Freitag, 24. August 2018

JURASSIC WORLD: FALLEN KINGDOM (J. A. Bayona, 2018)

Ein Problem, das die gesamte Jurassic-Park-Reihe von Beginn an begleitet, ist die Herausforderung, um die Dino-Action herum jeweils eine halbwegs schlüssige Story zu basteln. Während dies im ersten Teil anno 1993 zweifelsohne am besten gelang (wobei hier ja auch Michael Crichton persönlich für das Drehbuch verantwortlich zeichnete), wurde dies im Laufe der Reihe zunehmend schwieriger, auch weil immer mehr Story-Elemente bereits verwurstet waren und man sich so der Gefahr aussetzte, sich zu wiederholen. Teil 5 der Reihe (respektive Teil 2 der neuen Trilogie) kann jedenfalls für sich in Anspruch nehmen, mit einer besonders unsinnigen Geschichte aufzuwarten, die zudem noch stark an die des 2. Teils erinnert. Dass dies nicht zwangsläufig im Ergebnis auch einen schlechten Film zur Folge hat, ist vor allem den inszenatorischen Fähigkeiten des Spaniers Bayona sowie der Special-Effects-Abteilung zu verdanken, die allesamt hervorragende Arbeit geleistet haben.

Doch der Reihe nach: Nach der stimmungsvollen Anfangssequenz, die dem Zuschauer auch ein Wiedersehen mit dem Mosasaurus beschert, muss man die übliche Prozedur über sich ergehen lassen, die mit der Zusammenstellung des Teams inklusive Überredung zunächst unwilliger Teilnehmer verbunden ist. Neben den beiden Protagonisten des Vorgängers sind dieses Mal noch zwei mehr (Justice Smith) oder weniger (Daniella Pineda) nervende Sidekicks dabei. Bryce Dallas Howard kann in erster Linie optisch überzeugen. Eine begnadete Schauspielerin ist sie nicht unbedingt, aber die Chemie zwischen ihr und Chris Pratt stimmt.

Die erste Filmhälfte erinnert frappierend an The lost World, wobei insbesondere die Zerstörung der Isla Nublar durch den Vulkanausbruch technisch hervorragend umgesetzt ist. Die zweite Hälfte des Films, die vollständig auf dem etwas unheimlich anmutenden Lockwood-Anwesen angesiedelt ist, weist hingegen starke Anleihen beim klassischen Horrorfilm auf und setzt in erster Linie auf gut sitzende Schock-Effekte. Diese helfen dann auch, über die immer wilderen Kapriolen des Scripts hinwegzusehen. Spannend ist das Ganze zweifellos und die Hauptmotivation für die Sichtung eines Films der Jurassic-Park-Reihe bilden nach wie vor die perfekt animierten Saurier. Richtig gut fand ich hingegen das Ende, das gleich eine gute Ausgangslage für eine Fortsetzung bereitstellt.

Unter dem Strich ist Jurassic World: Fallen Kingdom nicht ganz so gelungen wie sein Vorgänger, aber immerhin gut genug, um den Zuschauer rund 2 Stunden zu unterhalten und Lust auf die bereits angekündigte Fortsetzung zu machen.

Donnerstag, 31. Mai 2018

ATOMIC BLONDE (David Leitch, 2017)

Atomic Blonde ist die weibliche Antwort auf James Bond oder Jason Bourne und das offizielle Spielfilm-Debut des Amerikaners David Leitch, der sich davor vorwiegend als Stuntman und Darsteller verdingte. Die Handlung ist zur Zeit des Mauerfalls in Ost-Berlin angesiedelt, und auch wenn man sich bei den Sets, Fahrzeugen und der Kleidung sehr um Authentizität bemüht hat, will keine rechte Ostblock-Atmosphäre aufkommen. Dafür ist die Inszenierung auch zu stylisch, wobei die schönen Bilder und der elegante Schnitt durchaus zu gefallen wissen. Charlize Theron ist auch nicht gerade die Ideal-Besetzung für die Hauptrolle. Die Martial-Arts-Expertin nimmt man ihr angesichts ihres schlaffen, untrainierten Körpers nur mit viel gutem Willen ab, zumal sie diesen auch noch des öfteren spärlich oder gänzlich unbekleidet zur Schau stellt. Die Nahkampfszenen mit ihr, in denen sie sich in eine wahre Amazone verwandelt und ihre Widersacher nach Strich und Faden verdrischt, wirken demzufolge völlig unrealistisch. Dem Vernehmen nach hat sie sich intensiv mit körperlichem Training auf die Rolle vorbereitet. Im Film merkt man davon leider überhaupt nichts.

