30 Dezember 2008

THERE WILL BE BLOOD (Paul Thomas Anderson, 2007)

I'm finished sagt Plainview am Schluss. „Finished" ist er in doppelter Hinsicht. Er hat nicht nur seinen alten Widersacher Eli fertiggemacht, sondern auch sich selbst. Im Gegensatz zu seinem ersten Mord kann er diesen hier nicht vertuschen und er weiß, dass es ihm trotz seines vielen Geldes nicht gelingen wird, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Seelisch ist er ohnehin am Ende, steinreich, aber ohne Freunde, ohne Familie, den (Adoptiv-)sohn verstoßen, dem Alkohol verfallen. Ein vom Hass zerfressener Mann, der sein nahendes Ende vermutlich als Erlösung begreift.

Die letzte Szene zeigt dem Zuschauer noch einmal in aller Deutlichkeit, was den Menschen Daniel Plainview ausmacht. Seine unersättliche Gier geht soweit, dass er sich nicht mit seinem Reichtum und einem moralischen Sieg über den verhassten Gegner zufrieden gibt. Er will mehr. Es reicht ihm nicht, dass Eli wimmernd vor ihm auf dem Boden kriecht, ihm eingestanden hat, dass er nicht nur ein Lügner und Heuchler, sondern auch finanziell am Ende ist. Plainview ist das nicht genug, er will seinen Gegner endgültig zerstören. Er gönnt niemandem etwas. I have a competition in me. I want no one else to succeed. I hate most people sagt er anfangs zu seinem vermeintlichen Bruder. Auch bei seinem adoptierten Sohn macht er keine Ausnahme. Als dieser im mitteilt, er wolle seine eigene Ölfirma gründen, begreift Plainview dies nicht als Teil eines natürlichen Abnabelungsprozesses, sondern als Affront, als Verrat. Er sieht in ihm nicht mehr seinen Sohn, sondern nur noch einen Konkurrenten. This makes you my competitor.

Diese Gier, dieser grenzenlose Hass auf jeden Konkurrenten zieht sich wie ein roter Faden durch Andersons Film. Wobei Anderson keinen Hehl daraus macht, dass genau dies die Triebfeder des Kapitalismus mit all seinen guten wie schlechten Seiten ist. Die derzeitige Bankenkrise ist dafür Beweis genug und so mancher gefallene Börsenstar wird sich dieser Tage ein Stück weit in Daniel Plainview wiederfinden. Doch nicht nur der Kapitalismus bekommt sein Fett weg, auch der religiöse Fanatismus, hier vertreten durch die „Church of the Third Revelation", wird nicht verschont. Der heuchlerische Prediger Eli, der mit seinem religiösen Mummenschanz den Leuten das Geld aus der Tasche zieht und paradoxerweise im Zuge der Weltwirtschaftskrise alles verliert, ist eine ebenso zeitlose Figur wie die des Ölbarons. Völlig am Boden sucht er seine Rettung in den Armen des Kapitalismus, vertreten durch Plainview, und wird von diesem eiskalt abserviert. Am Ende besiegt der Kapitalismus (Plainview) die Religion (Eli), genauer gesagt: er vernichtet sie.

Darstellerisch ist There will be Blood ganz großes Kino. Wenn einer der größten Schauspieler unserer Zeit (Day-Lewis) sich alle paar Jahre dazu herablässt, einen Film zu machen, lässt man sich das nicht entgehen. Und gerade im Vergleich zum vorgestern gesichteten The Dark Knight wird der Unterschied zwischen einem guten Schauspieler (Ledger) und einem Meister seines Fachs (Day-Lewis) deutlich: während Ledger wie ein Schauspieler wirkt, der einen Psychopathen spielt, geht Day-Lewis komplett in seiner Figur auf und ist als Person gar nicht mehr wahrnehmbar. Die Tatsache, dass er dafür einen Oscar bekommen hat, zeigt, dass selbst die Academy manchmal gute Entscheidungen trifft. Erstaunlicherweise kann der junge Paul Dano dieses hohe Niveau mitgehen (wobei er natürlich wesentlich weniger Screentime hat als Day-Lewis) und liefert in der Rolle des religiösen Fanatikers Eli eine beeindruckende Vorstellung. Nicht gefallen hingegen hat mir der viel zu penetrante Score von Jonny Greenwood. Von dieser Schwäche abgesehen, verschaffte mir There will be Blood ein höchst befriedigendes Filmerlebnis.

28 Dezember 2008

THE DARK KNIGHT (Christopher Nolan, 2008)

You either die a hero or you live long enough to see yourself become the villain.

Eine ziemliche Enttäuschung. Nach dem überragenden Batman begins hatte ich eine Fortsetzung erwartet, die die Stärken des Vorgängers beibehält, aber weit gefehlt. Wo Nolans erster Batman durch eine gekonnte Mischung aus Charakterstudie und dunkler Rachegeschichte überzeugen konnte, mit interessanten Figuren und einer packenden Story, angesiedelt in einem dreckigen Moloch, der direkt aus dem Blade-Runner-Universum stammen könnte, reduzieren sich die Showwerte des Nachfolgers auf eine relativ platte Aneinanderreihung sauber choreografierter Actionszenen in einer "normalen" Großstadt ohne jeden Wiedererkennungswert. Eine 08/15-Comic-Umsetzung, die jemanden wie mich, der mit Comics noch nie etwas anfangen konnte, nur schwer begeistern kann. Die Figur des Bruce Wayne tritt komplett in den Hintergrund bzw. wird reduziert auf ihr Alter Ego, das immer dann auftaucht, wenn Not am Mann ist. Nolan haut dem Zuschauer eine zweieinhalbstündige Actionplatte um die Ohren, dass einem Hören und Sehen vergeht. Sicher ist das alles nett anzuschauen, eines Christopher Nolan, der mich bisher noch mit jedem seiner Filme restlos begeistern konnte, ist dies nicht würdig. Von Werken wie Memento, The Prestige oder auch Batman begins ist das hier meilenweit entfernt.

In der zweiten Hälfte schlägt die Story derartige Kapriolen, dass man sich beinahe in einem James-Bond-Film wähnt. Stellenweise fühlte ich mich gar an Die hard with a Vengeance erinnert ("Simon says..."). Die Krönung aber ist der völlig sinnlose Schluss. Warum sollte es die Moral der Einwohner von Gotham City stärken, wenn der einzige öffentliche Kämpfer für die Gerechtigkeit tot ist, ihr bisher einziger effektiver Beschützer jedoch plötzlich zum bösen Buben gemacht wird? Die Einwohner also niemanden mehr haben, der sich für Gerechtigkeit einsetzt? Ich hab's jedenfalls nicht verstanden, möglicherweise ist mir auch ein klärendes Detail entgangen, da mich der Film mit zunehmender Spieldauer nur noch bedingt fesseln konnte.

Darstellerisch hingegen läßt Nolan nichts anbrennen. Bale hat kaum Möglichkeiten, sich in Szene zu setzen, dafür agieren Caine, Freeman und vor allem Gary Oldman gewohnt souverän. Und auch Aaron Eckhart weiß zu gefallen. Im Zentrum des Films steht jedoch die Figur des Joker, die von Heath Ledger solide umgesetzt wurde. Die überschwänglichen Lobeshymnen, die in der Folge seines tragischen Todes angestimmt wurden, sind jedoch völlig überzogen und die Forderungen, ihm posthum einen Oscar zu verleihen zeigen nur, wie stark der Blick auf eine Person durch ihren frühen Tod verklärt wird. Wer würde heute noch über Kurt Cobain reden, wenn er sich nicht die Rübe weggepustet hätte, wer würde heute noch James Dean für einen guten Schauspieler halten, wenn er nicht so jung gestorben wäre? Wobei ich mir kein Urteil über Heath Ledger als Schauspieler erlauben will, da ich zu wenig von ihm gesehen habe. Seine Leistung als "Joker" ist jedenfalls aufgrund seiner stellenweise arg gekünstelten Darstellung und seiner immer gleichen nervösen Gesten nicht mehr als guter Durchschnitt.

The Dark Knight ist sicher kein schlechter Film. Einen solchen traue ich Nolan auch nicht zu. Allerdings macht er mit diesem Film einen großen Schritt in Richtung Mainstream-/Blockbusterkino. Gut, das war der Vorgänger im Prinzip auch, aber dort blieb er dennoch seinem Stil treu. The Dark Knight hingegen wirkt wie ein Fremdkörper in seinem bisherigen Schaffen und hätte ich es nicht gewusst, wäre ich vermutlich nicht darauf gekommen, dass er hier Regie geführt hat. Vieles von dem, was seine bisherigen Filme ausgezeichnet hat, fehlt hier und damit hat er sich meiner Meinung nach auf einen schlechten Weg begeben. Immerhin: der Masse scheint es zu gefallen, wie die Einspielergebnisse und die lachhaft hohe imdb-Note zeigen. Und das ist ja immerhin etwas.   

19 Dezember 2008

STAGECOACH (John Ford, 1939)

Well, there are some things a man just can't run away from.

