Freitag, 29. April 2011

THE HUDSUCKER PROXY (Ethan & Joel Coen, 1994)

Would an imbecile come up with this?

Schrille, völlig überdrehte Komödie der Coens, die mich stilistisch stark an die Filme von Tim Burton erinnerte. Ganz ehrlich: wenn ich den Film ohne jede Vorkenntnis gesehen und den Regisseur hätte tippen müssen, wäre mein Tipp Burton gewesen. Stellenweise fühlte ich mich auch an Gilliams Brazil erinnert, insbesondere die Szenen zu Beginn in der Poststelle. Der von Tim Robbins verkörperte Norville Barnes ist ein derart unsympathischer Zeitgenosse, dass eine Identifikation mit ihm nahezu unmöglich ist. Zudem macht es einem die schrille Art der Inszenierung schwer, auch nur einen einzigen der Charaktere ernst zu nehmen. 

Letztlich hatte ich dann aber aufgrund der zahlreichen witzigen und originellen Einfälle erstaunlich viel Spaß mit dem Film, und ich bin sicher, dass er mit einer zweiten Sichtung wachsen wird.

Montag, 25. April 2011

THE GHOST WRITER (Roman Polanski, 2010)

If we meet any terrorists, I'll text you.

Außen hui, innen pfui - so lautet mein Fazit zu Polanskis neuestem Film. Soll heißen: formal ein wirklich schöner Film, optisch reizvoll, schöne Settings und ein sich stetig steigernder Spannungsbogen. Die Story hingegen ist an Peinlichkeit schwer zu überbieten und strotzt nur so von Ungereimtheiten, Logiklöchern und Absurditäten. Vor allem aber ist die ach so große Verschwörung ein gigantisches Nichts, ein Haufen heißer Luft. 

Alleine schon der Vorwurf, wegen dem der Internationale Strafgerichtshof ein Ermittlungsverfahren gegen Lang einleitet, ist ein schlechter Witz. Ich fragte mich während der Sichtung mehrfach, ob Polanski das alles ernst meint, oder ob The Ghost Writer in Wahrheit eine Agentenkomödie sein soll. Lustig fand ich vor allem die Aussage des Autors und Drehbuchschreibers im Bonusmaterial, dass er und Polanski genau darauf geachtet hätten, dass alles realistisch sei und die Geschichte auch genauso passieren könnte. Na denn...   

ISLANDS IN THE STREAM (Franklin J. Schaffner, 1977)

I know now there's no "one thing" that is true. It is all true.

In sich stimmige Hemingway-Verfilmung, die vor allem mit den tollen Landschaftsaufnahmen zu begeistern weiß. George C. Scott ist die Idealbesetzung für den zurückgezogen lebenden Sonderling Thomas Hudson, der starke Ähnlichkeiten mit Hemingways eigener Persönlichkeit aufweist. 

Überhaupt muss man Schaffner zugute halten, dass sein Film in jeder Szene den Geist des Autors atmet. Dies zeigt sich nicht zuletzt in dem ausgedehnten Kampf mit dem Schwertfisch, den Hudsons Sohn auf sich nimmt, um sich den Respekt seinens Vaters zu erarbeiten. Und am Ende stirbt Hudson einen wahren Heldentod - zumindest darin unterscheidet er sich vom echten Hemingway. Schöner Film.  

Sonntag, 24. April 2011

KEY LARGO (John Huston, 1948)

When your head says one thing and your whole life says another, your head always loses.

Kammerspielartiger, auf einem Theaterstück basierender Gangsterfilm, der weitgehend auf einen Handlungsort, nämlich die Hotel-Lobby, beschränkt ist. 

Der Anfang ist noch recht beschaulich, doch mit zunehmender Spieldauer spitzt sich das Geschehen immer mehr zu. Dabei verlässt Huston sich ganz auf seine Darsteller und die griffigen Dialoge. Dominiert wird der Film natürlich von dem Duo Bogart/Robinson, aber auch Lionel Barrymore hat mir ausgesprochen gut gefallen. Lauren Bacall beschränkt sich weitgehend darauf, Bogart hin und wieder einen schmachtenden Blick zuzuwerfen. 

Gegen Ende nimmt der Film dann nochmal richtig Fahrt auf. Das tolle Finale auf dem Boot entschädigt für die ein oder andere Länge während der vorangegangenen 90 Minuten.

Samstag, 23. April 2011

HELL IS FOR HEROES (Don Siegel, 1962)

He still can't hit anything, but he loads like a genius.

Eine Gruppe von sechs Soldaten, die sich innerlich schon auf die Heimreise gefreut hatte, wird zurück an die Front verlegt. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wird die dort stationierte Kompanie abgezogen, und die kleine Gruppe sieht sich am nächsten Tag alleine einer deutschen Übermacht gegenüber. Es gilt nun, die Stellung zu halten, bis die Kompanie zurückkehrt.