Die Story hat nüchtern betrachtet weder Hand noch Fuß, schafft es aber durch die zahlreichen Wendungen immerhin den Zuschauer ordentlich zu verwirren und dadurch auch die Spannung aufrecht zu erhalten. Toll ist auch der stark von zeitgenössischer Musik inspirierte Score, der u. a. Songs von David Bowie, Nena, Tom Schilling und The Clash enthält. Die rasante Inszenierung lässt trotz der oben angeführten Ungereimtheiten keine Langeweile aufkommen, Theron sieht ganz ansprechend aus, solange sie angezogen ist, und mit der hübschen Algerierin Sofia Boutella, die die lesbische Gespielin Therons spielt, gibt es doch noch was für's Auge. Und John Goodman ist sowieso immer eine Bank. Unter'm Strich also doch ganz unterhaltsam.

Montag, 30. April 2018

STAR WARS: EPISODE VIII – THE LAST JEDI (Rian Johnson, 2017)

The legacy of the Jedi is failure.

Es gibt wahrlich genug, was man an The last Jedi kritisieren kann. Da sind zunächst die ständigen Wiederholungen: Während der Vorgänger fast wie ein Remake von Episode IV wirkte, werden hier weite Teile der Handlung von Episode VI und in der zweiten Filmhälfte von Episode V verwurstet und in abgewandelter Form recycelt. Dabei finden sich die handelnden Personen alle in ähnlichen Konflikten und Situationen wieder wie ihre Vorgänger in den genannten Filmen. Beispielhaft sei die Ausbildung der unerfahrenen Rey auf einem abgelegen Planeten durch den Jedi-Meister Luke Skywalker (in EP V Luke und Yoda) und ihre Konfrontation mit der dunklen Seite der Macht genannt oder der Handlungsstrang, in dem Rey sich freiwillig stellt, um Ben zu bekehren, was wie in EP VI in einer Begegnung mit obersten Hüter der dunklen Seite mündet – hier allerdings mit anderem Ausgang. Auch in vielen Details und kleineren Szenen gibt es frappierende Ähnlichkeiten mit den Filmen der Ursprungstrilogie. Dies kann man wahlweise entweder als Einfallslosigkeit oder auch wohlwollend als Reminiszenzen werten.

Hinzu kommen diverse Logikfehler, insbesondere was die Verfolgung der Rebellenschiffe durch die Sternenzerstörer und die zeitlichen Abläufe der Rettungsmission zur Deaktivierung des Peilgeräts inklusive Abstecher nach Canto Bight betrifft. Der gesamte Subplot hat ohnehin keinerlei Auswirkung auf die Handlung und hätte ohne Substanzverlust herausgeschnitten werden können. Und auch die merkwürdig anmutende Liebesgeschichte zwischen Finn und Rose wäre entbehrlich gewesen. Dies auch im Hinblick auf die überlange Laufzeit, die die Spieldauer sämtlicher Vorgänger weit übertrifft. Und nicht zuletzt wird die Sache mit den Hologrammen hier derart auf die Spitze getrieben – vor allem in der finalen Schlacht – dass schon eine gehörige Portion Nachsicht beim Zuschauer vonnöten ist. An den teils sehr flachen Humor hat man sich hingegen im Laufe der Jahre und Jahrzehnte gewöhnt – zeichnete dieser doch auch schon sämtliche bisherigen Teile der Reihe aus.