Als Kind habe ich den ein paar mal gesehen. Die Szene, in der John Wayne von der Kutsche aufs Pferd springt, war mir noch in Erinnerung. Den Rest hatte ich vergessen und das sagt trotz der langen Zeit, die seitdem vergangen ist, eine Menge aus über Fords Film: nett anzusehen, aber nichts, was sich nachhaltig im Gedächtnis verankert. 

Überhaupt kann ich Fords Western meist nicht viel abgewinnen, auch nicht dem allseits so gelobten The Searchers. Immerhin bietet Stagecoach ein paar interessante Charaktere (wenn auch kein Klischee ausgelassen wird) und den schön gefilmten Angriff der Apatschen auf die Kutsche, spart aber leider den Showdown zwischen Ringo und den Plummer-Brüdern aus. 

Etwas ärgerlich ist die Musikuntermalung, die immer wieder in unpassenden Momenten die Soundkulisse überlagert, wie beispielsweise in der schon angesprochenen Überfall-Sequenz. Als endlich die Soldaten zu Hilfe kommen und sich deren Ankunft durch das Ertönen des Schlachthorns ankündigt, erstickt Ford das Signal, indem er völlig unmotiviert die ohnehin nicht sehr gelungene Filmmusik darüber klatscht. Und auch die Unart, bei jedem getroffenen Indianer das Pferd zu Fall zu bringen, statt den Getöteten vom Pferd stürzen zu lassen, trübt die Stimmung. Doch die guten Darsteller und die mehr als ansehnliche Bildkomposition verhindern, dass das Ganze dann in völlige Tristesse abgleitet und so bietet Stagecoach dann unter dem Strich zumindest kurzweilige Unterhaltung. 

17 Dezember 2008

MISERY (Rob Reiner, 1990)

I'm your number one fan.

Als langjähriger Stephen-King-Fan (wenn auch mein Interesse an seinen neueren Büchern immer mehr schwindet) stehe ich den Verfilmungen seiner Werke meist kritisch gegenüber. Viele sind schlichtweg Müll oder haben mit der Vorlage nicht mehr viel gemeinsam, wobei ich mich durchaus an einer freien Interpretation erfreuen kann, wenn das Ergebnis qualitativ in Ordnung geht. Soll heißen: Maßstab für eine gelungene Verfilmung ist für mich ausschließlich die Qualität des Films und nicht die Frage, wie werkstreu dieser umgesetzt wurde. Die Rob-Reiner-Filme zählen ebenso wie die Frank-Darabont-Umsetzungen zu den wenigen King-Verfilmungen, die beide Kriterien erfüllen: sie halten sich eng an die Vorlage und können zudem in ihrer filmischen Qualität überzeugen.

Misery kann zwar nicht ganz mit dem fünf Jahre früher entstandenen Stand by me mithalten, ist für sich betrachtet jedoch ein äußerst intensives und beklemmendes Kammerspiel, das in erster Linie von einem großartig aufspielenden James Caan getragen wird. Kathy Bates hingegen kann nur in Ansätzen überzeugen, ihre Versuche, die Psychopathin zu mimen, wirken über weite Strecken wenig glaubwürdig. Lustigerweise hat sie für ihre allenfalls durchschnittliche Leistung sogar einen Oscar bekommen, aber die Geschichte der Academy ist ja reich an fragwürdigen Entscheidungen. Bates Performance ist aber die einzige (kleine) Schwäche eines ansonsten rundum gelungenen Thrillers, der auch nach der 5. oder 6. Sichtung nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.

24 November 2008

I AM LEGEND (Francis Lawrence, 2007)

God didn't do this. We did!

Wenn ich sage, dass ich mit geringen Erwartungen an die dritte Umsetzung von Richard Mathesons Roman heranging, ist das beinahe noch untertrieben. Will Smith in der Hauptrolle und ein mir völlig unbekannter Regisseur - das konnte ja nix werden - so jedenfalls meine voreingenommene Meinung. Und auch die Kommentare von Bekannten, die den Film gesehen hatten, verhießen nicht viel Gutes. Auf der Habenseite war lediglich die Tatsache zu verbuchen, dass ich die beiden vorherigen Umsetzungen mit Vincent Price bzw. Charlton Heston nicht kenne, ein direkter Vergleich also nicht möglich war.

Wider Erwarten gefiel mir das Treiben auf dem Bildschirm dann aber erstaunlich gut. Mit Bildern von entvölkerten Metropolen (hier New York) kann man bei mir immer punkten. Will Smith spielt die Rolle mit dem nötigen Ernst und trägt den Film souverän über die Laufzeit. Auch die im Vorfeld so gescholtenen CGI-Mutanten fand ich ganz ordentlich gelungen. Die katzenartige Animation passt zu der von Neville gegebenen Erklärung, dass die Mutanten über eine extrem erhöhte Pulsfrequenz verfügen. Die sparsam dosierten Konfrontationen zwischen Neville und den Infizierten sind spannungsgeladen und nicht zu sehr in die Länge gezogen. Das machte es mir leicht, über kleinere inhaltliche Ungereimtheiten ebenso großzügig hinwegzusehen wie über die wiederholten Anflüge von Pathos, auf die viele amerikanische Filme der letzten Jahre anscheinend nicht verzichten können. 

Lediglich das ansonsten gelungene Ende trägt da zu dick auf, das schwülstige Geschwafel vom Helden Robert Neville, der sein Leben gegeben hat... bla bla bla... hätte man sich sparen können. Dennoch: 95 Minuten kann man weitaus schlechter verbringen als mit der Sichtung dieses Films, auch wenn I am Legend alles andere als eine cineastische Großtat ist.   

20 November 2008

KING KONG (Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack, 1933)

It was Beauty killed the beast.

Mit King Kong verbindet mich eine Liebe aus Kindertagen, die bis heute nicht erloschen ist. Und obwohl ich den Film schon viele Male gesehen habe, war diese Sichtung in gewisser Weise eine Premiere, da ich ihn zum ersten Mal im englischen Originalton genießen durfte.  

King Kong war in vielerlei Hinsicht Wegbereiter für die Monsterfilme der folgenden Jahrzehnte, egal ob einem dabei die Arnoldfilme der 50er, die Harryhausen-Stop-Motion-Werke oder die aktuelleren Blockbuster wie Jurassic Park und Konsorten in den Sinn kommen. Der Ursprung all dieser Filme findet sich hier. Die Effekte waren zur Entstehungszeit wegweisend und sind geradezu als sensationell zu bezeichnen. Und Fay Wray war wohl die erste Scream-Queen der Filmgeschichte. 

Schade nur, dass man es einfach nicht schafft, diesen Klassiker in angemessener Qualität auf DVD zu veröffentlichen. Die US-DVD von Warner bietet zwar einen ordentlichen Ton, aber eine bestenfalls erträgliche Bildqualität. Immerhin können die Extras überzeugen.

  

12 November 2008

INVASION U.S.A. (Joseph Zito, 1985)

Während der Sichtung wurde mir wieder einmal bewusst, wie sehr sich der Filmgeschmack im Laufe der Zeit verändert. Vor 20 Jahren feierte ich dieses Norris-Vehikel noch gemeinsam mit meinen Freunden ab, gestern langweilte es mich so, dass ich Mühe hatte, bis zum Ende auszuharren. Gerade im Vergleich mit dem kürzlich gesichteten Predator wirkt Zitos Streifen beinahe erbärmlich, wenn auch die beiden Filme inhaltlich kaum Gemeinsamkeiten haben. Einziges Highlight waren ein paar kurze Kampfszenen mit Norris, bei denen er ausnahmsweise mal auf seine Waffen verzichtete. Zu wenig.  

03 November 2008

WALL·E (Andrew Stanton, 2008)

Meine Vorfreude auf den neuesten Pixar-Streich war nicht ganz so groß wie bei den Vorgängern, versprach doch die Story wenig Aufregendes. Nach dem tollen Vorfilm Presto überraschte Wall·E dann aber doch mit einem gelungenen Start. Sowohl Wall·Es Arbeitsalltag als auch die sich anbahnende, völlig ohne Dialoge auskommende zarte Liebesgeschichte zwischen dem irdischen Müllroboter und der „außerirdischen" Eve wurden pixartypisch mit viel Liebe zum Detail inszeniert. 

Doch meine Freude über das auf der Kinoleinwand Dargebotene währte nicht allzu lange. Mit dem Verlassen der Erde und der Ankunft auf dem riesigen Raumschiff verflachte das Ganze merklich und wurde stellenweise sogar richtig langweilig. Die völlig uninspirierten Verfolgungsjagden und der unglaubwürdige Konflikt zwischen dem Kommandaten und dem optisch an HAL angelehnten Supercomputer wurden auch durch die zahlreichen 2001-Verweise nicht besser. 

Vor einem endgültigen Urteil (wobei – wann gibt es ein solches schon?) will ich die Zweitsichtung auf DVD abwarten, aber spontan würde ich Wall·E als einen der schwächeren Pixars einstufen. 

02 November 2008

SPACE COWBOYS (Clint Eastwood, 2000)

Have you noticed how everybody seems to be dead lately?

Kaum ein Hollywood-Star geht so charmant mit dem eigenen Altern und den damit einhergehenden körperlichen Begleiterscheinungen um wie Clint Eastwood.  

