Donnerstag, 23. April 2026

MARTY SUPREME (Josh Safdie, 2025)

I have a purpose. You don't.

Josh Safdie Solo-Debüt, nachdem er zuvor gemeinsam mit seinem Bruder mehrere Filme gedreht hatte, von denen ich allerdings keinen kenne, entpuppt sich als ebenso bissige wie unterhaltsame Satire, die die Zuschauererwartungen gnadenlos unterläuft. Marty Supreme beginnt wie eine der üblichen Charakterstudien im Deckmantel eines Sportfilms, doch schon nach wenigen Minuten wird klar, dass Safdie keinerlei Interesse am Erzählen einer geradlinigen Story hat. Die Handlung schlägt permanent  Haken, bricht Erwartungen auf, unterläuft jede vermeintliche Vorhersehbarkeit und verwandelt den Film in eine wilde Achterbahnfahrt, deren Reiz genau darin liegt, dass man nie weiß, wohin sie als nächstes führt.

Getragen wird das Ganze von einem starken Timothée Chalamet, der mich schon bei Bones and all beeindrucken konnte. Er mimt den unsympathischen Großkotz mit einer derart überzeugenden Mischung aus Arroganz, Charisma und latenter Verzweiflung, dass man sich dabei ertappt, ihm selbst dann die Daumen zu drücken, wenn er wieder einmal rücksichtslos über andere hinwegmarschiert und sein Umfeld als Steigbügelhalter begreift. Diese Ambivalenz ist eine der größten Stärken des Films: Man will Marty nicht mögen, fiebert aber doch mit ihm mit und wünscht ihm, dass er sein Ziel erreicht.

Zwischen all dem Chaos streut Safdie immer wieder komische Momente ein, die zum Teil an den Humor der Coen-Brüder erinnern. Die absurden Situationen, in die Marty sich manövriert, wirken wie aus einem Fiebertraum, aber sie fügen sich erstaunlich organisch in den Gesamtton des Films ein. Das Ergebnis ist ein Werk, das gleichermaßen nervenaufreibend, witzig und überraschend ist und die doch recht stattliche Spieldauer von 150 Minuten wie im Flug vergehen lässt.

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