Doch trotz all der genannten Schwächen macht The last Jedi eine Menge Spaß. Das liegt vor allem daran, dass das Star-Wars-Universum auch nach 40 Jahren nichts von seiner Faszination verloren hat, zumal der Film sich – wie bereits erwähnt – optisch und atmosphärisch perfekt in die Reihe einpasst. Die vielen Reminiszenzen an die Ursprungstrilogie sind letztlich auch Ausdruck dessen, dass es einfach nichts Neues mehr zu erzählen gibt. Mit Episode VI war die Geschichte eigentlich abgeschlossen. Danach diese schlüssig weiterzuerzählen ohne sich zu wiederholen, ist schwierig. Diese Probleme hatte natürlich der Ableger Rogue One nicht, und so ist es nicht verwunderlich, dass dieser hinsichtlich einer interessanten Story weitaus mehr zu bieten hatte als die Episoden VII und VIII. Und dennoch: The last Jedi ist verdammt gut gemachtes Unterhaltungskino mit inhaltlichen Schwächen, die aber durch die grandiose Atmosphäre nicht weiter ins Gewicht fallen. Wie schon beim Vorgänger gelang es auch hier, Look und Geist der Ursprungstrilogie gekonnt einzufangen. Dies ist natürlich deswegen besonders wichtig, weil die Handlung unmittelbar nach dem Ende von Episode VII einsetzt. Auch die Darsteller machen ihre Sache gut, wobei insbesondere die Szenen mit Carrie Fisher eine gehörige Portion Wehmut hervorrufen, ist sie doch nach Abschluss der Dreharbeiten auf so tragische Weise verstorben. Ihr ist der Film auch gewidmet. In Loving Memory of Our Princess – Carrie Fisher heißt es dann am Ende und entlässt den Zuschauer mit einem dicken Kloß im Hals.

Freitag, 27. April 2018

THE PETRIFIED FOREST (Archie Mayo, 1936)

The Petrified Forest ist vor allem aufgrund der Tatsache, dass er Bogarts Durchbruch als Schauspieler markiert, von filmhistorischer Bedeutung, nachdem dieser sich zuvor jahrelang mit unbedeutenden Rollen mehr schlecht als recht über Wasser gehalten hatte. Dem vorausgegangen ist die Aufführung des Stücks am Broadway ein Jahr zuvor mit denselben männlichen Hauptdarstellern. Doch während Bogart sein Spiel den geänderten Rahmenbedingungen für die Kamera anzupassen wusste, agiert Leslie Howard auch im Film so, als stünde er auf einer Theaterbühne. Dies markiert zugleich den größten Schwachpunkt des Films.

Ansonsten weiß The Petrified Forest durchaus zu gefallen als spannendes, kleines Kammerspiel, dessen Handlungsort sich nahezu ausschließlich auf eine kleine Tankstelle in einem Wüstenkaff in Arizona beschränkt. Dort treffen verschiedene Charaktere zusammen, die vor allem eines gemeinsam haben: eine große Unzufriedenheit mit ihrem derzeitigen Leben und eine unerfüllte Sehnsucht. Da ist Gabrielle, die Tochter des Tankstellenbetreibers, die sich nach einem besseren Leben an einem anderen Ort sehnt – bevorzugt in Frankreich, wo ihre Mutter lebt, der Schriftsteller Alan, der auf ein verpfuschtes Leben zurückblickt und sich nach dem Tod sehnt oder auch Mrs. Chisholm, deren Ehe trotz finanziellen Reichtums alles andere als glücklich ist. Nicht zu vergessen der Desperado Duke Mantee, ein mehrfacher Mörder, dem sein blindes Vertrauen in seine Geliebte schließlich zum Verhängnis wird, nachdem diese ihn an die Polizei verraten hat. 