Space Cowboys ist ein besonders gelungenes Beispiel dafür, wobei er sich hier gleich noch ein paar ebenbürtige Mitstreiter ins Boot geholt hat. So ist die dialogbetonte erste Hälfte des Films, in der die gealterten Helden auf ihren Einsatz vorbereitet werden, folgerichtig auch die bessere, doch auch die spannungsgeladene zweite Hälfte ist ganz ordentlich gelungen, nicht zuletzt aufgrund der überzeugenden Special Effects von ILM. Da sieht man dann auch über die zahlreichen Ungereimtheiten während des Missionseinsatzes großzügig hinweg. 

25 Oktober 2008

VAMPIRES (John Carpenter, 1998)

When you were stabbing that vampire in there... Did you get a little wood?

Ich bin ja im Allgemeinen nicht gerade ein Freund der Carpenter'schen B-Movies, aber Vampires zählt zu den wenigen überzeugenden Momenten seines Schaffens. Und nicht nur das: ich halte die originelle Mischung aus dreckigem Spagetti-Western und herkömmlichem Vampirfilm sogar für äußerst gelungen und sehe sie mir immer mal wieder mit Vergnügen an. 

Natürlich kann Carpenter auch hier seine Defizite nicht verbergen: so wirken beispielsweise die zahlreichen "Entflammungen" der Vampire, wenn sie ins Sonnenlicht gezogen werden, extrem billig und die wenigen Actionszenen, die der Film bietet, lassen jede Dynamik vermissen. Doch im Gegensatz zu vielen anderen seiner Filme stört mich das hier kein bisschen. 

Die Westernsettings in der mexikanischen Einöde sind grandios, die Story originell und spannend, die Darsteller allesamt überzeugend - sei es James Wood in der Rolle des gnadenlosen Vampirjägers, Thomas Ian Griffith als Vampirmeister Valek oder Maximilian Schell in der Rolle des Kardinal Alba, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht. Und Sheryl Lee ist einfach eine geile Sau, da gibt's nix. 

24 September 2008

ELEMENTARTEILCHEN (Oskar Roehler, 2006)

Roehlers filmische Umsetzung des (mir unbekannten) Romans von Michel Houellebecq changiert lässig zwischen Groteske, Drama und Romanze und weiß damit über die gesamte Spieldauer vorzüglich zu unterhalten. Dabei beackert er gleich eine ganze Reihe interessanter Themenfelder wie Gentechnik, Vereinsamung des Einzelnen in der Gesellschaft, etc., kratzt dabei jedoch immer nur an der Oberfläche und lässt jeden Tiefgang vermissen. 

Diese vermeintliche Schwäche ist aber die eigentliche Stärke des Films, verleiht sie ihm doch eine Leichtfüßigkeit, die sich angenehm von der im deutschen Film so verbreiteten Bedeutungsschwere abhebt. Zahlreiche Szenen sind traurig und witzig zugleich, insbesondere diverse Anekdoten aus Brunos Kindheit oder auch Christianes verzweifeltes Bemühen, innerhalb der ihr verbleibenden Zeit die maximale sexuelle Befriedigung zu erzielen. 

Darstellerisch ist alles im grünen Bereich, Franka Potente finde ich auch im biederen Kleidchen mit Pickeln im Gesicht scharf und Uwe Ochsenknecht hat einen ebenso kurzen wie prägnanten Auftritt als Brunos versoffener Vater.  

22 September 2008

REPULSION (Roman Polanski, 1965)

Look, relax, take it easy, enjoy life!

Polanskis erster englischsprachiger Film unterscheidet sich qualitativ doch recht deutlich vom direkten Vorgänger Nóz w wodzie

Katherine Deneuve verkörpert überzeugend die verstörte junge Frau in einer fremden Stadt, die zunehmend von schizophrenen Wahnvorstellungen überwältigt wird, je länger sie alleine in ihrer Wohnung sitzt. Eigentlich macht sie nicht viel mehr als verängstigt in die Kamera zu schauen, aber es sind gerade die kleinen Gesten wie das nervöse Streichen über die Brust, die ihre Perfomance so außergewöhnlich machen. Risse in den Wänden, virtuelle Vergewaltigungen durch unbekannte Männer – aus ihrer Sicht nur konsequent, jeden realen Menschen zu töten, der sich in ihre Wohnung verirrt. Toll auch wie beiläufig Polanski einen möglichen sexuellen Missbrauch durch den Vater nur durch den abschließenden Zoom auf das Familienfoto andeutet.  

TOY STORY 2 (John Lasseter, 1999)

Pixars Schwächster und der einzige Film des Erfolgsstudios, zu dem ich auch nach mehrfacher Sichtung keinen richtigen Zugang finde. Schlecht ist er natürlich nicht, aber er hat eben mit den typischen Problemen so vieler Fortsetzungen zu kämpfen: die Charaktere sind bekannt, Überraschungseffekte bleiben aus und die Story ist nur eine Variation der des ersten Teils. Wobei die gefälligen ersten fünf Minuten (die Videospielsequenz) sich durchaus positiv vom durchwachsenen Rest abheben.

21 September 2008

DEATH AND THE MAIDEN (Roman Polanski, 1994)

As long as you're holding the gun, we have nothing to discuss.

Starkes Drei-Personen-Kammerspiel mit einer guten Story und hervorragenden Darstellern. Wobei hier gleichzeitig auch ein kleiner Schwachpunkt liegt, denn Sigourney Weaver fand ich schon immer extrem unsympathisch. So gut sie auch spielt - ich mag sie einfach nicht, und so fiel es mir schwer, mich richtig mit ihr zu identifizieren. Ein ähnliches Problem hatte ich seinerzeit mit Weirs The Year of living dangerously, wo Weaver zusammen mit Mel Gibson ein wenig glaubwürdiges Liebespaar abgab. 

Und so kann ich eine gewisse Distanz zum Geschehen nicht leugnen, aufgrund derer ich mich in die Rolle des unbeteiligten Zuschauers gedrängt sah, statt echten Anteil an ihrem Schicksal zu nehmen. Spannend ist das Ganze natürlich trotzdem. Gut gelungen auch das Ende, was bei einer derartigen Geschichte alles andere als selbstverständlich ist.  

20 September 2008

PLAN 9 FROM OUTER SPACE (Edward D. Wood, 1959)

Nach der Sichtung von Burtons Ed Wood vor einigen Wochen ließ ich mir natürlich die Gelegenheit nicht entgehen, Woods bekanntesten Film im Rahmen der Arte-Trash-Reihe zu bestaunen. Ich hatte mir vorgenommen, die Sichtung möglichst wohlwollend anzugehen, musste jedoch angesichts des trostlosen Treibens auf dem Bildschirm recht bald kapitulieren.  

Plan 9 from Outer Space ist sicherlich nicht der schlechteste Film, den ich in meinem Leben gesehen habe (Saw beispielsweise war schlechter), aber etwas Positives will mir dazu auch nicht einfallen. Dilettantisch und vor allem gähnend langweilig. Dennoch stellte sich zum Ende hin ein beruhigendes Gefühl ein, da ich nun wenigstens mal einen Film von Ed Wood gesehen habe.

TOY STORY (John Lasseter, 1995)

Bei der Veröffentlichung 1995 waren die Animationen bahnbrechend - immerhin war Toy Story der erste Kinofilm seiner Art und legte damit den Grundstein für ein neues Subgenre - und sehen heute immer noch gut aus. Auch die detailliert ausgearbeiteten Charaktere, für die Pixar heute steht, gab es damals schon. Die Story ist simpel, erfüllt aber ihren Zweck. Damals wie heute ein schöner Film für die ganze Familie.  

16 September 2008

FRIDA (Julie Taymor, 2002)

I hope the exit is joyful and I hope never to return.

Julie Taymors phantastische Biographie der mexikanischen Malerin Frida Kahlo konnte mich schon bei der Erstsichtung vor einigen Jahren restlos überzeugen und hinterließ gestern einen noch tieferen Eindruck. 

Bemerkenswert ist vor allem die kunstvolle Integration zahlreicher Bilder (vor allem Selbstporträts) Frida Kahlos, indem sie die dargestellten Szenen mit Salma Hayek nachstellt und dann in das Originalbild überblendet oder eben umgekehrt - vom Bild zur realen Darstellung. Besonders eindrücklich ist dies bei Fridas Sterbeszene gelungen, wo die von Flammen umloderte Hayek durch Fridas flammenumzüngeltes Selbstporträt ersetzt wird. 

Vor allem aber gelingt es Taymor, den Schmerz und das endlose Leiden Kahlos, das sich auch in vielen ihrer Bilder widerspiegelt, glaubwürdig zu vermitteln, ohne dabei jedoch ihre unbändige Lebensfreude, die sie ihre schwere Krankheit und die ständige Untreue Diego Riveras ertragen ließen, zu vernachlässigen. Perfekt untermalt wird dies von einem herrlichen Score, der die überwältigenden Bilder kongenial ergänzt.  

15 September 2008

52 Pick-Up (John Frankenheimer, 1986)

There's something about your face that makes me want to slap the shit out of it!

Die DVD war ein Blindkauf, aber einer mit geringem Risiko, denn auf Frankenheimer ist normalerweise Verlass. Und tatsächlich weiß der im schmierigen Pornomilieu der 80er angesiedelte Thriller zu gefallen.  

