02 Oktober 2026

AI NU (Chor Yuen, 1972)

Eine Produktion der Shaw Brothers, über die sich nur wenig Positives sagen lässt. Da wären zum einen die sehr schönen, teilweise verschneiten Sets sowie die aufwendig gestalteten Kostüme, die für einige optische Reize sorgen, ebenso wie Betty Pei Ti als Puffmutter. 

Die Rachestory an sich ist eher wirr und die Art und Weise, wie sich die titelgebende Ai Nu durch die Stammgäste des Bordells morden kann, ohne dabei nennenswert behelligt zu werden, wirkt wenig glaubwürdig. Die Kämpfe sind zudem schwach choreografiert und oftmals eher unfreiwillig komisch als spannend oder gar mitreißend. Überhaupt besitzen viele Szenen aufgrund ihrer billigen Umsetzung einen eher unfreiwillig humorvollen Charakter. Auch die Effekte können nicht überzeugen. Das viel zu grelle Kunstblut erscheint meist völlig unvermittelt an den entsprechenden Körperstellen und sieht eher wie Tomatensauce aus. Hinzu kommen die häufig unpassende musikalische Untermalung sowie das permanente, auf Dauer ziemlich nervige Klirren der Schwerter.  Immerhin ist der Twist am Ende gelungen.

Auch wenn ich dem Wuxia-Film grundsätzlich zugetan bin, konnte mich Ai Nu überhaupt nicht begeistern. Man kann das sicherlich als Kult abfeiern - oder einfach langweilig finden.

01 Oktober 2026

GOODFELLAS (Martin Scorsese, 1990)

Never rat on your friends and always keep your mouth shut.

Scorseses Porträt des Gangsters Henry Hill zählt neben Coppolas The Godfather zweifellos zu den großen Klassikern des Mafiafilms und setzte Maßstäbe für das Genre. Basierend auf den Erfahrungen des realen Mobsters Henry Hill zeichnet der Film ein außergewöhnlich realistisches Bild des organisierten Verbrechens und verzichtet weitgehend auf die romantisierende Verklärung, die viele Genrevertreter kennzeichnet. 

Einen wesentlichen Anteil an der Wirkung des Films haben die dynamische Inszenierung Scorseses, der hervorragend ausgewählte Einsatz zeitgenössischer Musik, die virtuose Kameraarbeit von Michael Ballhaus sowie die präzise Bildmontage. Höchst beeindruckend ist insbesondere die berühmte lange Sequenz ohne erkennbaren Schnitt, in der Henry und Karen durch den Hintereingang die Copacabana-Bar betreten und durch die Küche zu ihrem Tisch geleitet werden.

Auch darstellerisch bewegt sich Goodfellas auf höchstem Niveau. Der damals noch vergleichsweise unbekannte Ray Liotta überzeugt als Henry Hill, während vor allem Joe Pesci mit seiner unberechenbaren und angsteinflößenden Darstellung des Tommy DeVito in Erinnerung bleibt. Nicht ohne Grund wurde er für seine Leistung mit dem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet.

Das über die gesamte Laufzeit eingesetzte Voice-over verleiht Goodfellas einen beinahe dokumentarischen Charakter und lässt die Erzählung noch authentischer wirken. Erscheint das Gangsterleben in der ersten Hälfte noch verlockend und glamourös, treten die Schattenseiten im weiteren Verlauf immer stärker zutage. Freundschaft und Loyalität weichen Misstrauen, Gier und Paranoia. Die Gewalt eskaliert zunehmend, ehemalige Weggefährten werden zu Feinden und die vermeintlich glanzvolle Welt des organisierten Verbrechens offenbart ihren zerstörerischen Kern. Nach seiner Verhaftung sieht Hill schließlich in der Kooperation mit den Behörden den einzigen Ausweg, da er sich weder innerhalb noch außerhalb des Gefängnisses seines Lebens sicher sein kann.

Mit seiner rasanten Inszenierung, den großartigen Darstellern und seinem ungeschönten Blick auf die Mafia zählt Goodfellas auch mehr als drei Jahrzehnte nach seiner Entstehung zu den besten Gangsterfilmen überhaupt.