Während die Tricks der Soldaten, den Deutschen eine größere Truppenstärke vorzugaukeln, anfangs durchaus amüsant sind, bleibt einem spätestens nach dem ersten Angriff das Lachen im Halse stecken. Dabei könnte der von Steve McQueen verkörperte Reese ein Vorläufer von John Rambo sein. Wie dieser ist er vom Krieg derart traumatisiert, dass er nur noch als Kampfmaschine funktioniert, im zivilen Leben aber nicht mehr lebensfähig ist. Alleine sein erleichterter Gesichtsausdruck, als er erfährt, dass er nicht nach Hause sondern zurück an die Front geschickt wird, spricht Bände. 

Siegels Film zeigt auf drastische Weise, wie Menschen sinnlos verheizt werden. Da ist wenig Platz für Helden, schon der Titel Hell is for Heroes zeigt die Marschrichtung auf. Am Ende bleibt nur Leere.

Donnerstag, 21. April 2011

GUNFIGHT AT THE O.K. CORRAL (John Sturges, 1957)

If I'm going to die, at least let me die with the only friend I've ever had.

Auch wieder so ein Film, den ich als Kind mehrfach gesehen und geliebt habe und dessen letzte Sichtung bestimmt 18 Jahre zurückliegt. Umso erfreulicher das Wiedersehen, bei dem sich zeigte, dass der Film nicht viel von seiner früheren Faszination verloren hat. 

Für einen Western bietet er relativ wenig Action, die Handlung wird überwiegend durch Dialoge vorangetrieben, bis es dann am Ende die berühmte Schießerei gibt, die dem Film dan Namen gab. Die Rolle des versoffenen Revolverhelden Doc Holliday ist natürlich eine Paraderolle für Kirk Douglas. Dagegen verblasst Burt Lancaster als Wyatt Earp regelrecht. Und so sind dann auch alle Szenen mit Douglas die besten des Films. 

Nicht unerwähnt bleiben soll der großartige Titelsong, der zwar sehr pathetisch und erhaben daherkommt, nichtsdestotrotz hervorragend zum Geschehen passt. Bis zum nächsten Wiedersehen werden sicherlich nicht wieder 18 Jahre ins Land ziehen.

  

Samstag, 9. April 2011

INCEPTION (Christopher Nolan, 2010)

You don't know you're dreaming!

Ich lasse ja keine Gelegenheit aus zu betonen, dass ich Christopher Nolan für einen der, wenn nicht den talentiertesten Regisseur der Gegenwart halte, und auch wenn ich mit dieser Meinung ziemlich alleine dastehe, ist mir das völlig wurscht. Zumal er nicht das erste verkannte Genie der Geschichte wäre. Allerdings will ich nicht leugnen, dass in mir nach dem für seine Standards etwas dürftigen The Dark Knight die Befürchtung aufkam, Nolan hätte das Filmemachen verlernt. Glücklicherweise fegt er mit Inception alle Bedenken beiseite und zeigt, dass er die Gratwanderung zwischen originellem Kopf- und massentauglichem Mainstream-Kino nach wie vor beherrscht.

Inception ist Memento von der Konzeption her sehr ähnlich; beide Filme erzählen im Grunde genommen eine sehr einfache Geschichte: Ersterer erzählt von einem Mann, der in einem Traum (oder vermutlich Koma) gefangen ist, nicht aufwachen kann und sich eine komplexe Traumwelt zurechtspinnt, um seinen Zustand zu verarbeiten. Memento erzählt von einem Mann ohne Kurzzeitgedächtnis, der versehentlich seine diabeteskranke Frau durch eine Überdosis Insulin getötet hat, sich damit nicht abfinden will und sich einredet, sie sei bei einem Einbruch ermordet worden, was ihm Gelegenheit gibt, den nicht vorhandenen Mörder zu jagen. Punkt. Um mehr geht es nicht. Alles andere ist Teil eines großen Verwirrspiels, das den Zuschauer in die Irre und an der Nase herumführen soll. Das Besondere bei beiden Filmen ist, dass Nolan sie nach den ihnen eigenen Regeln inszeniert: während er bei Memento den Zuschauer durch die Erzählweise die Nichtfunktion des Kurzzeitgedächtnisses des Protagonisten selbst erleben lässt, "pflanzt" er ihm bei Inception die Idee ein, dass der dargestellte Traum real ist. Er macht mit dem Zuschauer also das, was Cobb angeblich mit Fischer macht.