52 Pick-Up ist wie viele Frankenheimer-Filme aus den 80er Jahren keine Großtat und recht deutlich vom Niveau seiner Arbeiten aus den 60er Jahren entfernt, aber doch weitaus mehr als solide Unterhaltung. Durch immer wieder eingebaute kleinere Plottwists, die punktgenau dann kommen, wenn die Story in Langeweile abzudriften droht, hält Frankenheimer den Zuschauer bei der Stange. Und auch Jost Vacanos hervorragende Kameraarbeit ist ein nicht zu bestreitender Schauwert. Das Ende ist zwar vorhersehbar (warum sonst sollte Harry Alan seinen Wagen anbieten?), aber dennoch gelungen. 

Eine runde Sache.
  

11 August 2008

RAMBO (Sylvester Stallone, 2008)

Fuck the world!

Als abgehalfterter Actionstar hat man im Prinzip zwei Möglichkeiten: man wird Gouverneur in Kalifornien oder versucht krampfhaft, die Geister längst vergangener Tage heraufzubeschwören. Da wohl gerade kein Gouverneursposten frei war, entschied sich Stallone für Letzteres. Ging das Konzept bei Rocky Balboa noch halbwegs auf, versagt es bei Rambo auf der ganzen Linie. 

Stallone machte es sich hier etwas zu einfach: er kombinierte die ohnehin schon schwachen Storys der Teile 2 und 3, wählte irgendeinen aktuellen Konflikt als politischen Hintergrund (in dem Fall Birma, wohl wegen der geographischen Nähe zu Thailand, Rambos Wohnort in Teil 3) und fertig ist der Actionlangweiler aus der Retorte. Da aber sogar Stallone erkannte, dass dies wohl nicht langen würde, reicherte er den Brei noch mit den derbsten Gewaltszenen an, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Die offizielle Lesart ist natürlich, dass er damit auf das Schicksal der Menschen in Birma aufmerksam machen will, allein - seine Motive sind zu durchsichtig. Man provoziert mit Bildern von massakrierten Babys und Kindern, die lebendig ins Feuer geworfen werden und zeigt bei jeder Gelegenheit, wie furchtbar böse die Militärjunta in Birma doch ist. Und der fiese Obermotz trägt natürlich 'ne coole Sonnenbrille.

Das alles wäre noch zu verschmerzen, wenn wenigstens anständige Action geboten würde, denn einen ernsthaften Kriegsfilm konnte von Stallone niemand erwarten. Doch auch hier enttäuscht Rambo. Teil 2 begeisterte wenigstens noch mit erstklassigen Actionszenen, die einem über die dünne Story hinweghalfen. Teil 4 hingegen bietet nichts dergleichen. Über weite Strecken wirkt er so, als habe man die schlechtesten Elemente aus den beiden Vorgängern übernommen und die guten Szenen weggelassen. Zu allem Überfluss sieht Stallone auch noch aus wie eine geschminkte Tunte im Siegfried-und-Roy-Gedächtnislook. Ich wartete die ganze Zeit darauf, dass er eine Peitsche auspackt und ein paar weiße Tiger um die Ecke kommen. Leider vergebens.  

18 Juli 2008

SUNSET BLVD. (Billy Wilder, 1950)

I know your face.

Faszinierendes Porträt einer alternden Diva, die nicht erkennen will, dass ihre Zeit vorbei ist. 

Interessant sind die zahlreichen Verwebungen realer Personen und Ereignisse der goldenen Ära Hollywoods mit fiktiven Elementen sowie die Gastauftritte von Hollywood-Schwergewichten wie Buster Keaton oder H. B. Warner. Ich bedaure es sehr, dass ich nicht die Möglichkeit hatte, den Film im Originalton zu sehen, denn die geschliffenen Dialoge entfalten dort vermutlich noch eine ganz andere Wirkung als die (brauchbare) Synchro. Aber das wird bei der passenden Gelegenheit nachgeholt. 

07 Juli 2008

ED WOOD (Tim Burton, 1994)

This' is the one I'll be remembered for.

Ich habe leider noch nie einen Film von Ed Wood gesehen, aber nach der Sichtung von Burtons liebevoller Hommage an den "schlechtesten Regisseur aller Zeiten" habe ich direkt Lust, mir Klassiker wie Plan 9 from Outer Space oder Bride of the Monster anzuschauen. Was jetzt weniger was über die Qualität der Filme als vielmehr über Burtons Film aussagt. Er porträtiert Ed Wood nicht als Versager, sondern als zwar talentfreien aber begeisterten und ideenreichen Filmemacher, der es auf geradezu abenteuerliche Art und Weise immer wieder verstand, irgendwelche Menschen dazu zu bewegen, seine zum Scheitern verurteilten Projekte zu finanzieren. Die Krönung ist die Sache mit der Baptistenkirche inkl. Massentaufe der gesamten Crew - einfach unglaublich!

Herausragend die Leistung Martin Landaus in der Rolle des Bela Lugosi, für die es völlig zu Recht einen Oscar gab. Damit legt er die Messlatte sehr hoch für die übrigen Darsteller, die es jedoch schaffen, sich diesem Niveau anzunähern. Freude hat mir das unerwartete Wiedersehen mit George "The Animal" Steele bereitet, den ich noch aus Zeiten kenne, zu denen ich mich allwöchentlich an den WWF-Übertragungen des britischen Senders Sky Channel erfreute (damals noch mit Kommentaren von Jesse Ventura).   

06 Juli 2008

THE HOLCROFT COVENANT (John Frankenheimer, 1985)

The world is full of lunatics shooting each other in the streets.

Herrjeh, die Story als hanebüchen zu bezeichnen, ist schon beinahe euphemistisch. Auf so einen Blödsinn muss man erstmal kommen, da sind selbst die Geschichten der meisten Bondfilme realistischer. 

Aufgrund der gewohnt souveränen Regie Frankenheimers sowie der guten Darsteller ist The Holcroft Covenant unter dem Strich dennoch ein unterhaltsamer Film geworden. Lediglich Anthony Andrews nahm ich die Rolle des bösen Nazi-Wiedergängers nicht ab - der Rest des Casts jedoch gibt sich keine Blöße. Besonderen Spaß hatte ich mit Mario Adorf in der Rolle des schmierigen Dirigenten Jürgen Maas. Merkwürdig nur, dass man ihn in der deutschen Fassung von jemand anderem hat synchronisieren lassen, wo er sich doch genauso gut hätte selbst sprechen können. 

Wie auch immer: Frankenheimers geradlinige, schnörkellose Inszenierung sorgt dafür, dass man während des Films nicht zu intensiv über die Story nachdenkt und trägt dadurch erheblich dazu bei, dass der Film trotz dieses Schwachpunkts funktioniert.   

03 Juli 2008

THE LADY VANISHES (Alfred Hitchcock, 1938)

I've no regrets.

Ein etwas eigenartiger Film von Hitchcock, dessen Dreiteilung mir zu schaffen machte. 

Die erste halbe Stunde im Hotel kommt im Stil einer albernen Komödie daher und dient im Grunde genommen nur dazu, die verschiedenen Charaktere einzuführen. Die Dialoge sind stellenweise kaum zum Aushalten, wobei ich vermute, dass dies an der Synchro liegt. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die Sequenz im Originalton deutlich amüsanter ist, aber dies ist nur eine Vermutung. 

Der zweite Teil hingegen (die Zugfahrt) überzeugt uneingeschränkt und bietet ein spannendes Detektivspiel, bei dem Hitch den Zuschauer lange darüber im Unklaren lässt, ob es Miss Froy tatsächlich gibt oder sie nur eine Ausgeburt der Phantasie Iris Hendersons ist. 

Statt den Film mit dem Abschluss der Zugfahrt zu beenden, hängte der Altmeister leider noch einen völlig überflüssigen dritten Teil an, der zum Rest des Films passt wie die Faust aufs Auge. So bleibt man als Zuschauer trotz des brillanten Mittelteils letztlich unbefriedigt zurück.

  

30 Juni 2008

TERMINATOR 3: RISE OF THE MACHINES (Jonathan Mostow, 2003)

Drop dead, you asshole!

Gefällt mir mit jeder Sichtung besser. Inzwischen neige ich sogar dazu, ihn dem zweiten Teil vorzuziehen. 

Hier gibt es keinen besserwissenden, pubertierenden Jungen, der mit altklugen Sprüchen nervt, sondern atemberaubende „handgemachte“ Action, die auf CGI nur da zurückgreift, wo es sinnvoll ist, irre Verfolgungsjagden, eine sehr süße Kristanna Loken und ein ebenso mutiges wie originelles Ende - kurz, ein Film bei dem alles stimmt. So muss ein Actionfilm aussehen, und nicht anders. Die Logiklöcher in der Handlung haben mich schon bei den beiden Vorgängern nicht gestört, warum sollten sie es also hier? 

Für mich einer der besten Actionfilme der letzten zehn Jahre.   

08 Juni 2008

EAST OF EDEN (Elia Kazan, 1955)

Man has a choice and it's a choice that makes him a man.

