Everyone's blessed with one special thing.
Gleich zu Beginn gibt Anderson den Rhythmus vor: die lange Kamerafahrt von der Straße hinein in die Disco führt uns an den wichtigsten Figuren vorbei und bringt sie dem Zuschauer näher. Nicht über Dialoge, sondern über Blicke, Bewegungen, kleine Gesten, Wortfetzen. Eine ähnliche Szene gibt es später nochmal bei der Poolparty. Bemerkenswert ist Andersons großes Interesse für diese Figuren, von denen keine auf ein oberflächlich gezeichnetes Abziehbild reduziert wird. Vielmehr werden sie als liebenswerte Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen, ihren Problemen und Ängsten gezeichnet.
Ein wiederkehrendes Motiv in Andersons Filmen ist das Vater-Sohn-Verhältnis. Nachdem Eddie sich mit seiner Mutter überworfen hat - sein Vater nimmt das Zerwürfnis passiv hin und greift nicht ein - findet er in dem Pornoproduzenten Jack Horner (grandios: Burt Reynolds) eine Art Ersatzvater, der ihn unter seine Fittiche nimmt und ihn zu seinem Hauptdarsteller macht. Reynolds verleiht Jack eine Mischung aus Autorität, Fürsorge und leiser Melancholie, die den Film entscheidend mitprägt. Ohne Zweifel eine der besten Leistungen seiner Karriere. Auch das übrige Ensemble kann mit guten Leistungen überzeugen. Dass mit Nina Hartley und Ron Jeremy zwei reale Größen der damaligen Szene in Nebenrollen auftauchen, verstärkt den Eindruck, in eine Zeit einzutauchen, die Anderson mit viel Gespür rekonstruiert hat. Das Flair der späten Siebziger ist überall spürbar: in der Ausstattung, im Licht, im Rhythmus und nicht zuletzt im großartigen Score, der erheblich zur wunderbar melancholischen Atmosphäre beiträgt.
Boogie Nights ist weniger ein Film über die Pornobranche als solche als vielmehr ein klassischer Ensemble-Film, der - wie auch der nachfolgende Magnolia - über eine ganze Armada an interessanten Figuren verfügt. Ein präzise beobachtetes, warmherziges und leichtfüßiges Zeitporträt, das wunderbar unterhält und die Zeit wie im Flug vergehen lässt.
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