Während Howard wie oben bereits erwähnt nur in Teilen überzeugen kann, spielt Bogart groß auf. Und auch Bette Davis überzeugt als von ihrem eintönigen Leben gelangweilte junge Frau, die sich nach Abenteuern und der großen weiten Welt sehnt, die der weitgereiste Alan zu versprechen scheint. Erwähnenswert auch die guten Dialoge, die meist treffsicher auf den Punkt kommen.

Freitag, 30. März 2018

BABY DRIVER (Edgar Wright, 2017)

Don’t feed me any more lines from Monsters Inc.! It pisses me off.

Baby Driver ist vordergründig ein „Heist-Movie“, wie es neudeutsch heißt. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen jedoch nicht die Überfälle. Vielmehr zeichnet der britische Regisseur Edgar Wright, der sich bisher hauptsächlich mit TV-Produktionen und Komödien einen Namen gemacht hat, ein detailliertes Psychogramm des Fluchtwagenfahrers Miles, dem wegen seines jugendlichen Aussehens der Spitzname „Baby“ verpasst wurde. Aufgrund eines traumatischen Erlebnisses in seiner Kindheit leidet er unter Tinnitus, den er mit Musik zu überdecken versucht. Damals wurde er Zeuge, wie seine Eltern bei einem Autounfall starben, den er selbst verletzt überlebte. Doch während die körperlichen Narben heilten, blieben die seelischen bestehen. Sein Stiefvater, der sich nach dem Unfall um ihn gekümmert hatte, ist inzwischen selbst ein Pflegefall und muss von Miles umsorgt werden. 

Hinzu kommt die Abhängigkeit von Miles‘ Auftraggeber „Doc“, in dessen Schuld er steht, und auf dessen Geheiß er gegen seinen Willen jeweils den Fluchtwagen bei den von Doc geplanten Coups fahren muss. Dabei verbindet die beiden eine Art Vater-Sohn-Verhältnis, bei dem der „Vater“ (Doc), den „Sohn“ (Miles) einerseits gnadenlos ausnutzt, indem er ihn zu den Raubüberfällen nötigt, ihm andererseits aber auch am Ende hilft zu entkommen und sich letztlich gar für ihn opfert. 

Bei den Raubzügen ist Miles die Schlüsselfigur, denn während Doc die anderen Mitglieder regelmäßig tauscht, ist dieser die einzige Konstante im Team. Dabei steuert er den Wagen mit der Präzision eines Uhrwerks durch die Straßen Atlantas und löst auch die kniffligsten Situationen mit einer geradezu eleganten Lässigkeit. Erst im weiteren Verlauf wird klar, dass er nur mit Musik funktionieren kann. Musik lenkt ihn ab, lässt ihn den Tod seiner geliebten Mutter ebenso vergessen wie seinen Tinnitus. Demzufolge spielt Musik eine große Rolle im Film. Sie ist allgegenwärtig. Ob im Radio, über einen seiner zahlreichen iPods oder auf den Kassetten, die Miles aus Musik und aufgenommenen Wortfetzen selbst zusammenschneidet. Die Musik gibt im wahrsten Sinne des Wortes den Takt vor und bestimmt den Rhythmus der Bilder.

So originell dieses Konzept ist, so sehr folgt der Film letztlich doch der üblichen Dramaturgie. Während der erste Überfall noch nahezu reibungslos abläuft, geht beim zweiten schon einiges schief und beim dritten laufen die Dinge vollends aus dem Ruder. Schließlich kommt es zur großen Eskalation, wobei Wright irgendwann die Balance zu verlieren droht. Anstelle der Musik rückt immer mehr die physische Gewalt in den Vordergrund. Im finalen Showdown geht es nur noch um das nackte Überleben, und spätestens hier unterscheidet sich Baby Driver kaum mehr von einem Standard-Actionfilm, zumal auch der Realismus zunehmend auf der Strecke bleibt. Dies ist ein Stück weit bedauerlich, schmälert das Seh-Vergnügen aber nicht nachhaltig.