James Dean war kein guter Schauspieler. Er sah gut aus, hatte eine starke Aura, aber sein darstellerisches Talent bewegte sich auf bestenfalls durchschnittlichem Niveau. Die tragischen Umstände seines frühen Todes hatten sicherlich einen erheblichen Anteil daran, dass man seither verklärt auf ihn zurückblickt. Konnte er seine Defizite später bei Rebel without a Cause recht gut kaschieren, so treten sie hier offen zu Tage. Ganz abgesehen davon, dass er für die Rolle viel zu alt ist. 

Damit wären die Negativpunkte des Films aber auch schon abgehakt, denn darüber hinaus gibt es wenig zu beanstanden. Die restlichen Darsteller machen ihre Sache gut, die auf einer Vorlage John Steinbecks basierende Geschichte wurde von Kazan souverän in Szene gesetzt und das Ende war richtig traurig.

  

06 Juni 2008

GRAND PRIX (John Frankenheimer, 1966)

Sehr authentischer Film über die Formel-Eins-Saison 1966 mit für die damalige Zeit spektakulären Bildern, die selbst heute noch auf der Höhe der Zeit sind. Die Kameraarbeit ist unglaublich, man wähnt sich direkt auf der Rennstrecke, kann das Adrenalin in jeder Szene spüren. Erschreckend wie gefährlich die Rennen damals waren und wie groß das Risiko, das Cockpit nicht lebend zu verlassen. Im Vergleich dazu sind die heutigen Rennen (glücklicherweise) Kinderkram. 

Sauspanned, packend, mitreißend und viel besser als jedes echte Formel-Eins-Rennen.  

04 Juni 2008

SUSPICION (Alfred Hitchcock, 1941)

You're the first woman I've ever met who said yes when she meant yes. 

Schon in der ersten Szene wird klar, dass Johnnie ein Schwindler und Betrüger ist. Aber ist er auch ein Mörder?  

Suspicion bezieht seine Spannung einzig und allein aus dieser Frage, aber da die gesamte Story aus Linas Sicht erzählt wird und der Zuschauer auch immer nur ihren Wissenstand hat, geht das Konzept auf. Dabei geht Hitchcock gewohnt routiniert zu Werke und baut die Spannung langsam aber stetig auf, bis das Ganze dann in ein etwas merkwürdiges Finale mündet. 

Cary Grant ist für die Rolle des draufgängerischen Frauenschwarms die Idealbesetzung, seine von mir so gefürchtete Grimassenschneiderei hält sich glücklicherweise stark in Grenzen. Auffällig sind die zahlreichen Parallelen zu Verhoevens Basic Instinct, aber der Niederländer hat aus den starken Hitchcock-Einflüssen seines Detektivspiels ja nie einen Hehl gemacht. Schöner Film.  

26 Mai 2008

3:10 TO YUMA (James Mangold, 2007)

Sometimes a man has to be big enough to see how small he is. 

Das Original aus den 50er Jahren kenne ich nicht, gute Voraussetzungen also für ein unbelastetes Filmerlebnis. Und ein Erlebnis wurde es in der Tat, denn Mangold ist ein außerordentlich stimmungsvoller und spannender Western gelungen, der vor allem durch eine ausgeprägte Charakterzeichnung überzeugt und bis in die Nebenrollen ausgezeichnet besetzt ist. Denn neben Russell Crowe und Christian Bale in den Hauptrollen kann auch die zweite Reihe begeistern, beispielsweise Peter Fonda oder der überragende, mir bis dato völlig unbekannte Ben Foster, der mich stellenweise etwas an Klaus Kinski erinnerte. 

Die Story weist deutliche Parallelen zu High Noon auf und ist alles andere als schlüssig, aber der Western ist eines der Genres, die am ehesten auf eine gute Story verzichten können. Lediglich das Ende hat mich etwas enttäuscht, weil es das Bemühen erkennen ließ, den Zuschauer um jeden Preis zu überraschen. Dass einer der beiden Protagonisten sterben würde, war von Anfang an klar, und wer von beiden es sein würde, ahnte ich auch schon früh. Jedoch erschien mir Ben Wades Vorgehen zutiefst irrational und ist mit seinem in zwei Stunden detailliert aufgebauten Charakter nur schwer in Einklang zu bringen. 

Trotz dieses Wermuttropfens eine rundum überzeugende Arbeit von James Mangold, die außer der Frage nach Wades Motiven noch eine weitere offenlässt: wer, zur Hölle, denkt sich immer diese peinlichen deutschen Filmtitel aus?  

SERAPHIM FALLS (David Von Ancken, 2006)

Die beiden Schüsse aus dem Hinterhalt zu Beginn des Films katapultieren den Zuschauer mitten in die Handlung hinein. Es gibt keine Erklärung, keine Vorstellung der handelnden Personen. Man erfährt nur das Nötigste, die Story wird reduziert auf die Flucht eines Mannes vor seinen Verfolgern. Pierce Brosnan rennt durch den Wald wie einst John Rambo anno 1979 und bringt seine Häscher nach und nach zur Strecke. 

Doch je länger ich David von Anckens minimalistische Herangehensweise genoss, desto mehr wuchs in meinem Innern die Befürchtung, dass er das nicht bis zum Ende durchziehen würde, sondern in bester Hollywoodmanier das Kunststück vollbringen würde, den Streifen nach einem so hervorragenden Beginn noch vor die Wand zu setzen. Und tatsächlich: nach der großen Flashback-Szene, in der die Beziehung zwischen Gideon und Carver erklärt wird, war bei mir der Ofen aus. Was folgte, war eine zunehmend langweilige Odyssee zweier Männer, die nicht nur unter der sengenden Sonne, sondern vor allem unter der immer penetranteren Symbolik zusammenzubrechen drohten. 

So bleibt unter dem Strich ein eher zwiespältiger Eindruck nach einer mitreißenden ersten und einer langweiligen, mit Metaphern überladenen zweiten Hälfte.  

18 Mai 2008

FROM HERE TO ETERNITY (Fred Zinnemann, 1953)

Maybe back in the days of the pioneers a man could go his own way, but today you got to play ball.

Fesselndes Liebes-Melodram vor dem Hintergrund des Angriffs der Japaner auf Pearl Harbor. Auffallend ist die detaillierte Charakterzeichnung, an der die allesamt überzeugenden Darsteller einen gehörigen Anteil haben. Erwähnenswert auch das gute Drehbuch, das die beiden parallel erzählten Handlungsstränge gekonnt verknüpft und die Geschichte zu einem konsequenten, passenden Abschluss bringt. 

Von Fred Zinnemann kenne ich bisher leider nur drei Filme (diesen mitgerechnet), und alle drei sind hervorragend. Wird Zeit, sich mal etwas näher mit der Arbeit des Österreichers auseinanderzusetzen...  

15 Mai 2008

QIAN LI ZOU DAN QI/Der einsame Tausendmeilenritt (Zhang Yimou, 2005)

Routinierte Arbeit von Zhang Yimou. Ähnlich wie bei Yi ge dou bu neng shao erzählt er eine sehr einfache Geschichte, deren Verlauf zu großen Teilen vorhersehbar ist. Echte Überraschungen bleiben aus, zumindest wenn man bereits ein paar Filme des großen chinesischen Regisseurs gesehen hat. 

Wie schon bei dem vorgenannten Film verwendete er überwiegend Laiendarsteller, die vollkommen authentisch und natürlich wirken. Bei einem Thema wie diesem ist die Gefahr groß, in rührseligen Kitsch abzugleiten, doch nicht zuletzt dank der tollen Darsteller meistert Zhang die Gratwanderung und liefert einen bewegenden und ehrlichen Film ab.  

05 Mai 2008

AMERICAN GANGSTER (Ridley Scott, 2007)

Nun versucht sich Ridley Scott also auch am Gangsterfilm und bedient sich dabei derart schamlos bei den Größen des Genres, dass einem die Spucke wegbleibt. Ein bisschen French Connection hier, eine Prise Heat da, und natürlich zeigt man sich auch von Goodfellas, The Godfather und Scarface beeinflusst. 

Was aber alle genannten Filme auszeichnet, fehlt American Gangster: eine mitreißende Geschichte, ein authentischer Einblick in die Welt des Verbrechens und interessante Charaktere, die den Zuschauer emotional binden. Nichts davon findet sich bei Scotts Opus. Es ist weder Fisch noch Fleisch, es fehlt die klare Linie. Obwohl man Frank Lucas und Richie Roberts mehr als 2 ½ Stunden lang begleitet, erfährt man nicht viel Wesentliches über sie. Die detaillierte Charakterzeichnung ist Scotts Ding nicht - seine alte Schwäche, die sich wie ein roter Faden durch sein Werk zieht, von wenigen Ausnahmen abgesehen. 

Das wäre nun nicht weiter schlimm, wenn American Gangster sich als actionorientierter Gangsterfilm verstehen würde. Da könnte man vielleicht über die ein oder andere inhaltliche Schwäche hinwegsehen. Stattdessen legt Scott seinen Film als Charakterstudie an, und da schmerzen die vorgenannten Unzulänglichkeiten doch sehr. Von der Tiefe und Klasse eines Heat ist er jedenfalls meilenweit entfernt. Erschwerend hinzu kommt die unglückliche Wahl Denzel Washingtons für die Rolle des Frank Lucas, die ich ihm einfach nicht abnehme. Davon abgesehen warte ich immer noch darauf, dass Washington mal einen richtig guten Film macht.

