Stellenweise recht unterhaltsame Mischung aus Satire und Abenteuerfilm, die allerdings auch mit erheblichen Längen zu kämpfen hat. Insbesondere nach der Ankunft in Sikandergul gestaltet sich das Ganze weitaus zäher als der vielversprechende Beginn vermuten ließ. Alles in allem ganz nett anzuschauen. Ein typischer Film für den verregneten Sonntag Nachmittag.
Sonntag, 21. Juni 2009
THE TREASURE OF THE SIERRA MADRE (John Huston, 1948)
You know, the worst ain't so bad when it finally happens.
Grandiose Parabel auf die menschliche Gier. Für mich neben Casablanca
Bogarts Bester, zumal er hier in einer ungewöhnlich fordernden Rolle zu
sehen ist. Auch toll: John Hustons Vater Walter. Der weitgehende
Verzicht auf billige Studiokulissen zugunsten echter Locations in Mexiko
ist der Atmosphäre äußerst zuträglich.
Ein Film fernab der damals gültigen Hollywood-Konventionen, nach denen ein Happy-End unabdingbar war. Ein zeitloser Klassiker.
Freitag, 19. Juni 2009
FRANKENSTEIN (James Whale, 1931)
It's alive!
Die letzte Sichtung liegt mindestens 25 Jahre zurück, höchste Zeit also
für eine Auffrischung. Dass es sich bei der ersten Tonverfilmung des
Shelley-Romans um einen Meilenstein des Horrorfilms handelt, steht außer
Frage. Karloffs Maske ist für die damalige Zeit als geradezu
sensationell zu bezeichnen und prägte das Aussehen der Kreatur für alle
Zeiten, die düstere Atmosphäre und das unheimliche Spiel mit Licht und
Schatten sind unzweifelhaft dem expressionistischen deutschen Film der
20er Jahre entliehen, die dynamische Kameraführung setzte neue Maßstäbe.
Eine der stärksten Szenen des Films ist die schaurige Eröffnungssequenz
auf dem Friedhof, in der Frankenstein und sein buckliger Gehilfe einen
frisch beerdigten Leichnam stehlen.
Und dennoch weist Whales Arbeit einige ärgerliche Schwächen auf wie beispielsweise die zu sehr in die Länge gezogene Hochzeitsszene oder den hinzugedichteten Tausch des gesunden Hirns gegen das eines Verbrechers. Letzteres suggeriert dem Zuschauer eine daraus resultierende Bösartigkeit der Kreatur, die in Wirklichkeit nicht gegeben ist. Der Mord an Frankensteins Gehilfe ist vor allem auf die schlechte Behandlung zurückzuführen, die dieser der Kreatur hat angedeihen lassen, und die Tötung des kleinen Mädchens ist nicht vorsätzlich sondern vielmehr aus Ungeschick geschehen, weil die Kreatur der Meinung war, es würde ebenso leicht auf dem Wasser schwimmen wie die zuvor hineingeworfenen Blumen. In Wahrheit ist also die Kreatur kein wahnsinniger Mörder, sondern ein unbeholfenes, naives und einsames Wesen, was in den späteren Verfilmungen noch dezidierter herausgearbeitet werden sollte. Irritiert hat mich die Änderung des Vornamens: Frankenstein heißt hier Henry, sein Freund Victor - in Shelleys Vorlage und den späteren Verfilmungen ist es genau umgekehrt.
Und dennoch weist Whales Arbeit einige ärgerliche Schwächen auf wie beispielsweise die zu sehr in die Länge gezogene Hochzeitsszene oder den hinzugedichteten Tausch des gesunden Hirns gegen das eines Verbrechers. Letzteres suggeriert dem Zuschauer eine daraus resultierende Bösartigkeit der Kreatur, die in Wirklichkeit nicht gegeben ist. Der Mord an Frankensteins Gehilfe ist vor allem auf die schlechte Behandlung zurückzuführen, die dieser der Kreatur hat angedeihen lassen, und die Tötung des kleinen Mädchens ist nicht vorsätzlich sondern vielmehr aus Ungeschick geschehen, weil die Kreatur der Meinung war, es würde ebenso leicht auf dem Wasser schwimmen wie die zuvor hineingeworfenen Blumen. In Wahrheit ist also die Kreatur kein wahnsinniger Mörder, sondern ein unbeholfenes, naives und einsames Wesen, was in den späteren Verfilmungen noch dezidierter herausgearbeitet werden sollte. Irritiert hat mich die Änderung des Vornamens: Frankenstein heißt hier Henry, sein Freund Victor - in Shelleys Vorlage und den späteren Verfilmungen ist es genau umgekehrt.