Baby Driver ist trotz dieses kleinen Mankos ein erfrischender Film, der über weite Strecken richtig begeistern kann. Dazu tragen neben der eleganten Inszenierung, den pointierten Dialogen und den rasanten Verfolgungsjagden nicht zuletzt die überzeugenden Darsteller bei, allen voran der wie immer brillante Kevin Spacey und der junge, mit bisher völlig unbekannte Ansel Elgort in der Hauptrolle.

Mittwoch, 28. März 2018

BLADE RUNNER 2049 (Denis Villeneuve, 2017)

Ridley Scotts Blade Runner zählt zu meinen erklärten Lieblingsfilmen. Da ist es logisch, dass der Nachfolger von Haus aus keinen leichten Stand bei mir hat, zumal mir der schon seit Jahren anhaltende Trend in Hollywood, Altbewährtes neu aufzuwärmen statt zu versuchen, etwas Neues zu schaffen, ohnehin gewaltig gegen den Strich geht. Immerhin blieb der Welt ein Remake von Blade Runner bisher erspart, aber eine Fortsetzung hätte ich auch nicht unbedingt gebraucht.

Meine grundlegende Skepsis dem Projekt gegenüber hat mich natürlich nicht davon abgehalten, den Film trotzdem zu schauen, zumal die Kritiken durch die Bank positiv bis nahezu euphorisch waren. 

Das Ergebnis fällt dann eher ernüchternd aus. Zugute halten muss man Villeneuve, dass er sich nach Kräften bemüht hat, den Geist des großen Vorbildes einzufangen. Roger Deakins‘ Kameraarbeit liefert beeindruckende Bilder, die Stimmung ist ähnlich düster wie damals und auch bei dem Score orientierte man sich an Scotts Meisterwerk, wobei mir die ständige Wiederholung des Grundthemas irgendwann auf den Keks ging. Dem gegenüber steht die wenig gehaltvolle Story, der der philosophische Tiefgang des Vorgängers völlig abgeht, und die im Grunde genommen von nicht viel mehr erzählt als einer Familienzusammenführung, dabei aber auf eine Spielzeit von nahezu drei Stunden aufgebläht wird. Schon Ridley Scott hatte ja nach der Sichtung des fertigen Films geäußert, dass er ihn mindestens um eine halbe Stunde gekürzt hätte. Eine gewisse Trägheit in der Erzählweise wohnt natürlich auch Scotts Film inne, doch wirkt dies bei ihm eher unaufgeregt und distanziert, während es bei Villeneuve vor allem langatmig ist. Im Finale schließlich wird es dann ziemlich hektisch, was überhaupt nicht zur restlichen Erzählstruktur passt und wie ein Stilbruch wirkt. Harrison Ford als gealterter Deckard ist natürlich trotzdem ein Highlight, aber unter dem Strich kann Blade Runner 2049 nur in Ansätzen überzeugen. Sicherlich alles andere als ein schlechter Film, aber von Ridley Scotts Meisterwerk ist er meilenweit entfernt.

Samstag, 17. März 2018

WER FRÜHER STIRBT IST LÄNGER TOT (Marcus H. Rosenmüller, 2006)

Dad‘n Sie eventuell mit mir vögeln?

Hinter dem kauzig-kultigen Titel verbirgt sich eine leichtfüßige Komödie mit origineller Story, die phasenweise etwas an die Lausbubengeschichten der 60er Jahre oder auch den Michel aus Lönneberga erinnert, sich dabei aber eines durchaus ernsten Themas annimmt: der Vergänglichkeit alles Irdischen und der Tatsache, dass alle Lebewesen irgendwann sterben müssen. Der kleine Sebastian sucht einen Ausweg aus diesem Dilemma und entwickelt dabei allerhand lustige Ideen, wie man die Unsterblichkeit erlangen könnte. Der Grund dafür liegt in seiner tiefgreifenden Angst vor dem Fegefeuer, das ihn nach seinem Tod erwartet weil er – so hat es ihm sein älterer Bruder eingeredet – angeblich seine Mutter durch seine Geburt umgebracht hat.