Doch nicht alles an American Gangster ist schlecht. Die Bilder sind beeindruckend, es gibt einige durchaus gelungene Szenen und Russell Crowe gefällt in der Rolle des (stellenweise etwas überzeichneten) ehrlichen Polizisten, der dadurch zum Außenseiter wird, dass er den zufälligen Fund von einer Million Dollar ordnungsgemäß abliefert, statt sich ein schönes Leben zu machen. 

In seiner Gesamtheit aber ist Scotts erster Versuch im Bereich des Gangsterfilms weder originell noch emotional packend. Ein oberflächliches, schön anzusehendes Stück Hollywood von der Stange, das keine neuen Impulse geben kann.

28 April 2008

DOCTOR ZHIVAGO (David Lean, 1965)

I hate everything you say, but not enough to kill you for it.

Nach zwei „Männerfilmen" ohne nennenswerte Frauenrollen widmete sich Lean wieder seinem Lieblingsthema - dieses Mal allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Keine Frau zwischen zwei Männern, sondern ein Mann zwischen zwei Frauen. Die Grundlage dafür bildete Boris Pasternaks berühmter Roman, der von Robert Bolt, mit dem Lean schon beim Vorgängerfilm zusammenarbeitete, zu einem kompakten Drehbuch verarbeitet wurde, das Lean anschließend noch um diverse politische Elemente bereinigte. Somit bildete der politische Hintergrund (in diesem Fall die russische Revolution) nur den Rahmen für eine groß angelegte Liebesgeschichte, ein Konzept, das so gut funktionierte, dass Lean es bei den beiden folgenden Filmen wieder anwendete.

Auch wenn Doctor Zhivago nicht ganz die Klasse seiner beiden Vorgänger erreicht, gelang es Lean wieder, eine fesselnde und mitreißende Geschichte zu erzählen, die über die gesamte, sehr stattliche Spieldauer auf hohem Niveau unterhalten kann. Freddie Youngs imposante Bilder, aufwändige Kostüme und Kulissen, für die u. a. zwei komplette Straßenzüge Moskaus in Spanien nachgebaut wurden, eine herausragende internationale Darstellerriege und Maurice Jarres dynamischer Score (sieht man mal von der ständigen Wiederholung des schmalzigen und irgendwie nervigen Lara's Theme ab) ergeben eine großartige Mixtur, die kaum Wünsche offenlässt. Die Rahmenhandlung mit Alec Guinness in der Rolle des Erzählers, der den Zuschauer durch die Handlung führt, wäre entbehrlich gewesen, stört aber auch nicht weiter.

Damit enden meine persönlichen David-Lean-Festspiele. Seine beiden letzten Filme habe ich schon besprochen: Ryan's Daughter und A Passage to India. Es war eine tolle Erfahrung, die Entwicklung eines Regisseurs Stück für Stück in chronologischer Reihenfolge (naja, fast jedenfalls) über die Jahre und Jahrzehnte nachvollziehen zu können, und ich bin froh, dass ich mir dafür gerade den britischen Meisterregisseur ausgesucht habe. Dies war meine erste komplette Werkschau eines Regisseurs und es wird sicher nicht meine letzte bleiben.
  

21 April 2008

LAWRENCE OF ARABIA (David Lean, 1962)

Who are you?

Der König der Monumentalfilme. Ein Film, der eine ganze Generation von Filmemachern beeinflusste und heute noch beeinflusst. Stephen Spielberg erklärt im Bonusmaterial, dass er die Szene, in der Ali (Omar Sharif) am Horizont aus der Fata Morgana auftaucht, für die großartigste Filmszene überhaupt hält. Und tatsächlich sind dies die Bilder, die man als erstes vor seinem geistigen Auge sieht, wenn der Name des Films fällt. Zumindest ist es bei mir so.

Aber Lawrence of Arabia ist viel mehr als eine Ansammlung bildgewaltiger Szenen, wobei die atemberaubenden Wüstenaufnahmen natürlich einen gehörigen Anteil der Faszination des Gesamtkunstwerks ausmachen. Ebenso die stimmungsvollen Klänge Maurice Jarres, die sogar die 4½-minütige Ouvertüre mit schwarzem Bildschirm zu einem Genuss werden lassen. Die Wahl des bei Drehbeginn völlig unbekannten Bühnenschauspielers Peter O'Toole für die Hauptrolle erwies sich als Glücksgriff. Sein Lawrence ist kein strahlender Held, sondern ein von innerer Unruhe getriebener Mann, der zwischen zwei Welten hin- und hergerissen ist und dabei seine Identität verliert. Wie sehr häufig bei Lean ist das grundlegende Thema der Konflikt zwischen Herz und Verstand. Lawrences ganze Sympathie gilt der arabischen Sache, er hat sich die Vereinigung der sich untereinander bekämpfenden arabischen Stämme auf die Fahnen geschrieben, ist als britischer Soldat aber auch den Interessen des Vaterlandes verpflichtet. Diese ignoriert er soweit er kann, indem er sich bedingungslos für die Interessen der Araber einsetzt. Dabei erkennt jedoch zunehmend, dass er nur ein Spielball der großen Politik ist, die im Geheimen schon den Nahen Osten zwischen England und Frankreich aufteilt. So ist seine Mission aus verschiedenen Gründen zum Scheitern verurteilt, nicht zuletzt aufgrund der Uneinigkeit der arabischen Führer untereinander.

Auch im Kleinen zeigt sich Lawrences Konflikt: das Töten eines Menschen erfüllt ihn mit Abscheu – aber auch mit Genuss. Anfangs davon erschreckt, weicht seine zunächst gezeigte Gnade dem besiegten Gegner gegenüber immer mehr einem regelrechten Hass auf die Türken – auch befeuert durch die Prügel in türkischer Gefangenschaft – und mündet schließlich im erbarmungslosen Abschlachten einer türkischen Garnison, die sich bereits ergeben hatte. Ein typisches Bild seiner Zerrissenheit ist auch die immer wieder wechselnde Kleidung, das Hin und Her zwischen schlecht sitzender britischer Uniform und blütenweißen arabischen Gewändern.

Am Ende kehrt er zurück nach England, desillusioniert und desorientiert, ein Mensch auf der Flucht vor sich selbst. Diese Flucht endet mit dem tödlichen Motorradunfall, mit dem der Film begann.

18 April 2008

VIVA ZAPATA! (Elia Kazan, 1952)

Kazans Porträt des mexikanischen Revolutionärs Emiliano Zapata beginnt vielversprechend. Doch je länger der Film dauerte, desto mehr langweilte er mich, was in erster Linie auf die zerfahrene Inszenierung zurückzuführen ist. Kazan breitet keine schlüssige Story vor dem Zuschauer aus, sondern bietet eine lose, stellenweise willkürlich wirkende Aneinanderreihung einzelner Szenen, die einfach kein stimmiges Gesamtbild ergeben wollen. Hinzu kommt, dass Kazan den Helden der mexikanischen Revolution derart idealisiert und romantisiert, dass die Grenze des Erträglichen überschritten wird. Sein Zapata ist ein solcher Gutmensch, dass einem beinahe übel wird. 

Dass der Film nicht völlig abschmiert, sondern unter dem Strich doch ganz passabel ist, ist fast ausschließlich den hervorragenden Darstellern zu verdanken, bei denen vor allem Marlon Brando und Anthony Quinn Gala-Vorstellungen abliefern. Aber das ist man bei den beiden ja gewohnt.  

09 April 2008

TALES OF TERROR (Roger Corman, 1962)

Für Tales Of Terror verwurstete Roger Corman in Zusammenarbeit mit Richard Matheson gleich fünf Kurzgeschichten Egar Allan Poes, aus denen man drei Erzählungen machte, die mit den ursprünglichen Werken bis auf den Titel nicht mehr allzu viel gemeinsam haben. Das Ergebnis ist von unterschiedlicher Qualität.

„Morella“ ist die erste und zugleich schwächste Geschichte. Mit Poes gleichnamiger Erzählung hat sie nur wenig zu tun, stattdessen wurden vorwiegend Motive aus „Ligeia“ verwendet. Weitaus besser gefällt da schon „The Black Cat“, wo man geschickt die beiden thematisch ähnlichen Geschichten „The Black Cat“ und „The Cask Of Amontillado“ zu einer witzigen und originellen Story zusammenfasste und zudem mit Peter Lorre einen starken Gegenpart zu Vincent Price aufbieten konnte. Letzterer spielt natürlich wieder in allen drei Storys mit und sorgt zudem wie schon bei Twice-Told Tales für den Voice-Over zwischen den einzelnen Erzählungen. „The Facts in the Case of M. Valdemar“ wurde inhaltlich auch ziemlich verunstaltet, gefiel mir aber trotzdem gut, was in erster Linie der herrlich fiesen Performance Basil Rathbones zu verdanken ist. 

Der entscheidende Punkt für das Gelingen von Cormans Film ist jedoch, dass es ihm wieder einmal gelungen ist, mit seinen düsteren, unheilschwangeren Bildern die typische Poe-Atmosphäre einzufangen. Da sieht man über inhaltliche Ungereimtheiten und die fehlende Werkstreue gerne hinweg.

