offen lässt. Nach der Erstürmung der amerikanischen Botschaft und deren Inbrandsetzung bemüht sich das Spezialteam vergeblich um die Rettung des Botschafters. Die Inszenierung und der Erzählstil erinnern dabei frappierend an Ridley Scotts Black Hawk Down, der von der Machart ganz ähnlich ist. Auch Bay bedient sich (wenig überraschend) des seit längerem etablierten pseudo-dokumentarischen Stils, der dem Zuschauer das Gefühl vermittelt, sich inmitten des Kampfgetümmels zu befinden. Das eigentliche Highlight ist jedoch die ausgedehnte Belagerungssequenz in der zweiten Hälfte des Films, in der ein Haufen islamistischer Terroristen versucht, den Stützpunkt der Amerikaner zu stürmen.

13 Hours bietet über die gesamte Spielzeit ausgesprochen kurzweilige Unterhaltung und darüber hinaus eine gute Gelegenheit, die heimische Surround-Anlage ausgiebig zu testen. Wer die Sichtung mit den entsprechenden Erwartungen angeht, wird hier bestens bedient.

Samstag, 12. November 2016

BLOOD FATHER (Jean-François Richet, 2016)

I'm sorry I wasn't there for you, baby.

Nach dem überraschend guten Get the Gringo darf Mel Gibson mal wieder in einer Hauptrolle ran. Wollte man böse sein, könnte man nach Gemeinsamkeiten zwischen ihm und der hier verkörperten Rolle suchen - wird diese doch mit der Teilnahme an einem Treffen der anonymen Alkoholiker eingeführt. Aber ganz so schlimm wie dem Ex-Säufer und Ex-Knacki Link hat das Leben dem echten Mel Gibson dann doch nicht mitgespielt. Aber, Spaß beiseite: Der unsagbar dämliche Filmtitel suggeriert ein zünftiges Blutbad oder zumindest eine deftige Action-Schlachtplatte, und so stellte mich mich auf ähnlich gute Unterhaltung ein, wie sie der oben erwähnte Streifen bot. 

Doch leider ist Blood Father in dieser Hinsicht eine ziemliche Enttäuschung. Etwas ansprechend inszenierte Action gibt es zwar, aber doch sehr dosiert und auf insgesamt drei Szenen verteilt.  Dazwischen wird eine nicht sehr originelle Vater-Tochter-Geschichte erzählt, die wenig Gehaltsvolles bietet. Links Wandlung vom Versager-Vater zum Super-Papi wird überwiegend recht schlüssig dargelegt, bleibt dabei aber jederzeit vorhersehbar. Überraschungen bleiben aus. Gibson spielt seine Rolle gut und hat immer noch genug Charisma, um einen Film souverän über 90 Minuten zu tragen. Und mit Michael Parks und William H. Macy kann man noch mit zwei weiteren starken Darstellern aufwarten, die immer gerne gesehen sind. Erin Moriarty als Links Tochter Lydia kann hingegen nur teilweise überzeugen.

Insgesamt bietet Blood Father allenfalls solide Unterhaltung. Man langweilt sich nicht, echte Begeisterung will sich aber auch nicht einstellen. Die beste Szene ist eigentlich noch die Eröffnungssequenz, in der die 17-jährige Lydia in einem Kaufhaus keine Zigaretten erwerben darf, weil sie keinen Ausweis vorlegen kann und somit den Altersnachweis schuldig bleibt. Der Kauf der scharfen Munition für eine Pistole im selben Laden ist dagegen kein Problem.