Um hier mal beim in Rede stehenden Inception zu bleiben: die ganze James-Bond-mäßige Geschichte um Industriespionage etc. ist alles Blendwerk, das Cobb sich in seinem (komatösen) Traumzustand ausdenkt. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass selbst die Sache mit dem Einstieg in Träume - Deception und Inception - Cobbs Phantasie entspringt und er in Wahrheit einfach in irgendeinem Krankenhaus im Koma liegt. Einmal sagt Mal zu Cobb: No creeping doubts? Not feeling persecuted? Chased around the globe by anonymous corporations and police forces the way the projections persecute the dreamer?

Nolan beherrscht dieses Verwirrspiel derart perfekt, dass man schon genau aufpassen muss, um es frühzeitig zu durchschauen. Bei Memento brauchte ich dafür fast die gesamte Spielzeit, bei Inception dauerte es immerhin rund 75 Minuten, nämlich bis zu der Szene, in der Cobb Ariadne vom "Tod" seiner Frau erzählt. Und trotzdem ist es ihm fast gelungen, mich doch noch auf die falsche Fährte zu führen in dem Moment, in dem Cobb behauptet, Mal die Idee eingepflanzt zu haben, dass ihre Welt nicht real ist und damit Schuld an ihrem Tod zu haben. Umso genialer ist es, wie Nolan das Rätsel dann mit einem einzigen Bild am Ende auflöst: das des sich endlos drehenden Totems.

Beinahe überflüssig zu erwähnen, dass Inception perfekt inszeniert ist. Alleine wie mühelos es Nolan schafft, zwischen den verschiedenen Traumebenen hin- und herzuspringen, ohne den Zuschauer zu irritieren. Der düstere Score von Hans Zimmer passt hervorragend. Darstellerisch gefiel mir vor allem die wunderbare Marion Cottilard, aber auch Leonardo DiCaprio macht seine Sache sehr ordentlich. 

Mittwoch, 6. April 2011

BREEZY (Clint Eastwood, 1973)

I like being alone. 

Eastwoods erster Versuch auf romantischen Terrain erzählt die Geschichte der jungen Herumtreiberin "Breezy", die sich in den alten Immobilienhändler Frank Harmon verliebt, der in Bezug auf den Altersunterschied ihr Großvater sein könnte. 

Herausgekommen ist eine lockeres, harmloses Filmchen, das im Œuvre Eastwoods nicht weiter von Bedeutung ist. Es zeigt allerdings, welch vielseitiger Filmemacher er schon damals war, denn von den beiden Vorgängerfilmen, dem Suspense-Thriller Play Misty for me und dem harten Western High Plains Drifter unterscheidet sich Breezy doch erheblich. Übrigens taucht Zweitgenannter als Selbstreferenz kurz in Form eines Kinoplakats auf, als Breezy und Frank ein Kino besuchen. 

Der Plot ist frei von Überraschungen und weitgehend vorhersehbar und auch wenn es ein (etwas bemühtes) Happy End gibt, ahnt man doch, dass die Liebe der Beiden nicht von langer Dauer sein wird. Insgesamt ganz nett anzuschauen. 

Montag, 4. April 2011

YAO A YAO YAO DAO WAIPO QIAO/Shanghai Triad (Zhang Yimou, 1995)

Der Bauernjunge Shuisheng wird von seinem Onkel nach Shanghai gebracht, um dort der Gespielin eines Triadenbosses zu dienen. Bald kommt es zu einer blutigen Auseinandersetzung zwischen dessen Organisation und einem gegnerischen Clan, in deren Folge der Boss mit seinen engsten Untergebenen auf eine nahegelegene Insel flüchten muss.

Zhangs im Shanghai der 20er Jahre angesiedelter Gangsterfilm steht im weitesten Sinne in der Tradition des klassischen Mafiafilms amerikanischer Prägung. Allerdings fehlen die typischen Zutaten wie ausgedehnte Schusswechsel und dramatische Zuspitzungen fast völlig. Zhang erzählt seine Geschichte in sehr ruhigen, kontemplativen Bildern und richtet den Fokus auf die handelnden Charaktere. So ist ein erstaunlich unblutiger Mafiafilm entstanden, der zudem mit der Zhang-typischen opulenten Ausstattung punkten kann. 

Gong Li ist schlichtweg bezaubernd in der Rolle des Bar-Mädchens Xiao, das sich von dem Triadenboss aushalten lässt, hinter dessen Rücken aber eine Affäre mit seinem engsten Vertrauten hat. Lernt man sie zunächst als gefühllos berechnende Diva kennen, wandelt sich ihr Charakter im Laufe des Films in ein beinahe warmherziges und fürsorgliches Wesen, ausgelöst durch die Begegnung mit der Frau, die mir ihrer Tochter auf der Insel lebt. Im Gegensatz dazu wird der Triadenboss dem Zuschauer anfangs als nahezu sympathisches Opfer einer Verschwörung präsentiert, und es dauert fast bis zum Schluss, bis er seinen wahren Charakter offenbart und sich als eiskalter, gnadenloser Killer entpuppt.