 

03 April 2008

TWICE-TOLD TALES (Sidney Salkow, 1963)

In meiner Jugend recht häufig im Fernsehen gesehen, aber im Original-Ton wirken die drei Geschichten gleich nochmal eine ganze Ecke morbider, vor allem Dank Vincent Prices unvergleichlicher Stimme. Wie auch bei allen früheren Sichtungen konnte ich mich lediglich für die beiden ersten Storys erwärmen, die dritte „The House of the seven Gables“ ist erschreckend langweilig und einfallslos. Das machen die ersten beiden aber locker wett, wobei es mir seit jeher „Rappaccini’s Daughter“ am meisten angetan hat. Die Idee ist einfach völlig krank und konsequent umgesetzt - für mich nach wie vor eine der besten Horrorkurzgeschichten überhaupt. 

Insgesamt ein sehr angenehmes Wiedersehen mit einem alten Bekannten.  

30 März 2008

THE BRIDGE ON THE RIVER KWAI (David Lean, 1957)

Madness... Madness...

Für mich persönlich schließt sich hier der Kreis, denn The Bridge on the River Kwai war vor vielen Jahren meine erste Begegnung mit David Lean und der Auslöser für die über die Jahre wachsende Faszination seiner Arbeiten. Aber auch in seinem Schaffen bedeutete der Film eine Zäsur, denn es war das erste seiner großen, epischen Werke und läutete eben jene Serie monumentaler Filme ein, deren Titel einem normalerweise als erstes in den Sinn kommen, wenn der Name David Lean fällt. Es war nach einer Reihe kleiner und mittelgroßer europäischer Produktionen sein erster Hollywood-Film, der sich auch budgetmäßig in ganz anderen Regionen bewegte wie seine vorherigen Arbeiten. Und nicht zuletzt markierte der Film auch einen Quantensprung was die Qualität angeht. Soviel Spaß mir seine frühen Filme auch in den letzten Wochen bereiteten – The Bridge on the River Kwai stellt sie allesamt locker in den Schatten. Es ist sicher nicht übertrieben, wenn man ihn zu den ganz großen Kriegsfilmen der Filmgeschichte zählt.

Das Drehbuch, basierend auf einem Roman den französischen Schriftstellers Pierre Boulle, verbindet gekonnt die beiden Handlungsstränge (der Bau der Brücke und die Einschleusung des Spezialteams, das sie zerstören soll) zu einem großen Ganzen. Dabei kommt Lean fast gänzlich ohne Actionszenen aus, lediglich die Sprengung der Brücke am Ende kann man dazu zählen. Davon abgesehen bezieht der Film seine Spannung aus den Beziehungen der einzelnen Personen untereinander. Dazu bedarf es keiner großen Schlachten oder blutiger Schusswechsel. 

Interessant sind vor allem die tragenden Charaktere, von denen - im Gegensatz zu vielen anderen Kriegsfilmen - keine der typischen Vorstellung eines Kriegshelden entspricht. Auch nicht der von Alec Guinness verkörperte Colonel Nicholson, der mit seinem unermüdlichen Einsatz dafür sorgt, dass seine Männer während der Gefangenschaft nicht seelisch zerbrechen, dafür aber in Kauf nimmt, dem Feind eine Brücke zu bauen, die er selbst gar nicht hinbekommen hätte. Es schmerzt schon fast mit anzusehen, wie er nach vollendeter Arbeit bei Sonnenuntergang mit zufriedenem Blick die Brücke inspiziert, stolz auf sein Werk, das schon am nächsten Tag wieder zerstört werden soll. So ist es nur konsequent, dass ausgerechnet er am Ende fast die Sprengung der Brücke verhindert und für den Tod des Einsatzteams verantwortlich ist. Vollends zur tragischen Figur wird er in dem Moment, in dem er sterbend im Fallen die Sprengung auslöst, wobei Lean offenlässt, ob er dies mit Absicht macht oder einfach nur zufällig auf den Auslöser fällt. Spätestens hier wird klar, dass es keine Gewinner geben kann. 

Am Ende sind alle tot, die Brücke ist zerstört und der Krieg geht weiter.  

28 März 2008

THE INCREDIBLE SHRINKING MAN (Jack Arnold, 1957)

Ein Klassiker aus frühen Kindertagen, bestimmt schon 25 Jahre nicht mehr gesehen. Der Zahn der Zeit hat erkennbar an ihm genagt, und doch kann er – ebenso wie Tarantula – auch heute noch begeistern. Die Effekte können sich immer noch sehen lassen, insbesondere die Szenen mit der Katze und der Spinne verfehlen ihre Wirkung nicht. Auffällig ist, wie beiläufig Arnold das eigentliche Schrumpfen abhandelt, der Sprung vom ausgewachsenen Mann zum einen Meter großen Zwerg nimmt nur wenige Filmminuten in Anspruch. Als teilweise störend empfand ich die ständigen Kommentare aus dem Off, die der Film gar nicht nötig hatte. Wieso fällt mir eigentlich immer Terrence Malick ein, wenn es um überflüssiges Gequassel aus dem Off geht?

Zum Ende hin reduziert sich Careys Existenz auf den nackten Kampf ums Überleben: die Auseinandersetzung Mensch gegen Bestie und die Suche nach Nahrung. Die zivilisierte Welt ist unendlich weit weg, ausgeblendet, sie existiert praktisch nicht mehr. Übrig bleiben der Mann und das Monster, das er schließlich mit einfachsten Waffen besiegt. David gegen Goliath. 

In den letzten Minuten erliegt Arnold vollends dem Terrence-Malick-Syndrom und verliert sich in halbgaren philosophischen Betrachtungen, nachhaltig schaden kann dies dem Film jedoch nicht mehr.

 

14 März 2008

IN WHICH WE SERVE (Noel Coward & David Lean, 1942)

Da mir die fehlende DVD jetzt vorliegt, nutze ich die Gelegenheit, die Lücke in meiner David-Lean-Reihe zu schließen. In which we serve ist eigentlich ein Projekt Noel Cowards. Er produzierte, schrieb das Drehbuch (basierend auf einer wahren Begebenheit), spielte die Hauptrolle und führte Regie. Da er sich mit letzterem überfordert fühlte, engagierte er David Lean, der zu dieser Zeit hauptsächlich als Editor tätig war und ihm helfend unter die Arme greifen sollte, insbesondere was die technischen Dinge angeht. Es zeigte sich aber schnell, dass Lean weit mehr vom Drehen eines Films verstand als Coward und so überließ Coward ihm bald das Feld. Der Film ist also durchaus ein echter Lean und sein durchschlagender Erfolg bei Kritikern und Publikum legte den Grundstein für Leans anschließende außergewöhnliche Karriere.

Angesichts der Bedingungen, unter denen der Film entstand (mitten im 2. Weltkrieg, weite Teile Europas unter der Herrschaft der Deutschen, die Alliierten in der Defensive), und der Tatsache, dass die britische Marine bedingt durch die enge Zusammenarbeit einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Produktion hatte, ist erstaunlich, dass der Film relativ sachlich erzählt wird und weitgehend frei von Pathos ist. Natürlich wird hier und da die britische Marine gepriesen, und es gibt einige feierliche Ansprachen, deren Adressaten offensichtlich eher der britische Kinogänger und junge Rekruten als die jeweiligen Figuren im Film sind, aber insgesamt hält sich dies in erträglichem Rahmen und ist angesichts der realen Bedrohung der britischen Integrität zur Entstehungszeit sicherlich auch nachvollziehbar. In jedem Fall ist In which we serve in hohem Maße authentisch, was neben der Unterstützung durch die Marine auch darauf zurückzuführen ist, dass für die Kampfszenen teilweise echte Kriegsbilder verwendet wurden.

Interessant ist, dass schon einige Darsteller mitwirkten, mit denen Lean später noch öfter zusammenarbeiten sollte, wie beispielsweise John Mills oder Celia Johnson, wobei insbesondere Mills mit einer tadellosen Leistung überzeugt. Richard Attenborough gab hier sein Debut, ist aber nur kurz und in einer wenig schmeichelhaften Rolle zu sehen.  

10 März 2008

THEY DRIVE BY NIGHT (Raoul Walsh, 1940)

They drive by Night erzählt – durchaus sozialkritisch – vom Leben der einfachen LKW-Fahrer Ende der 30er Jahre, die für halsabschneiderische Unternehmer Waren von einem Ort zum anderen transportieren. Es ist ein hartes Brot: ständig von zu Hause weg, Tag und Nacht unterwegs, ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit brummt man im Halbschlaf von einer Stadt zur nächsten und kann froh sein, wenn man für die geleistete Arbeit überhaupt sein Geld bekommt. So auch die beiden Brüder Fabrini, die sich mit der Fahrt abwechseln. Während der eine fährt, schläft der andere. Ihrem Geld laufen sie seit Wochen hinterher, was wiederum dazu führt, dass sie Schulden an den Tankstellen haben und die Raten für ihren LKW nicht zahlen können. Richtig ausschlafen können die beiden nie, und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ständige Übermüdung in einem schweren Unfall resultiert, der dazu führt, dass Paul (Humphrey Bogart in einer eher kleinen Rolle) seinen rechten Arm verliert. Bezeichnend ist die Reaktion seiner Frau, die glücklich darüber ist, dass ihr Mann nun keinen LKW mehr fahren kann und nicht mehr ständig unterwegs ist.