Das größte Plus des Films ist zweifellos Markus Krojer, der den kleinen Sebastian auf eine so liebenswerte Weise verkörpert, dass man ihm von Beginn an die Daumen drückt bei seinem Vorhaben, die Unsterblichkeit zu erlangen. Mit seiner ebenso naiven wie entwaffnenden Logik verfolgt er unbeirrt sein Ziel und richtet dabei das ein oder andere Unheil an, was die in Aussicht gestellte Verweildauer im Fegefeuer immer länger werden lässt. Die Umsetzung des Jüngsten Gerichts ist dabei ebenso einfach wie genial: ein paar Stammgäste in der Kneipe seines Vaters proben ein Theaterstück um einen Hexenprozess. Die Wortfetzen, die Sebastian davon im Halbschlaf aufschnappt, reimt er sich in seinen Träumen zur finalen Abrechnung über seine Sünden zusammen. Überhaupt sprüht Rosenmüllers Debut nur so von witzigen Ideen und originellen Einfällen. Der Humor ist dabei niemals flach, zum Teil sogar recht tiefgründig. Das alles macht Wer früher stirbt ist länger tot zu einem äußerst unterhaltsamen und kurzweiligen Film. Und auch die Tatsache, dass nahezu alle Dialoge in bayerischem Dialekt vorgetragen werden, trägt erheblich zum Unterhaltungswert bei.

Montag, 12. März 2018

HEILSTÄTTEN (Michael David Pate, 2018)

Nach längerer Zeit war ich mal wieder im Kino, aber nicht weil ich den Film unbedingt sehen wollte, sondern eher den Umständen geschuldet. Davon abgesehen machte der Trailer einen netten Eindruck. Die Idee, den typischen found-footage-Stoff im Zeichen des youtube-Hypes neu zu interpretieren und dabei das Medium ordentlich durch den Kakao zu ziehen, hat zweifellos etwas für sich.

Der Einstieg ist dann auch gut gelungen und die sympathischen Darsteller – darunter auch eine „echte“ Youtuberin – wissen durchaus zu überzeugen. Die Kulisse ist beeindruckend, wobei als Drehort nicht die echte ehemalige Lungenheilanstalt in Beelitz, auf die im Film Bezug genommen wird, zum Einsatz kam, sondern jene in Grabowsee. Das spielt aber letztlich keine Rolle. Atmosphärisch ist das Ganze recht ansprechend. Es gibt einige nette Schockeffekte und die zahlreichen Jumpcuts, der hektische Schnitt und die häufig eingesetzten Medienbrüche erzeugen eine unheilvolle Stimmung, die jedoch immer wieder durch ein paar lockere Sprüche der Protagonisten oder auch irgendwelche Scherze – neudeutsch Pranks genannt – aufgebrochen wird. Soweit, so gut.

Doch wie bei den meisten Horrorfilmen kommt irgendwann ein dämlicher Plottwist, der alles zerstört, was bis dahin an Spannung und Atmosphäre aufgebaut wurde und darüber hinaus auch noch höchst unrealistisch ist. Obendrein gibt es dann ein noch blöderes Ende, dessen Sinn sich mir auch mehrere Tage nach der Sichtung nicht erschließen will. Aber vielleicht liegt genau darin die Absicht: den Zuschauer so zu verwirren, dass er noch tagelang über das Ende sinniert. Dafür bietet Heilstätten aber letztlich zu wenig Substanz, als dass er eine eingehende Nachbetrachtung rechtfertigen würde. 

So bleibt unter dem Strich trotz der gelungenen Seitenhiebe auf die stetig wachsende youtube-Gemeinde ein höchst zwiespältiger Eindruck und die Gewissheit, eine spätere Zweitsichtung auf Bluray auf keinen Fall in Erwägung zu ziehen. Schade um das verschenkte Potential.