Samstag, 6. Juni 2009
THE MASQUE OF THE RED DEATH (Roger Corman, 1964)
And Darkness and Decay and the Red Death held illimitable dominion over all.
Wie schon bei meinen bisherigen Sichtungen hinterließ Cormans
Vergewaltigung der Poe'schen Kurzgeschichte, die ich nicht nur für Poes
beste Arbeit, sondern für eine der bedeutendsten der Horror-Literatur
halte, einen zwiespältigen Eindruck.
Für sich betrachtet ist Corman ein leidlich spannender Gruselfilm gelungen, der in erster Linie von dem gewohnt großartigen Vincent Price in der Hauptrolle lebt. Nur - mit Poes Vorlage hat das Ganze nicht mehr viel zu tun. Corman blähte die 7-Seiten-Geschichte durch diverse Nebenplots und zusätzliche Charaktere auf Spielfilmlänge auf, wovon der um Julianas Hochzeit mit dem Teufel der ärgerlichste ist. Gekrönt wird das von einem völlig missratenem Ende, bei dem sich die verschiedenen Todesboten wie ein paar Rentner vor dem sonntäglichen Frühschoppen unter einem Baum treffen und ihre jüngsten Erlebnisse bequatschen. Während mir beim Lesen des letzten Absatzes der Poe-Geschichte (And now was acknowledged the presence of the Red Death. He had come like a thief in the night...) selbst im hellen Sonnenschein ein Schauer über den Rücken läuft, möchte man hier voller Verzweiflung den Kopf gegen die Wand hämmern. Die puristische Schönheit der Vorlage Poes bleibt bei Cormans Umsetzung völlig auf der Strecke. Ebenso wird die eigentlich zeitlose Botschaft derselben durch die hinzugedichtete Verbrüderung Properos mit dem Satan ihrer Wirkung beraubt.
Für sich betrachtet ist Corman ein leidlich spannender Gruselfilm gelungen, der in erster Linie von dem gewohnt großartigen Vincent Price in der Hauptrolle lebt. Nur - mit Poes Vorlage hat das Ganze nicht mehr viel zu tun. Corman blähte die 7-Seiten-Geschichte durch diverse Nebenplots und zusätzliche Charaktere auf Spielfilmlänge auf, wovon der um Julianas Hochzeit mit dem Teufel der ärgerlichste ist. Gekrönt wird das von einem völlig missratenem Ende, bei dem sich die verschiedenen Todesboten wie ein paar Rentner vor dem sonntäglichen Frühschoppen unter einem Baum treffen und ihre jüngsten Erlebnisse bequatschen. Während mir beim Lesen des letzten Absatzes der Poe-Geschichte (And now was acknowledged the presence of the Red Death. He had come like a thief in the night...) selbst im hellen Sonnenschein ein Schauer über den Rücken läuft, möchte man hier voller Verzweiflung den Kopf gegen die Wand hämmern. Die puristische Schönheit der Vorlage Poes bleibt bei Cormans Umsetzung völlig auf der Strecke. Ebenso wird die eigentlich zeitlose Botschaft derselben durch die hinzugedichtete Verbrüderung Properos mit dem Satan ihrer Wirkung beraubt.
Nun bin ich ja eigentlich jemand, der Film und Buch als voneinander unabhängige Medien ansieht, und gerade bei einigen anderen Corman-/Poe-Filmen nehme ich ihm die fehlende Werkstreue keineswegs übel. Bei keinem dieser Filme ist jedoch die Diskrepanz zwischen Vorlage und Verfilmung so groß wie hier, und irgendwie mag ich das dem guten Roger nicht recht verzeihen. Poe jedenfalls würde im Grabe rotieren, würde er dieses Werkes gewahr werden.
Abonnieren
Posts (Atom)
.png)
.png)
.png)