Im weiteren Verlauf entwickelt sich die Story dann in Richtung eines Eifersuchtsdramas inklusive Mord, bevor es dann zum großen Showdown im Gerichtssaal kommt. Was im ersten Moment etwas inkonsistent erscheint, passt letztlich doch erstaunlich gut zusammen und ergibt einen unterhaltsamen Film, der zudem mit George Raft über einen starken und charismatischen Hauptdarsteller verfügt. In der Rolle hätte ich mir auch gut Bogart vorstellen können, der in der zweiten Hälfte des Films doch stark in den Hintergrund tritt. Auch Ida Lupino weiß zu gefallen, die dann später in High Sierra wieder mit Bogart und Regisseur Walsh zusammenarbeitete.

Lobend erwähnt sei an dieser Stelle die gelungene DVD-Umsetzung von Warner, die diesen doch wenig bekannten, fast 70 Jahre alten Film nicht nur in guter Bild- und Tonqualität, sondern sogar mit interessanten Extras bietet.  

09 März 2008

PALE RIDER (Clint Eastwood, 1985)

Ein Standard-Western von Eastwood, der ihn wieder einmal in seiner Paraderolle des geheimnisvollen Fremden zeigt. Meilenweit von der Klasse eines High Plains Drifter oder gar Unforgiven entfernt, unterhält Pale Rider doch sehr ordentlich. 

Viel Außergewöhnliches gibt es hier allerdings nicht zu bestaunen. Ungewöhnlich ist höchstens, dass die Zerstörung der Umwelt durch die rabiaten Goldsuchmethoden LaHoods thematisiert wird. Die Story bietet wenig Neues, ist aber brauchbar und leidlich spannend, die schönen Landschaftsaufnahmen erfreuen das Auge. Der Showdown ist leider etwas enttäuschend. 

Nicht unbedingt eine Glanztat Eastwoods, aber unter dem Strich ein ordentlicher Western.  

05 März 2008

SUMMERTIME (David Lean, 1955)

When in Italy, you should meet Italians!

Der Name ist Programm: Summertime ist wie eine Urlaubsreise in das sommerliche Venedig: locker, leicht und unbeschwert. Gedreht ausschließlich an Originalschauplätzen, fühlt man sich direkt nach der Einfahrt des Zuges zurückversetzt in das Venedig der 50er Jahre. Man erforscht mit Jane Hudson (Katharine Hepburn) die Stadt, sieht sich Sehenswürdigkeiten an und erfreut sich an den warmen, sommerlichen Bildern und schönen Menschen. Für einige Lacher zu Beginn sorgt das ältere amerikanische Ehepaar, das sich auf einer Stresstour durch sämtliche westeuropäische Länder befindet, mit generalstabsmäßig geplantem Tagesprogramm. Schon bevor die beiden den Mund aufmachen, wirken sie wie ein Fremdkörper.

Inhaltlich widmet sich Lean wieder seinem Lieblingsthema und schickt dieses Mal eine amerikanische Sekretärin auf die Suche nach dem persönlichen Glück, das ihr – wie immer bei Lean – natürlich verwehrt bleibt. Immerhin reicht es für ein paar schöne Tage mit dem italienischen Ladenbesitzer Renato, bevor sie sich zur vorzeitigen Heimreise zwingt, die der Erkenntnis geschuldet ist, dass ihr der Abschied immer schwerer fallen würde, je länger sie mit Renato zusammen wäre. Wieder einmal siegt also der Verstand über das Herz.

Die Schlussszene ist großartig, wenn Janes Blick sehnsüchtig über den Bahnsteig gleitet, in der Hoffnung, Renato zu entdecken, obwohl sie ihm untersagt hat, sie zum Bahnhof zu begleiten. Als ihre Blicke sich endlich finden, fährt der Zug bereits los. Renato versucht noch, ihr ein Abschiedsgeschenk zu geben, aber er schafft es nicht, mit der Geschwindigkeit des Zuges mitzuhalten, und ihre ausgestreckten Hände können einander nicht mehr erreichen.  

04 März 2008

HOBSON’S CHOICE (David Lean, 1954)

Leans zweite Komödie ist ein veritabler Rohrkrepierer und in etwa so witzig wie eine zünftige Magenverstimmung. Gelegenheit zum Lachen gibt es während der gesamten Spielzeit nicht, und so dauerte es nicht lange, bis ich von dem albernen Treiben auf dem Bildschirm regelrecht genervt war. 

Schuld daran sind nicht nur die dämliche Story, sondern vor allem auch die ausnahmslos völlig unsympathischen Charaktere, die man schon nach kurzer Zeit allesamt zum Teufel wünscht. Es tut schon fast körperlich weh, wenn man sieht, wie sich gestandene Darsteller wie Charles Laughton oder John Mills zum Affen machen. Slapstick auf unterstem Niveau.

Ein von vorne bis hinten misslungener Streifen, zu dem mir beim besten Willen nichts Positives einfällt. Man mag gar nicht glauben, dass David Lean hier Regie geführt hat. Seine mit Abstand schwächste Arbeit.  

02 März 2008

EL LABERINTO DEL FAUNO (Guillermo del Toro, 2006)

Am Ende ist Ofelia glücklich. Ein Lächeln liegt auf ihren Lippen als sie stirbt. Mit ihrem Tod vollzieht sie den Übertritt in eine andere Welt, eine Welt, in der sie die Prinzessin ist, wiedervereint mit ihren Eltern, die beide vor ihr gestorben sind. Eine Welt ohne Tod, Folter und die Grauen des spanischen Bürgerkrieges. Um diese Welt zu erreichen, werden ihr Prüfungen auferlegt, die sie bestehen muss. Sie wird in Versuchung geführt und erliegt ihr, indem sie die verbotenen Früchte isst, aber sie lernt aus ihrem Fehler und entscheidet beim zweiten Mal richtig, indem sie nicht ihren Bruder opfert, sondern scheinbar sich selbst. Dieses Selbstopfer ist in Wahrheit gar keins, denn es ist von vorneherein klar, dass sie sterben muss, um in die andere Welt (= den Himmel? das Paradies?) zu gelangen und den Frieden zu finden, den sie in ihrem irdischen Leben nicht finden kann. Daher sehnt sie sich nach dem Tod, um im Jenseits mit ihrer Familie wiedervereint zu werden und ihrem Peiniger ein für allemal zu entkommen.

El Laberinto del Fauno ist ein sehr religiöser Film mit zahlreichen Referenzen auf die biblische Geschichte. Die Versuchung durch die verbotenen Früchte habe ich schon erwähnt. Die Rose auf dem Berg, von der Ofelia erzählt, könnte für Gott stehen, der den Menschen, die sich ihm öffnen, die Unsterblichkeit verheißt, die Felsen und giftigen Dornen für den schwierigen Weg, der zu ihm führt oder auch die Hürden, die das Leben für den Einzelnen bereithält. Die Aussage zu Beginn des Films, dass die Prinzessin die alte Welt verlassen hat, ist ganz einfach die Umschreibung ihrer Geburt. Sie verlässt das Paradies (oder wie auch immer man diesen Ort bezeichnen mag), um eine gewisse Zeit in einer sterblichen, menschlichen Hülle auf der Erde zu verbringen mit dem Ziel, irgendwann wieder in den Urzustand zurückzukehren. Ihr Vater, der schon lange vor ihr gestorben ist, erwartet sie dort bereits, und auch ihre Mutter ist nun dort. Und natürlich ist sie dort eine Prinzessin, denn welche Tochter ist für ihre Eltern keine "Prinzessin" oder umgekehrt: für welches Kind sind seine Eltern (zumindest bis zu einem gewissen Alter) nicht die tollsten Menschen der Welt, sozusagen "König" und "Königin"?

Das vielleicht Bemerkenswerteste an del Toros Film ist seine innere Geschlossenheit. Die beiden völlig verschiedenen Welten – hier die grausame Realität des ausklingenden Bürgerkrieges, dort die nicht minder grausame, aber dennoch märchenhaft schöne Phantasiewelt – passen perfekt zueinander und die jeweiligen Übergänge sind derart nahtlos, dass man sie als völlig selbstverständlich hinnimmt. Das Drehbuch ist nicht nur höchst originell, sondern auch noch schlüssig und konsequent bis ins letzte Detail. Hinzu kommt, dass mich der Film seit der Sichtung vor etwa 10 Stunden überhaupt nicht mehr losläßt. Seither kreisen meine Gedanken ständig um del Toros Werk, so dass ich meine ursprüngliche Absicht, heute Abend einen weiteren Film zu schauen, aufgeben musste, weil ich mich schlichtweg nicht darauf konzentrieren könnte. Ein in jeder Hinsicht herausragendes Werk, das mit seiner stellenweise unnötigen Brutalität und der völlig überzogenen „Selbstvernähung" der Wunde durch den Hauptmann lediglich ein paar klitzekleine Wermutstropfen bereithält.