Samstag, 3. Februar 2018

WAR FOR THE PLANET OF THE APES (Matt Reeves, 2017)

Nach dem nur bedingt gelungenen Dawn of the Planet of the Apes zeigt die Formkurve beim nunmehr dritten Teil der Affensaga wieder steil nach oben. Erzählt wird eine fesselnde Geschichte, die zahlreiche Themen klassischer Kriegsfilme aufgreift: Vertreibung, Verfolgung, Gefangenschaft, Unterdrückung, Folter, Flucht und Befreiung. Der Beginn könnte auch im Vietnamkrieg spielen – abgesehen von der Tatsache, dass die menschlichen Soldaten hier gegen Affen kämpfen. Und im weiteren Verlauf ließ man sich ganz offensichtlich u. a. von Apocalypse Now inspirieren, was auch durch ein nettes Wortspiel in Form eines Graffitis untermauert wird. Der von Woody Harrelson überzeugend verkörperte namenlose Colonel, dem seine Männer bedingungslos ergeben sind, erinnert dabei frappierend an Colonel Kurtz aus Coppolas Meisterwerk. Wenn man will, kann man in der Handlung auch noch einen biblischen Aspekt ausmachen. Wie Moses befreit Caesar das Affenvolk aus der Knechtschaft und führt es durch die Wüste ins gelobte Land.

Sehenswert ist War for the Planet of the Apes nicht zuletzt wegen seiner geradezu sensationellen Special Effects. Nicht nur, dass die Affen perfekt animiert sind; es gelang auch, zumindest den wichtigsten Affen-Charakteren individuelle Züge zu verleihen und sie dadurch von der Masse unterscheidbar zu machen. Andrew Serkis Leistung ist in diesem Zusammenhang besonders hervorzuheben. In seinen Zügen spiegeln sich Emotionen wie Liebe, Wut oder Hass deutlich erkennbar wieder, und dennoch hat man immer das Gefühl, einem Schimpansen zuzusehen. Hervorragend umgesetzt ist auch der Lawinenabgang am Ende, der die brutalen Naturgewalten für den Zuschauer hautnah erlebbar macht.

Ungeachtet der Tatsache, dass einige Schwachpunkte des Vorgängers auch hier wieder vorhanden sind – beispielhaft sei die eigenartige Kommunikation der Affen untereinander mittels Gebärdensprache genannt – bietet War for the Planet of the Apes 140 Minuten beste Unterhaltung und zugleich einen würdigen Abschluss der Affen-Trilogie.

Samstag, 27. Januar 2018

WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT (Peter Thorwarth, 2002)

Willste quatschen oder ficken?

Ziemlich flache deutsche Komödie, die über weite Strecken trotzdem ganz leidlich unterhält. Richtig witzig ist Thorwarths Film eigentlich nie, aber die ein oder andere Szene regt durchaus zum Schmunzeln an. Das größte Plus sind zweifellos die sympathischen Darsteller: Dietmar Bär, Willi Thomczyk, Armin Dillenberger oder der aus den Tom-Gerhardt-Filmen bekannte Hilmi Sözer. Ralf Richter mag ich nicht unbedingt, aber seine Standard-Rolle als Ruhrpott-Assi beherrscht er zweifellos perfekt. Zudem kommen noch diverse Kultfiguren aus dem Pott wie Herbert Knebel, Tana Schanzara oder Heinrich Giskes zu Kurzauftritten. Die Einbindung der Liebesgeschichte zwischen der von Alexandra Maria Lara gespielten Astrid und dem in Sachen Liebe noch grünen Philipp (Mr. Thorwarth höchst selbst) ist nicht sonderlich gelungen, aber irgendwie musste schließlich eine attraktive Dame mit von der Partie sein, und diesen Part füllt Lara sehr überzeugend aus.

Obwohl die Story, die die Grundlage für den gleichnamigen Kurzfilm aus dem Jahr 1997 bildete, auf Spielfilmlänge gedehnt wurde, langweilt man sich während der insgesamt gut 100 Minuten nicht. Ein Kandidat für eine Zweitsichtung ist Was nicht passt, wird passend gemacht indes ganz sicher nicht. Da schaue ich mir lieber zum zehnten Mal Superstau an.