Freitag, 9. Januar 2026

FRANKENSTEIN (Guillermo del Toro, 2025)

What manner of creature is that?

An Verfilmungen des berühmten Romans von Mary Shelley mangelt es wahrlich nicht. Daher stellt sich die Frage, was del Toro daran reizte, seine eigene Version auf die Leinwand zu bringen. Kurz gesagt räumt er den Gefühlen der Kreatur deutlich mehr Raum ein als das in den bisherigen Umsetzungen der Fall war, auch wenn Branaghs Version von 1994 sich bereits bemühte, ein differenziertes Bild der Kreatur zu zeichnen. Allerdings ging er nicht so weit wie jetzt der mexikanische Regisseur, der die Story aus zwei Perspektiven erzählt. Dies wird schon zu Beginn direkt nach dem Prolog deutlich, wenn die Einblendung "Victor's Tale" den Schluss nahelegt, dass nach der Geschichte aus Frankensteins Sicht auch die Sichtweise der Kreatur dargelegt wird. 
 
Diesen Ansatz fand ich durchaus originell. Die Umsetzung lässt leider zu wünschen übrig. Das fängt schon bei der unglücklichen Wahl der Darsteller an und setzt sich bei den schwachen CGI fort. Beispielhaft sei hier der Kampf mit den Wölfen genannt, der den Eindruck vermittelt, man sei in Sachen Technik auf den Stand der 90er Jahre zurück katapultiert worden. Oscar Isaac kann in der Titelrolle nur in Ansätzen überzeugen. Meist wirkt er wie eine billige Kenneth-Branagh-Kopie. Der Australier Jacob Elordi macht seine Sache als Kreatur recht ordentlich, dafür verfügt Mia Goth in der Rolle der Elizabeth über keinerlei Ausstrahlung. Zu allem Überfluss taucht irgendwann auch noch Christoph Waltz auf, der in meinen Augen einer der nervigsten und meist überschätzten Schauspieler der Gegenwart ist. Er spielt immer nur sich selbst, unabhängig davon, was die Rolle verlangt. So auch hier. Zum Glück segnet sein Charakter hier recht zügig das Zeitliche. 

Unter dem Strich ist Guillermo del Toros Frankenstein eine entbehrliche Neuverfilmung, die zwar über einen originellen Ansatz verfügt, letztlich aber zu viele handwerkliche Schwächen aufweist und zudem mit einer Spielzeit von 150 Minuten viel zu lang geraten ist.

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